Titel: Ueber Reinigung der Luft in Werkstätten durch Ventilation etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. XV. (S. 129–162)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/ar011015

XV. Ueber Reinigung der Luft in Werkstätten etc. durch Ventilation etc. zur Erhaltung der Gesundheit der Arbeiter57).

Aus dem Dictionaire Technologique, Artikel: Assainissement in Gill's technic. Repository II. Th. N. 6. p. 371.58). Frei im Auszuge übersezt.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Der verderbliche Einfluß, den gewisse Verhältnisse auf die Gesundheit der Individuen aller Classen äußern, ist durch die ältesten Beobachtungen erwiesen. Je mehr der Mensch sich von dem Zustande der Natur entfernt, je weiter er in dem Zustande der sogenannten Civilisation vorrükt, desto mehr häufen sich bei |130| ihm die Ursachen der Krankheiten. Am deutlichsten sieht man dieß an der arbeitenden Classe, vorzüglich an jenen Arbeitern, die sich mit gewissen Gewerben beschäftigen, und die, wie es scheint, sich für einige Groschen dem Tode geweiht, und nicht bloß auf alle Rettungs-Mittel Verzicht geleistet, sondern alle Pfeile des Todes auf sich gelokt haben. Beinahe jede Profession hat ihre eigene Krankheiten59) .

Unter den Krankheits-Ursachen der Handwerker und Künstler verdient die ungesunde Luft in den Werkstätten derselben, sey es nun, daß sie zu seicht oder zu troken, oder mit Ausdünstungen, die dem Menschen und allen Thieren verderblich sind, erfüllt ist, die erste Stelle60) . Arbeiter, die einer solchen ungesunden Luft ausgesezt sind, schleichen mit einer gewissen leidenden Miene umher, die ihr inneres und stets fortschreitendes Verderben nur zu deutlich beurkundet. Alle Handwerker, die sich mit Blei, Kupfer, Queksilber etc. beschäftigen, sehen bleich und ungesund aus, sind mager und düster. Wenige von denjenigen, die viel mit Queksilber zu thun haben, entgehen der fürchterlichen Krankheit, die man das Queksilber-Zittern (tremor mercurialis) nennt. Allein, nicht so sehr die Krankheiten selbst, die hiedurch entstehen, sondern die Sinnlosigkeit, mit welcher man sich in dieselben stürzt, und sich, im Grunde alle diese Leiden selbst schafft, erregen das Mitleid des Menschenfreundes, der die Unglüklichen beobachtet. Es gehört wahrlich ein großer |131| Grad von Stupidität dazu, wenn man in den Vorurtheilen fort beharren kann, die so viele schmerzliche und tödtliche Krankheiten erzeugen, welche, wie man doch mit eigenen Augen sieht, jährlich Gräber und Spitäler füllen. Diese Stupidität geht sogar so weit, daß Individuen, die bereits durch die nachtheiligen Einflüsse ihres Gewerbes erkrankt sind, sich um die Entfernung derselben gar nicht zu kümmern scheinen61) .

Wer sollte glauben, daß man für Anwendung der sichersten und einfachsten Mittel zur Erhaltung der Gesundheit, welche die Erfahrung von Jahrtausenden erprobte, so sehr zu kämpfen hätte? Wer vermag aber auch auf der einen Seite die Gefühllosigkeit und auf der anderen die Macht des Vorurtheiles zugleich zu besiegen, wenn dieß den größten Männern zweier Jahrtausende nicht gelungen ist?

Schon Hippokrates sagte vor mehr dann 2000 Jahren: „die Luft ist die Quelle aller Krankheiten, je nachdem sie zu heiß oder zu kalt, zu troken oder zu feucht ist.“ Die Thatsachen, die er als Beweise anführte, hat die Erfahrung zweier Jahrtausende bestätigt. Er empfahl, der Erste, die verdorbene Luft in den eingeschlossenen Räumen der Städte durch Feuer zu reinigen. Und doch war erst

im. J. 1521 Agricola der Erste, der daran dachte, die verdorbene und gefahrvolle Luft der Bergwerke mittelst des Feuers, durch welches er einen Strom von frischer Luft in dieselben leitete, zu verbessern. Er war der Erste der in seiner im Jahr 1550 erschinen Docimasie auf Ventilation der Bergwerke dachte, und dadurch gewisser Maßen der Schöpfer der Ventilation überhaupt geworden ist.

Im J. 1614 machte Keslar, ein Mahler zu Frankfurt, die italiänischen Oefen bekannt, und zeigte darin seine Kenntnisse in der Kunst, die Luft mittelst der Wärme in Umlauf zu sezen.

Im J. 1669 versuchte Glauber die Luft außen an erhizten |132| eisernen Röhren in Umlauf zu bringen, und baute Oefen, in welchen er die Verbrennung durch Luftströme, die er aus Kellern und Brunnen herbeiführte, unterhielt.

Eines der wichtigsten Werke über Benüzung des Feuers, sowohl zur Ventilation als zu beinahe allen Zweigen der Pyrotechnik, ist die Mechanique du Feu, welche Cardinal de Polignac unter dem Namen Gaugé herausgegeben hat. Man findet in diesem so wenig bekannten Werke, dessen Verfasser seinem Zeitalter beinahe um ein Jahrhundert voraus war, die Grundideen62) zu allen den herrlichen Erfindungen der neueren Pyrotechnik. Allein es ergieng dem Cardinale im Anfange des 18ten Jahrhundertes, wie unseren d'Arcet im Anfange des 10ten; man wollte theils von den von ihm vorgeschlagenen Mitteln zur Erhaltung der Gesundheit keinen Gebrauch machen, als Holzkohlen zur Erzielung der von Gaugé bezwekten Resultate verwendet werden können, und daß Luft, welche in einer eisernen Röhre bis zur Rothglühhize erhizt wurde, nach dem Abkühlen zum Athemhohlen eben so gut, wie vorher, tauglich ist. Im J. 1720 erfand er, mit Beihülfe eines gemeinen Arbeiters, eine Methode, Malz mittelst heißer Luftströme zu troknen und aufzubewahren. Im J. 1723 wendete er eine von Gaugés Erfindungen zur Reinigung der Luft in dem Sizungs-Sale des Hauses der Gemeinen an, die durch die vielen Menschen und Lichter immer sehr verdorben war. Allein diese Verbesserung war von kurzer Dauer. Die Vorrichtung derselben machte der Tochter des Portiers, die sie zu besorgen hatte, zu viele Mühe, und sie verdarb dieselbe muthwillig. In demselben Jahre machte er in N. 100 der Transactions of the R. Society of London einige Versuche zur Verbesserung der Luft in den Bergwerken mittelst Pumpen, und im J. 1736 substituirte er in dem Hause der |133| Gemeinen, statt des obenerwähnten verdorbenen Apparates, ein Centrifugal-Rad, nach dem Grundsaze von Hesse's und Papin' s Blasebalg, an, welches eben so gut wirkte. Dieses Rad wurde von einem Manne getrieben, der den Titel Ventilator führte, und unmittelbar unter dem Befehle des Sprechers stand.

Im J. 1739 gerieth Sutton auf die Idee, die Luft in dem Kielraume und unter den Verdeken der Schiffe zu reinigen. Die Veranlassung hierzu gab ihm der Umstand, daß, wenn in einem Zimmer mit 3 Schornsteinen bei verschlossenen Thüren 2 Schornsteine geheizt werden, die Luft mit großer Gewalt durch den dritten ungeheizten Schornstein hereinströmt. Der Lohn für diese Entdekung war Widerspruch und Widersezlichkeit von allen Seiten, vorzüglich von Seite der Admiralität, welcher doch an der Erhaltung der Gesundheit der Seeleute so viel gelegen seyn sollte. Der damals lebende, große und einflußreiche Arzt Dr. Mead, nahm endlich, überzeugt von der Nothwendigkeit reiner Luft auf Schiffen, wenn die Bemannung derselben gesund bleiben soll, Hrn. Sutton in Schuz, und nachdem die angestellten Versuche der Erwartung vollkommen entsprachen, befahl Se. Majestät alle Schiffe ihrer Flotte mit Sutton's Ventilatoren zu versehen. Diese bestanden bloß darin, daß die zum Unterhalte des Feuers auf dem Schiffsherde nöthige Luft durch Röhren herbeigeführt wurde, deren Enden sich in jenen Räumen des Schiffes befanden, in welchen die Luft gereinigt, und durch frische Luft ersezt werden sollte. Sutton beklagt sich, daß Hales, der seine Ventilatoren gut kannte, derselben nicht erwähnt, und gibt folgende Vergleichung zwischen seiner, durch Feuer in Bewegung gesezten Maschine, und dem Hebel-Ventilator des lezteren:

Hales's Maschine,“ sagt er, „kostet Arbeit, indem sie von Menschen in Thätigkeit gesezt werden muß; ihre Wirkung wird öfters unterbrochen, und sie selbst nimmt einen großen Raum ein; meine Feuer-Maschine kostet keine Arbeit, indem sie bloß durch das ohnedieß auf dem Herde nothwendige Feuer in Thätigkeit gesezt wird; sie wirkt ununterbrochen fort, und die leicht anzubringenden Röhren nehmen beinahe keinen Raum ein.“

Man hat zu Sutton's Zeiten zur Ventilirung der unteren |134| Schiffsräume noch einen anderen Ventilator vorgeschlagen, welcher aus einer weiten kegelförmigen Röhre von geschlagenem Eisen bestand, die an beiden Enden offen war: nach Oben zu verschmälerte sie sich, ungefähr wie eine Trompete, unter einem Winkel von 45° mit der weitesten Durchschnittsfläche derselben. Diese Röhre ward an dem Maste senkrecht befestigt, so daß ihr unterer Theil auf das Verdek zu stehen, und mittelst Röhren mit den zu reinigenden Schiffsräumen in Verbindung kam. Die Segel wurden so vorgerichtet, daß sie dem oberen und weiteren Theile der kegelförmigen Röhre nahe genug standen, und den Wind, er mochte von welcher Seite immer her blasen, in die Oeffnung derselben zurükwerfen konnten. Man vermuthete, daß auf diese Weise der Wind in alle Theile des Schiffes, die gelüftet werden sollten, von Oben nach Abwärts durch die Röhre getrieben werden könnte. Allein alle diese Apparate, die so schwer anzubringen waren, und so unregelmäßig wirkten, und zuweilen sogar gerade dann nichts nüzen, wo sie am nöthigsten waren, nämlich bei Windstille, alle diese Apparate nüzten nicht nur nichts, sondern schadeten sogar dadurch, daß sie die Einführung von Sutton's Ventilatoren hinderten, gegen welche sie eigentlich gemünzt waren. Die beßte Lehrerinn aller Zeiten, Erfahrung, brachte auch hier die Sache bald in's Reine.

Im J. 1753 wurde Sutton's Ventilator mit dem beßten Erfolge in den Kohlengruben zu Balleroi in der Normandie, angewendet.

