Titel: Collier's Verbesserungen an Maschinen zum Tuchscheren.
Autor: Collier, John
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. XIX. (S. 166–171)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/ar011019

XIX. Gewisse Verbesserungen an Maschinen zum Tuchscheren, worauf Joh. Collier, Maschinist in Compton Street, Brunswick-Square, in der Grafschaft Middlesex, am 27. Sept. 1822 ein Patent genommen hat.

Aus dem London Journal of Arts. N. 25 S. 1.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Diese Verbindungen bestehen in gewissen Abänderungen, Zusäzen und Verbesserungen an jezt gebräuchlichen Tuchscher-Maschinen, vorzüglich an jener, auf welche Hr. Collier schon am 15ten Jäner 1818 ein Patent nahm, und die unter dem Namen der französischen Tuchscher-Maschine (French Shearing machine) bekannt ist. Form und Anordnung der Theile ist, im Allgemeinen, dieselbe in dieser Maschine, wie in der frühern. Um die Verbesserungen an derselben deutlich zu machen, muß man ihren Bau im Allgemeinen kennen. Fig. 16 in Tab. IV. zeigt diese Maschine im Aufrisse von der Seite, mit ihren Walzen, Hebeln und Scheren. Das Tuch welches geschoren werden soll, muß, wie bei a, regelmäßig auf einen Haufen gefaltet werden. Das obere Ende des Theiles, der bearbeitet werden soll, wird zuerst über die Kante des Regel- |167| Brettes, b, und von da über den oberen Theil des Verbreitungs-Cylinders, c, und unter dem Leitungs-Cylinder, d, durch geleitet. Von dort geht er zwischen der walzenförmigen Bürste, e, (die man zum Abnehmen der Rinde des Tuches nöthig hat) und der Auftreib-Walze, f, durch, und dann über die Speise-Walze, g, auf das Lager, h.

Hier kommt das Tuch zwischen die Scher-Walze, i, und das Lager oder Bett; erstere wird von der Kraft in Bewegung gesezt, die die ganze Maschine treibt, und läßt die spiralförmigen Messer (die Läufer) derselben gegen die Lieger so wirken, wie zwei Blätter der Schere gegen einander drüken, und dadurch das Haar auf der Oberseite des Tuches scheren. Von dem Lager kommt das Tuch auf die Leitungs-Walze j, und dann unter der Strek-Walze, k, auf die Bürste oder Vollendungs-Walze l, von welcher es über die Walze, m, in den Rumpf, n, gelangt, aus welchem es mittelst der Kurbel o, welche dem Rumpfe eine schwingende Bewegung ertheilt, regelmäßig gefaltet auf das Fußgestell gelangt.

Da die beiden Enden des Tuches zusammen genäht sind, so kann es seiner ganzen Länge nach geschoren werden, und soll es mehr dann einmal durch die Schere laufen, so ist nichts anderes nöthig; als das Stük Tuch von o auf a umgekehrt, die andere Seite aufwärts, zu legen.

Die Kraft, welche die Maschine treibt, wird an der großen Walze p angebracht, die aus zwei concentrischen Trommeln besteht, wovon eine an der Achse befestigt, die andere los ist, um die Maschine in und aus dem Gange zu bringen. Die übrigen Walzen drehen sich um ihre Achsen mittelst damit verbundener Räder und Lauf-Riemen, g, g, sind kleine, in Hebeln hängende, Trommeln mit Gewichten, um die verschiedenen Lauf-Bänder und Schnüre gehörig zu spannen, r, ist ein Tretbrett, welches an jeder Seite der Maschine mit einer Stange verbunden ist, wodurch die Scheren-Walze augenbliklich von dem Bette abgehoben und die Operation unterbrochen werden kann. s, s, s, s, ist ein gekrümmter Hebel, der auf das Laufband der großen Walze wirkt, und dasselbe in und aus dem Triebe sezt, wodurch die Maschine in den Gang gebracht, oder augenbliklich gestellt werden kann.

