Titel: Verbesserte Methode, dem frühen Verderben des Holzes, der Metalle und des Canevasses zu steuern, insofern diese Körper dem Moder und der Fäulniß, dem Roste und den Würmern und Insecten ausgesezt sind, worauf sich Hr. John Oxford, den 1. Novemb. 1822, ein Patent geben ließ.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. XXXIX./Miszelle 5 (S. 243–245)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/mi011039_5
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Verbesserte Methode, dem frühen Verderben des Holzes, der Metalle und des Canevasses zu steuern, insofern diese Körper dem Moder und der Fäulniß, dem Roste und den Würmern und Insecten ausgesezt sind, worauf sich Hr. John Oxford, den 1. Novemb. 1822, ein Patent geben ließ.

Der Patent-Träger bemerkt zuvörderst, daß die bisher in dieser Hinsicht angewendeten Mittel der Erwartung nicht entsprechen, daß der berühmte Steinkohlen-Theer in sofern nicht wirken kann, als das Wirksamste in demselben, das wesentliche Oel, durch die Weise, in welcher es angewendet wird, verdunsten muß, und von dem Körper, auf welchen es aufgetragen wird, nicht verschlungen werden kann. Der Patent-Träger hat mit vieler Mühe und nach vielfältigen Versuchen das Mittel gefunden, das flüchtige Oel des Theers in ein fixes zu verwandeln, ohne daß dasselbe irgend etwas von seiner durchdringenden Eigenschaft dabei verloren hätte, obschon es so fett und zähe, wie Leinöl oder Klauenfett, geworden ist.

Um das Theer-Oel auf die Art zuzubereiten, muß es so viel möglich von aller Unreinigkeit befreit werden, wodurch man also reine Naphtha erhält. Man bringt in dieser Hinsicht das Oel in Gefäße, deren jedes 150 bis 500 Gallonen hält, und sättigt dasselbe in diesen Gefäßen mit Chlorin-Gas, welches man durchströmen läßt. Dieser Proceß muß aber sehr sorgfältig durchgeführt, und, bei vollkommener Sättigung, alsogleich unterbrochen werden, d.h., wenn das Oel eine hinlängliche Menge von Chlorine eingesogen hat, was sich leicht daran erkennen läßt, daß die gewöhnliche schwarze Farbe des Oeles in eine hellrothe übergeht, und statt des gewöhnlichen wässerigen Ansehens, welches dem flüchtigen Oele eigen ist, das Oel ein Ansehen gewinnt, als ob es stokte. Bei sehr warmer Witterung kann man dieß nur dann bemerken, wann man etwas davon in eine kleine Flasche thut, und diese einige Minuten lang in kaltes Wasser hält. Durch diese Behandlung wird der unangenehme Geruch des Oeles beinahe gänzlich beseitigt, und aus dem flichtigen Oele wird ein fixes, das seine durchdringende Eigenschaft nicht verloren hat.

Das so zubereitete Oel wird nun mit irgend etwas gemengt, das eine Farbe oder einen Anstrich bildet. Die hier in dieser Absicht empfohlenen Materialien sind weißes oder rothes Blei-Oxid, 50 Theile; gut geschlämmte Kreide (kohlensaurer Kalk), 25 Theile; Kohlenstoff von gereinigtem Steinkohlen-Theer, 25 Theile. Diese Materialien werden mit dem zubereiteten Oele in großen Fässern gemengt, wo man sie ungefähr 24 Stunden lang ruhen läßt, damit sie daselbst ganz verbrausen können, und das kohlensaure Gas entweichen kann, worauf sie auf die gewöhnliche Weise, wie andere Farben, mit gleichen Theilen Oel abgerieben werden.

Wo man diese Farbe das erstemal auf das Holz aufträgt, muß sie noch besonders mit Oel verdünnt werden, damit soviel als möglich davon eingesogen werden kann: die dikere Farbe, die man später aufträgt, wird dann die Verflüchtigung des eingesogenen Oeles hindern, die durchdringende Eigenschaft dieses Oeles ist so stark, daß, wenn man dasselbe auf Holz aufträgt, das vor 20 Jahren angestrichen wurde, das Oel das Holz durchdringen wird; seine dichteren Bestandteile werden sich mit der alten Farbe verbinden, die das Oel vorher erweichte, so daß man sie dann entweder leicht abnehmen kann, aber, wenn man diese alte Farbe auf dem Holze liegen lassen will, wird sie sich mit dem Oele verbinden, undurchdringlich hart werden, und nachdem sie vollkommen troken geworden ist, nicht den mindesten Geruch von sich geben.

Da weder Hize noch Kälte auf diesen Anstrich wirkt, so fällt er in |245| keinem Klima ab, und sichert eben so gut das Holz gegen Moder, wie das Eisen gegen Rost. Eben so sichert er auch Canevaß und Leinenzeug gegen Regen und Nässe, wenn er sehr dik aufgetragen wird. (Aus dem London Journal of Arts N. 26. S. 70.)

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