Titel: Fabrikmäßige Bereitung des Salmiaks, des Glauber- und Riechsalzes.
Autor: Blumhof, Johann Georg Ludolph
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. LIV. (S. 329–350)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/ar011054

LIV. Fabrikmäßige Bereitung des Salmiaks, des Glauber-Salzes und des Riechsalzes in England 129).

Da der Salmiak (salzsaures Ammoniak) sowohl in der Heilkunde, als auch in Künsten und Gewerben so manichfachen Nuzen gewährt, und da sich die zur Bereitung erfoderlichen rohen Stoffe überall in hinreichender Menge finden, so habe ich geglaubt, daß die Beschreibung der Methode, nach welcher man jezt in England diese Waare im Großen bereitet, nicht ohne Nuzen seyn dürfte.

In den Apotheken wird der Salmiak zur Bereitung von caustischem Ammoniak, Eau de Luce, des kohlensauren und essigsauren Ammoniaks, des Eisensalmiaks, des Riechsalzes etc. gebraucht. In Künsten und Handwerken bedienen sich desselben die Kupfer- und Messingschläger zu der sichersten und dauerhaftesten Verzinnung. Optische und mathematische Instrumentenmacher und andere Metallarbeiter brauchen ihn zum Löthen mit Zinn. Außerdem dient der Salmiak zu manchen technischen und ökonomischen Behufen, wie in Kattunfabriken, Färbereien, Schnupftabaksfabriken, zum Verkitten der Dampfmaschinen, zum Lichtziehen, in Feuerwerkereien etc.

Der Salmiak oder das salzsaure Ammoniak ist ein vollkommenes Neutralsalz, bestehend aus Salzsäure in Verbindung mit Ammoniak. Er hat einen scharfen und stechenden Geschmak, ohne daß darin die Säure oder das Alkali vorherrschend wäre; wird in 2,72 Theilen kalten und in gleichen Theilen kochend heissen Wassers gelöst. Er besteht, nach Berzelius, aus 50,86 Säure, 31,95 Ammoniak und 17,19 Wasser. 130)

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Der Salmiak ist unter den Namen Sal ammoniacum, armonicum, ammonium etc. schon aus älteren Zeiten her bekannt gewesen, wodurch einige Schriftsteller veranlaßt wurden, den ersten Ursprung des Salmiaks von den Sandfeldern der Umgebung des Jupiter Ammons Tempels in Lybien, welcher ehedem sehr viel besucht wurde, herzuleiten, indem sie glaubten, daß er sich dort im Sande aus dem Urin der Kameele erzeuge, wodurch er den Namen Ammons Salz erhalten habe. Einige glauben, daß dieses Salz, welches ehemals aus Armenien kam, deßhalb Sal Armeniacum oder Armenianum genannt worden sey, und andere halten dafür, daß es den Namen Ammonium von Ammonia im Cyrenäischen Lande, woselbst eine Menge desselben aus der Erde gesammelt seyn soll, erhalten habe. Uebrigens ist die Veranlassung zu diesen Benennungen ziemlich gleichgültig. Der erste zuverlässige Bericht von der Bereitung dieses Salzes in Aegypten hat zum Verfasser einen Jesuiten, P. Sicard, welcher in einem Briefe von Cairo, im Jahre 1716, die Anfertigung dieses Salzes zu Damayer auf der Insel Delta kürzlich beschreibt. 131)

Durch die Fürsorge der königl. französischen Akademie der Wissenschaften wurde diese Sache noch mehr entwikelt, indem in den Memorien für 1720 eine Nachricht des fränz. Consuls Lemere in Cairo, mit Bemerkungen des jüngeren Geoffroy über die Eigenschaften und die Zusammensezung des Salmiaks erschien. 132) Diese Angaben wurden in der Folge durch den Engländer Schaw bestätigt 133) , dessen Reisen in die Barbarei und Levante im Jahre 1738 herauskamen.

Meines Wissens hat indeß Niemand eine ausführliche Beschreibung von der ägyptischen Methode der Salmiakbereitung |331| geliefert, als unser berühmte Landsmann Hasselquist. 134) Aus dieser steht man, daß der Stoff, dessen man sich dazu bedient, bloß aus dem Ruße besteht, welcher sich beim Verbrennen des Mistes von Pferden, Eseln, Kameelen, Ochsen, Kühen, Büffeln, Schaafen, Ziegen etc., die sämmtlich von frischen salzartigen Pflanzen leben, als Salicornium, Mesembryanthemum und Chenopodium etc. sammelt. Es ist also sehr natürlich, daß der Mist von solchen Thieren, welche Stroh oder trokenes Gras fressen, weniger zwekdienlich ist.

Daß man in Aegypten eine so ansehliche Menge dieses Russes haben kann, rührt aus zwei Ursachen her: Erstlich ist dieses Land sehr holzarm, so daß die armen Leute den Mist sehr sorgfältig zu Brennmaterial sammeln, und dann braucht man auch, wegen der wohlthätigen Ueberschwemmung des Nils, diesen Stoff nicht zur Düngung der Aeker zu verwenden.

Der gesammelte Ruß wird in Glaskolben von 2 Kannen Inhalt, und mit ganz kurzen Hälsen von 2 zölliger Oeffnung, gethan, jedoch werden diese Kolben nicht bis an den Hals voll gefüllt. Vor dem Einfüllen überstreicht man sie mit sandvermengtem Thon, und sezt sie in das Gewölbe eines hiezu aufgemauerten Ofens, in welchem passende Löcher für diese Kolben angebracht sind. Leztere stehen gewöhnlich in 5 Reihen, 10 in der Länge und 5 in der Breite, mithin zusammen 50, die auch zugleich abgewartet werden.

Im Anfange heizt man sehr vorsichtig, und zwar mit demselben Brennmaterial, wie vorhin erwähnt, und welches also bei seiner Verbrennung wieder einen neuen Stoff zur Salmiakbereitung liefert. Nach und nach wird das Feuer verstärkt, und ganze 72 Stunden lang unterhalten. Der Salmiak sublimirt sich dann nach der Hand im oberen Theile des Kolbens, und wenn die Operation beendigt ist, so werden die Kolben zerschlagen, und man erhält ein Stük Salmiak, welches inwendig weiß, außerhalb schwarz, unten platt und oben nach dem Gefäße, worin es sublimirt worden, geformt ist.

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Chaptal hat vergleichende Versuche mit verbranntem Miste von Pferden und Rindvieh aus der Gegend des mittelländischen Meeres angestellt, indeß erhielt er daraus nur im Winter Salmiak, weil das Vieh alsdann die salzigen Pflanzen fressen mußte, die es im Sommer verschmähte.

Baume, legte nachher die ersten Salmiakfabriken in Europa an; er destillirte Ammoniak aus festen thierischen Theilen. Hiemit wurde die in der Mutterlauge des Kochsalzes befindliche salzsaure Magnesia gefällt, das Klare abgedampft, getroknet und sublimirt.