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Die gegenwärtigen Verbesserungen bestehen in folgenden Zusäzen zu der alten Maschine, 1tens die Walze, c, wird mit Draht-Karden oder mit Bürsten besezt, wodurch die Haare aufgelokert und in einen zum Scheren brauchbaren Zustand gebracht werden. Da die Walze sich in einer der fortschreitenden Bewegung des Tuches entgegengesezten Richtung dreht, wirkt sie zugleich als Bürste, und reinigt das Tuch vom Staube und anderen Unreinigkeiten, die allenfalls auf dem Gestelle unten in dasselbe gekommen sind.

So wie das Tuch von dem Haufen, in welchem es gefaltet liegt, auf die eben erwähnte Vorbereitungs-Walze fortläuft, läuft es über die senkrecht stehende Kante des Brettes, b, welches mittelst Schrauben sich höher und tiefer stellen läßt, so daß es dann das Tuch selbst mehr oder minder stark, so wie die Umstände es erfodern, gegen die Vorbereitungs-Walze andrükt. Die Walze, d, ist bloß deßwegen da, um dem Tuche eine andere Richtung zu geben.

Die zweite Verbesserung besteht in der Walze, e, welche mit Bürsten versehen ist, um die Rükseite des Tuches von allem losen Stoffe zu reinigen, der sich allenfalls daselbst anhängen mag. Durch die Walze f, die mit Plüsche oder mit Bürsten bekleidet ist, und die die dritte Verbesserung hier bildet, wird das Haar oder die Wolle aufgerichtet, und das Tuch sodann von der Speise-Walze, g, unter die Schere geleitet.

Das Bett besteht aus einer Stange von geschlagenem oder gegossenem Eisen, oder anderem Metalle, deren obere Kante von einem Ende bis zu dem anderen vollkommen geradelinig ist. Fig. 2 zeigt einen Querdurchschnitt oder ein Profil dieses Bettes in hinlänglich größerem Maßstabe, t ist das Feder-Stük, welches das Tuch gegen die Kante der Stange hält, die das Bett bildet. Die Stange selbst hat gar keine Elasticität, und muß fest und eben seyn; sie ist daher auf dichten Hältern, und, Fig. 16, aufgezogen, und überdieß an den Seiten des Gestelles mittelst Zapfen befestigt. An einer Seite dieser Stange befindet sich, der ganzen Länge derselben nach, eine Vertiefung oder Furche, die weit genug ist, um einen starken geraden Draht in derselben aufzunehmen, der ein doppelt glassirtes, leinenes oder seidenes Tuch festhält, welches mit einfachem Leder unterlegt, und vorne |169| über dem Draht mittelst einer dünnen Metall-Platte oder eines Metall-Streifens an der Stange befestigt wird. Diese Lage von glassirtem Tuche und Leder wird über die Kante der Stange geschlagen, und mittelst eines daran befestigten geraden eisernen Stabes, z, in Fig. 17, an der entgegengesezten Seite fest angezogen. Unter diese Lage von glassirtem Zeuge und Leder kommen noch mehrere Lagen von Sammt oder anderen weichen Substanzen, um ein elastisches Bett zu bilden. Diese Lagen von Zeug und Leder sind an einer Seite an einem langen Messing-Streifen befestigt, wodurch man diese ganze Bedekung steitwärts über die metallne Stange hinschieben kann, was dann durch die Hände, oder durch die kleinen Arme y, oder durch eine daran befestigte Kette ohne Ende geschehen kann; die über Rollen läuft, welche durch einen Zahn- und Triebstok gedreht werden. Der Zwek dieser Seitenbewegung ist, daß man sich durch das Schieben dieser Deken an beiden Enden der Stange nach der Breite des zu scherenden Tuches richten kann, und die Sahlleisten an den Seiten unter die Schere hinabsinken, und der Wirkung derselben entgehen.

Wenn man den Griff v hebt, so kann die Stange n sich um ihre Zapfen drehen, und augenbliklich der Einwirkung der Scheren entzogen werden; befestigt man aber diesen Griff, so kann die Stange mittelst Schrauben an dem unteren Ende der Hälter und nach Belieben gestellt werden.

