Titel: Wie Kupferstecher ihr Aezwasser (salpeterige Säure) selbst bereiten und rectificiren können.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. LIX./Miszelle 11 (S. 383–385)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/mi011059_11
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Wie Kupferstecher ihr Aezwasser (salpeterige Säure) selbst bereiten und rectificiren können.

Hrn. Turrell's Bemerkungen über die Notwendigkeit, reine salpeterige Säure bei dem Aezen anzuwenden, (wovon wir im vorigen Bande dieses Journals Nachricht gaben) erinnert mich an einen Fall, der mir vor 15 Fahren zu London begegnete, als ich noch Vorleser über Chemie am Bartholomäus-Spitale daselbst gewesen bin. Ein junger Mann, der aber jezt bereits einer der ausgezeichnetesten Künstler in Aqua Tinta in der Hauptstadt ist, und dessen Gesundheit durch die salpeterigsauren Dämpfe, denen er bei seiner Arbeit ausgesezt war, damals sehr gelitten hatte, erholte sich bei mir Rathes, und Wollte zugleich wissen, ob kein Mittel vorhanden wäre, wodurch er für die Zukunft sich gegen die schädlichen Wirkungen dieser verderblichen Dämpfe schüzen könnte.

Um mich in den Stand zu sezen, mit Leichtigkeit ein Mittel gegen dieses Uebel finden zu können, beschrieb er mir die ganze Verfahrungs-Weise bei dem Aezen, und bemerkte, daß er sowohl in Hinsicht auf seine Gesundheit als auf das Gelingen seiner Arbeit den größten Nachtheil dann verspürte, wann die Säure unrein war. Er sagte, daß er es sich immer angelegen seyn ließ, die beßte Salpetersäure aus den beßten Fabriken sich zu verschaffen; daß indessen die Güte auch der beßten käuflichen Salpetersäure so wenig zuverläßig ist, daß er sich niemals auf dieselbe verlassen konnte, und daß er erst neulich dadurch eine Platte eingebüßt hat, an welcher er bereits über 14 Tage arbeitete. Um die nachtheiligen Wirkungen des Gases zu beseitigen, lehrte ich ihn einen Apparat anwenden, durch welchen er dasselbe in den Schornstein führen konnte. Er befolgte meinen Rath, und hatte, wie ich glaube nie mehr in der Folge etwas von den nachtheiligen Wirkungen dieses Gases zu leiden.

Die Hauptursache aber, warum ich Sie mit diesen Zeilen belästige, ist, den Aqua Tinta Kupferstechern und den Künstlern, die mit dem Aezwasser arbeiten, zu empfehlen, daß sie ihre Säure sich selbst bereiten, wodurch sie, mit wahrlich geringer Mühe, im Stande sind, ihr Werk mit Sicherheit zu vollenden. Denn, da die Säure, die man bei dem Aezen braucht, nur schwach seyn darf, ist die Bereitung derselben sehr einfach, und viel leichter, als wenn man sie von der im Handel gewöhnlich vorkommenden Stärke verfertigen müßte. Ein tragbarer Ofen, eine gläserne Vorlage, ein Vorstoß und einige grüne Glas-Retorten sind alles, was hiezu nöthig ist. Ich lehrte den damals jungen Mann nicht bloß seine Säure sich selbst bereiten, sondern durch Destillation auch diejenige Säure rectificiren, deren er sich bereits bei dem Aezen seiner Platten bediente (und die, wie ich glaube, gewöhnlich weggeschüttet wird), so das dieselbe neuerdings gebraucht werden kann, und er versicherte mir, daß er dieselbe durch diese Operation bedeutend verbessert fand, denn er bemerke, daß sie auf das Kupfer besser wirkte, als da sie zum erstenmal angewendet wurde. Er zog zuerst einen Theil des Wassers ab, wechselte dann den Recipienten, und fuhr mit der Destillation so lang fort, bis nichts anderes als Salpetersaures Kupfer mehr in der Retorte zurük blieb. Man fand dieses Verfahren so vortheilhaft, daß, wie ich vermuthe, er und sein Bruder noch jezt ihre Salpetersäure machen und rectificiren. Ich fand, durch Versuche, daß 400 Theile raffinirte salpetersaure Pottasche und 225 Theile Schwefelsäure, 345 Theile salpeterige Säure von 1,389 Gewicht geben, die, verdünnt, 2415 Säure darstellten, welche noch stark genug war, um mit derselben äzen zu können. Die in der Retorte zurükgebliebene schwefelsaure Pottasche wog 354 Theile, und kann an Materialisten oder Alaunsieder verkauft werden, wenn ihre Menge bedeutend wird, so wie das salpetersaure Kupfer endlich an die Farben-Fabrikanten verkauft werden kann. Bei Verfertigung der salpeterigen Säure würde ich rathen, die Schwefelsäure mit gleichviel Wasser zu verdünnen, ehe man sie auf salpetersaure Pottasche gießt, wodurch zwar der Proceß verlängert, aber auch die Bildung von vielem salpeterigen Gase vermindert, und die Verdichtung der Säure erleichtert wird, wenn der Recipient kalt gehalten wird. Ich hoffe, daß Hr. Turrell durch |385| diese Bemerkungen zu einem Versuche veranlaßt und mit dem Resultate desselben zufrieden seyn wird. (Von einem Correspondenten in Gill's technical Repository. Mai 1823. S. 300.)

Falmouth, 27. März 1823.

R. E.

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