In der Folge hat man an mehrern Orten zur Production dieser Handelswaare verschiedene Wege eingeschlagen. In Holland soll Salmiak aus einem Gemenge von pulverisirten Steinkohlen, Ruß, Thon, Salz und Wasser bereitet werden. 135) Hieraus macht man eine Menge Ziegel, welche getroknet. und in einen besondern Ofen mit Knochen geschichtet, gebrannt werden. Der Rauch wird in gewölbte Behälter geleitet, woselbst sich ein salmiakhaltiger Ruß absezt, der dann durch Sublimation Salmiak gibt.

Leblanc und Dize in St. Denis bei Paris haben mittelst der Mischung von Ammoniak und Salzsäure, beide in Gasgestalt, Salmiak bereitet. Ersteres wurde durch Destillation aus animalischen Stoffen, leztere aber aus Kochsalz mit Zusaz von Schwefelsäure entwikelt. 136)

Nach Göttling's Methode wird zuerst schwefelsaures Ammoniak bereitet. Dieses wird mit salzsaurem Natron zersezt. Das erzeugte schwefelsaure Natron wird nachher durch Abdünstung und Kristallisirung von dem Salmiak geschieden und der leztere endlich durch Sublimation gereinigt. 137)

Gren empfiehlt, als am vortheilhaftesten, aus Kochsalz und Alaun schwefelsaures Natron und salzsaure Thonerde zu bereiten. Diese leztere wird mit Ammoniak von destilirtem Urin |333| niedergeschlagen. Die Lauge wird zur Trokne abgedampft und sublimirt. 138)

Chaptal 139) schlägt vor, aus thierischen Stoffen Ammoniak zu destilliren und dieses Gas in eine Vorlage mit flüssiger Salzsäure strömen zu lassen, bis die Säure gesättigt ist.

In Deutschland pflegt man Ammoniak aus Urin zu destilliren.140) Hiemit fällt man eine Lösung von schwefelsaurem Eisenoxidul (Eisenvitriol). 141) Das kohlensaure Eisenoxidul sinkt zu Boden, und die klar gewordene Lauge, welche schwefelsaures Ammoniak ist, wird mit einer gewissen Portion Kochsalz versezt, wobei die Stoffe durch eine doppelte Wahlverwandschaft ihre Bestandtheile verwechseln; die Salzsäure verbindet sich mit dem Ammoniak und bildet Salmiak. Das Natron vereinigt sich mit der Schwefelsäure, und bringt schwefelsaures Natron (Glaubersalz) hervor. Beide Salze werden abgedampft und durch Kristallisation und Sublimation geschieden.

Unter allen diesen Arten der Salmiakbereitung hat die leztere mit der in England gebräuchlichen die meiste Aehnlichkeit, jedoch mit dem Unterschied, daß der zulezt erwähnte rohe Stoff schwerlich, wo nicht unmöglich, in hinreichender Menge herbeizuschaffen seyn dürfte, da hingegen an demjenigen, welchen |334| man in England braucht, nämlich Knochen von allen Thierarten, nicht leicht irgendwo Mangel entstehen kann, wenn zum Sammeln derselben die nöthigen Anstalten getroffen werden. – In London allein sind sechs dergleichen Werke angelegt, wo die Bereitung des Salmiaks aus folgenden Operationen besteht: 1) aus dem Sieden der Knochen, 2) dem Destilliren zur Gewinnung von liquiden basisch kohlensaurem Ammoniak; 3) aus dem Vermengen der Stoffe, und 4) aus dem Sublimiren des Salmiaks. – Ich will diese Geschäfte nach derselben Ordnung, zugleich mit dem Reinigen des Glaubersalzes und der Zubereitung des Riechsalzes beschreiben.

1. Das Knochensieden.

Um das in den Knochen enthaltene Fett abzusondern, müssen diese zuerst in kleinere Stüke zerhauen werden; dieses geschieht mit einem Handbeil, dessen Schneide nicht dünner geschliffen ist, als daß sie einen Winkel von 20 bis 30 Grad bildet. Diese Knochenstüke legt man in eine Siedepfanne (Tab. VI. Fig. 1, 2.), die halb voll Wasser gefüllt ist. Diese Pfanne ist etwa 6 Viertel-Ellen tief und von gleich großem Durchmesser, auf gewöhnliche Weise eingemauert, und mit einem Schornstein versehen. Oben auf der Pfannenmauer stehen zwei Bütten zum Aufnehmen des auskochenden und oben auf schwimmenden Fettes, welches abgeschäumt wird. Sobald die Knochen kein Fett mehr geben, werden sie mit einem durchlöcherten eisernen Kochlöffel herausgenommen. Das Fett wird wieder geschmolzen, nochmals abgeschäumt, durch ein Spahnsieb gesiebt und an die Lichtgießer verkauft.

2. Das Destilliren der Knochen.

Von den Salmiakwerken, welche ich zu sehen Gelegenheit hatte, und welche zwar in der Hauptsache einander gleich, aber in Hinsicht der Bauart, der Lage und Größe der Pfannen etwas verschieden sind, will ich hier nur dasjenige beschreiben, welches mir die bequemste Einrichtung zu haben schien, und nachher bei der von Hrn. Apotheker Plagemann in Stokholm gemachten Anlage zum Muster gedient hat.

Das Gebäude selbst war von Stein, etwa 15 Ellen lang und im Lichten 12 Ellen breit. (Tab. VI. Fig. 2, 3.) An |335| der einen Wand ist ein etwa 4 Ellen hoher Ofen. Das Schürloch des Ofens ist 18 Zoll hoch und 15 Zoll breit; das Aschenloch, etwa von gleicher Größe, liegt, wie es in England allgemein gebräuchlich ist, unter dem Boden, mit einigen Tritten zu demselben hinab. Diese Einrichtung ist in Hinsicht der Raum- und Kostenersparung vorteilhaft, und verdient also da, wo es das Local erlaubt, nachgeahmt zu werden.

Ueber einem gemeinschaftlichen Roste liegen drei Destillirpfannen von Gußeisen, und werden also durch ein und dasselbe Feuer geheizt. (Fig. 3.) Die zwei untersten liegen 1 1/2 Ellen von einander, und 1 Elle seitwärts unter der obern. Indeß hielt man die Lage dieser leztern beinahe für zu hoch. Der Durchmesser einer solchen Pfanne beträgt ungefähr 1 Fuß, und die Länge derselben von der Mündung bis zu dem etwas concaven Boden gegen 2 1/2 Ellen. (Fig. 4.) Die obere Pfanne sollte ein wenig länger als die andern seyn. – Die Dekel der Pfannen sind mit Handgriffen versehen, und in die Mündungen der Pfannen eingepaßt. Der Heizraum ist 2 1/2 Ellen lang, und quer über dem Rost 18 Zoll breit. Die Feuerstätte wird oberhalb mit einem 18 Zoll hohen Gewölbe von Baksteinen bedekt. Am Ende der Feuerstätte ist ein Loch, welches die Flammen nach den Pfannen leitet, auch gibt es in jeder Wand 3 bis 4 dergleichen Löcher. Die Flamme streicht über beide Seitenpfannen, während sie zugleich den untern Theil der obern Pfanne wärmt, worauf sie zum Boden herunter und durch zwei an jeder Seite des Ofens befindliche Schornsteine ausgeht.

Die Erfindung, drei Pfannen über eine Feuerstätte zu stellen, ist recht artig und es wird dadurch auf mehrere Weise gespart.

Auf einem andern Werke waren 4 Destillirpfannen neben einander eingemauert, die noch etwas größer als die vorgedachten waren, woraus man schließen kann, daß die Größe der Pfannen keine Hauptsache ist, sondern von dem Vermögen des Eigenthümers, dem Locale und anderen Nebenumständen abhängt. Auf einem Werke waren diese bis 4 Ellen lang und von 6 Viertelellen Durchmesser. Hier wurden 5 Tonnen oder Recipienten nach einander gebraucht, die durch ganz kurze, 3 Zoll weite bleierne Röhren mit einander verbunden waren.

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Von den Destillirpfannen auf dem hier beschriebenen Werke treten gußeiserne Röhren von 5 Zoll Durchmesser durch die Ofenmauer selbst hinauf (Fig. 4). Von diesen gehen noch andere trichterförmige Röhren, ebenfalls von Gußeisen, aus. Die übrigen Theile der Röhren bestehen, 2 bis 3 Fuß lang, aus Blei, und erstreken sich mit sehr wenig Neigung in verschiedenen Richtungen durch die Wände ins Freie hinaus, etwa 4 bis 6 Ellen lang (Fig. 2) in Tonnen oder Recipienten, von denen die zunächst den Röhren stehenden von Blei gemacht sind.

Diese Bleitonnen sind 3 Ellen hoch und von 5 Viertelellen Durchmesser. Die hölzernen Fässer haben 4 Ellen Höhe und in der Mitte 6 bis 7. Viertelellen Durchmesser. Indeß sagte man, daß diese bald mit andern von Blei vertauscht werden müßten.

Eine von den Röhren aus einer der Knochen-Destillirpfannen, die ich am beßten betrachten konnte, lief in den obern Boden einer Bleitonne herab, welche durch 1 1/2 Fuß lange und 6 Zoll weite Bleiröhren mit zwei hölzernen Tonnen verbunden war.

In dem mittlern Theile der Tonne, welche am weitesten von der Destillirpfannen-Röhre entfernt steht, befindet sich ein Loch von 2 Zoll Durchmesser, welches während dem Destilliren offen bleibt. Durch dieses Loch geht jedoch kein Ammoniak verloren; dagegen muß dasselbe, sobald die Destillation beendigt ist, genau zugemacht werden; denn sonst würde die dadurch hineintretende atmosphärische Luft in Verbindung mit der entzündbaren Gasart, die noch in der Pfanne zurük ist, eine Explosion verursachen können, falls die gekohlte Knochenmasse, wie es zuweilen sich ereignet, selbst entzündbar (pyrophore) seyn sollte. Wegen dieser Ursache soll auch beim Oeffnen der Pfannen viele Vorsicht nöthig seyn.

Gleich über den Böden dieser 3 Tonnen befanden sich hölzerne Pflöke, unter denen eiserne Töpfe standen, um das jenige, was während der Destillation durch die Undichtigkeit des Zapfens herausträufeln könnte, aufzunehmen.

Die Destillation geschieht auf folgende Weise: Die Destilirpfannen werden mit Knochen angefüllt, wovon auf jede Pfanne etwa 3/4 Tonne geht. Weil die Arbeit gewöhnlich Nacht und Tag fortdauert, so werden die Knochen ein- und ausgeschaufelt, ohne das Abkühlen der Pfannen abzuwarten. Der |337| Pfannendekel wird eingeschoben, mit gewöhnlichen sandigen Thon verkittet, und das Destilliren dauert 24 Stunden.

In den ersten 3 Stunden wird schwaches Feuer gegeben, dieses jedoch in den folgenden 18 Stunden allmählich bis zu dem höchst nöthigen Grade verstärkt, oder bis der Theil der Bleiröhre zunächst der Pfannen sich etwas abgekühlt zeigt, worauf das Feuer in den lezten 3 Stunden wieder nach und nach vermindert wird. – Da die oberste Destillirpfanne das stärkste Feuer bekommt, so geht die Destillation in derselben einige Stunden eher zu Ende, worauf indeß keine Rüksicht genommen, sondern dieselbe eben so wie die übrigen behandelt wird.

Bei dieser Destillation geht das basisch kohlensaure Ammoniak theils in liquider, mit einer Menge schwarzbraunen brandigen Oels in die der Pfanne zunächst stehende Tonne über; theils wird das erwähnte Ammoniaksalz bei seinem Durchgange durch die Röhre in concreter Form, als eine Kruste auf der innern Fläche der Röhre abgesezt, welche sich bei jeder neuen Destillation vermehrt, so daß die Röhre dann und wann weggenommen und gereinigt werden muß. Wenn die Flüssigkeit in der Bleitonne bis zur Communicationsröhre hinaufsteigt, so fließt das Oel in die zunächst liegende Tonne ab. Man braucht deßhalb mehrere Tonnen, damit kein Ammoniak verloren gehe, und wenn die erfoderliche Quantität von flüssigem Ammoniak da ist, so wird dieselbe abgezapft. Das Ammoniak, welches nicht zur Salmiakbereitung gebraucht wird, kaufen die Apotheker; eben so wird das obenauf fließende brandige Oel, welches während der Destillation entsteht, in den Apotheken unter dem Namen Oleum Cornu Cervi foetidum als Hausmittel für den gemeinen Mann verkauft.

Die Knochen sind nach dem Ausschaufeln aus der Pfanne noch ganz schwarz, wenn sie aber während sie noch warm sind, in große Haufen gelegt werden, verbrennen sie von selbst, werden weiß, und man benuzt sie als Knochenasche. 142) |338| Die Flüssigkeit in den Tonnen ist fast jederzeit von gleicher Stärke, und enthält gewöhnlich 1/3 ihres Gewichts basisch kohlensaures Ammoniak, mit brandigem Oele verunreinigt.

Während die Destillation fortgeht, beschäftigen sich die Arbeiter mit

dem Vermischen der Stoffe zur Erhaltung von Salmiak und Glaubersalz.