Im J. 1740 gab Hales ein treffliches Werk über verschiedene Mittel zur Erhaltung der Gesundheit der Seeleute heraus, und unter diesen waren die Ventilations-Anstalten (und unter anderen eine mittelst eines sehr sinnreichen Blasebalges) die vorzüglichsten. Diesem verdienten Physiker verdanken wir die Idee, Schießpulver mittelst erhizter Luft zu troknen, die Baron Champy in neuern Zeiten wieder bei der Schießpulverbereitung einführte. Derselben Methode bediente er sich auch zum Troknen und Aufbewahren des Hopfens, der Tücher, der Federn, des Kornes etc., und zur Ventilirung und Reinigung, auch zur Erwärmung und Troknung der Warenlager, Spitäler, Zimmer, Taubenschläge etc., und auch zur Kühlung derselben. Um Ratten und Mäuse zu vertreiben, blies er schwefeligsaures Gas, |135| eine für Säugthiere nicht athembare Luftart, in die Gemächer, die sie bewohnten, und reinigte dieselben durch denselben Ventilator wieder in wenigen Stunden. Er reinigte auf diese Weise die Luft in Schiffsräumen, vorzüglich wenn Kranke in denselben lagen, und füllte sie zugleich, während er die Luft in denselben erneuerte, mit Essig- und ätherischen Dämpfen. Seine Methode wurde mit Vortheil in den Gefängnissen zu Porchester-Castle, Winchester und Newgate, im St. George's Hospital, in den Spitälern zu Norhampton und Bristol, und auch in dem Blatternhause angewendet.

Hales's Blasebalg ist gegenwärtig zu sehr bekannt, als daß er einer- langen Beschreibung bedürfte: er ist so einfach als möglich; und läßt sich leicht anwenden. Die Luft wird durch die Umdrehung mehrerer Flächen um ihre Achse eingezogen, und durch die Centrifugalkraft derselben von dem Mittelpunkte der Maschine gegen den Umfang hingetrieben. Man begreift leicht, wie die Luft durch die in der Nähe der Achse befindlichen Oeffnungen kräftig eingezogen, und mit bedeutender Kraft durch eine Röhre ausgestossen werden muß, die irgendwo an dem Umfange der Maschine angebracht ist. Man kann also durch Röhren, die an diesem Blasebalge angebracht sind, die Luft aus irgend einem Raume herauspumpen, und einen Strom frischer Luft dahin leiten. Wenn an dem Mittelpunkte dieses Ventilators eine Röhre angebracht ist, die mit einem mit einer gewissen Gasart angefüllten Gefäße in Verbindung steht, so wird diese Gasart, durch die Ausführungsröhre leicht an jeden dazu bestimmten Ort hingeleitet werden können.

Er beschrieb auch einen rechtwinkeligen und zum Theile cylinderischen Blasebalg. Derjenige, dessen er sich am meisten zur Ventilation im Großen bediente, war doppelt, um durch die abwechselnde Wirkung desselben eine stetige hervorzubringen. Ein Theil desselben war so groß, wie der andere, nämlich 54 Zoll lang, 12 Zoll breit, und 20 Zoll hoch, und bestand aus einer rechtwinkeligen Kiste A, B, C, D, E, F, (Fig. 10.) welche mittelst einer Scheidewand, oder einer mit der oberen Fläche, ABC, und mit der unteren, DEF, parallelen Fläche, die sich um eine innere Achse, MN, von A gegen D, wie die punctirten Linien AM und DM andeuten, bewegt, und folglich das |136| Segment, APD, beschreibt, in zwei gleiche Theile getheilt ist. Dieses Segment, APD, bestimmt die Form der Seite, AOD, oder des Bodens der Kiste. Man kann sich diese Seite als einen Theil eines Cylinders denken, dessen Achse MN ist. Eine Stange, RQ, läuft durch den obern Theil der Kiste AODC. Ein Ende derselben, Q, ist an der Scheidewand mittelst eines Zapfens befestigt, und das andere an einem Hebel, der eine abwechselnde senkrechte Bewegung erhält, und dadurch die Scheidewand auf- und niederdrükt. Bei jeder Bewegung, welche die Scheidewand durch die Stange QR erhält, zieht die eine Klappe Luft ein, während die andere dieselbe hinausblast. Sezt man nun, daß die Scheidewand aus der durch die punctirte Linie AM angezeigten Lage bis auf BM herabgedrükt wird, so wird alle in dem Raume, ADM, enthaltene Luft bei der Klappe 1 hinausfahren, und eben so viel Luft wird bei der Klappe 3 hereinkommen. Und wenn nun die Scheidewand wieder aufgezogen wird, wird das Gegentheil Statt haben; die nämlich in dem oberen Raume, DAMB, enthaltene Luft wird durch die Klappe 2 hinausgestossen, und der Raum, ADEM, wird sich neuerdings durch die Klappe 4 mit Luft füllen, u.s.f. bei jeder abwechselnden Bewegung der Scheidewand. Der Blasebalg ist aus Holz, ohne Leder; sein Spiel ist einfach, und er fodert nicht leicht eine Ausbesserung.

Nach den obigen Dimensionen gibt jede Bewegung der Scheidewand 7 Cubic-Fuß Luft. Zwei Arbeiter können während Einer Minute 60 Stöße thun: folglich 7 × 60 = 420, × 60 = 25,200 Cubicfuß in einer Stunde. Hiernach läßt sich auch die Größe bestimmen, die man dieser Kiste zu geben hat, wo man größere oder geringere Resultate wünschte.

Hales's Abhandlung enthält noch eine Menge wichtiger Beobachtungen in Hinsicht auf die mannigfaltigen Ursachen, welche auf die Gesundheit der Seefahrer Einfluß haben, und zeigt die Vorkehrungen an, welche man gegen jene Krankheiten ergreifen muß, die so häufig auf Schiffen sich zu entwikeln pflegen.

Im63) J. 1748 theilte Duchmel de Monceau in |137| seinen Moyens de conserver la Santé aux équipagas des vaisseaux reichliche Auszüge aus früheren Werken, und vorzüglich aus einem Aufsaze des Hrn. de Moragues mit, in welchem die Versuche, die man mit Hales's Ventilator, sowohl in England als in Frankreich, angestellt hat, erzählt sind.

Er empfahl die Anwendung der überflüssigen Hize, die aus den Kochöfen auf Schiffen aufsteigt, nicht bloß als Mittel zur Ventilation, sondern auch zur Heizung einer zu errichtenden Trokenstube, durch welche man einen Strom heißer Luft ziehen läßt, um die Kleider der Seeleute zu troknen und von den Ausdünstungen des Körpers zu reinigen.

Er erzählt die, nach Sutton's Grundsäzen von Hrn. de Moragues in Frankreich, und von Hales in England, öffentlich angestellten Versuche.

Hr. Duhamel hat eine Menge wichtiger Verbesserungen in seinem Werke hinzugefügt: unter andern empfiehlt er, die Oeffnungen der Klappen und Röhren zu erweitern64) . Er empfiehlt auch die ventilirenden Blasebälge oder anderen Maschinen in Hanf, der mit Theer eingeschmiert ist, einzuwikeln, um sie gegen die Ratten zu schüzen.

Er hinterließ eine Menge Beobachtungen über die natürlichen Ursachen der Krankheiten, welche sowohl von dem Zustande der Luft überhaupt an gewissen Orten abhängen, als auch von der durch verschiedene Ursachen verdorbenen, und vorzüglich in den Schiffen eingeschlossenen Luft entstehen. Die Thatsachen, die er erzählt, und die Mittel, die er zur Erhaltung der Gesundheit angibt, würden zu viele Wiederholungen veranlassen, wenn wir sie hier im Detail entwikeln wollten, indem sie weiter unten wieder vorkommen müssen.

Ehe wir zu den vielfältigen Arbeiten des Hrn. D'Arcet, die ein ganzes vollständiges System über Reinigung der Luft darstellen |138| übergehen können, müssen wir die Geschichte dieser Kunst mit einer Nachricht über ein englisches, im J. 1818 zu London erschienenes, Werk schließen, welches ein geborner Franzose Marquis de Chabannes, daselbst herausgegeben hat. Wir werden alsogleich die wahrscheinliche Ursache sehen, warum dieses Werk nicht in die französische Sprache übersezt wurde, da doch der Hr. Verfasser die Uebersezung selbst hätte besorgen können, und er, obschon er Frankreich verließ, doch die Entdekungen, die seinen Landsleuten angehören, und die auch bei uns bekannt gemacht werden, nicht gänzlich hatte vergessen können.

Der Marquis de Chabannes bildet sich ohne Zweifel ein (indem er in seiner Abhandlung on sorcet Ventilation et its varions Applications es ausdrüklich sagt), daß Er alle Grundsäze der Reinigung der Luft, Brennmaterial-Ersparung etc. endekte, und da er, in Folge mehrerer nüzlicher Anwendungen derselben, Patente über Patente65) hierüber genommen hat, so scheint er der reichen Ernte genießen zu wollen, die seine Einbildungskraft ihm als sein Eigenthum vorhält. Er verkündete, daß eine eigene Anstalt, die Rauchfresser-Fabrik (Fumivore Manufactory) unter dem Schuze der gelehrten und höchsten Personen und öffentlichen Autoritäten dem Publicum verschiedene Apparate, als Rauchfresser, ökonomische Oefen etc. liefern würde; aber diese Fabrik ist zu Grunde gegangen.

Der Marquis hat nicht ermangelt, alle Schwierigkeiten zu entwikeln, die er bei Anwendung dieser Methoden zu bekämpfen hatte; er vergaß uns aber zu sagen, daß die von uns angeführten Männer, und noch andere, lang vor ihm alles bereits zur Vollendung gebracht haben. Er begnügte sich allerdings mit einer kleinen Entschädigung von Seite derjenigen, die seine Patente benüzen wollten; er nahm aber das Verdienst der Erfindung aller Methoden, die er beschrieb, als sein Recht in Anspruch. Es ist allerdings ein Unglük für uns, daß, indem seine |139| erste Unternehmung zu Grunde ging, wir ihm nicht einmal dasjenige lassen können, worauf er das höchste Recht gründet; allein es ist uns unmöglich, anders zu handeln, da viele Ehrenmänner vor ihm bereits im Besize des Rechtes und der Ehre und der Anwendung der Erfindungen des Hrn. Marquis de Chabannes gewesen sind66) .

Er konnte nicht vergessen haben, was in dieser Hinsicht bereits geleistet wurde; im Gegentheile, hat er sich desselben gar wohl erinnert, wie wir aus der Geschichte dieser wichtigen Kunst ersehen können, die wir treu entworfen haben, und aus welcher erhellt, von wem er seine Erfindungen entlehnte.