So wie das Tuch über das Bett läuft, wirken die Scheren auf dasselbe, deren unteres Blatt, oder der Lieger, a, vollkommen gerade und eben ist. Der Wagen dieses Liegers dreht sich um Zapfen, b, kann aber auch durch eine Reihe von Schrauben, durch welche er an dem Tische gehörig gestellt wird, befestigt werden. Das obere, oder das sich drehende, Blatt (der Läufer), i, ist aus geschlagenem oder aus gegossenem Eisen oder Stahl. Nachdem dasselbe vollkommen cylindrisch abgedreht wurde, werden ungefähr acht spiralförmige Vertiefungen in dasselbe eingeschnitten, und zwar so, daß jede Vertiefung oder Furche ungefähr viermal um den Cylinder läuft, und zwar von einem Ende desselben zu dem anderen. In diese Furchen oder Vertiefungen werden Klingen von dem beßten dünnen Blatt-Stahle eingelassen, die nicht weiter als einen halben Zoll über |170| dieselben hervorragen. Statt diese Klingen, wie ehemahls mittelst hölzerner Blöke oder mittelst einer Composition aus Zinn und Spießglanz einzusezen, und in ihrer Lage fest zu halten, schlägt man vor, in die Zwischenräume zwischen jeder Klinge lange Messing-Streifen einzulegen, die sich um den Cylinder winden, auf einer Seite aber gegen die Klinge hin sich verschmälern sollen: diese Streifen werden mittelst Schrauben, die in kleinen Entfernungen von einander stehen, an dem Cylinder befestigt. Der auf diese Weise gebildete Scheren-Cylinder oder Läufer muß dann an seinen Schneiden gehörig vorgerichtet und so geschliffen werden, daß er vollkommen walzenförmig ist: denn das Gelingen des Scherens hängt vorzüglich von der Genauigkeit des Scheren-Cylinders ab.

Um denselben leichter arbeiten zu lassen, müssen seine Schneiden mit Fett bestrichen werden, was mittelst eines steifen Leder-Streifens geschieht, der, wie bei w, über dem Cylinder angebracht und gelegentlich mit Oel befeuchtet wird, welches er sodann den Schneiden dieses Läufers mittheilt. Dieses Leder ist nicht immer in Berührung mit denselben sondern streift nur gelegentlich an denselben an, was mittelst der Stifte an dem Ende der Walze, g, geschieht, welche, so wie diese Walze sich dreht, gegen das Ende des zusammengesezten Hebels, v,v,v, anschlagen, der es trägt.

Die Zapfen der Scheren-Walze werden von Armen, x, gestüzt, und durch Schrauben, y, gestellt: die Walze selbst wird mittelst eines Laufbandes von der großen Walze her getrieben. So wie das Tuch von dem Bette unter den Scheren weg kommt, läuft es über eine Walze, j, und über eine Rolle, k, und geht dann unter einer weichen Bürste oder unter einem Vollendungs-Cylinder, l, durch, der, indem er sich schneller als das Tuch bewegt, das Haar auf demselben ebnet und niederlegt, allen Staub und alle Fleken vom Scheren wegnimmt, insofern noch etwas daran hängt, und das Tuch auf eine ganz vorzügliche Weise vollendet. Von dieser Walze wird es durch die mit Plüsch belegte Walze in den oben beschriebenen Rumpf, n, geleitet.

Diese Maschine ist so angelegt, daß sie das Tuch von einem Ende zu dem anderen scheret; man schlägt aber auch ein Verfahren vor, wodurch es von einer Sahlleiste zur anderen geschoren |171| werden kann. Dieß geschieht mittelst einer fächerförmigen Schere mit geneigten Blättern, welche statt sich zu drehen, sich schwingen: dieses Verfahren hat indessen nicht nur keinen Vortheil vor den sich drehenden Scheren voraus, sondern kommt nicht einmal demselben gleich, indem die Schere zu schnell von einer Seite zur anderen läuft: wenn die Schere aber liegen bleibt, und das Tuch über die Tafel zieht, bringt sie eine sehr gute Wirkung hervor.

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