In einem mit Blei ausgefütterten Mengekasten von Bohlen (Tab. VI., A.), welcher außen an der Wand der Werkstätte steht, 5 Ellen lang, 2 1/4 Ellen breit, und 7/4 Ellen tief, dabei 8 Zoll hoch vom Boden mit einem hölzernen Zapfen versehen ist, der so stark ist, daß man einen Eimer darauf hängen kann, – werden 24 bis 25 Eimer143) voll des in den Tonnen erhaltenen liquiden Ammoniaks und eben so viel Eimer voll von der Mutterlauge aus den Wachsbingen eines benachbarten Eisenvitriolwerks, geschüttet. – Bei der Vermischung entsteht einiges Aufbrausen, obgleich nicht gerührt wird, deßhalb, weil das Ammoniak mehr Kohlensäure hält, als das Eisenoxydul in der Vitriollauge zu binden vermag, und nach dem diese Mischung 4 bis 5 Stunden gestanden hat, fällt das kohlensaure Eisenoxydul zu Boden.

18 Eimer voll der vorgedachten Flüssigkeit, welche eine Verbindung von Schwefelsäure und Ammoniak ist, werden abgezapft und in einen andern Mengekasten (Tab. VI. Fig. 2.) geschüttet, der, ebenfalls unter freiem Himmel, dem erstern schief gegenüber steht, und gleichfalls mit Bleiplatten ausgefüttert ist. Die Länge desselben beträgt 4 1/2 Ellen, die Breite 2 Ellen, und die Tiefe 5/4 Ellen. Ungefähr 6 Zoll über dessen Boden geht eine dünne bleierne Röhre aus diesem Behälter durch die Wand in die Werkstatt, deren Ende mit einem hölzernen Zapfen verschlossen ist, so daß man die Mischung abzapfen kann, ohne hinauszugehen. – Zu den leztgedachten 18 Eimern, welche in diesen Behälter geschüttet wurden, werden jezt, nach Verhältniß des schwefelsauren Ammoniakgehalts, gewöhnlich 1 oder |339| 1 1/2 Eimer Kochsalz gesetzt, und wohl umgerührt, damit es sich desto besser auflöst. Darunter sezt sich etwas Eisenoxid, und es dauert selten über 2 Stunden bis das Kochsalz aufgelöst und die ganze Mischung zum Abzapfen fertig ist.

Die also nunmehr aus Kochsalz und schwefelsaurem Ammoniak zusammengesezte Mischung wird abgezapft und in eine bleierne Pfanne geschüttet, in welcher sie gewärmt und so lange eingekocht wird, als die Lauge keine Kristalle von schwefelsaurem Natron absezt. Dieses Einkochen dauert 8 bis 12 Stunden, je nachdem man Schnelligkeit und Wärme anwendet. – Jemehr die Auflösung jezt eingekocht wird, desto geschwinder geht das nächste Kochen, wie gleich erwähnt werden soll.

Die erwähnte Bleipfanne (Tab. VI. Fig. 5, 6, 7,) hat beinahe 1/4 Zoll Bleidike, etwa 3 1/2 Ellen Länge, 6/4 Ellen Breite und etwas weniger als 1 Elle Tiefe. Sie steht auf einer 2 bis 3 Zoll diken Eisenplatte, welche auf der Pfannenmauer liegt. Ungefähr 18 Zoll darunter befindet sich der Rost und die Eisenplatte liegt unmittelbar über der Feuerstätte, welche unter dem vordern Ende der Pfannen, 3/4 Ellen lang und 12 Zoll breit angebracht ist. Die Klappe der Feuerstätte hat Handgriffe, und ist von gleicher Beschaffenheit wie die bei den Sublimirungsöfen gebräuchlichen Klappen.

Ist das Einkochen so weit vorgerükt, wie oben erwähnt, so legt man eine bleierne Röhre von der ersten Siedepfanne bis zur zweiten, welche gleich darneben steht, und mit der ersten ganz gleiche Beschaffenheit hat, ausgenommen, daß diese leztere ein bleiernes Rohr hat, welches vom Boden derselben durch die Wand in einen im Freien liegenden bleiernen Behälter tritt. (Tab. VI. Fig. 2, E.)

Die noch warme Flüssigkeit wird mit einer hölzernen Schaale durch die Rinne in die leere Siedepfanne gefüllt, ohne zu erkalten, und man braucht 2 Pfannen, um nur Zeit zu gewinnen.

In der zweiten Pfanne fängt das Salz fast augenbliklich an, zu Boden zu fallen, und dieses Salz ist nichts anders als sogenanntes Glaubersalz, oder Schwefelsäure in neutraler Verbindung mit Natron, welches hier Purgirsalz (Purgingsalt) genannt wird, und dessen Raffinirung weiter unten vorkommt.

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Man darf nicht vergessen, das Salz, sobald es anfängt zu Boden zu fallen, mittelst eines Besens vom vordern Ende der Pfanne dahin zu kehren, wo es dem Schornstein zunächst und weniger warm ist, weil sonst die Bleipfanne leicht schmelzen kann. Sobald eine Menge Salz niedergefallen und gesammelt ist, wird es mit einer eisernen Schaufel herausgenommen, und in einen auf der Pfannenmauer stehenden Korb geschüttet. 144)

Man sagte mir, daß ein solcher Korb in Zeit von 4 bis 5 Stunden mit Glaubersalz gefüllt werden könne, worauf auch alsdann nichts mehr niederfällt. Gleichwohl wird mit dem Sieden noch 5 bis 6 Stunden fortgefahren, je nachdem man das Feuer mehr oder minder achtsam regiert. – Wenn sich endlich auf der Oberfläche eine Haut zu zeigen anfängt, dann ist die Lösung hinlänglich concentrirt.

10 bis 12 Stunden, zuweilen etwas mehr, pflegen überhaupt zu verfließen, bis 18 Eimer Flüssigkeit aus dem andern Mischungsbehälter, mit ihrem Zusaz von Kochsalz, eingesotten sind.

Diese Siedungen müssen gleichwohl mit vieler Vorsicht, und nicht mit zu heftigem Feuer geschehen.

Die Salmiaklauge wird nun aus der leztern Pfanne in einem Kühlbehälter (Cooler) von purem Blei, der etwa 2 Ellen lang. 6/4 Ellen breit, und 3/4 Ellen tief ist, gezapft. Nach 4 oder 6 Stunden sezt sich der Salmiak als ein Gemenge auf dem Boden des Kühlbehälters. Die über demselben stehende klare Flüssigkeit wird mit einem hölzernen Schöpfer, der wie eine Schöpfkelle gegen den Stiel zu vertieft ist, heraus, und zu weiterm Versieden mit neuer Zumischung in die andere Bleipfanne geschöpft.

Damit nichts umkomme, so werden in einer von den bleiernen Pfannen 18 Eimer Wasser gewärmt, aber nicht gelocht, welche man auf den in den Mischungsbehältern, nach 3 bis 4maligem Zumischen noch übrigen Eisenocher schüttet, und solchen |341| mit einem Besen wohl umrührt. Weiterhin sezt man 4 Eimer flüssiges Ammoniak, und gegen 1 Eimer Kochsalz, aber kein Vitriolwasser zu, worauf man die Mischung sich sezen läßt, und dann dieselbe wie vorhin abzapft und einkocht. Auf diese Art wird aller Bodensaz zweimal gewaschen, indeß darf man von dem Spühlwasser keine so große Ausbeute als von der ersten Mischung erwarten.

Das solchergestalt geschlämmte Eisenoxid wird in Korbe geschaufelt, und über denselben Mischungsbehälter, woraus es genommen ist, zum Abtropfen gestellt. Nachdem es etwas getroknet hat, bringt man es in einem Schiebkarren ins Freie, und verkauft es als eine wohlfeile Farbe zum Anstreichen der Bretter, zum Zeichnen der Schaafe etc., zuweilen auch an die Berlinerblaufabriken.

Der Bodensaz oder das Gemengsel von Salmiak, welches jezt noch im Kühlbehälter zurükgeblieben ist, wird mit einer hölzernen Schaufel herausgenommen, in Körbe gethan, und einen ganzen oder halben Tag lang zum Abtropfen über den Behälter gestellt, worauf es in die gleich zu erwähnenden Trokenöfen gebracht wird.

An der Seite der Destillirpfannenmauer befindet sich ein Trokenbehälter F (Tab. VI Fig. 2 3), welcher durch den liegenden Theil des Schornsteins, der unter denselben tritt, erwärmt wird. Der Boden desselben besteht aus einem flachen großen Stein, die Seiten aus gewöhnlichen Baksteinen. Die lange des Behälters beträgt 2 Ellen, dessen Breite 1 1/2 Ellen, und die Tiefe 3/4 Ellen. – In diesen werden nun die Salmiaksförbe ausgeleert, und zu einer Art von Vertroknung stehen gelassen.

Außer diesem leztgedachten befindet sich auf der Haube des Destillirofens noch ein anderer Trokenofen G (Fig. 2, 3), 2 1/2 Ellen lang, 2 Ellen breit, und 1/2 Elle tief, von gewöhnlichen Baksteinen; auch gibt es in der Seite des Ofens eine Art Trokenkiste H, 3 bis 3 1/2 Ellen lang, 1 Elle breit, und 3/4 Ellen hoch, welche zwei Oeffnungen hat, nämlich eine im Dache der Ofenmauer von 1 Elle Länge und 3/4 Ellen Breite, und eine an der Vorderseite von 2 bis 3/4 Ellen ins Gevierte.

Nachdem der Salmiak in dem zuerst erwähnten Öfen so |342| lange getroknet hat, daß er einigermaßen handthierlich wird, so wird er zuerst in den auf der Ofenhaube befindlichen Trokenofen gebracht, und dann in den auf der Seite stehenden Behälter geschaufelt, damit er hier immer völlig troken liegen, und von da nach Erfodern in die Krüge gefüllt werden kann. Die beiden Oeffnungen werden mit hölzernen Klappen verschlossen. Alle diese Trokenräume werden durch die beständige Ofenwärme erwärmt.

Kann man in der Nahe keine Mutterlauge von irgend einem Vitriolwerke haben, so bedient man sich statt deren eine. Auflösung von 1 Theil Eisenvitriol in 7 Theilen kalten Wassers.

4. Die Sublimirung des Salmiaks.

Die große Verschiedenheit, welche es in Hinsicht der Construction der Pfannen zur Destillation des basisch kohlensauren Ammoniaks gibt, findet man auch in der Einrichtung der Sublimiröfen zu Salmiak. Auf einem Werke sah ich einen solchen Ofen, welcher 3 1/2 Ellen im Durchmesser, und 1 1/2 Ellen Höhe hatte, worin 21 Kapellen, nämlich 14 ringsherum und 7 in der Mitte, Raum hatten. Bei demjenigen Werke hingegen, dessen Beschreibung ich hier gebe, war der Ofen zum Sublimiren viel kleiner, und hatte bloß Raum für 7 Sublimirkrüge, wie aus Fig. 8, 9, 10, 11 (Tab. VI.) näher zu ersehen ist. Das Gebäude für diesen Sublimirofen ist rund, 1 1/2 Ellen hoch vom Boden, oben von 3 Ellen Durchmesser und unten etwas weiter. Es hat 6 Heizlöcher in gleicher Entfernung von einander, jedes mit einem 12 Zoll vierkantigen Rost und Aschenfall, wie Fig. 10 zeigt. Die Bedekung dieses Ofens wird durch eine aus vier Theilen zusammen gegossene Eisenplatte gebildet. An der Peripherie derselben sind 6 runde Löcher, und eins in der Mitte, zu eben so vielen gegossenen eisernen Kapellen. Die Lage derselben ist so, daß jede Kapelle durch zwei an den Seiten befindliche Heizlöcher gewärmt wird, wo die siebente Kapelle ihre Wärme von allen Heizlochern mittelst dreier Löcher erhält.

Von den Heizlöchern wird das Feuer nach einem zuerst niedergehenden, nachher liegenden und zulezt aufrecht stehenden Schornstein geleitet, und zwar durch die in den 3 Wänden befindlichen 3 Löcher von vier Zoll ins Gevierte.

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Da der Zug wegen der so ungleichen Richtung des Schornsteins im Anfange des Heizens sehr schwach ist, so hat man an den stehenden Schornstein ein Loch in K angebracht, welches zwischen durch mit einem Bakstein gedekt wird, worin man eine angezündete Hand voll Stroh stekt, wo dann sogleich durch die Wirkung her verdünnten Luft ein Zug entsteht, und da Steinkohlen bekanntlich vielen Ruß absezen, so bedient man sich dieses Auswegs, zum Ausbrennen desselben, jedoch mit dem Unterschiede, daß das Stroh vor dem Anzünden in Knochenöl getaucht wird.

Statt der Klappen von Eisenblech mit Hospen, welche gewöhnlich vor den Heizlöchern gebräuchlich sind, waren hier vierkantige gußeiserne Platten L (Tab. VI). davor gestellt, die in der Mitte einen angegossenen Stiel von geschmiedetem Eisen hatten, und da die Mündungen der Heizlöcher pyramidalisch sind, so kann der Zug durch das mehrere oder wenigere Einschieben dieser Platten nach Erfodern moderirt werden.

Auch die eisernen Kapellen (Fig. 12. Tab. VI). sind auf verschiedenen Werken eben so ungleich, als die Sublimirkrüge eine ungleiche Größe haben. Die bei diesem Werke gebräuchlichen eisernen Kapellen sind 18 Zoll tief und von 12 Zoll Durchmesser, oben mit einem Falz umgeben, auf welchem sie in der Eisenplatte hängen.

Die Sublimirkrüge werden von gewöhnlichem Töpferthon, 3/4 Zoll dik im Scherben, 16 Zoll tief und 10 Zoll weit gemacht. Man troknet solche sehr vorsichtig wie Zukerformen, und brennt sie auf die gewöhnliche Art im Töpferofen.

Zu diesen Krügen werden passende, auf der untern Seite concave und in der Mitte mit einem 3/4 Zoll weiten Loche versehene Dekel gemacht, welche inwendig mit einer guten Glasur überzogen sind. Diese Sublimirkrüge können 2 bis 3 mal gebraucht werden, wenn man vorsichtig damit umgeht. Indes springen sie oft während der Operation, wo dann die Risse mittelst eines Pinsels mit Kitt überstrichen werden; damit kein Salmiak durchdringe.

Um nun diese Sublimirgefäße zu füllen, wird der in der Trokenkiste H aufbewahrte rohe Salmiak ausgeschaufelt, und man füllt damit die Krüge bis oben an den Rand voll. Der Dekel |344| wird, wie die der Destillirpfannen, mit sandgemengtem Thon verkittet.

Auf dem Boden der einen der obgedachten eisernen Kapellen thut man 2 Zoll hoch grob zerstossene Beinasche, und sezt dann den Sublimirkrug vorsichtig hinein, so daß er von den Seiten der ihn umgebenden Kapelle gleich weit absteht, und der Rand von beiden gleich hoch ist, worauf der Zwischenraum mit Beinasche ausgefüllt wird. Der Dekel selbst liegt also über der Kapelle; weil aber auch diese mit Beinasche bedekt werden muß, so bedient man sich zum Festhalten desselben eines 7 bis 8 Zoll hohen Cylinders von starkem Schwarzblech (M, Tab. VI). Beim Einstampfen der Beinasche stekt der Arbeiter in das Loch des Krugdekels einen kegelförmigen hölzernen Pflok, damit keine Beinasche in den Krug falle, und bilder dasselbe mit dem Finger so lange, bis es das Ansehen von Fig. 12. erhält.

Auch die Eisenplatte selbst wird mit Beinasche bedekt, theils um die kalte Luft abzuhalten, theils um diese Asche zum allenfalsigen Gebrauch während der Operation vorräthig zu haben.

Nachdem alle 7 Krüge auf diese Art gefüllt sind, fängt man an, die Kapellen gelinde zu heizen, und verstärkt dann allmählig den Grad des Feuers bis aufs Höchste, womit so lange fortgefahren wird, als noch wasserhaltiger Dampf aus den in dem Dekel befindlichen Löchern aufsteigt, welches meistens 10 bis 12 Stunden zu dauern pflegt. Wenn dieser Rauch weiß wird, und die Löcher in den Dekel der Sublimirkrüge sich mit Salmiak füllen, dann werden sie mit ein wenig Thon verstrichen, und es wird etwa 24 Stunden lang mittelmäßige Hize gegeben. In den folgenden 12 Stunden wird der Grad der Hize immer mehr der mindert, die Cylinder nebst der Beinasche werden weggenommen und die Krüge in den Kapellen ein wenig gelüftet. Während der lezten sechs Stunden läßt man das Feuer ganz ausgehen und alle Züge zustopfen.

Nach etwa 48 Stunden, vom Einsezen der Krüge an gerechnet, pflegt gemeiniglich das ganze Sublimirungsgeschäft beendigt zu seyn, und der Salmiak findet sich alsdann in großen Klumpen, wie Fett, im Dekel der Krüge festsizend, welche leztere sanft abgeklopft und auf ein Brett gestellt werden, wo sich die Klumpen beim Erkalten lösen und abfallen.

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Dieses Sublimirgeschäft hält man überhaupt wegen der beim Regieren des Feuers erfoderlichen Uebung und Achtsamkeit, für sehr beschwerlich, woher es auch kommt, daß bei derselben Menge der Materialien das Gewicht des producirten Salmiaks 10 bis 20 Pfund differiren kann. Gewöhnlich liefern alle 7 Krüge zusammen 55 bis 60 Pfund, und für jedes überschießende Pfund erhält der Arbeiter ein angemessenes Trinkgeld.

Glaubersalz. (Schwefelsaures Natron).

Dieses Neutralsalz, welches nicht bloß in den Apotheken als ein abführendes Mittel, sondern auch zur Bereitung der kristallisirten Soda, und ganz neuerlich in Deutschland mit Vortheil zur Glasfabrikation angewendet wird, findet sich sehr häufig in Mineralquellen, in der Asche verschiedener Pflanzen, als Tamarix gallica etc., wird aber besonders aus der Mutterlauge auf verschiedenen Salzwerken gewonnen.

Es wurde zuerst von Glauber entdekt, von welchem es auch den Namen hat, und vormals Sal mirabile Glauberi (Glaubers Wundersalz) genannt wurde. Es besteht, nach Berzelius, aus 22,31 Theilen Schwefelsäure, 20,39 Theilen Natron und 56,8 Theilen Kristallwasser. Sein Geschmak ist kühlend und bitter; es schießt in lange, klare, platte Prismen an, schmelzt in seinem eigenen Kristallwasser, und zerfällt an der freien Luft zu Pulver. Wenn dieses Pulver mit kaltem Wasser übergossen wird, so entsteht Wärme, wogegen das kristallisirte Salz mit dem Wasser Kälte hervorbringt.

Schwefelsaures Natron erhält man auch bei der Bereitung verschiedener Präparats als ein Nebenproduct, wie z.B. bei dem obengedachten Salmiakwerke, und bei der Destillation der Salzsäure aus Kochsalz mittelst Schwefelsäure.

Nachdem das obenerwähnte rohe Glaubersalz während dem Sieden aus der Bleipfanne gethan und in die Körbe geschaufelt worden, wird es in einen andern Raum gebracht, woselbst ebenfalls zwei Abdünstungspfannen von Blei stehen, die den vorhin beschriebenen (Fig. 5, 6, 7, Tab. VI) ganz gleich sind, nur daß diese 7/4 Ellen tief sind, und unten am Boden hervorstehende außen mit hölzernen Pflöken verstopfte Bleiröhren haben.

In eine dieser Bleipfannen schüttet man des Abends 10 Eimer Wasser, welches nicht aufgekocht, sondern nur so warm gemacht |346| wird, daß man kaum die Hand darein halten kann. Hierauf werden 15 Eimer rohes Glaubersalz hineingeschüttet, und das specifische Gewicht desselben geprüft, wovon weiter unten.

Nachdem das rohe Salz in dem warmen Wasser mittelst Umrühren aufgelöst worden, nimmt man das Feuer vom Roste weg, und schließt die Ofenthür zu, worauf die Auflösung, welche sich über Nacht warm erhält, bis zum andern Morgen in der Pfanne gelassen wird, während der Bodensaz vom Eisenocher sich auf dem Boden der Siedepfanne sezt, daselbst unter 3 bis 4 Siedungen stehen gelassen, nachher aber abgeschlämmt und endlich, wie oben gesagt, ins Freie gebracht wird.