Was den Marquis betrifft, so fand er es für bequem als seine Erfindung in Anspruch zu nehmen; „die Reinigung der Luft in Bergwerken, von Agricola;“ Gauge's Beobachtungen über Luft und Wärme;“ Desagulier's Methode, Korn und verschiedene andere Gegenstände zu troknen;“ die Ventilation der Schiffe mittelst des Feuers am Herde, mittelst Oefen etc. von Sutton, Desaguliers, Hales, Demorogues, Duhamel etc.;“ „das Heizen mittelst Lampen, nach Guitton in seinem tragbaren Laboratorium; nach Descroizilles in seinem kleinen Alkoholmesser; nach Schivardi in seiner Anwendung der Lampen auf eine Menge kleiner Vorrichtungen in der Hauswirthschaft etc.;“ „die Befreiung der Theater vom Rauche;“ „thermometrische Beobachtungen in Theatern; die Circulation der Luft unter den Gallerien und Logen; die Ventilation durch Lampen und verschiedene andere Ventilations-Methoden von D'Arcet etc.“

Eines seiner Patente, auf welches er hohe Wichtigkeit legt, und welches allerdings diese Auszeichnung verdient, ist das Erhizen der Flüssigkeiten durch umher laufendes Wasser; wir verdanken aber diese Erfindung, so wie mehrere sinnreiche Anwendungen derselben dem Hrn. Bonnemain67) .

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Ich habe zwar hier und da im Verlaufe von Hrn. de Chabanne's Werke einige Ideen gefunden (vorzüglich über den Bau der Oefen und der Kessel), die mir sein Eigenthum zu seyn scheinen; allein diese Ideen sind, so wie die Anwendung derselben, wenn wir sein Tarare mit einem Ventilator zum Abkühlen der Flüssigkeiten ausnehmen, durchaus zu Nichts zu gebrauchen. Seine, so eben erwähnte, Kühlungs-Methode besteht darin, daß man die abzukühlenden Flaschen in einen von dem Tarare gebildeten Luftstrom stellt, nachdem man sie vorläufig mit nassen leinenen Tüchern umhüllte. Die schnelle Verdünstung des Wassers in einem hinlänglich weiten Raume, um die Luft mit Leichtigkeit in demselben erneuern zu können, zieht den Wärmestoff kräftig aus den Flaschen aus, und verwandelt das Wasser in Gasgestalt. Diese Operation beruht auf demselben Grundsaze, wie die Verfertigung der Alkazarras, |141| oder der spanischen porösen Gefäße, deren man sich zum Abkühlen des Wassers, des Weines und der Liqueurs, bedient.

Die Epoche der Schöpfung eines vollständigen Systems der Reinigung der Luft (Assainissement) datirt sich von der Zeit der Bildung eines Gesundheits-Rathes in Frankreich.

Vor der Revolution fühlte man allerdings die Nothwendigkeit einer Special-Administration der Reinigung der Luft (Assainissement) in einer so stark bevölkerten Stadt, wie Paris; allein diejenige, die damals bestand, wenn sie gleich aus den reinsten philanthropischen Ideen hervorging, hatte bei den vielfältigen Arbeiten, die ihr übertragen waren, immer einen gewissen Mangel an etwas, das nie fehlen darf. Die Arbeiten der verschiedenen Personen, die damit beauftragt waren, waren schlecht vertheilt, und oft unter einander verworren; Mangel an Einheit hinderte jenes Gedeihen, das man von einer solchen Anstalt erwarten konnte, und alles, was man damals durch dieselbe erreichte, waren Zwangs-Maßregeln. Ein großer Theil dieser Nachtheile besteht noch heute zu Tage, obschon Hr. Lenoir die Oberleitung führt. Die Bemühungen zweier ausgezeichneter Aerzte haben indessen bedeutende Verbesserungen in dem Systeme zur Förderung der öffentlichen Gesundheits-Anstalten bewirkt.

Die HHrn. Pia und Cadet-Devaux gaben dieser Wissenschaft, die gleich Anfangs eine vollständigere Organisation hätte erhalten sollen, eine nüzliche Richtung: ersterer leitete mit Einsicht und unermüdetem Eifer die Anwendung seiner Räucherungs-Büchsen zur Wiederbelebung der Ertrunkenen und anderer Scheintodten, und lezterer umfaßte, als General-Inspector, alles, was auf die öffentlichen Gesundheits-Anstalten Bezug hatte: seine Bemühungen waren mit dem schönsten Erfolge gekrönt. Ihm verdankt man die vollkommene Einführung der Luftreinigungs-Anstalten in den Gefängnissen;68) er veranlaßte |142| das Verbot des Gebrauches verschiedener schädlicher und unnüzer Materialien in den Künsten, und gewisser geführlicher Metalle als Masse beim Verkaufe des Weines; er empfahl das Verbot, Leichen in Kirchen beizusezen, und rieth, Werkstätte im Bicêtre zu errichten; er bewirkte endlich durch seinen Rath und durch seine hellsehenden philanthropischen Plane, die vielfältigen Verbesserungen in Spitälern, Krankenhäusern und verschiedenen anderen öffentlichen und Privat-Anstalten. Man sollte glauben, daß es einem einzelnen Individuum unmöglich werden müßte, allen jenen Arbeiten zu genügen, die ihm ohne Unterlaß aufgebürdet wurden, und doch fand er noch Zeit, auf andere wichtigere Gegenstände mit gleich angestrengter Aufmerksamkeit zu denken. Ehemals mußte der Polizei Präfect häufig seine Zuflucht zu Chemikern, Aerzten, Landwirthen nehmen, und erhielt dadurch meistens nur einseitige Nachschläge, die, weil sie nicht gehörig durchgeführt wurden, häufig ohne Erfolg blieben, oder wohl gar bloß willkürlich waren; zuweilen mußte er sogar noch zeitige Commissionen niedersezen, wenn irgend ein wichtiger Gegenstand zu verhandeln war.

Ein Gesundheits-Rath, der auf Hrn. Cadet Gassicourt's Vorschlag dem Polizei-Präfecten zur Seite gegeben wurde, gewährte endlich alle Vortheile einer permanenten Commission. Er wurde im J. 1802 von Grafen Dubois errichtet, und bestand ursprünglich nur aus vier Mitglieden; die täglich zunehmenden Geschäfte häuften aber bald die Arbeiten so sehr, daß man schon im Jahre 1807 sich genöthigt fand, die Zahl der Mitglieder auf sieben zu vermehren, und, da die epidemischen Krankheiten besondere Aufmerksamkeit erfoderten, entschloß der Präfect sich, zwei Arzte beizuziehen, welchen dieser Gegenstand ausschließlich obliegt. Die Mitglieder dieses Rathes versammeln sich zweimal, um über die ihnen vorgelegten Gegenstände und die hierüber zu ergreifenden Maßregeln zu beratschlagen.

Dieser Gesundheits-Rath hat über alle der Gesundheit gefährlichen Fabriken und Werkstätte zu wachen, und über Epidemien und die Quellen, aus welchen diese entspringen, Beobachtungen zu sammeln; über Reinigung der Märkte, Flüsse, Schlachthäuser, Abfälle bei den Mezgern, über die Begräbniß-Pläze, |143| Kloaken etc. Aufsicht zu führen; eben so über die öffentlichen Bäder, die Fabriken künstlicher und die Niederlagen natürlicher Mineral-Wasser, über anatomische Theater Sorge zu tragen; über die Todten-Listen medicinisch-statistische Untersuchungen anzustellen; für Mittel zu sorgen, die Theater, Spitäler und andere öffentliche Versammlungs-Oerter gesünder zu machen, Heizung und Beleuchtung zu vervollkommnen: über Verfertigung geheimer Mittel, verdächtiger Gefäße etc. zu wachen. Man sollte kaum erwarten, daß so ausgedehnte Geschäfte gehörig besorgt werden könnten; allein, der unermüdete Eifer des größeren Theiles der Mitglieder dieses Rathes gewährte Resultate, die alle Erwartungen weit übertrafen. Es verschwand nicht nur eine Menge von Ursachen, die die Gesundheit gefährdeten, sondern man entdekte auch viele neue und größtentheils durch Erfahrung erprobte, Methoden, jene Künste und Gewerbe, die bisher sehr ungesund gewesen sind, für die Arbeiter, die sich damit beschäftigen müssen, weniger gefährlich zu machen. Man kann auch nicht einen einzigen Fall aufweisen, in welchem die Mitglieder dieses Rathes, wo sie ausgefodert wurden. ihr Urtheil über Klagen auszusprechen; welche gegen einzelne Fabriken vorgebracht wurden, diese Klagen niedergeschlagen hätten, ohne vorher die Schwierigkeiten zu untersuchen, die den Fabrikanten hinderten, seine Fabrik für die Gesundheit unschädlich zu machen; und gewöhnlich gelang es ihnen, die Aufgabe zu lösen.69)

Dieser Gesundheits-Rath, den das Publicum nie hoch genug wird schäzen können, diese Anstalt, die fremde Völker bewundern, und, ohne Zweifel, nachzuahmen sich bestreben werden, bestand, als er seine definitive Organisation erhielt, aus folgenden Individuen:

Hrn. D'Arcet, Mitglieds der Ehren-Legion, und General-Inspektor der Münze etc.; einer derjenigen, dessen gewichtvolle Arbeiten dieses nüzliche Institut am meisten auszeichneten.

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Hrn. Chevalier Cadet de Gassicourt, Arzt in Paris, dem das Publicum die Schöpfung dieses Gesundheits-Rathes, des Journal de Pharmacie, und eine Menge anderer interessanter chemischer, medicinischer und pharmaceutischer Werke zu danken hat. Sein neulich erfolgter Tod ward allgemein bedauert. An seine Stelle trat Hr. Pelletier, der Arzt, Mitglied der k. Gesellschaft der Medicin, und ein Mann von ausgezeichneter Gelehrsamkeit ist.

Hrn. Deyeur, Professor der Chemie, Mitgliede des Institutes und der Akademie der Medicin, dem wir ein großes Werk über die Analyse der Milch und des Blutes verdanken, welches er gemeinschaftlich mit Hrn. Parmentier ausgearbeitet hat.

Hrn. Chevalier Berard, Vice-Präsidenten, dem wir das National-Monument schuldig sind, welches er dem Andenken unserer großen Männer in seiner Galerie Metallique errichtete.

Hrn. Wuzard, Mitglieds der Akademie der Wissenschaften und Inspektor der Veterinärschulen, Verfasser mehrerer praktischer Abhandlungen über den Akerbau und die Thierheilkunde.

Hrn. Leroux, Mitgliede der Ehrenlegion und Dekane der medicinischen Facultät, Mitarbeiter an dem schäzbaren Dictionnaire des Sciences médicales, der Hrn. Thouret in Leitung der klinischen Anstalten ersezte.

