Titel: Ueber Barton's Methode, den Metall Bijoux, und vorzüglich jenen aus Stahl, das Farbenspiel des Prisma zu geben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. XXXIX./Miszelle 10 (S. 247–248)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/mi011039_10

Ueber Barton's Methode, den Metall Bijoux, und vorzüglich jenen aus Stahl, das Farbenspiel des Prisma zu geben.

Hr. Baton erhielt die Maschine, deren er sich bei dieser bewundernswerthen Bearbeitung der Oberfläche der Metalle bedient, von seinem seel. Schwiegervater, dem berühmten Harrison, welcher sie selbst verfertigte. Der Werth dieser Maschine besteht vorzüglich in der Schönheit und Genauigkeit der Schraube: die Vorrichtung, wodurch diese Schraube mittelst einer ganz vortrefflichen schiefen Fläche geschnitten wurde, ist gleichfalls in Hrn. Barton's Händen. Die Schraubenplatte ist zwar nur auf 1/2000 Zoll getheilt; Hr. Barton schneidet aber damit mittelst eines Demantes Linien auf Stahl und Glas, die nicht weiter, als um 1/10000 Zoll von einander entfernt sind. Wo er nur 2000 Linien in einem Zoll zeichnet, läßt er oft absichtlich eine Linie aus, nimmt die Messingtafel, auf welcher er arbeitet, und den Gegenstand, den er schneidet, weg, damit man deutlich sieht, daß er die Linie ausgelassen hat, und schneidet dann zum zweitenmal, nachdem er den Gegenstand wieder an seine Stelle gebracht hat, die ausgelassene Linie dort ein, wo sie hingehört, so daß Niemand im Stande ist, es zu bemerken, daß hier eine Linie ausgelassen wurde.

Wenn die eingeschnittenen Linien in ihrer weitesten Entfernung stehen, so kommen die prismatischen Bilder der Kerze oder des leuchtenden Gegenstandes, die man von der polirten Fläche zurükgeworfen steht, so nahe als möglich an einander und an das gewöhnliche farbenlose Bild; wenn die Linien aber so nahe als möglich an einander stehen, so kommen die gefärbten Bilder so weit als möglich von einander, und die Farben sind am lebhaftesten.

Bei dem bloßen Tageslichte sind die durch diese kleinen Furchen erzeugten Farben kaum bemerkbar, außer an der Gränzlinie zwischen einem dunklen und einem erleuchteten Gegenstande, und der Glanz derselben wird selbst durch eine künstliche Beleuchtung, wo das Licht durch Kugeln und Halbkugeln von geschliffenem Glase zerstreut wird, gar sehr geschwächt: Bei scharfem Lichte aber, und vorzüglich im Sonnenlichte, spielen die Farben mit ungemeinem Glänze, und das Farbenspiel, das jedes Lichtbild begleitet, kann nur von dem unerreichbaren Feuer des Demantes übertroffen werden. Die Oberfläche des seinen Stahles kann also, wenn sie von einer so geschikten Hand, wie jene des Hrn. Barton geschnitten wird, Juwele und anderen weiblichen Schmuk |248| nachbilden, und wir zweifeln nicht, daß auch noch andere nüzliche108) und schöne Sachen auf diese Weise verfertiget werden können.

Hr. Barton bringt gewöhnlich 2000 Linien auf einem Zolle an; wenn der Stoff aber sehr gut ist, so kann er den Zoll auch in 5000 bis 10,000 Linien theilen, was jedoch viele Mühe fodert. Dadurch wild aber auch das Farbenspiel das mit der Zahl der Linien zunimmt, auf den höchsten Grad erhöht. Hr. Barton fand, daß die Tiefe der Linie einen großen Einfluß auf den Glanz und die Lebhaftigkeit des Farbenspieles äußert, indem dadurch mehr Licht zurükgeworfen wird. Er beurtheilt die Tiefe der Linien durch die Schwäche des Bildes, das in sein Auge zurükgeworfen wird, wenn er senkrecht auf den geschnittenen Stahl hinabsieht, bis endlich zulegt, wenn die ursprüngliche Fläche, indem die Kanten der Schnitte sich treffen, gänzlich verschwunden ist, die ganze Oberfläche schwarz erscheint, und er sein eigenes Auge nicht mehr sieht.

Wir haben solche Arbeiten des Hrn. Barton gesehen, und müssen gestehen, daß sie alle unsere Erwartungen weit übertroffen haben. Einige Stüke sind bloß von Stahl-Prägestöken geschlagen, auf welchen das verlangte Muster eingeschnitten war, und wir konnten die Zartheit nicht genug bewundern, mit welcher diese Arbeit vollendet war.

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Z.B. sehr feine Gradeintheilungen auf mathematischen Instrumenten. A. d. Ueb.

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