Titel: Verbesserte Barbier-Messer und Streichriemen, von Hrn. Joh. Thompson, chirurgischen Instrumenten-Macher.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. XXXIX./Miszelle 11 (S. 248–249)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/mi011039_11

Verbesserte Barbier-Messer und Streichriemen, von Hrn. Joh. Thompson, chirurgischen Instrumenten-Macher.

„Unter die Mühseligkeiten des menschlichen Lebens“ sagt der launige Hr. Thompson in einem Schreiben an Hrn. Gill (in dessen technical Reposit. N. 13. S. 43) „hat ein neuerer Schriftsteller mit vollem Rechte das Barbieren mit einem schlechten Messer gezählt, und ein ehrlicher englischer Barbierer brachte den Trinkspruch aus, „das alle Feinde Sr. brittischen Majestät mit schlechten Barbiermessern barbiert werden mögen!“

„Wenn ein Mensch in seinem Leben „fährt er fort“ ein gutes Barbiermesser und einen guten Freund findet, so hat er alles, was er verständiger Weise erwarten kann, denn ungeachtet aller der Tausende von Patenten und der hohen Preise, die man für ein gutes Barbiermesser fodert, ist ein solches eine Seltenheit.“

Die beßten und dauerhaftesten Barbiermesser sind die aus umgegossenen (rc-cast) ostindischen Stahl, den man Salem-Stahl oder Wootz nennt. Dieser wird sorgfältig in Holz-Feuer gehizt, wodurch das Brüchigwerden desselben in Folge der durch Anwendung von Steinkohlen mit dem Stahle sich vereinigenden verschiedenen Stoffe, wie des Schwefels u. d. gl., vermieden wird. Holz gewährt feiner noch den Vortheil, daß die Hize dadurch nicht zu groß wird, wie es leider oft zum größten Nachtheile des Stahles geschieht.

Nachdem die Barbiermesser auf diese Weise zubereitet und blutroth gehizt wurden, taucht man sie in ein, durch Eis so kalt als möglich gemachtes Wasser, und nachdem sie auf diese Weise gehärtet wurden, wird die Oberfläche der Klinge mit einem Stüke Sandstein (Gritstone) so lang gerieben, bis die Stahlfarbe wieder zum Vorscheine kommt, worauf die Klinge wieder in das Feuer gebracht wird, das aber durchaus nicht rauchen darf. Man läßt sie nun so lang im Feuer, bis sie strohgelb wird, worauf man sie wieder in das Eis-Wasser wirft. Nun wird die Klinge geschliffen, und hierauf fein geglättet, aber nicht polirt, indem durch das Poliren die Barbiermesser öfters überhizt werden, und dadurch der Stahl häufig zu weich und verdorben wird.

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Die beßten Streichriemen, die ich kenne, sind von gemeinem Kalbleder, das auf Holz, wie gewöhnlich aufgeleimt, und dann mit Briançoner-Kreide (French-Chalk, Steatit) und hierauf mit dem möglich reinsten Reißblei (Graphit) gerieben wird. Mit dem Reiben dieser beiden Mineralien wird abwechselnd so lang fortgefahren, bis das Leder dadurch eine hinlängliche Dekung erhält.

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