Hrn. Dupuytren, ersten Wundarzte am Hôtel-Dieu, General-Inspektor über die Studierenden, und Professor der Klinik bei der medicinischen Facultät, Verfasser vieler schäzenswerther chirurgischen Abhandlungen, und zugleich auch einer der beßten Operateurs, die wir kennen. Er trat an Parmentier's Stelle bei diesem Rathe.

Hrn. Pariset, ersten Arzte am Bicêtre. Er ward in den Gesundheits-Rath gewählt zum Lohne für die gefahrvolle (?) Sendung, der er sich unterzog, zu Cadiz das daselbst herrschende gelbe Fieber zu studiren: er ging auch neuerlich mit seinen edelmüthigen Collegen zur Aushülfe nach Barcellona.

Hrn. Petit, Dr. d. Med. und Ritter der Ehrenlegion, Zöglinge Corvisart's; auch er wurde zum Danke für die Dienste, |145| die er in der ersten Epidemie in Spanien leistete, in den Gesundheits-Rath gewählt.

Hrn. Marc, M. Dr. Direktor der öffentlichen Anstalt zur Wiederbelebung der Ertrunkenen und Scheintodten; Verfasser einer trefflichen Abhandlung über die Kuhpoken, Mitarbeiter am Dictionnaire des Sciences Medicales, und einer derjenigen, dem wir die Einführung der Hunde aus Neufoundland in Frankreich, die Erfindung der Rettungs-Schwimmer an Schiffen, der Räucherungs-Büchsen etc. verdanken.

Hrn. Girard, Chef des Brüken- und Chausseen-Baues, Director der Wasserleitungen in Paris und des Ourcq Canales. Er war Mitglied der Commission der Gelehrten, welche die Expedition nach Aegypten begleitete. Er entwarf den Plan, das Wasser der Ausgüsse aus den Kloaken der Stadt in den Fluß zu leiten, wodurch jezt die Teiche von Montfaucon gebildet werden. Er stellte bei dieser Gelegenheit sehr viele nüzliche Versuche in Gesellschaft mit Hrn. Vauquelin an. Hrn. Girard verdanken wir auch die Idee, einen Theil der Abzugs Canäle in der Stadt zu benüzen, um die Röhren, welche das Wasserstoffgas zur Beleuchtung von Paris leiten sollen, in denselben einzulegen. Dieß geschieht jezt wirklich am Boulevard de Montmartre.

Die HHrn. Huzard jun. und Juge wurden neulich noch zu Mitgliedern ernannt.

Ehe wir die einzelnen Anwendungen der Theorie der Luftreinigung, die dieser Gesundheits-Rath vor unseren Augen machte, aufführen, wollen wir die allgemeinen Grundsäze, und die Basis, worauf unsere Berechnungen hinsichtlich der Vortheile derselben sich gründen, hier entwikeln.

Es ist, aus einer Menge wiederholter Versuche, bekannt, daß ein Mensch in einer Stunde zum Athemholen 31 Litres Sauerstoff, und folglich 165 Litres atmosphärischer Luft, oder beinahe zwei Cubic-Metres täglich nöthig hat; und, da nur der vierte Theil der in irgend einem gegebenen Raume enthaltenen Luft verzehrt werden kann, wenn das Athemholen nicht erschwert werden soll, so muß irgend ein Raum, in welchem ein Mensch ohne allen Nachtheil 12 Stunden lang athmen soll, acht Cubic-Metres Luft enthalten. Ein Schlafzimmer |146| also, in welchem die Luft nicht immer erneuert werden kann, weder durch Kamine, noch durch Thüren oder Fenster, und in welchem zwei Menschen 12 Stunden lang ununterbrochen sich aufhalten, muß 18 Cubic-Metres Luft fassen, und kann 2 Metres breit, 4 lang und 2 hoch seyn. Wenn in irgend einem Zimmer die Luft stets erneuert werden soll, so muß in demselben, für jede einzelne Person, die ab- und zuströmende Luft in jeder Minute ein Litre und ein Zehntel, d.i., 660 Litres in einer Stunde oder 7920 Litres im Tage (beinahe 8 Cubic-Metres betragen70) .

Dieß gilt jedoch nur in jenen Fällen, wo die Luft durch kein anderes Gas verunreiniget wird; in Theatern und Spitälern und anderen Sälen, wo viele Menschen zusammengehäuft sind, ist es nicht Mangel an Sauerstoffgas, der da macht, daß einigen Leuten in denselben übel wird, wie die Analyse dieser Luft hinlänglich und wiederholt erwiesen hat; denn das Sauerstoffgas war in dieser Luft nicht um ein Zwanzigstel vermindert, und dieselben Individuen, welchen in jener Luft übel ward, befanden sich wohl in einer Luft, die nur vier Fünftel des in der atmosphärischen Luft gewöhnlich enthaltenen Sauerstoff-Gases enthielt. Es ist also nicht Mangel an Sauerstoff-Gas, sondern vielleicht thierisches, dampfförmiges Miasma, wodurch diese krankhaften Erscheinungen hervorgebracht werden. Wenn man an solchen Oertern, wo das Athemholen wegen der Menge der daselbst befindlichen Menschen erschwert und keine gehörige Circulation der Luft unterhalten wird, ein mit Eis gefülltes Gefäß, (Tafel IV. Fig. 2.) aufhängt, so wird der in der Luft verbreitetete Dampf sich an der Oberfläche desselben verdichten, abtröpfeln und wenn man das abgetröpfelte Wasser in einem unter dem obigen Gefäße aufgehängten Gefäße sammelt, und dann in einer wohlverschlossenen Flasche einer Temperatur von 25° (79° Fahrenh.) aussezt, bald in eine faule Gährung |147| übergehen, und, wo man den Pfropf abnimmt, einen stinkenden Geruch um sich verbreiten.

Es gibt mehrere Gasarten und Dämpfe, welche mit der Luft, die wir athmen, vermischt seyn können, ohne einen merklichen Nachtheil hervorzubringen; allein sehr viele andere sind höchst gefährlich, und wirken selbst schneller, als thierische Miasmen. Hydrothion-Säure, Schwefel-Wasserstoff-Ammonium, Arsenik-Queksilber-Chlorin-Dämpfe und die Dämpfe der salpeterigen Säure erzeugen fürchterliche Zufälle. Wir wollen hier einige Wirkungen der Hydrothion-Säure (des geschwefelten Wasserstoffe, Acidum hydrosulfuricum) anführen, des stärksten jezt bekannten Giftes.

Dieses Gas vergiftet schon durch seine Wirkung auf die Haut, selbst wenn es nur mit einem kleinen Theile der Oberfläche derselben in Berührung kommt. Hr. Chaussier war der Erste, der dieses Phänomen beobachtete, und die giftige Wirkung dieses Gases durch folgenden Versuch erwies. Er tauchte den Fuß eines Kaninchens in eine mit diesem Gase gefüllte Blase, welches durchaus keine Verbindung mit irgend einem anderen Theile des Körpers dieses Thieres hatte, und folglich nicht geathmet werden konnte, und das Thier starb in wenigen Augenbliken. Die geringste Menge dieses Gases macht, der Luft beigemischt, die geathmet wird, dieselbe tödtlich: so starb ein Pferd, das eine Luft athmete, welcher dieses Gas nur in dem Verhältnisse eines achthundertsten Theiles (oder zu 0,00125) beigemengt war, augenbliklich. Dieses so außerordentlich schädliche Gas und das Schwefelwasserstoff-Ammonium (dessen verderbliche Eigenschaften beinahe eben so groß sind) entwikelt sich ohne Unterlaß während der faulen Gährung in den Abtritten, Kloaken, Teichen, Sümpfen etc. Man kann daher nicht sorgfältig genug in Anwendung jener Mittel seyn, welche dieser Gährung vorbeugen, oder wenigstens die schädlichen Wirkungen derselben vermindern, von welchen wir gleich unten sprechen werden. Wir müssen bedauern, daß es noch eine Menge verschiedener Ursachen gibt, welche die Umgebungen von Paris ungesund machen, oder daß wenigstens den verderblichen Wirkungen derselben noch nicht abgeholfen ist. Dieß gilt vorzüglich von den Produkten um Montfaucon, die |148| eine reichliche Quelle von Luft-Verderbniß, besonders in der Hize des Sommers, bilden, und schädliche Gasarten und andere verderbliche Dämpfe ausdünsten, die sich dann in Paris verdichten.

In der großen gegen Norden gelegenen Kloake bildet sich eine bedeutende Menge von geschwefeltem Wasserstoffgase etc., welches, unter bestimmten Umständen, selbst bei jenen Oeffnungen heraus strömt, wo die Abzugsgräben sich in dieselben öffnen, so daß die Nachbarschaft ringsumher nicht bloß mit Gestank, sondern auch mit ungesunden Gasarten erfüllt wird. Es würde sehr leicht seyn, dem Entweichen dieser Gasarten an so vielen Stellen zu steuern, wenn man die einfache Vorrichtung anwenden wollte, deren man sich in England und auch in den Kloaken der Schlachthäuser am Montmartre bedient: eine eiserne Röhre sollte Wasser aus den Abzugsgräben (Canälen) in die Kloake führen, dasselbe aber zuerst in eine Cisterne von demselben Metalle leiten, deren oberster Theil über den Grund der Röhre emporragt, wodurch dann alles Entweichen des Gases vollkommen gehindert, und doch zugleich dem Wasser freier Zug gestattet wird. (Sieh Taf. IV. Fig. 3.) Diese Vorrichtung ist vollkommen analog mit jener der Sicherheits-Röhren (Fig. 4.), deren man sich in chemischen Laboratorien und Fabriken zu demselben Zweke bedient. Es würde auf diese Weise sehr leicht seyn, der Entweichung des Gases auf diesen zahlreichen Oeffnungen zu steuern, und man würde, in diesem Falle, auch sehr wohl thun, die entwikelten Gasarten in irgend einen entfernten Ort zu leiten, wo sie zugleich, ehe sie in die Atmosphäre aufsteigen, hoch genug erhoben werden könnten. Man könnte auch einen ununterbrochenen Luftstrom durch die ganze Länge der Kloake hin leiten, wodurch, indem mittelst desselben das Gas eben so schnell weggeführt als erzeugt wird, auch noch ein anderes nüzliches Resultat hervortritt, nämlich: Hinderung des Fortschreitens der Gährung, und folglich Verminderung der Erzeugung der Gasarten selbst.

