Titel: Ueber die Anwendung stark riechender Dinge gegen den Schimmel
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. XIV ./Miszelle 23 (S. 123–124)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/mi011014_23

Ueber die Anwendung stark riechender Dinge gegen den Schimmel

hat Hr. Mac. Culloch, M. Dr., einen Aufsaz in dem Edinburgh Philosophical Journal mitgetheilt, aus welchem derselbe in Gill's technical Repository N. 14. S. 76. und auch im Mai Hefte (1823) des Repertory of Arts S. 345. wieder abgedrukt wurde. Er bemerkt, daß wesentliche Oele in allen Fällen, in welchen er sie gegen Schimmel angewendet hat, seiner Erwartung vollkommen entsprachen, und glaubt, daß selbst Gewürze, vorzüglich Gewürznelken, bei Aufbewahrung der Speisen mehr durch ihren starken Geruch und durch ihr ätherisches Oel, als durch eine besondere antiseptische Kraft nüzen. Es ist allgemein bekannt, daß Gewürznelken Tinte vor Schimmel bewahren: eben dieß vermag auch ein Tröpfchen Lavendel oder irgend ein anderes stark riechendes ätherisches Oel.

Leder, sowohl unverarbeitet, als in Militär-Oekonomiehäusern zu Schuhen und Riemzeug verarbeitet, verschimmelt häufig. Es gelang Hrn. M. Culloch, dasselbe durch wesentliche Oele vor Schimmel zu bewahren, und er schlägt hiezu Terpenthin-Oel vor, als das wolfeilste50) . Juften, der so stark nach Birken-Theer riecht, läuft nicht mit Schimmel an, wie man an den in Juften gebundenen Büchern sehen kann; ja die in Juften gebundenen Bücher sichern sogar die ihnen zunächststehenden in Lalbleder gebundenen. Die russischen Kaufleute lassen ihre Ballen Juftenleder sorglos auf der Mauth ungeöffnet liegen, wohl wissend, daß sie von Feuchtigkeit nichts für dieselben zu besorgen haben51) . Wenige Tropfen wohlriechenden Oeles können eine Bibliothek vor Schimmel bewahren.

Hr. M. Culloch fing an, wesentliche Oele auch gegen den Holzmoder, und, wie es ihm schien, nicht ohne Nuzen zu versuchen, konnte aber seine Versuche nicht fortsezen.

Pappe, die so leicht schimmelig wird, die der Buchbinder vergebens mit Alaun, der Schuhmacher etwas glüklicher mit Harz zu sichern sucht, und die noch besser mit Terpenthin-Oel gegen Schimmel geschüzt wird, wird mit etwas wenig Lavendel-Oel oder mit Pfeffermünze- Aniß- und Bergamotte-Oel für lange Zeit gegen Schimmel bewahrt, sogar für Jahre. Hr. M. Culloch nahm ehevor zu seiner Pappe, die er aus seinem Mehle und Melis-Zuker bereitet, Sublimat, um die Gährung zu hindern; er fand aber daß der Sublimat den Schimmel nicht abhält, und daß ein paar Tropfen obiger wesentlicher Oele vollkommen gegen denselben sichern. Pappe, die auf diese Weise angemacht und der Luft ausgesezt wird, troknet schnell zu einer hornartigen Masse, und läßt sich, wo man sie in einem Näpfchen aufbewahrt, wenn sie wieder mit Wasser befeuchtet wird, zu jeder Zeit wieder anwenden.

|124|

Hr. M. Culloch glaubt, daß diese wesentlichen Oele auch bei Versendung der Samen aus heißen Klimaten über die See her benüzt werden könnten. Wirklich werden aromatische Samen vom Schimmel nicht angegangen, und schüzen sogar, durch ihre Nachbarschaft, andere Samen vor demselben. Pfefferkuchen und Kümmel-Brod bleibt mehr gegen Schimmel geschert, als gemeines, und der Pfeffer, den man gepulvert in Sammlungen von Insecten und ausgestopften Vögeln streut, sichert vielleicht eben so gut gegen Schimmel, als gegen den Ptinus omnivorus.

|123|

In sehr feuchten Gewölbern sichert Terpentin-Oel das Leber vor Schimmel nicht, wie der Uebersezer aus Erfahrung weiß. A. d. Ueb.

|123|

Auch Juften wird, obschon weniger, an feuchten warmen Orten Schimmlig. A. d. Ueb.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: