Titel: Ueber die Vortheile von Tickell's römischen Kitt (Roman Cement),
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. XXXIX./Miszelle 13 (S. 249–250)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/mi011039_13

Ueber die Vortheile von Tickell's römischen Kitt (Roman Cement),

welches unsere Leser aus Hrn. Gill's Repository I. B. S. 434, II. B. S. 400. (Polytechn. Journ. B. 8. S. 378. B. 9. S. 125). kennen, bemerkt Hr. Palmer, in eben diesem Repository N. 14, S. III, in einem Schreiben an Hrn. Gill, daß er öfters über die Stärke und Zähigkeit dieses Cämentes erstaunen muß. „Ich habe“ sagt er „16 Ziegel, wovon jeder im Durchschnitte 7 1/2 Pfund wiegt, an eine Wand und an einander angekittet. Die Ziegel stehen der Länge nach aufrecht, mit ihrer breiteren Seite gegen einander gekittet, so daß sie horizontal von der Wand abstehen, und gleichsam einen Balken von Ziegelmauer bilden, der nur an einem Ende gestüzt ist, und folglich lediglich durch die Stärke des Kittes, der die Ziegel zusammenhält, besteht. Die Dike, in welcher dieser Kitt zwischen den Ziegeln liegt, beträgt nicht mehr als eine gewöhnliche Mörtel-Lage, und er sezt sich schnell genug, um das Gewicht eines solchen Ziegels in einer solchen Lage schon in zwei Minuten zu ertragen. Die Ziegel wurden noch überdieß, ehe sie zusammen gekittet wurden, gehörig mit Wasser gesättigt, und der mit Wasser zur Consistenz eines diken Breies angerührte Kitt wurde nur in geringen Quantitäten, da er sich alsogleich sezt, auf gewöhnliche Art mit einen Kelle aufgetragen.“

„Dieß ist aber noch nicht alles; abgesehen, daß die Mauer, an welches diese Ziegel hängen, nahe an einer Dampfmaschine sich befindet, die sie beständig rüttelt, habe ich auf den äußersten dieser Ziegel noch vier andere aufgelegt, ohne daß sie dadurch im Mindesten waren in Unordnung gebracht worden.“

„Ein Wasserbehälter aus Ziegelsteinen, der stark genug ist, um dem Druke des Wassers zu widerstehen, und innenwendig mit diesem Kitte überzogen |250| wird, wird das Wasser eben so gut halten, als irgend ein anderer aus Blei oder Eisen. Selbst Oel, wo es sich einmal gesezt hat, geht nicht durch diesen Kitt.“

„Man kann Quaderstüke in Modeln daraus verfertigen. Ein Theil der Temple-Row (in Birmingham) in der Nähe der neuen Kirche wurde damit, schon vor zwei Jahren, gepflastert, und man hat gefunden, daß er sich besser hält, als gewöhnliches Steinpflaster.“

„Dieser Kitt gibt treffliche Estriche, wenn man ihn wenigstens 1 1/2 Zoll dik aufträgt, und vorher den Boden genau ebnet und glatt macht.“

„Eben so kann die Vorderseite der Häuser damit bekleidet werden, wodurch sie dann das Ansehen und die Dauerhaftigkeit eines wahren Steines erhält. Zur gewöhnlichen Stucco- (oder Stuccador.) Arbeit muß der Kitt mit gleichen Theilen scharfen Sandes, oder Triebsandes, gemengt werden, der vorher gehörig durchgewaschen, dann getroknet und mit dem Kitte gemengt wird, ehe man auch nur etwas Wasser zusezt. Die Ziegel müssen, ehe man den auf diese Art gemengten Kitt entweder flach oder in erhabener Arbeit, aufträgt, gehörig mit Wasser gesättigt, und von allem losen Mörtel in ihren Fugen wohl gereinigt werden. Verzierungen an Fenstern, Thüren etc. können in Modeln geformt, und dann, wie Stein, gefärbt werden.“

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