Titel: Ueber Bedekungen von Glasfenstern an Mistbeeten und Glashäusern im Winter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. LIX./Miszelle 31 (S. 389–390)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/mi011059_31

Ueber Bedekungen von Glasfenstern an Mistbeeten und Glashäusern im Winter.

Das Repertory of Arts des laufenden Monates Julius 1823 bringt uns S. 118 einen Aufsaz des Squire Alexander Seton, F. H. S., über Dekung der Gurken Fenster. Seine Vorrichtung besteht in einer tragbaren Stroh-Bedachung, welche auf folgende Weise vorgerichtet ist. „Man befestigt zwei starke Latten, etwas länger als das Fenster, welches sie deken sollen, und so breit als dasselbe, (wenn es nicht breiter ist als 4 Fuß) parallel neben einander, und bindet auf diese unter rechten Winkeln, Querstüke, ungefähr Einen Fuß weit von einander, und der ganzen Länge dieser Latten nach auf, jedoch so, daß die beiden Enden einer jeden Latte etwas über das oberste und unterste Querstük vorstehen. Ueber diesen Rahmen breite man eine Matte aus, und binde auf dieselbe eine Lage Stroh, ungefähr 3-6 Zoll stark, je nachdem nämlich diese Strohbedekung mehr oder minder warm seyn soll man fängt zuerst mit einer Lage an dem unteren Ende an, und läßt die oberen, wie an einem Strohdache, nach und nach sich abwechselnd dekend, darauf folgen. Die hervorstehenden Enden der beiden langen Latten dienen als Handgriffe, mittelst welcher diese Bedekung leicht und schnell an jedem Glasfenster ab- und aufgehoben werden kann: im Nothfalle |390| kann dieß auch ein einzelner Arbeiter. Wenn die Breite desselben mehr als vier Fuß beträgt, oder vielleicht auch, wenn sie nur soviel beträgt, ist es rathsam, zwei solche Deken zu verfertigen, indem sie sonst zu schwach werden, und nicht leicht zu handhaben sind. Wo eine lange Reihe von Fenstern, oder Beeten zu deken ist, die mehrere solche Strohbedachungen fodert, ist eine Breite von ungefähr drei Fuß die bequemste.“

„Eine solche Deke hält aus doppeltem Grunde wärmer als die Matten, und als jede andere gewöhnliche Bedekung: sie vermindert nämlich die Entweichung der Wärme durch Zutritt der äußeren kalten Luft, und die Verschlingung der ersteren durch Damf-Bildung. Was den ersteren betrifft, so ist es allgemein bekannt und durch allgemeine Erfahrung bestätigt, daß bei jeder Deke, welche aus losen Bestandtheilen besteht, deren Zwischenräume mit Luft ausgefüllt sind, wie Stroh, Haar, Federn, die Entweichung der Wärme in einem größeren Grade erschwert ist, als bei dichteren Deken, die Größe und Schwere derselben übrigens gleich gesezt.“

„Matten und dergleichen Dinge, deren man sich gewöhnlich als Deke bedient, sind dichter als Stroh, und jede aus denselben verfertigte und bequem zu behandelnde Deke wird dünner, und folglich geht die Wärme durch Berührung der Theilchen derselben leichter durch, und gelangt früher an die Außenseite. Ferner läuft, da diese Bedekung wie ein Strohdach vorgerichtet ist, das Wasser leicht von der Oberfläche derselben ab, und ihr Inneres bleibt vollkommen troken, so daß keine Wärme bei der Dampf-Bildung derjenigen Theile, die zunächst am Glase liegen, verloren geht, während Matten, Tücher u. d. gl. jede Nacht von der Feuchtigkeit des Thaues, Regens Schnees durchnäßt werden, und durch ihre Berührung mit dem warmen Glase einen grossen und anhaltenden Verlust an Wärmestoff erzeugen. Man sucht diesem Nachtheile gewöhnlich dadurch abzuhelfen, daß man Stroh oder Heu auf die Matten wirft; allein, dieß ist theils zu mühsam, theils wird es zu oft vernachlässigt, theils geschieht es zu nachlässig mit bereits feuchtem Strohe, wodurch das Wasser nicht gehindert wird, die Matten zu durchdringen, und dadurch die Fenster zu kühlen.“

„Ueberdieß sind diese Arten von Strohbedekungen weit leichtet auf- und abgehoben; es geschieht in einem Augenblike, und man läuft nicht Gefahr die Glaser so oft, wie bei den gewöhnlichen Deken durch Hölzer oder Steine, die man auf dieselben auflegt, damit sie nicht weggewehet werden, zu brechen.“

„Squire Seton erdachte sich diese Bedekung für seine Früh-Gurken, bemerkt aber mit Recht, daß sie sich zu vielen anderen Garten-Zweken eben so gut benüzen läßt, und daß, mehrere solche Deken über einander gelegt, selbst in den härtesten Wintern zarte Pflanzen vor dem Froste bewahren können. – Mehrere Gärtner in Deutschland bedienen sich seit undenklichen Zeiten solcher Deken.“

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