Titel: Neue Erfindungen des Hrn. Professors Völker in Erfurt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. LIX./Miszelle 4 (S. 379–381)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/mi011059_4
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Neue Erfindungen des Hrn. Professors Völker in Erfurt.

I. Erfindungen für Bier- und Essigbrauerei, Branntweinbrennerei, Syrup-, Mehl- und Stärkebereitung.

Herr Professor Völker in Erfurt, welcher im Fache der Technik und Chemie bereits rühmlichst bekannt ist, erhielt unter dem 16. März l. J. für den ganzen Umfang des preußischen Staats ein auf acht Jahre gültiges Erfindungspatent auf seine eigenthümliche Methoden, die Kartoffeln in reiner und trokener (zu langer Aufbewahrung und weitem Transport geeigneter) Form zuzubereiten und zur Fabrikation des Biers, Branntweins, Essigs, Syrups und Kartoffelmehls anzuwenden.

Hr. Völker sagt, „diese Methoden sind leicht vorschriftgemäß in Ausführung zu bringen, erfodern gerade keine kostspieligen außergewöhnlichen Vorrichtungen und die auf jene Zubereitung der Kartoffeln gewendete Arbeit wird durch ein dabei abfallendes, oft sehr vortheilhaft zu benuzendes Nebenproduct in vielen Fällen ganz oder großen Theils bezahlt. – Die zubereiteten Kartoffeln können entweder sogleich, oder nachdem sie in trokene Form gebracht worden, zur Bier-, Branntwein-, Essig- und Syrupbereitung angewandt werden, und da sie durch die erhaltene Zurichtung verfeinert und zu einer vollständigen Auflosung fähig gemacht sind, so fallen die unter Anwendung meiner eigenthümlichen Methoden daraus dargestellten Fabricate der Beschaffenheit nach vorzüglicher, der Menge nach reichlicher und oft auch viel wohlfeiler aus, als sie in der Regel aus gewöhnlichen Kartoffeln bisher gewonnen wurden, ja unsere Fabricate sind sogar zum Theil besser, im Allgemeinen aber mit viel geringeren Kosten als aus Getreide herzustellen. Mit sehr ergiebigem Gewinn werden insonderheit auch Landwirthe meine Verfahrungsarten benuzen, da ihnen bei zwekmäßig betriebenem Kartoffelbau das zur Bier-, Branntwein-, Essig-, Syrup- und Mehlbereitung erfoderliche Material sehr wohlfeil und oft kaum halb so hoch zu stehen kommt, wenn sie sich dazu der selbst erzeugten, nach meiner Vorschrift zubereiteten Kartoffeln statt Getreides bedienen.“

„Ueberhaupt wird durch obige Erfindungen die Kartoffel zu einem viel allgemeineren, weit vollkommneren und doch wohlfeilen Stellvertreter des Getreides gemacht. Denn durch meine Methoden gelangt man dahin, was früher nicht erreicht wurde, aus Kartoffeln ein gutes (nach Belieben weißes oder braunes, süßes, bitteres oder weinartiges) Bier, gleich wie aus Malz darzustellen, und zwar mit viel geringeren Kosten; so daß in der Folge die Kartoffel zum Bierbrauen mit eben so großem und zum Theil noch größerem Gewinn, als bisher in der Branntweinbrennerei, benuzt werden wird. Ferner läßt sich aus unserer Kartoffelsubstanz mit beträchtlich geringerem Feuerungsaufwand, als bei der gewöhnlichen Kartoffelbrennerei, sogleich ein fuselfreier, leicht zu Liqueuren, Kunstrum und Arak zu veredelnder Branntwein darstellen. Mein Kartoffelessig ist eben so gut, als ein aus Weizenmalz gebrauter, und viel wohlfeiler.“

„Mein Kartoffelsyrup besizt eine weiße Farbe und reinsüßen Geschmak und kostet sehr wenig, indem ein berliner Scheffel oder 100 Pfund gute gewöhnliche Kartoffeln bei gehöriger Behandlung gegen 25 Pfund Syrup liefern können. – Mein sehr reines, weißes und wohlfeiles Kartoffelmehl kann zu Bereitung des Brodes und anderer Nahrungsmittel das Getreidemehl überhaupt und selbst das Weizenmehl großen Theils ersezen, und sogar in vielen Fällen die Stelle der viel theuerern Weizen- und Kartoffelstärke vertreten, z.B. zu Kleister, zu Weberschlichte, zum Steifen von Zeugen, zu Verdikung von Beizen und Farben beim Zeugdruk u.s.w. – Endlich läßt sich unsere Kartoffelsubstanz auch als Kaffeesurrogat benuzen.“

An obige Erfindungen schließen sich noch folgende an:

„1. Eine neue Verfahrungsart, wodurch aus einer gegebenen Menge Malz eine größere Quantität ganzes Bier gewonnen wird.“

„2. Eine Methode, aus gewissen einheimischen Körnerfrüchten Bier zu brauen, mit einer Kostenersparung, die 20 Procent und darüber betragen kann.“

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„3. Eine einfache Verfahrungsart, wodurch bei der Stärkebereitung aus Weizen eine beträchtliche Menge Essig als Nebenprodukt sehr wohlfeil gewonnen wird.“

„II. Neue Erfindungen für Kochsalz-, Alaun-, Vitriol-, Salpeter- und Pottaschensiedereien und andere Siede- und Abdampfungsanstalten.“

„Diese bestehen vorzüglich in gewissen Vorrichtungen, wodurch bei den genannten Siedeanstalten die Erhizung, Abdampfung und Concentrirung von Salzlaugen und andern Flüssigkeiten sehr erleichtert und beschleunigt wird, indem man zugleich eine höchst bedeutende Ersparung an Brennmaterial, (die oft 50 Procent betragen kann), erreicht. – Außerdem hatte ich noch Gelegenheit, mehrere andere, die Bereitung oben genannter Salze betreffende und für Besizer solcher Werke wichtige und nüzliche Entdekungen zu machen, welche einzeln aufzuzählen aber der Raum nicht gestattet.“

„III. Endlich sind mir beim practischen Studium des Dampfmaschinenwesens verschiedene neue Ideen zu dessen Vervollkommnung entstanden, welche Besizern und Verfertigern von Dampfmaschinen bedeutende Vortheile zu versprechen scheinen. Es gehört dahin z.B. eine Vorrichtung, wodurch bei Dampfmaschinen auf ganz neue Art eine doppelte Triebkraft ohne Hochdruk und ohne vermehrte Feuerung hervorgebracht wird. – Ein zur Benuzung der aus dem condensirten Dampfe sich entbindenden großen Wärmemenge für viele Zweke eingerichteter Condensator. – Ferner ein eigenthümlicher Expansator und Dampferzeuger.“

Diejenige welche diese Erfindungen benuzen wollen, haben sich directe an den Hrn. Professor Völker in Erfurt zu wenden.

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