Titel: Wie man Bücher vor dem Bücherwurme sichern kann,
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. XXXIX./Miszelle 6 (S. 245)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/mi011039_6

Wie man Bücher vor dem Bücherwurme sichern kann,

fragt Jemand in Gill's technic. Reposit. März 1823, S. 213, und Hr. Gill gesteht offen, daß er diese Frage Insecten-Kennern überlassen müsse. Einsender Dieses, der, obschon er Insecten und vorzüglich schädliche Insecten, seit ungefähr 32 Jahren fleißig beobachtete, doch nichts weniger als für einen Insecten-Kenner oder Entomologen gelten will oder kann, glaubt diese Frage nur unter der Bedingung lösen zu können: daß man 1tens alle alten Bücher in einer Bibliothek nicht bloß ganz neu binden, sondern auch neu beschneiden, und jedes Blatt, nicht bloß jeden Bogen (denn die Bogen müssen zerschnitten, und die alten geleimten oder gepaptem Rüken gänzlich beseitigt, und als die Hauptwohnstätte der Insecten alsogleich verbrennt werden) säuberlichst abkehren, dann wiederholt und sehr kräftig, in dünnen Lagen schlagen, und wo die Blätter allenfalls bereits angefressen waren, jedes Loch mit einem feinen Haarpinsel von beiden Seiten her genau auskehren, und dann aus die sogleich anzugebende Weise binden läßt. 2tens, die Pappe zu jedem Buche, das neu gebunden werden soll, also zu den vorigen alten Büchern, wie zu den neuen aus dem Buchladen, mit einer ziemlich starken Sublimat-Auflösung anrühren (ungefähr 9 Gran auf zwei Loth Wasser, wodurch jedoch die Buchbinder-Arbeit eine sehr gefährliche Arbeit werden, und für die möglich beßte Ventilation der Buchbinder-Werkstätten zu sorgen seyn wird) und über dem Rüken des Buches unter dem Dekel einen Streifen Queksilber-Wachspapier aufkleben zulassen. Eben dieses Queksilber-Wachspapier muß den ganzen Dekel des Buches umhüllen, so wohl von Innen, wo man durch Sublimat-Auflösung gezogenes Papier aufleimt, als von Außen unter dem Leder, oder dem Carton-Papier. Auch die Farbe des Schnittes oder der Grund bei Goldschnitt muß mit Sublimat-Auflösung angemacht werden.

Bei dieser Behandlung der Bücher wird sicher kein Insect in dieselben kommen können, und die darin bereits vorhandenen werden dadurch sicher vertilgt werden. Allein, diese Methode ist für große Bibliotheken, in welchen sich viele alte Bände befinden, zu kostbar, und für den Buchbinder, der sich über die Sorgfalt, die dieses Verfahren von ihm fodert, leichtfertig hinwegsezen würde, gefährlich. Es gibt aber keine andere. Schwefel- und Queksilber-Räucherungen sind auf dem Papiere leichter als in dem Papiere ausführbar; und das mit Recht von dem Fragesteller, wie von Hrn. Gill, empfohlene Studium der Haushaltung der Bücher verwüstenden Insecten, vom Acarus eruditus an bis zu dem großen Dermestes ladarius, den Einsender gleichfalls in feuchten Lederbänden fand, würde zu keinem andern Resultate führen, als mit den Büchern so zu verfahren, wie Linne mit dem Schiffsbauholze zu Carlscrona verfuhr, d.h., sie auf einen ganzen Sommer über in das Wasser zu werfen, wo man sie nicht gar, mit Omar, lieber in's Feuer werfen will.

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