Titel: Ueber den gereinigten Holzessig.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 11, Nr. LXXX./Miszelle 2 (S. 501–502)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj011/mi011080_2
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Ueber den gereinigten Holzessig.

(Aus einem Briefe von Hrn. Professor Buchner in Landshut an den Herausgeber).

Die Abhandlung über die Fabrikation und Reinigung des Holzessigs, welche sich im neunten Bande ihres schäzbaren Journals (S. 431. u.s.f.) findet, habe ich mit vieler Belehrung gelesen. Bald darauf wurde ich veranlaßt, einen solchen Holzessig zu untersuchen, die gefundenen Bestandtheile lassen sich aus dem angegebenen Fabrikations-Verfahren leicht erklären.

Der Essig war aus der Fabrike des Hrn. Mollerat; er hatte eine auffallend beträchtliche Schwere; denn das spec. Gewicht war 1,07731, übrigens besaß diese wasserklare Flüßigkeit einen angenehmen stechendsauren Geruch und Geschmak wie ein Gemisch von concentrirter Essig-Säure und etwa Essigäther. Als diese Flüssigkeit destillirt wurde, blieb ein beträchtlicher Rükstand von essigsaurem und schwefelsaurem Natron; und die destillirte Essigsäure hatte nun nur noch ein spec. Gewicht von 1,04900.

In 1000 Theilen des untersuchten Holzessigs fand ich

schwefelsaures Natron 10
essigsaures Natron nebst einer Spur essigsauren Kali 48
reine Essigsäure nebst Wasser und etwas Essigäther 942
–––––
1000

Metallgehalt, oder sonst ein anderer fremdartiger Bestandtheil konnte durchaus nicht entdekt werden.

Dieser beträchtliche Antheil an schwefelsaurem und essigsaurem Natron glaube ich, dient zum Beweise, daß die Säure nach Abscheidung derselben aus dem essigsauren Natron mittelst Schwefelsäure, nicht, wie es in der erwähnten Abhandlung heißt, destillirt wird, sondern nur einer starken Kälte ausgesezt, um die Ausscheidung des schwefelsauren Natron zu befördern und dann abgegossen wird, um die Mühe und Kosten einer Destillation zu ersparen.

Die gefundene Quantität von beinahe 5 Procent essigsauren Natron kann nur daher rühren, daß man etwas weniger Schwefelsäure nimmt als zur völligen Zersezung jenes Salzes erfoderlich wäre, wahrscheinlich um das Fabrikat nicht mit freier Schwefelsäure zu verunreinigen, die sich auch in der That in der von mir untersuchten Säure nicht finden ließ. Was aber den Essigäther-Gehalt betrifft, den ich gleichfalls gefunden habe, so scheint mir dieser absichtlich zugesezt zu werden, um dem Fabrikate einen angenehmern Geruch zu ertheilen 210)

Eine Abhandlung über diesen Gegenstand werden Sie in einem der nächsten Hefte des Repertoriums der Pharmacie lesen.

Schließlich muß ich Sie auf einen kleinen Irrthum (von Seite des Verfassers D.) aufmerksam machen, es heißt nämlich in der Eingangs erwähnten Abhandlung S. 443: „will man diese Essigsäure (von 40° Stärke) in einem concentrirtern Zustande, so muß derselben salzsaurer Kalk in reichlicher Menge zugesezt und sie dann neuerdings destillirt werden.“

Dieses ist wahrscheinlich nur aus der Theorie; keineswegs aber aus der Erfahrung gegriffen, denn ich habe schon im vorigen Winter durch einen Versuch gefunden, daß, wenn man Essigsäure (von 1,050 spec. Gewicht) über geschmolzenen salzsauren Kalk abdestillirt, ein Gemisch von Salz-Säure und Essigsäure erhalten wird, indem sich essigsaurer Kalk bildet.

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Bekanntlich enthalten guter roher Wein- und Getraide-Essig Spuren von Essigäther, denen der Essig zum Theil seinen erquikenden Geruch verdankt. Da nun die concentrirte Essigsäure von Salzen geschieden wird, denen der Aethergehalt mangelt, so sucht man der so gewonnenen Essigsäure durch Zusaz von Essigäther jenes Arom, das den Essig annehmlicher macht, künstlich zu ersezen. Auch löst man in dem Essigäther Rosenöl, Citronenöl u.s.w. auf, durch diesen Zusaz der sogenannte Rosen-Essig, Citronen-Essig u.s.w. erhalten werden. D.

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