Die Luft mag wo immer erneuert werden, und zwar entweder stätig oder ununterbrochen, durch Ventilir-Maschinen oder durch die Einwirkung des Feuers, so ist es nöthig, die Menge derselben genau zu wissen, die während einer bestimmten |149| Zeit zugeführt wird. In dieser Hinsicht muß man zuerst die Geschwindigkeit des Luftstromes selbst bestimmen, was auf verschiedene Weist geschehen kann. Die erste, die wir hier beschreiben, hat Hales im J. 1740 erfunden. Sie besteht darin, daß man dem Luftstrome, dessen Geschwindigkeit man messen will, die Oeffnung einer Glasröhre entgegen hält, die wie ein umgekehrter Heber gebogen ist (Fig. 5.). Daß Wasser wirb in diesem Heber gleich hoch in beiden Armen stehen. Wenn aber die Luft auf eine der beiden Oberflächen des Wassers drükt, z.B. auf B, so wird das Gleichgewicht aufgehoben, und das Wasser steigt in dem anderen Arme in die Höhe. Der Unterschied zwischen C und D, oder zwischen dem Niveau des Wassers in den beiden Armen, bestimmt die Größe des von der Luft hervorgebrachten Drukes, wobei man übrigens den Unterschied in der Dichtheit nicht vergessen darf, da das Wasser 800 mal schwerer als die Luft ist. Da nun der durch die Luft hervorgebrachte Druk gleich ist dem Quadrate der Geschwindigkeit derselben, so ist die Geschwindigkeit gleich der Quadrat-Wurzel des Drukes, welcher das Maaß derselben ist.71)

Ein anderes Mittel, die Geschwindigkeit eines Luftstromes oder Gasstromes zu messen, besteht darin, daß man in die Mündung einer Röhre von bekannter Größe, durch welche der Luftstrom zieht, dessen Geschwindigkeit man bestimmen will, ein kleines Bällchen Lampenschwarz oder irgend einen leichten und gefärbten Körper legt. Man kann, bei dem Erscheinen des schwarzen Pulvers an der anderen Oeffnung der Röhre, sehr genau die Zeit bestimmen, die es brauchte, um durch die Röhre zu gelangen, und es ist offenbar, daß hiedurch die Geschwindigkeit des Luftstromes bemessen wird. Dieser Versuch muß jedoch öfters wiederholt werden, um einen Mitteldurchschnitt zu erhalten, und dadurch der Wahrheit näher zu kommen.

Nachdem man auf die eine oder andere der beiden beschriebenen Weisen die Geschwindigkeit des Luftstromes bestimmt hat, findet man die Menge der während einer gewissen Zeit einströmenden Luft durch Messung des Durchschnittes des Canales, |150| den sie durchströmt, oder, wenn dieser Canal nicht durchaus gleich weit ist, durch Messung des kleinsten Durchschnittes, und durch Multiplicirung der Fläche dieses Durchschnittes mit der Geschwindigkeit der Luft. Nimmt man z.B. eine rechtwinkelig prismatische Röhre, deren Durchschnitt ein Bierek von 2 Decimetern an jeder Seite, und folglich von 4 Decimetern Flächeninhalt bildet, und sezt man die Geschwindigkeit des Luftstromes, der durch diese Röhre zieht, gleich Einem Metre in jeder Secunde, oder 10 Decimetres, so ist 4 × 10 = 40. Multiplicirt man die Fläche des Durchschnittes der Röhre mit der Länge derselben = 100, so wird 4 × 100 = 400, d.i. gleich einer Säule von 400 cubischen Decimetres. Wenn nun die Geschwindigkeit in einer Secunde = 1 Metre oder 10 Decimetres ist, so wird diese ganze Säule die ganze Länge der Röhre in 10 Secunden durchlaufen, und 400 Cubic-Decimetres oder 40 Decimetres in Einer Secunde liefern.

Wo man verschiedene Körper zu troknen hat, ist es gleichfalls nothwendig, die Menge Wasserdämpfe zu kennen, welche die atmosphärische Luft während einer gegebenen Zeit wegführt.

Wo die Luft an einem Orte gereiniget werden muß, an welchem, ohne Gefahr die ganze Nachbarschaft anzusteken, die mit faulen Miasmen erfüllte Luft nicht erneuert werden kann, fängt man damit an, daß man die thierischen Ausflüsse mit Chlorine (oder mit Guitton-Morveau's Reinigungs-Apparate) zersezt: die Chlorine befreit dieselben von einem ihrer Bestandtheile, dem Wasserstoffe, und bildet Hydrochlor-Säure, wodurch, indem diesen Ausflüssen jezt der eine Bestandtheil entzogen ist, denselben auch alle verderblichen Eigenschaften benommen sind. Man muß sich jedoch dieser Methode, so wie die Umstände es erfodern, mit der gehörigen Behutsamkeit bedienen, und nicht vergessen, daß die Chlorine oder das Fäulniß – hindernde Gas selbst ein gefährliches Gift ist. In England bedient man sich in derselben Absicht einer großen Menge von Salpetersäure.

Essig, so sehr man denselben schon so oft als Fäulniß widrig empfohlen hat, ist weit entfernt, die Eigenschaften zu besizen, welche den beiden so eben angeführten Mitteln in so hohem Grade eigen ist. Er vermag durchaus nicht, die Natur der |151| Miasmen zu ändern, und seine schüzende Kraft scheint lediglich in dem Reize zu liegen, welchen er auf unsere Organe hervorzubringen vermag, und durch welchen dieselben einige Zeit über gegen die schädlichen Einwirkungen der faulen Ausflüsse geschüzt werden können; er wird aber nie im Stande seyn zu hindern, daß diese Wirkungen später in ihrer vollen Stärke zum Vorscheine kommen72) .

Das Wasser ist, in seinem natürlichen Zustande, immer mehr oder minder mit fremdartigen Stoffen verunreinigt, und wird immer in eine faule Gährung übergehen; selbst das Regenwasser sammelt, vorzüglich in der Hize des Sommers, während seines Falles eine Menge leichter Körper auf, die in der Atmosphäre umher schweben: sammelt man solches Wasser in Flaschen auf, und verschließt dieselben mit einem Pfropfe, so wird es allmählich in Fäulniß übergehen, wie man an weichem Wasser auf Schiffen nur zu oft gesehen hat. Lowiz ist der Erste, welcher bemerkte, daß Wasser, welches in Fässern aufbewahrt die innenwendig verkohlt waren, auf langen Seereisen der Fäulniß länger zu widerstehen vermochte; er bewies durch eine Reihe von Versuchen, daß Kohle, die Eigenschaft besizt. Gas zu verschlingen, und das Entstehen der Fäulniß zu hindern;73) und dieser Eigenschaft der Kohle bediente er sich zur Reinigung des Wassers zum Hausbedarfe. Sein Verfahren veranlaßte die Errichtung einer Menge großer Anstalten, in welchen in großen Städten das Wasser zum Hausgebrauche durch Kohlen filtrirt wird. So gut auch diese Methode ist, so nüzt sie doch in gewissen Fällen nichts; diese Eigenschaft der Holzkohle dauert nicht |152| sehr lang, und geht in kurzer Zeit verloren. Die Dauer derselben hängt von dem Zustande und von der Menge des Wassers ab, mit welcher die Kohle in Berührung gebracht wurde, und auch von der Temperatur. Was den lezteren Umstand betrifft, so hatte ich Gelegenheit eine Thatsache zu bemerken, die es vielleicht der Mühe werth ist hier anzuzeigen.

Es geschieht zuweilen, daß das Wasser, welches durch Holzkohlen filtrirt wurde, nach dem Filtriren unreiner durchgeht, als es vorher war. Ich habe filtrirtes Wasser angetroffen, dessen gährungsfähige Eigenschaften dasselbe höchst ungesund machten; es bekam in 24 Stunden einen sehr unangenehmen Geschmak, und die Gährung, in die es gerieth, gab ihm einen ganz besonderen Charakter. Es ward, wie ein Extract, ganz rozig. Ich erkläre mir dieses Phänomen auf folgende Weise, und mehrere Beobachtungen, die ich zeither machte, bestätigen diese Theorie. Es ist bekannt, daß Holzkohle den Extractiv-Stoff, Färbestoff und gasartige Bestandtheile, wenn man sie zum Klären der Pflanzen-Auszüge anwendet, verschlingt. Diese verschlingende oder absorbirende Kraft muß aber, so gut wie jede andere Kraft, ihre Gränze haben, und endlich einen vollkommnen Sättigungspunct erreichen, auf welchem sie nochwendig ganz kraftlos werden muß. Wenn nun unter diesen Umständen, wo die Kohle mit dem Extractiv-Stoffe etc. ganz voll gefüllt ist, noch Wasser durch solche Kohle filtrirt wird, so muß die Mischung dieser Flüssigkeit dadurch verändert werden, und zwar vorzüglich dann, wenn die Temperatur der Luft, und folglich auch die des Wassers, und der filtrirenden Kohle, erhöht ist. Es werden sich nämlich dann Theile des Extractiv-Stoffes, die in dieser Kohle enthalten, bei einer niedrigen Temperatur unauflösbar sind, auflösen, und zu den in dem Wasser, welches man reinigen will, bereits enthaltenen Unreinigkeiten noch hinzukommen, und dasselbe folglich noch unreiner machen, als es vor dem Filtriren gewesen ist.

Man glaubt gewöhnlich, daß der Unrath von Paris, der durch die Kloaken in die Seine läuft, das Wasser dieses Flusses unterhalb der Stadt mit ungesunden thierischen Stoffen überladet; allein es ist leicht zu beweisen, daß alle diese Unreinigkeiten sich in der ungeheueren Menge Wassers, welche |153| ununterbrochen fortstießt, gänzlich verlieren, und nur in einer so geringen Menge darin vorkommen können, daß sie nimmermehr einen bedeutenden Einfluß auf die thierische Oekonomie zu äußern im Stande sind. Die Menge Wassers, die täglich durch Paris fließt, beträgt 1,200,000 Cubic-Zoll74) .

Kalkerdige Salze sind öfters so häufig in Brunnen- und Quell-Wasser, daß das Wasser dadurch höchst ungesund und sowohl zum Haus- als zum Fabrikgebrauche ganz unbrauchbar wird. Der Bodensaz, den es bei dem leichtesten Sieden bildet, drängt sich in die kleinsten Zwischenräume, und in dieser Hinsicht wird solches Nasser zum Kochen und Sieden vieler Gerichte unbrauchbar. Andere Wasser enthalten, wie das Meerwasser, mehr auflösbare Salze, und zwar in solcher Menge, daß sie untrinkbar werden. Alle diese Wasser und selbst das Meerwasser, können durch die Destillation gesund, trinkbar und zum Haus- und Fabrikgebrauche beinahe in jedem Falle tauglich gemacht werden.

