Titel: HH. Monteith und Comp. Beschreibung der großen Bandana-Gallerie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 12, Nr. XXI. (S. 72–89)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj012/ar012021

XXI. Beschreibung der großen Bandana-Gallerie, in der Türkisch-Roth Factorey der HHrn. Monteith und Comp. zu Glasgow.

Aus dem Quaterly Journal of Science in Gill's technical Repository. August 1823. S. 105.

Mit Abbildungen auf Tab. I. und einem Zusaz vom Herausgeber.

Die Vortheile liberaler Gesinnungen zeigen sich nirgendwo deutlicher, als in den gegenwärtigen Fortschritten chemischer Künste. Noch vor 25 Jahren waren chemische Fabrikanten gewohnt, ihre Arbeiten, wie einst die Charlatane des Mittelalters, mit dem Siegel des Geheimnisses zu verschließen. Sie wähnten, und ganz natürlich meistens ohne allen Grund, daß sie allein im Besize Wunder wirkender Recepte wären, deren Bekanntmachung ihnen Tod und Verderben bringen müßte. Die bemittelte Eigenthümer chemischer Fabriken waren damals gewöhnlich ohne alle praktische Kenntniß in der Chemie. Sie waren daher gezwungen, von gewissen arbeitenden Adepten abzuhängen, |73| die sie sich mit schwerem Gelde miethen mußten, um ihre Fabriken zu leiten. Diese Adepten waren aber gewöhnlich Leute, die vorher als Handlanger in irgend einer ähnlichen Fabrik dienten, und sich eine oberflächliche Kenntniß der Routine des Geschäftes erwarben: ohne alle Erziehung, ohne alle Bildung, ohne alle Kenntniß und Uebersicht des Geschäftes, das sie leiten sollten, hatten sie ohne Unterlaß mit unübersteiglichen Schwierigkeiten zu kämpfen, und fielen von Zeit zu Zeit in die verderblichsten Fehler. Die kleinsten Abweichungen in der Qualität der Materialien, die sie anwendeten, in der Mischung derselben, in der Temperatur, in der Dauer der Arbeit erzeugten die entgegengeseztesten Resultate, die sie weder vorsehen noch leiten, und denen sie noch weniger zuvorkommen konnten. Wenn auch, insofern eine Operation einmal gelang, der Gewinn bei derselben groß war, so mißlang doch diese Operation weit häufiger, und der Verlust war nicht selten dabei so groß, daß das ganze Gewerbe nicht wenig unsicher und kummervoll wurde. Hieraus lassen sich die Fallimente chemischer Fabriken eben so gut als ihr schnelles Emporkommen erklären; die eine erhob sich eben so schnell zu unerwartetem Reichthume, als die andere in unvorgesehenes Unglük stürzte.

Endlich wurden die Besizer chemischer Fabriken des Vasallen-Zustandes müde, in welchem sie von ihren eigenen, eigennüzigen und eigensinnigen Mischlingen gehalten wurden; sie wollten sich nicht mehr länger ausplündern lassen, und fingen an, die Grundsäze, worauf ihr Kunstgewerbe beruht, zu studiren, und geriethen dadurch in den Umgang wissenschaftlich gebildeter Männer. Sie sahen nun zum erstenmale ein, daß sie bei ihren sogenannten chemischen Processen nur dadurch Bestimmtheit und Sparsamkeit erlangen konnten, wenn sie sich derselben Grundsäze bedienten, welche die Aerzte bereits lang vorher unter dem Schuze öffentlicher Geseze gegen die unsichere Geheimnißkrämerei der Apotheker mit dem glüklichsten Erfolge geltend machten. In dieser Ueberzeugung beriethen sie sich mit Chemikern über ihre Unfälle, und über die Schwierigkeiten, mit welchen sie zu kämpfen hatten. Winke von höherer oder minderer Bedeutung wurden gegeben und befolgt, und diese führten den Fabrikanten zu neuen Fragen, und den Chemiker zu |74| neuen Untersuchungen. Auf diese Weise entstand eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis, welche in wenigen Jahren viele Zweige der chemischen Künste in unserem Lande auf einen ungewöhnlich hohen Grad von Vollkommenheit erhob.

