Titel: Gasbeleuchtung durch Pechöl erzeugt, Heizung durch erwärmte Luft und Dampf-Anwendung zu verschiedenen Zweken in Stockholm .
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. XIV ./Miszelle 27 (S. 126–127)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/mi011014_27

Gasbeleuchtung durch Pechöl erzeugt, Heizung durch erwärmte Luft und Dampf-Anwendung zu verschiedenen Zweken in Stockholm55) .

„Mehrere Gegenstände, denen man in Deutschland einen besondern Werth beilegt, die man jedoch nur theoretisch zu kennen scheint, sind hier seit einiger Zeit ins Leben gebracht und in allen ihren Theilen vollendet worden. Hierher gehört die Gasbeleuchtung, die man nicht nur von Außen, sondern vorzüglich im Innern der Häuser anwendet. Das Gas wird weder von Steinkohlen, die obschon ganz gereinigt, doch immer schwefelige Säure geben, noch von fetten Substanzen, die zu theuer sind, sondern von brenzlichem Oel aus Harz gewonnen, erzeugt. Dieses Pechöl ist um ein Drittheil wohlfeiler als der Theer. Er gibt eben soviel Gas, als das fette Oel, erfodert aber eine eigene Vorsicht und einen ganz anderen Apparat, damit das Gas eben so kohlenstoffhaltig und die Flamme eben so brillant, als das aus Oel erzeugte, werde. Es wird Ihnen vielleicht übertrieben scheinen, zu hören, daß wir in der Hauptstadt und Umgebung, Wohnungen haben, die auf diese Art erleuchtet sind, und die durch Anwendung reicher bronzener Zierrathen, von sehr verschiedenem und sehr gutem Geschmak, welche nichts mehr zu wünschen übrig lassen, in keinem Vergleich sowohl mit London als Paris in dieser Beleuchtungsart stehen. Unter andern hat man auch die Flamme des Gases dazu benüzt, die Baumwollen-Zeuge damit zu sengen. –

Die Kunst, Wohnungen durch sich immer erneuerten warmen Luftzug zu heizen, kann bei uns als einheimisch betrachtet werden; es wird dadurch ein wahres Sommer-Klima in dem Innern der Zimmer erzeugt, und abgesehen, daß man allen Zug aus den Spalten der Thüren und Fenster vermeidet, entfernt solcher alle Gefahr des Feuers und erspart viele Oefen. Der Apparat ist nicht von der Beschaffenheit, wie jener des Herrn Meißner, der immer die nämliche Luft erwärmt, er nähert sich vielmehr dem Erwärmungsapparat von Desarnold ohne soviel zu kosten, und dabei das Unangenehme zu haben, Wasser zu verdichten und dadurch einen äußerst unangenehmen brenzlichen Geruch zu verursachen. Auf diese Weise sind außer vielen Privatwohnungen und Werkstätten, gewisse öffentliche Gebäude, als das Taubstummen Institut (14 Zimmer in 2 Stöken sind mit einem Feuer erwärmt) die größten Säle der Akademie des Akerbaues und der des Pallastes der Notablen, und einige Theile des Spitals (ein Ort wo eine solche Luftreinigung wahre Wohlthat ist) geheizt. Wir verwenden sie auch im Winter in den Farbehäusern mit beßtem Erfolg um die Trokenstube zu heizen. Der warme Luftzug troknet mit eben der Schnelle, als die |127| Frühlings-Luft, ohne den Farben zu schaden und ohne das Weiße gelblich zu machen, was bei gewöhnlichen Trokenstuben statt findet. Wir haben auch diesen warmen Luftzug angewendet, um den Kern des Getreides vor oder nach dem Dreschen zu troknen, welches ihn sehr leicht macht, und alle Schwierigkeiten für die Erhaltung des Getreides hebt.

Die Kunst, durch Dämpfe zu kochen, worüber Sie ein sehr interessantes Werk schrieben, ist bei uns auch angewendet worden, doch unter verschiedenen Gestalten und für andere Zweke. Man wendet sie in gewissen Fabriken, um große Massen Wasser bis über etliche 800 Wärme kochend zu machen, an, und bedient sich auch derselben in den Küchen aber von ganz verschiedener Welse, als die von Ihnen im Repertorium der Pharmacie und Ihrem Journale der Farbekunst beschriebenen Dampflüchen. Wir haben auch Versuche gemacht, die Farbenbäder, sowohl um Baumwollen – als auch Wollenzeuge zu färben, zu heizen, welches, wie Sie vielleicht selbst werden erfahren haben, nicht durch den gewöhnlichen Dampfapparat geschehen kann. Ich nannte diese Gegenstände, glaubend, daß Ihnen solche besonders interessant seyn werden, und um Ihnen einen Beleg zu geben, daß sich die Fortschritte der Künste, sogar bis ins Land der Bären ausbreiten, und daß sie dort ohngeachtet der kleinen Bevölkerung im Verhältniß eben so viele Freunde haben als anderswo“ 56) .

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Aus einem Schreiben des Herrn G. M. Schwarz, königl. schwedischen Oberdirectors der Controle und Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Stockholm, an den Herausgeber dieses Journals vom 13 Mai. d. J. D.

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Der Hr. Verf. hatte auch die Güte, mir die Resultate der von ihm, mit der Paraquatan Rinde als Farbestoff angestellten Versuche mitzutheilen, und eine Portion dieser Rinde mit der Marine-Gelegenheit, welche die Prinzeßin von Leuchtenberg über das baltische Meer begleitet, an mich zu übersenden. So wie ich diese Rinde erhalte, werde ich sie als Gegenstand der Druk- und Färbekunst noch näher prüfen, und die Resultate mir denen des Hrn. Schwarz in diesem Journale mittheilen. Es würde sich in der That gelohnt haben, daß man mit der Prinzeßin von Leuchtenberg ein Paar wirtliche Polytechniker hätte nach Schweden reisen lassen, die, nach Erhebung des Wissenswürdigsten daselbst, in gleicher Absicht England besuchend, uns in der Technik, dem Hebel der Industrie und Staatswohlfahrt, hätten eben so bereichern können, wie die HH. v. Spix und v. Martius durch die Reise nach Brasilien in der Naturkunde. D.

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