Die gasartigen Ausflüsse, welche in den Bergwerken durch allmähliche Zersezung bedeutender Massen metallischer Substanzen erzeugt werden, erzeugen nicht bloß Asphyxien, sondern werden auch durch die Grubenlichter, welche die Bergleute beständig bei der Hand haben müssen, häufig entzündet, und verursachen auf diese Weise allgemeine Grubenbrände und fürchterliche Explosionen. Man hat indessen gefunden, daß, wenn man Gewebe aus Kupfer-Draht mit etwas weiteren Zwischenräumen mitten in eine Flamme hält, die Flamme durch dieses Gewebe nicht durchzudringen vermag, sondern, wenn dasselbe auch noch so nahe an dem Dochte angebracht wird, immer an der Oberfläche desselben stehen bleibt. Diese bekannte Thatsache brachte Sir Humphry Davy auf die Idee, die Entzündung des brennbaren Gases in den Bergwerken dadurch zu verhüten, daß man die Grubenlichter mit einem Drahtgewebe umgibt, durch |154| welches wohl die Producte der Verbrennung, nicht aber die Flamme, die das Gas entzündet, durchziehen können. Diese Vorrichtung hatte den beßten Erfolg;75) allein, die Stupidität der Leute einer gewissen Classe ist so groß, daß, nachdem sie selbst mit ihren eigenen Augen und auf die deutlichste Weist sahen, daß sie hiedurch ihr Leben sichern können, diese so nüzliche Vorrichtung dennoch großen Theiles vernachlässigen, und ohne ihr und ihrer Kammeraden Leben zu achten, mit offenen Grubenlichtern in den Gruben umher laufen. Nur durch schwere Strafen kann man sie zwingen, das schäzbare Mittel, das man ihnen in die Hand gegeben hat, nicht vollends wegzuwerfen. Da man so oft sehen muß, daß alle Vorsichts-Maßregeln, die man den Arbeitern ans Herz legt, denselben vergebens empfohlen werden, so sollte man immer zur Erhaltung ihres Lebens und ihrer Gesundheit, wo möglich, nur solche Maßregeln vorschlagen, die ganz und gar nicht von ihrer Willkühr abhängen76) .

Die großen Quellen aller Gährung überhaupt, und aller Zerstörung der organischen, thierischen wie vegetabilischen Körper sind Wärme und Feuchtigkeit: die Resultate ihrer Einwirkung sind gleichzeitig, und sie begünstigen die Zersezung gährungsfähiger Stoffe ganz besonders. Wo man die eine beseitigt, wird zugleich die Wirkung der anderen geschwächt. Sobald die Temperatur der Atmosphäre erhöht wird, erzeugt sie alsogleich eine Veränderung an thierischen und vegetabilischen Substanzen, solang |155| dieselben naß sind, wie z.B. an Speisen, an Gallerte, Blut, Knochen, Sehnen, Weizen, Gerste, Bohnen, Erdäpfeln etc., während Wasser selbst. bei niedriger Temperatur, auf alle diese Substanzen nicht wirkt.77) Im hohen Norden erhalten sich die Körper der Fische und anderer Thiere vollkommen wohl im Eise. Man fand ein ganzes Mammoth, selbst mit Fleisch und Haut und Haar etc. wohlerhalten, obschon es seit mehreren Jahrhunderten todt war.

Wir wollen nur noch einige ärztliche Beobachtungen über verschiedene, aus dem durch verschiedene Ausdünstung verdorbenen Zustande der Atmosphäre hervorgehende Krankheiten anführen, und mit jenen Mitteln zur Erhaltung der Gesundheit enden, die man aus Obigem leicht verstehen wird. Diese Beobachtungen wurden häufig gemacht, und von einer Menge von Aerzten wiederholt. Bernardin Ramazzini, ein berühmter italiänischer Arzt, der die Unfälle, welchen die sogenannten Nacktkönige ausgesezt sind, zuerst beachtete, ward dadurch veranlaßt, auch die Krankheiten anderer Gewerbe zu studiren, und gab im J. 1700 zu Padua seine vortreffliche Abhandlung „de morbis artificum“ heraus, aus welchem alle seine Nachfolger schöpften, und welches Fourcroy im J. 1777. mit Anmerkungen, und schon früher Hecquet im J. 1740, Skragge im J. 1764, Buchan in seiner Domestic Medicine, im J. 1775, Berrand, im J. 1804, Gosse in Genf, im J. 1816 und Patissier, im J. 1822 übersezte78) .

Ueber Bleikolik und Asphyrie finden sich auch sehr schäzbare Aufsäze im Dictionnairo des Sciences médicales. Möchte nur auch der in diesen Werken gegebene gute Rath befolgt werden, und nicht immer jene Widersezlichkeit finden, die jede Verbesserung überall zu bekämpfen hat.

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Hr. Ravrio, Gürtler und Vergolder, war vor vielen Jahren Zeuge der fürchterlichen Krankheiten, welchen die Wasser-Vergolder stets ausgesezt sind, theils wegen der Queksilber-Dämpfe, theils wegen des salpeterigen Gases, welches sie in ihren Werkstätten immerdar einathmen.79) Bei seinem Tode legirte er einen Preis von 3000 Franken für denjenigen, welcher ein Mittel erfinden würde, die Wasser-Vergolder vor den Verderblichen Einwirkungen der Queksilber-Dämpfe zu schüzen.

Hr. D'Arcet, der in dem Laboratorium der Münze80) lange Zeit über den gefährlichen Einwirkungen der Salpeter-Dämpfe ausgesezt war, fand endlich seine Gesundheit davon sehr angegriffen. Eingedenk, daß alle seine Vorfahren als Opfer der verderblichen Einflüsse dieser Gasarten fielen, und noch trauernd über den so eben erlittenen Verlust seines Mitarbeiters d'Aufry, der an einer schmerzhaften, aus derselben Ursache entstandenen, Krankheit so eben gestorben war, alle warnend, die unausgesezt in der Münze als Probirer arbeiten und sich den verderblichen Dämpfen bloßstellen mußten, hatte er dessen ungeachtet den Muth, sich neuerdings den Einwirkungen noch schädlicherer Dämpfe auszusezen, und, um Ravico's philanthropische Idee auszuführen, ging er selbst in die Werkstätten der Wasservergolder, und brachte in denselben solche Vorrichtungen |157| an, die die Arbeiten dieser Unglüklichen weniger verderblich wachten. Ohne die, bereits sehr mühevoll gewordene, Arbeit im Dienste des Wohles dieser Classe von Handwerker hier zu unterbrechen, und sich zu begnügen, die Zwekmäßigkeit seiner im Jahre 1818 von ihm aufgestellten Methode in einer Werkstätte allein zu erweisen, führte er, als die HHrn. Vauquelin, Thenard und Chaptal über seine über diesen Gegenstand geschriebene Abhandlung vor dem Institute Bericht erstatteten, seine Vorrichtungen in zwölf Werkstätten auf einmal ein, deren Besizer größtentheils nach mehreren Monaten das Wohlsbefinden ihrer Arbeiter, seit d'Arcet's Methode von ihnen befolgt wurde, bezeugten.81)

Hr. D'Arcet mußte die Arbeiten der Wasservergolder in ihrem ganzen Detail verfolgen, und fügte seiner Abhandlung, die er dem Institute überreichte und die von demselben gekrönt wurde, einen Artikel bei, der äußerst reichhaltig an ökonomische Verbesserungen ist.

Die wichtigen Resultate, die er durch die verschiedenen Anwendungen seines Ventilations-Systemes erhielt, biethen selbst schon bewunderungswürdige Verbesserungen dar, und versprechen durch die Ausdehnung, die man ihnen in einer Menge von Fällen geben kann, noch neue Vortheile. Man darf nur den zahlreichen bisher bekannt gewordenen Beispielen82) hierin folgen, und die hier unten entwikelten Grundsäze auf eine ähnliche Weise anwenden.

Die Wirkung der Ventilation läßt sich auf folgende Weise |158| darstellen. Es sey eine walzenförmige Röhre AB, Fig. 5a ,83) senkrecht aufgestellt. Wenn die Luft innerhalb und außerhalb derselben einerlei Temperatur hat, so ist offenbar die Luft ausserhalb und innerhalb derselben im Gleichgewichte, und es wird keine Bewegung Statt haben. Wird aber ein Theil des Cylinders erhizt, so wird die mit diesem Theile in Berührung stehende Luft verdünnt, und folglich specifisch leichter, und steigt mit einer dem Grade der Hize verhältnißmäßigen Geschwindigkeit in die Höhe, wo sie dann bei A entweicht,84) die äußere Luft dafür bei B eindringt, und die entwichene Luft ersezt. Wenn dieselbe Ursache der Erhöhung der Temperatur in dem Cylinder fortwährt, wird die neuerdings eindringende Luft, so wie sie erhizt wird, gleichfalls wieder leichter, und entweicht auf dieselbe Weise nach Oben in dem Cylinder, und wird folglich wieder durch die bei der Oeffnung B eindringende Luft ersezt. Aus diese Weise wird also ein beständiger aufsteigender Luftzug unterhalten, und wird so lang dauern, als ein Theil des Cylinders A und B noch in einer höheren Temperatur bleiben wird als die Atmosphäre. Wenn man an dem unteren Ende der Röhre, B, eine doppelte gekrümmte Röhre B', C', D', anfügt, so muß, da die Luft außerordentlich elastisch und beweglich ist, dieselbe Wirkung Statt haben, wenn die Luft bei D eintritt. Es ist ferner klar, daß, wenn die Luft entweder bei dem Puncte B', oder bei dem Puncte D' mit faulen Miasmen oder mit ungesunden Gasarten oder womit immer in Berührung kommt, dieselbe Wirkung Statt haben wird, als, wenn die Luft rein wäre. Man kann also die eine oder die andere dieser beiden Oeffnungen, B', D' an der Mündung irgend eines Canales anbringen, der ungesunde oder übelriechende Gasarten führt, die sich nicht mit der Luft des Zimmers verbinden soll, und der üble Geruch oder die übrigen schädlichen Eigenschaften der Gasarten werden sich nur bei dem Puncte A' zeigen. Es ist leicht begreiflich, daß diese obere Oeffnung des Cylinders sich über |159| den Giebel des Daches hinaus erheben läßt, so daß man durchaus nichts Nachtheiliges von den Wirkungen des entwikelten Gases zu besorgen hat.

Wenn die Oeffnungen B' oder D' sich in einem begränzten Raume befinden, z.B. in einem Zimmer, so wird Erneuerung der Luft in diesem Raume durch die aufsteigende Röhre nur dann Statt haben können, wenn in diesen Raum eben so viel atmosphärische Luft eingeführt wird, als andere Luft durch die Röhre hinausgeschaft wird.85)

Es ist daher nothwendig, daß die Oeffnungen, welche mit der äußern Luft in Verbindung stehen, wenn sie diese Luft-Erneuerung herbeiführen sollen, ihre Zahl mag was immer für eine seyn, der Größe nach den Oeffnungen in der Röhre A'B' gleich sind, d.h. die Summe der Oberflächen der Durchschnitte dieser Oeffnungen, Röhren etc., durch welche die äußere Luft herbei geführt wird, muß gleich seyn der Fläche des an die Seiten der Röhren A' B' senkrechten Durchschnittes. Je größer im Allgemeinen die Röhre 'A 'B ist, die einen Zugschornstein bildet, desto kräftiger wird bei gleicher Geschwindigkeit der Zug seyn,86) indem wir wissen, daß die Menge der elastischen Flüssigkeit, die durch dieselbe durchzieht, gleich ist dem Durchschnitte derselben multiplicirt mit der Geschwindigkeit des Zuges. Es ist leichter und weniger kostbar, den ersten dieser Factoren als den zweiten zu vergrößern, indem die Geschwindigkeit von der Hize abhängt, welche nur durch ein zweites Mittel, und wenn die Temperatur bedeutend erhöhet werden muß, |160| nur durch ein besonderes Feuer, dessen Unterhaltung wehe Brenn-Material kostet, erhalten werden kann, während man für einen größeren Umfang der Röhre leicht bei der ersten Verfertigung derselben mit einem kleinen Zuschusse an Auslage sorgen kann.

Da die Geschwindigkeit des Luftzuges zugleich von der Höhe derselben abhängt, so muß die Zugröhre so hoch als möglich errichtet werden, um zugleich den Vortheil zu erhalten. die schädlichen Dämpfe in einer größeren Höhe oben zu entleeren. Wenn z.B. die Zimmer, welche durch Ventilation gereinigt werden sollen, nahe an dem Dache sind, so müssen die Zugröhren mehrere Fuß über das Dach des Hauses emporragen: denn ohne diese Vorsorge würde der Unterschied in der Höhe A' B', welcher allein den Zug zwischen den beiden Armen des umgekehrten Hebers, A' B', C' D', darstellt, sehr klein und vielleicht nicht hinreichend seyn.

Bei jeder Anwendung der Ventilation zur Reinigung der Luft muß man immer trachten, ununterbrochene Luftströmung zu erhalten, die ganz und gar nicht von der Willkühr der Arbeiter, Knechte etc. abhängt; in dieser Hinsicht muß bei dem Baue eines Hauses, wo Zug-Schornsteine oder Zugröhren angebracht werden sollen, dafür gesorgt werden,87) daß diese Schornsteine, die zu keinem anderen Gebrauche bestimmt sind, dicht nebeneinander entweder in der Mitte der wahren Schornsteine, oder, noch besser, an einem oder an mehrere Schornsteine angebaut werden, so daß sie von diesen erwärmt werden, und die Temperatur in denselben beständig, ohne besondere Aufmerksamkeit und ohne eigenes Feuer erhöht unterhalten wird. Indessen können sie auch mittelst eines eigenen Feuers erwärmt werden.

Als Beispiel der Anwendung dieser Grundsäze wollen wir hier die Weise zeigen, wie Hr. D'Arcet die Abtritte und Gewölber |161| ventilirt. Fig. 6 zeigt den Grund- und Aufriß eines Gebäudes, in welchem 8 Abtritte sich befinden. Der horizontale Theil der Röhre A' B' C', D', Fig. 5, ist hier durch das Gewölbe CHD (im Durchschnitte gezeichnet) dargestellt. Die Canäle AC, und A' C', auf welchen die Size A' A' angebracht sind, stellen den absteigenden Theil dieser Röhre dar, und die lange Zugröhre BD den aufsteigenden Theil, oder den verticalen Cylinder A' B' in Fig. 5.

Um die ventilirende Kraft der Zugröhre BD zu sichern, ist es, wie wir oben bemerkten, hinreichend, eine etwas erhöhte Temperatur in einem oder in mehreren Theilen dieser langen Reihe von Schornsteinen zu unterhalten. Die äußere Luft, welche auf diese Weise durch die aufsteigende Bewegung der verdünnten Luft eingezogen wird, tritt in die Abtritte ll' bei den Fensterchen ii', und stürzt sich ohne Unterlaß durch die Oeffnung der Size AA' in der Richtung A und A in das Gewölbe CHD hinab, und steigt in der Richtung DB hinauf und entweicht oben an dem Ende der Zugröhre B 88) .

Eine ander Methode, einen ununterbrochenen Luftstrom zu erhalten, besteht darin, daß man die Zugröhre aus Materialien verfertigen läßt, die Wärmeleiter sind, wie Gußeisen, Eisenblech etc., und dieselben so nahe als möglich an jene Theile der Schornsteine bringt, die beständig warm erhalten werden. Zuweilen muß man auch noch zu anderen Methoden seine Zuflucht nehmen, wenn man einen stärkeren Zug erhalten will. Der Ofen R (Fig. 6.), dessen aufsteigende Röhre T ihre Luft aus dem Gewölbe erhält, und dessen andere Röhre x, x, x, die Luft in dem großen Zug-Schornsteine BD erwärmt, zeigt eine dieser Methoden. Au dem Theile S dieser Zugröhre oder dieses Schornsteines (siehe dieselbe Fig. und Fig. 7 und 8.) sieht man, daß, um das Aufsteigen des Luftstromes zu fördern, man die Hize der Flamme einer argand'schen oder anderen Lampe, |162| selbst einer Gaslampe, anwenden kann. Das Licht dieser Lampe kann durch eine Glasscheibe durchscheinen, wie bei S, und so die Stiegen etc. erleuchten.

Diese verschiedenen Methoden wurden neuerlich mit dem beßten Erfolge zur Ventilation des Opernhauses verwendet. Hr. D'Arcet empfiehlt in dem von ihm bekannt gemachten Plane die Errichtung einer großen Zugröhre in dem höchsten Theile und in der Mitte der Deke des Hauses über den Luster, und eine andere Zugröhre an dem höchsten Theile der Bühne, so daß erstere die Producte des Athemholens der Zuschauer, leztere die Ausdünstungen von der Bühne wegführt, während die Luft durch 2,400 Röhren erneuert wird, die unter den Bogen weglaufen, und im Winter ihre Luft aus den Gängen erhalten, die mittelst des im Keller angebrachten Calorifere's geheizt werden, im Sommer aber kühle Luft aus dem Keller herbeiführen.89) Die leztere von diesen Zugröhren erneuert die Luft des ganzen Theaters, und ist eines mächtigen Zuges fähig, so daß der Rauch, der unter gewissen Umständen erzeugt wird, augenbliklich verschwindet. Es ist hier eine sehr sinnreiche Anwendung dieser Vorrichtungen benuzt, wodurch augenbliklich Luft aus dem Gewölbe unter der Bühne in dieselbe gelassen, und dann von dieser in die Gänge und von da in den Zug oben geleitet wird, wodurch auch der leiseste articulirte Ton dem Publicum deutlich vernehmlich wird. Diese sonderbare Wirkung wird durch eine Reihe höchst einfacher Klappen erzeugt90) R.

Man vergl. hiemit auch die Abhandlung S. 24 in diesem Journal. D.

Wenn man in England es der Mühe Werth fand, diesen Artikel aus dem Dictionnaire technologique für Fabrikanten zu übersezen, so wird wohl auch in Deutschland eine deutsche Uebersezung desselben um so weniger überflüssig seyn, als unsere Handwerker und Künstler nur zu wenig mit den Gefahren bekannt sind, die sie in ihren Werkstätten umgeben. Der edle Graf Berchtold (der als ein Opfer seiner Philanthropie fiel, und dessen Verdienste um die leidende Menschheit wohl so lang uns unvergeßlich bleiben müssen, als die Menschheit selbst in einem leidenden Zustande bleiben wird, für dessen fortgesezte Dauer unsere Tröster aus allen Kräften sorgen), Graf Berchtold war der erste, der in Deutschland durch kleine, auf seine Kosten gedrukte Aufsäze, unsere Handwerker auf die Gefahren aufmerksam machte, denen sie in Folge ihres Gewerbes stündlich ausgesezt sind, und der sie zugleich, soviel es die Umstände erlaubten, auf Mittel zur Erhaltung ihrer Gesundheit aufmerksam machte. Er sezte sogar Preise auf die Angaben der zwekmäßigsten und sichersten Mittel zur Beseitigung dieses oder jenes, bisher mit der Ausübung gewisser Gewerbe verbundenen, Nachtheiles für die Gesundheit; allein seine Stimme war die Stimme des Schreienden in der Wüste; und selbst die, die ihn hörten, verlachten ihn, und wollten ihn sogar der Regierung des Landes, für das er sich opferte, verdächtig machen. Jezt fängt man an einzusehen, weß Geistes Kind dieser edle Mann gewesen ist, und ehrt auch dort sein Andenken, wo früher sein Name in üblem Geruche stand. Virtutem incolumem odimus; sublatam ex oculis quaerimus invidi. A. d. Ueb.

|130|

Wer hieran zweifelt, der lese Ramazzini de morbis opisicum, und da man heute zu Tage nicht mehr latein liest, wenigsten, des sel. Ackermann deutsche Umarbeitung dieses unsterblichen Werkes A. d. deutsch. Ueb.

|130|

Möchte doch kein Sterblicher jemals vergessen, was der alte Elmyn, der Montaigne der Engländer, eben so wahr als naiv sagte: Die Luft ist die große Schüssel, aus welcher man bei jedem Athemzuge ißt: man muß sie rein halten.“ A. d. deutsch. Uebers.

|131|

Dieß ist lediglich das Resultat der öffentlichen Erziehung in vielen Ländern. Man will die arbeitende Classe so stupid, wie möglich, haben, und bezahlt eigene Magistros stupiditatis mit schwerem Gelde zu diesem humanen Zweke. A. d. deutsch. Ueb.

|132|

Sie sind in dem Originale in einer Note aufgeführt, die wir hier wegließen, weil sie bloß historisches Interesse haben. A. d. deutsch Ueb.

