Titel: Neues blaues Farbe-Material.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XCII./Miszelle 15 (S. 514–515)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010092_15

Neues blaues Farbe-Material.

Vor ungefähr zwei Jahren wurden 280 Acres Landes bei Flint in North-Wales mit der gemeinen Pappelrose (Althaea rosea, hollyhok) |515| in der Absicht bepflanzt, um daraus ein Surrogat für Hanf oder Flachs zu erhalten. Während der Verarbeitung zeigte es sich, daß diese Pflanze eine eben so schöne und dauerhafte (?) Farbe, wie Indigo, gewährt: eine Entdekung, die in commercieller wie in ökonomischer Hinsicht von den wichtigsten Folgen seyn müßte. (Ackerman's Repository 1823. S. 123.209)).

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Die Pappelrose ist allerdings eine sehr beachtungswerthe Pflanze, mit deren Kultur sich im Jahr 1817 der wakere Kapuziner Genesius Degrün im Central-Kloster zu Wemding befaßte. Er sandte dem Landwirthschaftlichen Verein in München folgende aus der Pappelrose gewonnene Produkte: 1) ein Pfund blaues Farbepulver, das sehr farbereich war; 2) ein halb Pfund Farbestoffzelteln (Kuchen), 3) ein Paketchen blaue Saftfarbe, 4) einen Streifen mit dem Pigment der Pappelrose blau gefärbte Leinwand; 5) ein Pfund Hanf; 6) einen von diesem Hanf verfertigten Strik und 7) zwei Pakete aus den Blumen-Kelchen und Blumen-Blättern dieser Pflanze bereiteten Rauchtabak. Von dem Strik verfertigte sich unser Kapuziner seinen Ordens-Strikgürtel, der durch Näße nicht steif, wie die aus Hanf gefertigte Strike, wurde. Die Struktur der Faser soll stärker als die des Hanfes seyn. Es ist zu wünschen, daß von Sachkennern weitere Versuche im Großen angestellt und die Resultate dem Publikum mitgetheilt werden. Nähere Nachrichten findet man in Dingler's Magazin für die Druk-Färbe- und Bleichkunst. Bd. 2. S. 156–166. D.

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