Titel: Ueber Wetter-Ableiter, und ihren wohlthätigen Einfluß auf den Akerbau
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. LXVI./Miszelle 5 (S. 372–373)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010066_5

Ueber Wetter-Ableiter, und ihren wohlthätigen Einfluß auf den Akerbau

las Herr Le Normand im November 1822 eine Abhandlung in der Sizung der königl. Akademie der Wissenschaften zu Paris, welche im Mercure technologique, Januar 1823. S. 72 abgedrukt ist. Die schnell abwechselnden Minister des Innern in Frankreich erhalten nach der Reihe Auftrage, die Kirchen und Kirchenthürme dieses Landes mit Wetter-Ableitern zu versehen, und entladen sich dieser ihrer Aufträge bei allen Akademien und physikalischen Gesellschaften Frankreichs. Herr Le Normand nimmt in seiner Abhandlung nicht bloß auf die Kirchthürme, sondern auch auf die Hütten des armen Landmannes Rüksicht, und findet die Ursache, warum die Wetter-Ableiter in Frankreich so wenig und so selten benüzt werden, (was in der That jedem Fremden auffällt, der aus irgend einem protestantischen Lande zu dieses allerchristlichste Land kommt) vorzüglich in der fehlerhaften Methode der Anlage der französischen Wetter-Ableiter. In Frankreich kommt ein Wetter-Ableiter auf irgend einem etwas größeren Gebäude auf beiläufig 300 Franken, während er in England, wo doch alles dreimal theurer ist als in Frankreich, kaum auf 50 Franken zu stehen kommt (vergl. S. 79). Es scheint, das sicherste Mittel zur höchst nöthigen Verbreitung der Wetter-Ableiter wäre dieses, wenn die Feuer-Assecuranz-Anstalten kein Haus garantirten, das nicht mit einem Wetter-Ableiter versehen ist.

Herr Le Normand erwartet von den Wetter-Ableitern eben so großen Nuzen für die Felder durch Ableitung des Hagels, als sie für die Gebäude durch Ableitung des Blizes gewähren, und glaubt der Erste gewesen zu seyn, der |373| im Jahre 1802 (im Annuaire statistique du Dptt. du Tarn pour l'an XI). Die Wetter-Ableiter als Hagel-Ableiter empfahl (paratonnerres comme paxagreles). Wenn es uns leid thut, dem Herrn Le Normand diese Ehre anstreiten zu müssen, so freut es uns, dem Namen eines Mannes Gerechtigkeit wiederfahren lässen zu können, der 50 Jahre lang die Gerechtigkeit mit seltener Gewissenhaftigkeit an den höheren und höchsten Tribunalen in Oesterreich verwaltete. Der sel. Hofrath der k. k. obersten Justiz-Stelle, Jos. von Froidvaux, schlug im Jahr 1801 in einer kleinen Schrift173) vor, den Hagel durch Wetter-Ableiter von Weinbergen und Feldern abzuleiten. Man achtete nicht bloß dieses Vorschlages nicht, sondern man lachte über die Ideen dieses ehrwürdigen Greises, den man freilich damals in Oestreich nicht verstehen konnte, weil er seinem Zeitalter um 50 Jahre voraus war. Wir wissen nicht, ob man später Froidvaux's Vorschläge in Oestreich beachtete, und begnügen uns, aus Herrn Le Normand's Abhandlung bloß zwei Thatsachen anzuführen, daß nämlich, nach den Beobachtungen des Herrn de Rochegude zu Alby, Dptt. du Tarn, die Hagelwetter an diesem Orte seit der Zeit, als man Wetter-Ableiter daselbst errichtete, sehr selten geworden sind; und daß, nach den an der Schule zu Sorèze angestellten Beobachtungen, (an einem Orte, wo ehevor der Hagel jährliche Plage war), seit Errichtung der Wetter-Ableiter daselbst, der Hagel sich zu dem früheren Hagelschaden wie 1 zu 5 verhielt.

Herr Tollard, Professor der Physik zu Tarbes (Hautes-Pyrénées) schlägt zu solchen Wetter- oder Hagel-Ableitern eine hölzerne Stange von 30 Fuß Höhe mit einer Metallspize von Messing vor, die, bis zu dieser hinauf, mit Weizenstroh umflochten ist, in dessen Mitte eine dünne Flaschsschnur (Hanf entladet nach ihm nicht, wie der Flachs, die Leydener Flasche ohne Erschütterung, und taugt hiezu nicht) hinläuft, die aus 10–12 Faden Garn besteht. Diese Hagel-Ableiter stellt er ungefähr 850 Fuß (200 Metres) weit von einander entfernt.

Es fragt sich aber am Ende doch noch immer, ob es rathsam ist, der Atmosphäre ihre Elektricität so habsüchtig zu entziehen, und ob wir nicht am Ende (außer in den Gegenden, wo Hagelschlag zur Landplage gehört) das Capital der Interessen, welche der Hagel verwüstet, an Mißwachs und Krankheit, und so vielleicht gar mit der Haut bezahlen? Diese Gewissensfrage hat Herr Le Normand nicht berührt.

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Einladung zu einem Versuche die Elektricität von den Wolken abzuleiten. 8. Wien 1801. 20 S. im Ghelen'schen Zeitungs-Comptoir. Der sel. Hofrath von Froidvaux, der aus dem ehemaligen Porentru zu van Swieten's (des Arztes) Zeiten nach Wien kam, war, man darf es wohl laut sagen, der Erste, der, in Oestreich, in den wenigen Nebenstunden, die ihm seine gehäuften Geschäfte übrig ließen, den Weinbau aus Grundsäze zurükführte, und den Seidenbau mit Erfolg trieb. In seinem Garten in der Rossau zogen seine Töchter jährlich zu ihrer Unterhaltung, für beiläufig 600 fl. Seide, und sein Wein, der fast aller nach Polen ging, war der beßte in ganz Oestreich. Sein Sohn, Jos. von Froidvaux, Med. Dr., der den hellen und rechtlichen Geist seines würdigen Vaters erbte, würde vielleicht einer der ersten Agronomen Deutschlands geworden seyn, wenn nicht ein frühzeitiger Tod ihn in der Blüthe seiner Jahre dem Dienste der Menschheit entrissen hätte.

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