Titel: Griffith's Verbesserungen an Dampf-Wagen.
Autor: Griffith, Jul.
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. XXVI. (S. 185–188)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/ar011026

XXVI. Verbesserungen an Dampf-Wagen zum Versenden aller Arten von Waaren, und auch zum Gebrauche der Reisenden auf den gewöhnlichen Straßen, ohne alle Beihülfe von Pferden, worauf Jul. Griffith, Esqu., Brompton Crescent, Middlesex, sich, nach seinen Erfindungen sowohl als nach Mittheilungen von Ausländern, dd. 20. Dec. 1821, ein Patent geben ließ.

Aus dem London Journal of Arts etc. April 1823. S. 16994).

Mit einer Abbildung auf Tab. V.

Diese Verbesserungen bestehen in einer gewissen Verbindung mechanischer Kräfte, die durch Dampf in Thätigkeit gesezt und |186| an einem Wagen angebracht werden, wodurch derselbe ohne Pferde auf den gewöhnlichen Wegen fortgetrieben wird. Tab. IX zeigt diesen Dampf-Wagen von Außen. Die Dampfmaschinen, deren man hier, weil die doppelten Stämpel ein Flugrad ersparen, zwei braucht, sind, sammt Ofen, Kessel und Verdichter und übrigem Zugehöre, hinten angebracht. Die Cylinder können in der Figur nicht dargestellt werden, weil sie in einer Kiste zwischen den Hinterrädern liegen.

Der Kasten des Wagens kann von beliebiger Form seyn, je nachdem er zur Förderung von Waaren oder von Reisenden bestimmt ist, und von Federn gestüzt werden, die auf der Langwied ruhen. Der Wagen kann umkehren oder in Bogen fahren, wenn man, auf gewöhnliche Weise, die Richtung der Vorderräder ändert. Die kurzen Achsen dieser Räder werden von einem senkrechten Gestelle oder Joche, a, getragen, welches sich horizontal um die Spindeln dreht, die durch dasselbe und durch den darüber liegenden Querbalken laufen. Die Lage dieser Vorderräder wird mittelst der Griffe und der Spindel, b, geändert, welche von der vorne sizenden Person, die den Gang der Kutsche leitet, gedreht werden.

Wenn der Griff und die Spindel b entweder rechts oder links gedreht wird, so bringt ein unten an derselben angebrachter Triebstok, der in ein großes Kerbrad c, welches innerlich gezähnt ist, eingreift, eine Drehung hervor, und hebt die Hebel, dd, welche an diesem Schafte angebracht sind. Diese Hebel stehen mit Armen, ee, in Verbindung, welche von dem Gestelle nahe an den äußeren Zapfen eines jeden Vorderrades, auslaufen, und durch die Wirkung der Spindel und der Hebel, d, werden die Räder horizontal auf jenen Theilen ihrer Peripherie umgedreht, welche mit dem Boden in Berührung stehen. Auf diese Weise kommen die Vorderräder in schiefe Richtung in Hinsicht auf die Hinterräder, und der Wagen wird, in seiner Bewegung, eine Krumme beschreiben, und um jede Eke in einer Gasse sich wenden können.

Das Gestell, welches die Vorderräder führt, ist nicht mit der Langwied, sondern mit einer kurzen, sich drehenden, Stange f, verbunden. Diese Stange wird an jedem Ende von einem eisernen Reifen umfaßt, wovon der eine an der Langwied |187| der andere an dem Gestelle befestigt ist: dadurch werden die Vorderräder in den Stand gesezt, über jede Unebenheit weg zu rollen: der Wagen schwingt sich auf dieser Stange, und erhält seine aufrechte Lage. Auch die Dampfmaschine sammt Zugehör ist dadurch von aller Theilnahme an der schaukelnden und schlagenden Bewegung des Wagens geschüzt, da sie sich auf einer schwingenden Unterlage befindet, welche in Schlingen von dem eisernen Gestelle g, herabhängt. Die vier Ketten, welche diese Unterlage tragen, werden mittelst Spiral-Federn, h, elastisch gemacht. Die Hinterräder werden mit der Langwied durch gabelförmige Schäfte, i, verbunden, an deren unterer Seite Bügel angebracht sind, welche die Zapfen oder kurzen Achsen dieser Räder tragen.

