Titel: Ueber den chinesischen Reiß, die Cultur und den Ertrag desselben
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. XIV ./Miszelle 24 (S. 124–125)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/mi011014_24

Ueber den chinesischen Reiß, die Cultur und den Ertrag desselben

findet sich ein sehr lehrreicher Aufsaz in der Biblioteca italiana, März 1823, S. 35852) , den wir den deutschen Landwirthen in Weinländern dringend empfehlen. Aus den Versuchen des Hrn. Clemente Rosa, des geistreichen Beobachters dieses schäzbaren Gewächses und Verfassers des hier angezogenen Aufsazes, erhellt, daß dieser chinesische oder Bergreiß nie mehr Wässerung bedarf als das türkische Korn, und doch um 20 Tage früher reif wird, als der im Wasser stehende Reiß, und daß, wenn er gewässert wird, er um 40 Tage früher reift als dieser. Hr. Rosa ist klug genug, um aus einem nicht im Großen angestellten Versuche, in welchem er aus 0,33 Samen 13,566 Ernte machte, also aus 41 fältigem Ertrage eine allgemein gültige Regel zu ziehen, die er erst von ferneren Versuchen im Großen erwartet; er bemerkt jedoch, daß, bei dem Abspelzen, 3 gemeinen Reißes, 1 ℔ 8 Unzen, eben soviel chinesischen Reißes aber 1 ℔ 10 3/4 Unzen gaben. Nach seiner Erfahrung braucht der chinesische Reiß längere Zeit zum Kochen als der gemeine; dieser ward in 19 Minuten gar, jener in 40. – Sehr richtig, und einstimmig mit den Erfahrungen des Einsenders, bemerkt Hr. Rosa, daß bei dem Anbaue ein Korn für jedes Loch genug ist, vorausgesezt, daß der Same gut ist. Auch er versichert, daß selbst in Italien kaum die Hälfte der Samen des chinesischen Reißes reif wird, selbst wenn man ihn in der günstigsten Lage baut, wo sonst alle Früchte früher reifen, und bis in die Mitte Octobers auf dem Felde läßt. Dieß war sogar in dem vorjährigen (1822) sehr heißen Sommer der Fall., Hr. Rosa ist geneigt zu vermuthen, daß dieser Reiß, der doch noch immer fleißig begossen seyn will, der perennirende Reiß ist, der gleichfalls in China gezogen wird, und den die Hrn. Murray und Gregory so sehr empfehlen.

Auch in dem, der Aufmerksamkeit der deutschen Landwirthe allerdings werthen, Calendario Georgico della Reale Societá Agraria di

Torino per l'Anno 1823, compilato da un membro della medesima, 8 Torino (p. la vedova Pomba, 107. S. 53)[53)] kommen, wie wir aus einem |125| Auszuge desselben in der Bibliotheca italiana N. 86. S. 205 ersehen, zwei Aufsäze über diesen chinesischen oder Bergreiß (viso secco della Cina, Oryza sativa montana) vor, wovon jener des Hrn. Grafen Leonardi besonders lehrreich ist.

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Die Biblioteca italiana nennt den Mann, der nach China die Vaccine und aus China den chinesischen oder Bergreiß brachte, Dr. Rahamann. Dieser Dr. Rahamann ist aber Dr. Rehmann aus Bregenz, zu dessen Reise in das Land der Knute und der Mandarinen Einsender Dieses eine jener indirecten Veranlassungen war, deren das Schiksal sich so oft bedient, um mit dem Menschen sein launiges Ballspiel zu treiben.

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Wir bemerken hier unter den vielen zunächst nur für Italien berechueten, ökonomischen Abhandlungen in diesem Werke die Aufsäze über den Anbau der Melica ( della Meliga ) alt Verbesserung des künstlichen Wiesenbaues; über die Vertilgung der schädlichen Orobanche; über die |125| Säe-Maschine des Hrn. Matthäus Ponafous; über einen künstlichen Dünger auf Wiesen von Paul Musso; über Bebauung der Hügel, und Verhüthung der Verheerungen der Regengüsse auf denselben, von A. M. Vassalli-Eaudi (äußerst lehrreich); über eine durch die große Hize des vorigen Sommers entstandene Rindvieh-Seuche, von Jos. Luciano (welcher zugleich in einer zweiten Abhandlung die Muthlosigkeit der Vaccination gegen die Schafpoken erweiset); über eine Seuche unter den Hühnern; von G. Carlini; über Aufbewahrung der Eyer (Hrn. Cadet's Mittel, Kalkwasser, wird hier bestätigt und jedem anderen vorgezogen.) Das rothe Queksilber-Oxid, welches zur Verhüthung des Schimmels in der Tinte hier, nach der Bibl. phys. économ. October 1822, empfohlen wird, ist eine wahre und höchst gefährliche Giftmischerei, gegen welche wir warnen müssen. Etwas Weingeist in die Tinte geschüttet vertreibt und verhütet den Schimmel weit sicherer. – Wir müssen ferner noch unsere Leser auf ein Sendschreiben des Hrn. D. Berra in diesem Hefte als Antwort auf die Bemerkungen, die in diesem Journale über seine Abhandlung dei prati del basso Milanese detti a Marcita mitgetheilt wurden, aufmerksam machen, indem hier manches Beherzigungswerthe zur Sprache kömmt.

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