Die Auflösung, welche sich am nächsten Morgen klar befindet, wird abgezapft und in einen vierekigen bleiernen Behälter (Cooler), von 6 Viertel-Ellen Breite, 3 1/2 Ellen Länge und 1 Elle Tiefe geschüttet. Hierin läßt man die Auflösung ein bis zweimal 24 Stunden unangerührt stehen, wo das Salz anschießt, aber noch braun und unrein ist, weßhalb dieser Anschuß Blacklead genannt wird.

Dieser an sich ungereimte Name entstand vermuthlich daher, daß das Salz noch sehr unrein ist. – Die über demselben stehende Flüssigkeit wird wieder in die Siedepfanne gebracht, um solche mit frischem Salze erwärmen und anschießen zu lassen.

Das vorhin erwähnte Wagen zur Bestimmung des Salzgehalts in Wasser, ist zur Bequemlichkeit der Arbeiter eingerichtet, und es verhält sich damit also: Die Wage ist ein gewöhnlicher Wagebalken, von 10 Zoll Länge, welcher am einen Ende mit einem Haken, woran eine gläserne Flasche hängt, versehen ist. Am andern Ende desselben ist eine 3 Zoll ins Gevierte, große, und mit der Glasflasche gleich schwere bleierne Schaale befestigt. Die Gewichte bestehen aus 3 Bleistüken. Das größte wägt 1 1/2, das folgende 1 und das kleinste 1/2 Unze. Glaubt der Arbeiter, daß sich rohes Salz aufgelöst habe, so füllt er die Flasche mit der Auflösung, welche, wenn sie hinlänglich stark ist, gegen 2 Unzen wägen muß; im Gegentheil wird mehr Salz aufgelöst u.s.w.

Auf diese Weise wird fortgefahren, bis das ganze zu dieser ersten Blacklead-Operation gehörige Salzquantum aufgelöst ist.

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Raffinirung des Glaubersalzes.

Das auf dem Boden des vorgedachten Blacklead-Kühlbehälters angeschossene braune und unreine Glaubersalz wird in Körbe gethan und in der zweiten Siedepfanne aufgelöst, wobei es ganz auf die vorige Weise zugebt, nur mit dem Unterschiede, daß keine so große Menge von Salz zugesezt, das Feuer unter der Pfanne nicht weggenommen wird, und die Thüre des Rosts über Nacht offen steht, um die Solution am andern Morgen noch desto wärmer zu haben. Die Probeflasche muß also jezt nicht über 1 1/2 Unzen wägen.

Bei dieser Auflösung sezt sich auch jezt etwas Eisenocher zu Boden. Die Auflösung wird in einen gleich beschaffenen Kühlbehälter abgezapft, bleibt darin 24 Stunden stehen, worauf das nun angeschossene Salz etwas reiner wird, und den Namen Second Lead erhält.

10 bis 12 Körbe voll des bei der vorigen Operation erhaltenen Salzes werden nun zum drittenmal, wie vorhin, aufgelöst, gewärmt, gewogen und in einem Kühlbehälter von 2 Ellen ins Gevierte und 12 Zoll Tiefe abgezapft, wo es anschießt und jezt, als ziemlich rein, White-Lead genannt wird.

Weil aber dieses Salz noch nicht vollkommen rein ist, so wird die Auflösung noch einmal mit Zusaz von 2 Handvoll Kalk in der Siedepfanne wiederholt, und bleibt nach dem Umrühren mit dem übrigen über Nacht stehen. Der Kalk verbindet sich mit der das Eisen begleitenden Schwefelsäure, und fällt nebst dem Eisenocher zu Boden; die braune Farbe, welche diesem Salze sonst so hartnäkig beiwohnt, verschwindet. Die Auflösung wird in einen der kleinern Kühlbehälter zum Anschiessen gelassen, und das Salz wird nun völlig rein.

Will man jedoch dasselbe vollkommen weiß haben, so muß diese Operation noch einmal mit Zusaz von einer Hanvoll Kalk erneuert werden, worauf das Salz alsdann nach dem Anschiessen den Namen raffinirtes Glaubersalz erhält.

Die Kunst, dieses Salz in kleinen, feinen Kristallen zu erhalten, ist sehr einfach und besteht darin, daß man den Behälter nach dem lezten Anschießen mit einem Rechen durchzieht, wodurch die Bildung größerer Kristalle verhindert wird.

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Die ganze Raffinirung gründet sich darauf, zuerst durch wiederholte Lösungen im warmen Wasser und durch die darauf folgende Ruhe die Salzlauge vor der Kristallisation das Eisenoxid absezen zu lassen, und zulezt den geringsten Rükstand davon mit Kalk niederzuschlagen, auch bei den Abzapfungen genau zu beobachten, daß die Lauge klar und frei vom Bodensaze rinnt.

Ausser den obengedachten drei, in England sehr bedeutenden Fabrikaten beschäftigt man sich bei diesen Werken mit der Bereitung von

Riechsalz (Smell-Salt) basisch kohlensaurem Ammoniak.

Dieses Ammoniaksalz wird in einem vierekigen Destillirofen (Tab. VI. Fig. 13) übergetrieben. Eine Sublimirpfanne N von Gußeisen, 1 Elle lang und 14 Zoll im Durchmesser, liegt unbedekt quer über dem Roste, und hat bloß eine Oeffnung, worin eine Röhre tritt, die zunächst der Pfanne aus Eisen und nach, her aus Blei besteht, im Ganzen 1 Elle lang ist und 8 Zoll im Durchmesser hat. Das andere Ende der Röhre geht in einem Recipienten O von Blei, 2 Ellen hoch und 3/4 Ellen im Durchmesser. Das obere Ende wird von einem fest lutirten Dekel bedekt, welcher die Beschaffenheit eines Schachteldekels hat. Ungefähr 1/2 Elle vom Boden des Recipienten ist ein kleines 1/4 zölliges Loch a zur Ableitung des Dunstes angebracht, welches während der ganzen Operation mit einem hölzernen Pflok offen gehalten wird, indem es sich sonst bald füllen würde.

Die Roststabe sind 3/4 Ellen lang und das Schürloch 1/2 Elle breit. Der Heizraum ist unter der ganzen Pfanne offen. 40 Pfund auf der Haube dieses kleinen Ofens getroknete gemalne Kreide wird durch Umrühren mit 40 Pfund troknen, fein zerstossenen rohen Salmiak, so wie er aus der Trokenkiste im Knochendestillirofen gewonnen wird, vermengt. Das Mengen geschieht so geschwind als möglich, und die Masse wird durch das Loch der Röhre mittelst eines hölzernen Spatens in die Sublimirpfanne gebracht: darnach wird die Masse, nachdem solche einigermassen gleichförmig ausgebreitet worden, mit 10 Pfund trokner Kreide bedekt.