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Gill's technic. Repos. N. 13. S. 45.

|137|

Einem bekannten Grundsaze zu Folge ist es nicht nöthig, die Luft mit Gewalt wie durch Schmiede-Blasebälge in die engen Röhren einer Löthlampe etc. einzublasen, um die möglich größte Menge Luft durch kleine Oeffnungen durchgehen zu machen, wenn es sich bloß um Erneuerung der Luft handelt. Dieser Druk vergrößert die anzuwendende Kraft, vermindert die Wirkung, und die Luft wird weniger allgemein erneuert. Gilt.

|138|

Auf Leitung der Luft durch Druk-Ventilation und Regulirung der Wärme in Wohnzimmern, mit Beschreibung der Anwendung verschiedener Grundsäze, wie man sie im Covent-Garden Theater in Lloyd Kaffeehause etc. ausgeführt sieht; kurzer Bericht über verschiedene Patent-Apparate zur Erwärmung, Abkühlung etc. der Luft und anderer Flüssigkeiten, mit Kupfer-Tafeln erläutert etc. A. d. O.

|139|

Dieß ist aber nicht die Schuld des Marquis, sondern jener Schreiber in der Kanzellei, die die Regierung befähigt, Patente auf längst bekannte sogenannte Erfindungen zu ertheilen, und auf diese Weise Diebstahl als legitim zu erklären. A. d. Ueb.

|139|

Hr. Bonnemain las im J. 1777 vor der Akademie des Sciences eine Abhandlung über die Kunst Eyer zu bebrüten, und ließ im J. |140| 1816 eine kleine Schrift über diesen Gegenstand druken. Er übte diese Kunst 15 Jahre lang in den Umgebungen von Paris aus, und gab seine Anstalt erst bei der eingetretenen Korn-Theuerung und dem Abgange des Hofes von Paris, im Anfange der Revolution, auf, wo er seine Hühner nicht mehr an den Mann bringen konnte. Er zeigte bei allen diesen Unternehmungen die Vortheile der Anwendung der Circulation des Wassers zum Heizen praktisch, und theilte einige sehr sonderbare Beobachtungen über die Erscheinungen bei dem Bebrüten mit. Er erfand einige sehr einfache Mittel, den Grad der Temperatur zu reguliren, hat aber diese seine späteren Entdekungen nicht bekannt gemacht, sondern bloß mir mitgetheilt. Es war um so grausamer, diesen Mann um die Ehre seiner Erfindungen bringen zu wollen, als er nur durch eine lange Reihe mühevoller Versuche zu denselben gelangte, und diese Ehre das Einzige war, was ihm zum Troste in seinen alten Tagen übrig blieb. Hr. Bonnemain war bereits sehr hoch im Alter vorgerükt, als er sich genöthiget fand, seine Brüt-Anstalt aufzugeben. Er brachte die lezten Jahre seines Lebens mit Vervollkommnung seiner verschiedenen Erfindungen zu, und war, in Erwartung der Ausführung derselben genöthigt, den Beistand einiger geistreicher Männer zu suchen, welche seine langen und anhaltenden Arbeiten, seine Unglüksfälle, sein hohes Alter für ihn interessirten, und die ihm diese Hülfe, damit sie feine Delicatesse nicht beleidigten, für baar Geld leisten mußten. Er starb, ehe er von seinen lezten Erfindungen noch einen Vortheil ziehen konnte. A. d. O.

|141|

Die bei uns in Baiern so sehr Noth thut, indem wir Städte kennen, wo Individuen an den Stadtgerichten für ihre Tintenfässer Palläste bauten, die Gefängnisse aber bei den Kloaken und Ställen ihres Pallastes anlegten, so, daß auch der Gesundeste in denselben in wenigen Tagen erkranken muß. A. d. Ueb. Die Hauptstadt gibt ein entgegengeseztes Beispiel. D.

|143|

Von solchen Männern, die der Sache kundig sind, läßt sich auch mit Recht, Recht erwarten. Wie aber da, wo sich Juristen solches anmaßen? D.

|146|

Ein Litre enthält 50,4124 alte franz. Cubiczoll, 100 Litre sind = 85,444 berl. Quart, oder 54,235 rheinl. Maaß oder 70,669 Wiener Maaß, 83,047 Leipziger, oder 106,805 Dresdner Kannen, oder 21,636 engl. Bier = Gallons. D.

|149|

Gegen diese und die folgende Art zu messen läßt sich Vieles bemerken. A. d. Ueb.

|151|

Dieß ist so wahr und richtig, daß es unbegreiflich wäre, wie noch heute zu Tage Aerzte in Spitälern etc. so viele Eimer Essig täglich verräuchern können, wenn man nicht wüßte, daß unsere heutigen Aerzte gewöhnlich auch nicht einmal die ersten Rudimente der Chemie gründlich inne haben. A. d. Ueb.

|151|

Um weiches Wasser auf Schiffen aufzubewahren, bedient man sich jezt, statt der hölzernen Fässer, eiserner Cisternen. Außer dem Vortheile, daß das Wasser dadurch von allem Extractiv-Stoffe frei bleibt, der vom Holze aus immer in daselbe kommt, läßt es sich darin besser aufbewahren, und leichter einschiffen. A. d. O.

|153|

Schade, daß der Hr. Verf. die Zahl der Cubicfuß Unrath, die täglich aus Paris in die Seine fließen, nicht auch angegeben hat, um seinem Beweise mehr Kraft zu geben, als er uns nicht zu haben scheint. A. d. Ueb.

|154|

Wir können nicht umhin, hier ein Beispiel jenes unbegreiflichen und doch überall so häufigen blinden Widerstrebens gegen neue Entdekungen anzuführen. Man behauptet jezt in England, daß seit Einführung der Sicherheits-Lampen des Sir H. Davy die Todesfälle in den Gruben sich vermehrt hätten; man sagt aber nicht, obschon man es wohl weiß, daß man ehevor die Todesfälle in den Gruben immer verheimlichte, um die Arbeiter nicht zu erschreken, und die Leute von dem Grubenbaue abzuhalten, während man seit Einführung der Sicherheits-Lampen die Todesfälle der Grubenarbeiter, sie mögen wodurch immer herbeigeführt worden seyn, sehr genau bekannt macht. A. d. O.

|154|

Daraus erhellt die große Wichtigkeit von Ryan's Sistem einer vollständigen Gruben-Lüftung. Siehe Gill's Techn. Repos. I. B. S. 44. A. d. Ueb.

|155|

So sehr Wärme und Feuchtigkeit, wenn sie beide vereint sind, die vorzüglichsten Erregungs-Mittel der Vegetations-Kraft sind, so beschleunigen sie doch die Zerstörung des größten Theiles aller organischen Körper. Man glaubt allgemein, daß dieß der Berührung der Luft zuzuschreiben ist, da diese immer dabei vorhanden ist. A. d. O.

|155|

Wir haben von diesem trefflichen Werke mehrere deutsche Uebersezungen; die beßte ist die vom sel. Prof. Akermann. A. d. Ueb.

|156|

Gegenwärtig sind zu Paris, einschließlich der Gesellen und Lehrlinge, mehr dann 1200 Wasser-Vergolder, welche alle, mehr oder minder, den verderblichen Einflüssen ihrer Profession ausgesezt sind: der größte Theil derselben hat durch das Queksilber-Zittern (tremor mercurialis) den Gebrauch seiner Glieder gänzlich verloren. A. d. O.

|156|

Als Hr. D'Arcet mir die vielen sinnreichen Vorrichtungen, welche er in dem Laboratorium der Münze anbrachte, zeigte, und die glükliche ununterbrochene Wirkung seiner verschiedenen Ventilations-Methoden fühlbar machen wollte, schloß er auf einige Augenblike feine Zug-Röhren, um das Laboratorium in den ehemaligen Zustand zu versezen, in welchem es vor feiner Verbesserung gewesen ist. Alsogleich verbreiteten sich Dämpfe, Gase und Rauch im Laboratorium. In dem Augenblike, wo die Ventilation wieder hergestellt war, die, des Versuches wegen, nur für einige Minuten unterbrochen wurde, zog alles salpeterige Gas, das in großer Menge sich von den vielen Proben entwikelte, die man eben machte, sich durch die Röhren hinaus, ohne den mindesten unangenehmen Geruch zurükzulassen. A. d. O.

|157|

Er hatte damals mehr dann zweihundert Besuche in den Werkstätten verschiedener Wasservergolder gemacht, und kann jezt wohl mehr als 600 derselben zählen, da er zeither nicht aufhörte, sich für dieselben zu verwenden. Die Schwierigkeiten, die er bei Einführung dieser, die Gesundheit der Arbeiter und selbst das Leben derselben schüzenden Vorrichtung fand, waren so groß, daß sie den Polizei-Präfecten bestimmten, keine Erlaubniß zur Errichtung, oder selbst zur Ausbesserung, irgend einer neuen Wasser-Vergolder-Werkstätte zu ertheilen, wenn nicht D'Arcet's Vorrichtungen in denselben angebracht sind. A. d. O.

|157|

Die Laboratorien in der Münze, die chirurgische Abtheilung im Hospital St. Louis, die Werkstätten der Wasservergolder, die Gesundheits-Küchen, die Theater, die Gesundheits-Laboratorien etc. A. d. O.

|158|

Es gibt hier auf dieser Tafel im Originale zwei Fig. 5. Wir bezeichnen daher diese mit 5 a. A. d. Ueb.

|158|

Jeder Grad Wärme am hundertgradigen Thermometer vermehrt das Volumen der Luft um 1/266 2/3 = 3/800 = 0,00375 A. d. O.

|159|

Man hat nur zu oft gesehen, daß, aus Vernachlässigung dieses gehörigen Verhältnißes zwischen der Gin- und Ausgangs-Oeffnung dieser Luströhren die Baumeister sich vergebens bemühten, unter gewissen Umständen eine regelmäßige Ventilation hervorzubringen, und daß selbst die Wirkung der verdichteten und verdünnten Luft ganz und gar entgegengesezte Resultate, die man durchaus nicht zu erzeugen wünschte, hervorgebracht hat. A. d. O.

|159|

Und es ist immer wünschenswerth, den möglich größten Luftzug zu erhalten, indem man denselben leicht durch eine Klappe vermindern, und folglich nach Belieben reguliren kann. A. d. O.

|160|

Ein Haus mag zu was immer für einem Zweke gebaut werden, so ist es sehr wünschenswerth, daß der Baumeister feine Anordnungen so träfe, daß die Ventilation die möglich größte Mannigfaltigkeit in der Anwendung gestattet. Wir wollen nur ein Beispiel der allgemeinsten Anwendungen an den Wasser-Stübchen oder Abtritten hier geben, an welchen Hr. D'Arcet seine Ventilations-Methode mit so vielem Erfolge anwendete. A. d. O.

|161|

Das obere Ende dieser Zugröhre kann mit einer Wolfskehlen-Kappe, die sich dreht, bedekt seyn, wie in Fig. 6, oder durch irgend eine andere Vorrichtung zur Zerstreuung des Rauches und Sicherung desselben gegen den Wind. Auch ein Giebel-Ziegelhut, sich Fig. 9, hat gleichfalls seine Vortheile. A. d. O.

|162|

Auf diese Weise wird jeder Theil des Theaters, der oberste wie der unterste, in gleicher Temperatur erhalten. A. d. O.

|162|

Man hat bei einigen neuen Theatern diese wohlthätige Ventilations-Methode beseitigen wollen: allein, da diese das öffentliche Wohl, Gesundheit des Publicums, betrifft, so erhielten die Baumeister den Auftrag, alle zu dieser Ventilation nöthigen Vorrichtungen zu treffen, oder den Bau gänzlich aufzugeben. Wir wollen hoffen, daß das neue Opernhaus, welches die Vortheile dieser Ventilation so schön beweiset, bald alles unverständige Widerstreben gegen dieselbe besiegen wird. A. d. O. (Eine interessante Abhandlung über diesen Gegenstand enthält der 8. Bd. d. J. S. 197. „Ueber die atmosphärische Luft als Mittel zum Leben; nebst der Untersuchung verschiedener Ursachen ihrer Verunreinigung, wodurch Häuser, Dörfer Städte, und ganze Gegenden ungesund werden, und über einige Mittel zu ihrer Verbesserung Von dem K. Bau-Inspektor Voit.“) D.

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