Titel: Betrachtungen eines alten baierischen Grobschmiedes über ein englisches Patent vom J. 1822 nach Chr. Geb.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XCII./Miszelle 12 (S. 513–514)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010092_12

Betrachtungen eines alten baierischen Grobschmiedes über ein englisches Patent vom J. 1822 nach Chr. Geb.

Ich lese in dem London Journal of Arts N. 24. S. 384 ein Patent, das Hr. Richard Summers Harford, an den Ebbw. Vale Eisenwerken in der Pfarre Aberystruth, Grafschaft Monmouth, auf eine Verbesserung bei dem Hizen des Stangen-Stab-Blech und anderen Arten Hammer-Eisens im Julius 1822 zu London sich geben ließ, und finde, daß diese Verbesserung bloß darin besteht, daß die Sohle oder der Boden des Ofens oder Herdes, auf welchem das Eisen während des Hizens ruht, mit Holzkohlenstaub oder mit irgend einem thierischen Stoffe der Pflanzenstoffe, der durch die Hize hinlänglich verkohlt werden kann, wie Torf, Gärberlohe, Abfälle von Holz oder Leder, Sägespäne, Ruß oder Reißblei bestreut wird, damit die Oberfläche des Eisens nicht durch den Kießelstaub auf dem Boden der Oefen oder Herde verglast oder verbrannt und zur weiteren Bearbeitung untauglich wird. Dieses Verfahren, worauf Hr. Summers Harford sich ein Patent geben ließ, ist nicht nur jedem Grobschmiede in Deutschland, sondern auch jedem Zigeuner in Ungern seit undenklichen Zeiten bekannt, obschon vermuthlich keiner derselben sein Eisen |514| deßwegen auf Kohlenstaub oder Lösch auf dem Herbe legt, weil Kohle ein schlechter Wärmeleiter ist. Ein Schmied, der übrigens seinen Torf nicht genau kennt, wird sich hüten sein Eisen auf Torf zu betten, indem es dadurch nur zu oft brüchig und verbrannt wird. Wie ist es möglich, daß man in England, wo man das Eisen so trefflich zu behandeln versteht, dieses uralte Verfahren meiner deutschen Handwerksgenossen nicht kennen sollte, und darauf ein Patent geben oder nehmen kann! Wenn ich in England so arbeiten würde, wie ich zu W–th. arbeite, und wie mein Vater und Großvater daselbst beinahe ein Jahrhundert lang arbeiten, würde Hr. R. Summers Hartfort mir seinen Proceß auf den Hals werfen, weil ich sein Patent-Recht beeinträchtige. Der Himmel beschüze und bewahre unser altbaiersches Vaterland vor solchem Patentwesen und vor den Schreibern, die, für baar Geld, Jemanden ein Recht verkaufen, das sie anderen stehlen, die es seit Jahrhunderten besaßen.

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