Titel: Ueber die wohlfeilste Heizung der Treibhäuser
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. LXVI./Miszelle 10 (S. 374–375)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010066_9
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Ueber die wohlfeilste Heizung der Treibhäuser

hat Herr Th. Andr. Knight, Esq., Präsident der horticultural Society of London, in den Transactions dieser Gesellschaft, eine kleine Abhandlung mitgetheilt, welche sich auch im December-Stüke des Repertory of Arts, Manufactures and Agriculture S. 34 befindet, und aus welcher Folgendes das Wesentlichste ist:

Er läßt Steinkohlen-Staub oder Abfälle derselben, die nicht zusammensintern, wenn sie erhizt werden, sehr naß mit einem Drittel Thon oder Schlamm (dem Umfange nach) mengen, Und diese Mischung, nachdem sie aus einem flachen Steine fest und gehörig dik geschlagen wurde, in vierekige Stüke von halber Ziegel Größe schneiden. Ein Rost von gewöhnlichem Baue, aber von größerem Umfange (ungefähr 2 Fuß im Gevierte) wird in dem Ofen vorgerichtet, indem eine größere Masse dieses langsam verbrennenden Brennmateriales nöthig ist, und da die nasse Kohle schlechter brennt, ist ein etwas stärkeres vorläufiges Feuer von Holz nöthig, in welches die künstlichen Steinkohlen-Ziegel auf einer gewöhnlichen Ofen-Schaufel eingelegt werden. Sir Knight verbrauchte in den kältesten Tagen während 24 Stunden nicht mehr als 70–80 Pfund Kohlenstaub, (à 10 Schilling die Tonne oder 20 Ztr.) der ihm auf 7 Pence (25 1/2 Pfennig Sächsisch) zu stehen kommt. Der gebrannte Schlamm dient als Dünger, und bezahlt sich reichlich. Das Feuer ward bei ihm an den kältesten Tagen vor 5 Uhr Abends angeschürt, ohne daß man vor 7 Uhr am nächsten Morgen bei demselben nachzusehen nöthig hatte: das Haus war 40 Fuß lang, und 12 breit, und hatte nur einen Herd. Nur in sehr stürmischen Nächten wurden einige Bündel Holz oder Erbsen-Stängel nachgelegt.

Sir Knight glaubt, daß der Thon oder Schlamm nicht, wie es bei'm ersten Anblike scheinen möchte, bloß dadurch nüzt, daß er die Verbrennung langsamer macht, sondern daß hier, indem diese Steinkohlen-Ziegel immer naß in das Feuer kommen, eben dasjenige Statt hat, was dann geschieht, wenn man grünes und trokenes Holz zugleich mit einander brennt. Bekanntlich erhält man auf diese Weise mehr Licht und Wärme, als wenn man gleich viel trokenes Holz brennt, was von der Zersezung des Wassers herrührt, dessen Sauerstoff in Berührung mit der atmosphärischen Luft flammend verbrennt. Diese Erklärung hatte auch den Beifall der Herren Humphrey Davy und Pepys. Ein Theil des Wassers dieses nassen Brenn-Materiales bleibt überdieß immer im Dampfzustand, und dieser Dampf verdichtet sich an den kühleren Stellen der Züge, wo er von den Ziegeln eingesogen und als Dampf in das Haus abgeschieden wird, welches er dadurch feucht erhält, und zugleich auch das Gedeihen der Gewächse bei einer höheren Temperatur so sehr fördert.

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