Die Röhre wird nun an der Pfanne und dem Recipienten |349| festgekittet, und unter der Pfanne ein allmälig verstärktes 30 bis 36 stündiges Feuer unterhalten, worauf man solche in 3 Stunden abkühlen läßt. – Der Dekel des Recipienten wird sanft abgeklopft und das Riechsalz herausgenommen. Diese Arbeit geht Nacht und Tag fort, bis das nöthige Quantum gewonnen ist.

Dieses Salz muß jedoch noch weiter raffinirt werden, zu welchem Ende eine eiserne Pfanne, P, mit flachem Boden (Tab. VI. Fig. 14) von 8 Zoll Tiefe und 6 Zoll Durchmesser gebraucht wird: in diese legt man einen Sublimirungskolben R, welcher 6 Viertelellen lang ist, und in seiner größten Weite 12 Zoll hat. Dieser Kolben, welcher eine Oeffnung von 4 Zoll hat, wird umgekehrt in die Pfanne, und zwar 1/2 Zoll tiefer als der obere Rand der Pfanne, gestellt, so daß das Glas die Oeffnung der Pfanne ganz ausfüllt, und ausserdem mit Thon verklebt.

Um die Wärme während der Arbeit besser zu conserviren, umwikelt man den Sublimirungskolben mit 3 bis 4 Bogen Papier, und damit derselbe nicht aus seiner Lage verrükt werde, so wird er von einer an der Deke der Werkstätte oder am Schornstein befestigten dünnen Schnur festgehalten (Tab. VI. Fig. 3).

Die Pfanne steht auf einer 1/2 Zoll diken Eisenplatte und wird durch den vorhin erwähnten liegenden Schornstein erhizt. Sie erhält dadurch alle Wärme, welche zu dieser Operation erfoderlich ist, wird aber niemals wärmer, als daß man die Hand an die Pfanne halten kann. – Rings um die Pfanne wird Beinasche aufgehäuft, um die äußere kalte Luft abzuhalten.

Von dem bei der vorigen Operation erhaltenen Riechsalze werden 5 Pfund in die Pfanne gethan, das Glas aufgesezt und verlutirt; die Pfanne kommt auf ihre Platte zu stehen, und nach Verlauf von 12 Stunden hat sich das Salz ganz weiß im Glase sublimirt. Hiemit wird fortgefahren, bis man 50 bis 60 Pfund Riechsalz gewonnen hat, welche das gewöhnliche Quantum zu seyn pflegt, das man auf einmal macht, wo das Glas zersprengt und das Salz herausgenommen wird.

Was in der Pfanne zurükbleibt, ist eine flüssige braune |350| Materie, welche in Flaschen verkauft, von den Arbeitern Hirschhorn (Hartshorn) genannt wird, und sehr stark riecht.

Das weiße trokne Salz wird unter dem Namen Smellsalt (Riechsalz) in Riechflaschen etc. etc., so wie auch zum Apothekerbedarf unter dem Namen Alcali ammoniacum siccum verkauft.

Aus G. Broling's Resa i England. Stokholm 1817. 8 III Deelen. p. 298, frei übersezt vom Hofkammerrath und Prof. Dr. Blumhof in Gießen.

|329|

Oder nach der neuesten Angabe aus gleichen Volumen wasserhaltigem Salzsäuregas und Ammoniakgas. G. Berzelius Lehrbuch der Chemie, übersezt von Blöde. Bd. I. Abth. 2. S. 913. A. d. Ueb.

|330|

Ueber die ältere Geschichte des Salmiaks ist vorzüglich Beckmann's vortreffliches Werk: „Beitrage zur Geschichte der Erfindungen,“ Bd. V. Leipzig 1805. 8. S. 254. f. nachzulesen. A. d. Ueb.

|330|

Mémoires de l´Acad. de Paris, 1720. p. 245, der Holland. Ausgabe: der Pariser: p. 191. A. d. Ueb.

|330|

Reisen. Leipzig 1765. 4. S. 416. A. d. Ueb.

|331|

Abhandl. der königl. schwed. Akad. 1751. S. 266. der Kestner'schen Uebers. – Reise, S. 577. Vergl. Riebuhr's Reisebeschreib. nach Arabien. 1. S. 153. Anmerk. d. Ueb.

|332|

Das Neueste und Nüzlichste der Chemie etc. XX. S. 218. 219. A. d. Ueb.

|332|

Journal de Physique. 1794. T. II. p. 134. A. d. Ueb.

|332|

F. A. F. Göttling, chemische Versuche über eine verbesserte Methode den Salmiak zu bereiten. Weimar 1782. 8. Anmerk. d. Ueb.

|333|

Crell's neueste Entdekungen in der Chemie, VII. S. 19. A. d. Ueb.

|333|

Die Chemie in ihrer Anwendung auf Künste und Handwerke. A. d. Franz. von Hermbstädt. Bd. II. S. 370. A. d. Ueb.

|333|

Das Neueste und Nüzlichste der Chemie. etc. XX. S. 226. f, A. d. Ueb.

|333|

In der k. k. pr. chemischen Fabrike zu Nußdorf bei Wien wird das von Urin destillirte Ammonium mit Gyps (schwefelsaurem Kalk) behandelt und das schwefelsaure Ammonium, wie das durch Zersezung des schwefelsauren Eisen erhaltene, weiter auf Salmiak bearbeitet. Bei dem niederen Preis der Schwefelsäure dürfte es sehr ökonomisch seyn, das Ammonium, sowohl das aus Urin wie das aus der troknen Destillation thierischer Stoffe gewonnene unmittelbar an dem Destillir-Apparat mit Schwefelsäure zu verbinden. In Leimfabriken aus Knochen, wo die Knochensubstanz durch Salzsäure abgeschieden wird, kann die salzsaure Kalkerde zwekmäßig auf Salmiak verarbeitet werden. Man läßt das Ammonium in den flüssigen salzsauren Kalk streichen, versiedet das salzsaure Ammonium zur Kristallisation und sublimirt die stark getroknete Kristalle. D.

|337|

Gegenwärtig werden sie sorgfältig als Kohle erhalten, und um hohen Preis an die Zukerraffinerien abgegeben. Dieses sezt die Chemiker in England in Stand, Salmiak und Ammonium um einen so geringen Preis loszuschlagen, daß unsere deutsche Salmiakfabrikanten diesen Geschäftszweig bald ganz aufgeben müssen. D.

|338|

Ein solcher Eimer (bytta) ist 19 Zoll tief, 12 Zoll im obern Durchmesser, und unten etwas kleiner, und faßt etwa 6 Kannen (Tab. VI. B).

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Diese Körbe halten 18 bis 19 Zoll im Durchmesser, sind 14 Zoll tief, und haben der Bequemlichkeit wegen 4 Handgriffe. (Tab. VI. C)

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