Der Herd, k, kann aus Eisen und mit Feuerziegeln ausgefüttert seyn, und wird aus der Kiste, l, mit dem nöthigen Feuer-Material, nach Bedarf, von dem Hintermanne versehen, welcher mit dem Handgriffe m, die Speisethüre und das Register zur Regulirung des Zuges in dem Ofen öffnet. Unten ist die Aschengrube und das Reinigungsloch. Der Kessel besteht aus mehreren Reihen metallner Röhren, nn, die sich umbiegen und wieder quer in den Ofen zurrükkehren: in diesen Röhren wird der Dampf erzeugt. O, ist der Wasserbehälter: das Wasser fließt durch ein Nußgelenk in die Röhre p, und aus dieser in den Kessel. Eine Sprizpumpe, q, treibt das Wasser in die untere Röhre, r, und fließt von da in die untere Lage der Röhren, nn, aus welchen der, durch Einwirkung des Feuers, auf ihre äußere Oberfläche erzeugte, Dampf in die oberen Reihen von Röhren aufsteigt, in seinem Verlaufe noch mehr erhizt wird, wodurch seine Elasticität noch mehr zunimmt, und sich endlich durch die oberste Röhre, s, in die Cylinder der Maschine entleert.

Die Verdichter bestehen aus einer Menge flacher Röhren, die gedoppelt sind, und in der Kiste, t, auf und niedersteigen. Da ihre äußeren Oberflächen der Einwirkung der Atmosphäre ausgesezt sind, so wird der Dampf darin verdichtet, worauf das Wasser in den Behälter o abläuft. Auf diese Weise verwandelt das Feuer in dem Ofen k das in den Röhren, nn, enthaltene Wasser in Dampf, welcher, nachdem er alle Reihen von Röhren durchgezogen |188| ist, durch eine gekrümmte Röhre etwas in den Schonstein, v, hinaufsteigt, und von da in die Einleitungs-Oeffnung gelangt. Sobald der Dampf in den Cylinder gelangt, wirkt er durch seine Ausdehnungskraft, und treibt die Stämpel abwechselungsweise; tritt, wie gewöhnlich, aus den Cylindern durch die Abzugsklappe in die Verdichtungsröhren etc. so daß die Maschine ganz auf die gewöhnliche Weise in Thätigkeit gesezt und in derselben erhalten wird.

Die Kraft wird den Hinterrädern durch Kehrstangen, u, mitgetheilt, welche mit den Stämpelstangen verbunden sind. An dem unteren Theile einer jeden Kehrstange sind Triebstöke mit Sperkegeln, welche in die Zahnräder, w, eingreifen. Diese Zahnräder sind an den gewöhnlichen Rädern der Kutsche befestigt, und treiben diese Räder um, sobald sie von den Triebftöken getrieben werden, und die Räder schieben den Wagen in Folge ihrer Reibung auf dem Boden während ihrer Umdrehung vorwärts.

Den mit dem unteren Theile einer jeden Kehrstange und den Triebstöken verbundenen Mechanismus kennt der Patent-Träger einen Artzberger, nach seinem Erfinder, Hrn. Joh. Artzberger, Professor zu Wien. Er besteht aus einer Gabel und einer Achse, und bildet eine Art allgemeinen Gelenkes, wodurch die Verbindung zwischen den Triebstöken und den Zahnrädern erleichtert und der Umtrieb, ungeachtet alles Schwingens und Stoßens des Wagens, unterhalten wird. Der Sperkegel wird durch eine Feder in dem Arzberger gehalten, wodurch er in die Zähne der Röhre eingreift. Da aber die Räder zuweilen schneller laufen können, als die Triebstöke, so ist eine Vorsorge durch diesen Sperrkegel getroffen, der den Rädern das Vorlaufen und das Ausbleiben gestattet. Der Sperkegel kann auch so gewechselt werden, daß er den Wagen vor- und rükwärts treibt. Dieser Theil der Maschine ist jedoch nicht deutlich erklärt, bewerkt das London Journal, und unser Leser wird finden, daß das London Journal Recht hat.

Das London Journal bedauert, daß es noch keine Versuche angeben kann, die mit diesem Dampfwagen öffentlich angestellt worden sind, und verspricht dieselben mitzutheilen, sobald sie, da die hier angegebenen Vorrichtungen noch immer Veränderungen erleiden, Statt haben werden. Diese Dampfwagen wurden in unserem Journale, da man ihre Ausführung zuerst in Wien versuchte, schon einigemal besprochen, und wenn wir auch glauben, daß die Mechanik zu London auf einer höheren Stufe steht, als zu Wien, so zweifeln wir doch an dem Gelingen derselben. Man sollte, so scheint es uns wenigstens, nicht so sehr sich darum kümmern, wie man die Pferde bei dem Fuhrwerke beseitigen kann (denn der liebe Gott hat mehr Rösser als Menschen, geschaffen, und selbst an manchem Menschen das, was man ein Roß Gottes nennt), sondern vielmehr darum, wie man durch irgend eine leichte und einfache Vorrichtung, deren die Mechanik so viele besizt, Pferde-Kraft ersparen, und Pferden und Menschen das Ziehen am Wagen erleichtern kann. Erleichterung einer Last ist genug für denjenigen, dem sie nicht gänzlich abgenommen werden kann. A. d. Ueb.

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