Titel: Vervollkommnung der Calico-Drukerei.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 10, Nr. XCII./Miszelle 16 (S. 515–516)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj010/mi010092_16

Vervollkommnung der Calico-Drukerei.

Die von den HHn. Perkins, Fairman und Heath vorgeschlagene Methode, gravirte Zeichnungen von Stahlplatten auf Kupfer zu übertragen (Vgl. Lond. Journ. of Arts I. B. Polytechn. Journ. B. 7. S. 480.) wird jezt mit sehr gutem Erfolge auch auf den Calico Druk angewendet. Man erhält auf diese Weise ungemein schöne Desseins jeder Art, vorzüglich in sogenanntem Roll- oder Schnörkel-Werke (Scrollwork), die man auf Kupfer-Cylinder auftragen kann, und kann damit die feinsten Calicos und Musline auf das Zarteste bedruken. Man bearbeitet jezt nach dieser Methode Stoffe zu Frühlings- und Sommer-Kleidern von der höchsten Zartheit für die reichere Classe. (London Journal of Arts. März. 1823. S. 152210)).

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Von solchen Erfindungen und Vervollkommnungen im Maschinen-Druk, welche eine bedeutende Vorauslage erfodern und durch einen starken Absaz des Fabrikats wieder gedekt werden, kann nur in Staaten, wo die Industrie nicht in Feßeln liegt, mit Gewinn für den Unternehmer Anwendung gemacht werden. Wir baiersche Kattundruk-Fabrikanten müßen leider! auf den Vortheil solcher Vervollkommnungen verzichten und uns so lange bis es von Oben herab anders kommen wird, auf den kümerlichen Handdruk ausschließlich beschränken, der durch die mit zu verbindende Maschinendrukerei weit mehr belebt würde. Und auch selbst im Handdruk können wir, eines ständischen Gutachtens wegen, nicht einmal in unserm eigenen Lande mit den Ausländischen Drukereien Konkurenz halten. Wir müßen für den Centner rohe Baumwollengewebe 15 fl. Consumo Zoll bezahlen, nebst dem unterliegen noch alle Färbematerialien einer Mauthabgabe. Bekanntlich hat Baiern keine einzige bedeutende Baumwollenspinnerei, und alles Baumwollengarn für bessere Gewebe muß aus dem Auslande bezogen werden; dabei ist der Weberlohn |516| um fast die Hälfte höher als in Sachsen und der Schweiz; und die Weberei selbst läßt noch gar Manches zu wünschen übrig, so daß daher die ausländische rohe Baumwollengewebe, selbst mit Zuschlag der 15 fl. Consumo-Mauth noch wohlfeiler als die inländischen Gewebe zu stehen kommen. Nun zahlt die Ausländische, zum Handelsgut veredelte Baumwollwaare vom Centner 20 fl. Consumozoll, woraus nun jeder, der auch nur den allermindesten Begriff von diesem Fabrikationszweig hat, sich's ohne Kopfverbrechen an fünf Fingern herrechnen kann, daß wenn für die eingeführte fremde fertige Fabrikate vom Centner 20 fl. wirklich bezahlt werden würden, die fremde Baumwollen-Fabrikate bei diesem Einfuhrzoll (in Rüksicht des hohen Consumozoll der zu veredelnden rohen Stoffe, der Mauth für die Farbmaterialien, der Gewerbsteuer u. m. a. besonderen Abgaben) schon weit mehr Begünstigung oder Vortheile voraus haben, als wir, selbst im glüklichen Fall, an der Veredlung je verdienen können. So ist's! D.

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