Titel: Ueber ein fälschlich als chromsaures Kali verkauftes Salz. Von Hrn. Boutron-Charlard.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. XIV ./Miszelle 14 (S. 118–120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/mi011014_14
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Ueber ein fälschlich als chromsaures Kali verkauftes Salz. Von Hrn. Boutron-Charlard.

Seit einigen Jahren haben mehrere Chemiker, unter anderen auch die Hrn. Berthier und Lassaigne, chromsaures Blei in der Kattun-Drukerei vorgeschlagen, theils wegen der schönen und haltbaren Farbe, theils wegen der Leichtigkeit, mit welcher man mittelst desselben alle Nuancen von Gelb, vom Canarien-Gelb bis zum Orange, hervorzubringen vermag48) . Da es indessen beinahe unmöglich war, chromsaures Blei auf die Stoffe selbst, wegen seiner Unauflösbarkeit, aufzutragen, so mußte man auf ein Mittel denken, dieses Salz auf der Oberfläche der Stoffe zu erzeugen. Man tauchte also vorläufig den Stoff in eine Auflösung von essigsaurem oder basischem essigsauren Blei, und hierauf in eine Auflösung von chromsaurer Pottasche (chromsaurem Kali). Auf diese Weise geschieht die wechselseitige Zersezung auf dem Stoffe selbst, und es bildet sich auf demselben chromsaures Blei.

Die chromsaure Pottasche erhält man, indem man chromsaures Eisen und salpetersaure Pottasche (Salpeter) auf die gewöhnliche Weise calcinirt. Die Fabrikanten chemischer Waaren verkaufen aber den Kattun-Drukern die chromsaure Pottasche theils sehr concentrirt und von einem bestimmten Grade, theils getroknet, und theils krystallisirt.

Da chromsaure Pottasche immer mehr und mehr gesucht, und chromsaures Eisen sowohl im Departement du Var als in Amerika immer noch ein seltener Artikel ist, so müßte es wohl bald zur Verfälschung dieser so sehr beliebten Waare kommen.

Die HHrn. Kaufleute Simon und Bezancon erhielten neulich unter dem Namen chromsaurer Pottasche ein Salz, das allerdings dem äusseren Ansehen nach der chromsauren Pottasche ähnlich war; sie erhielten dasselbe aber für einen so wohlfeilen Preis, daß sie an der Echtheit desselben zweifelten, und mich ersuchten, es zu analysiren.

Chromsaure Pottasche krystallisirt in regelmäßigen rhomboidalen Prismen, ist sehr gesättigt Canarien-Gelb, und schmekt kühl ohne Bitterkeit. Das Salz, welches man uns zur Untersuchung gab, war im Gegentheile ausgezeichnet bitter; die Farbe desselben war viel weniger lebhaft, als die der reinen chromsauren Pottasche, und zeigte weißliche Schattirungen; die Krystalle endlich, was das Vorzüglichste war, waren vier bis sechsflächige Prismen, mit vier bis sechsflächigen aufgesezten Pyramiden. Uebrigens war es in kaltem, wie in siedendem Wasser gleich auflösbar, krystallisirte leicht durch Erkaltung, und verknisterte auf Kohlen.

Wenn man salpetersaure Schwererde in eine Auflösung dieses verfälschten Salzes gießt, so bildet sich ein häufiger Niederschlag, der sich nur theilweise wieder auflöst, wenn man überschüssige Salpetersäure dieser Auflösung zusezt. Der unauflösbare Niederschlag, der auf dem Filtrum liegen blieb, erwies sich als schwefelsaure Schwererde. Mit eben so viel Kohle, dem Gewichte nach, calcinirt, entwikelte sich, nachdem einige Tropfen Schwefelsäure aufgegossen wurden, geschwefeltes Wasserstoffgas. Es war also hier offenbar ein schwefelsaures Mittelsalz mit einem chromsauren verbunden, und zwar schwefelsaure Pottasche; denn, als man in die Auflösung dieses verfälschten Salzes in destillirtem Wasser eine neutrale essigsaure Blei-Auflösung goß, fiel chromsaures und schwefesaures Blei nieder, und nachdem man das überschüssige Blei mittelst Durchströmung von geschwefeltem Wasserstoffgase aus der darüberstehenden und filtrirten Flüssigkeit niederschlug, und die neuerdings filtrirte Flüssigkeit bis zur Trokenheit abrauchte, und die Essigsäure durch Salpetersäure ausschied, erhielt man Salpeter. In quantitativem Verhältnisse erhielt man auf diese Weise aus 100 Theilen dieses Salzes

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56,7 schwefelsaure Pottasche;

43,3 chromsaure Pottasche;

woraus die Niederträchtigkeit dieses Betruges hinlänglich erhellt.

Möchten die Kattun-Druker entweder ihre chromsaure Pottasche selbst bereiten, oder dieselbe nur von Fabrikanten chemischer Waaren beziehen, auf deren Redlichkeit sie mit Sicherheit bauen können, und endlich noch überdieß vorläufig dieselbe prüfen, ehe sie sie zu ihrem Schaden anwenden. (Aus dem. Journ de Pharmacie, April 1823, S. 184.)49)

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Diese Abhandlung befindet sich im 3. Bd. S. 354. des polytechnischen Journals. Eine weitere Nachricht von Hrn. Berthier ist im 5. Bd. S. 217 enthalten. D.

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Reines chromsaures Kali liefert meine chemische Fabrike immer im billigsten Preis. D.

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