Ohne Zweifel muß es viele Fälle gegeben haben, in welchen Chemiker von einigem Range dem Fabrikanten einen schlechten Rath ertheilten, indem wir chemische Schriftsteller Recepte zu Verfahrungsarten herausgeben sehen, die nicht bloß sehr nachtheilig, sondern sogar absurd sind. Solche Mißleitungen sind beinahe immer die Folge von Vernachlässigung gehöriger Versuche nach dem gehörigen Maßstabe, oder von Sorglosigkeit bei Anstellung derselben, oder wohl gar von oberflächlicher Kenntniß der Grundsäze der Wissenschaft selbst. Es ist eine Arbeit, die jeder kann, eine blendende Menge klassischer Versuche zusammen zu tragen, und darüber sehr beredt zu commentiren, ohne selbst philosophischer oder praktischer Chemiker zu seyn.

Die Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst, die in unserem Lande die spät gereifte Frucht der Nothwendigkeit gewesen ist, war, unter dem Schuze der Regierung17), längst schon in Frankreich gediehen, und hatte eine bedeutende Ausdehnung erhalten. Der berühmte Staatsminister, Colbert, der die hellsten Ansichten über Staatswirthschaft besaß, die jemals einem Minister zu Theil geworden sind, gründete eine wissenschaftliche Schule zur Leitung und zum Beistande der Färbereien in Frankreich. Aus dieser Schule, die unter der Leitung einer Reihe ausgezeichneter Chemiker fortbestand, gingen die unschäzbaren Untersuchungen über die schönste, aber zugleich auch am meisten verwikelte chemische Kunst hervor, über die Färberei, und diesen Untersuchungen verdankt Frankreich einen großen Theil seiner Ueberlegenheit in diesem höchst einträglichen Zweige seiner National-Industrie.

Die Manufactur der HHrn. Monteith und Comp. war schon seit vielen Jahren in der commerciellen Welt wegen der Güte und Schönheit ihrer Baumwollen-Fabrikate berühmt. Ihr |75| Krapproth wetteifert an Glanz und Festigkeit mit jeder Adrianopel-Waare, und die weißen Zeichnungen, die über ihre rothen Kattune hingestreut sind, übertreffen an Reinheit, Eleganz und Schärfe der Umrisse die reinsten ursprünglichen Bandana-Muster.

Die eben so reichen als aufgeklarten Eigenthümer dieser Fabrik haben von jeher dafür gesorgt, alles, was die neuesten Entdekungen und Fortschritte in der Chemie und Mechanik darbothen, zu ihrem Vortheile zu benüzen, und ihre Factorei verdient in dieser Hinsicht als eine Schule praktischer Wissenschaft studirt zu werden. Die Erlaubniß, die sie uns gewährten, ihre Entfärbungs-Gallerie (discharging-gallerey) zu beschreiben, ist ein Beweis ihrer liberalen Gesinnungen sowohl als des wohlgegründeten Selbstgefühles, daß das auf ihre Fabrik verwendete Capital, und die Geschiklichkeit, mit welcher in derselben gearbeitet wird, sicherere Bürgen für den besseren Absaz sind, den ihre Waaren auf allen Marktpläzen von Europa finden, als die strengste Geheimnißkrämerei über ihr Verfahren. Sie haben daher nur selten Fremden, die sich entweder durch ihren Character oder durch ihre Kenntnisse auszeichneten, die Erlaubniß versagt, ihre Manufactur zu besehen; eine Gefälligkeit, die man nie ohne Vergnügen und Unterricht genüzt haben wird.

Ihre neuen hydrostatischen Pressen haben sie im Jahre 1813 unter der Leitung des Hrn. Georg Ridger, des Aelteren, ihres Geschäftsführers, vollendet. Sie besizen derselben sechzehn, die ungemein schön gebaut sind, und in Einer Reihe dastehen, vier und vier bei einander. Die Zwischenräume zwischen einer jeder Partie derselben dienen den Arbeitern zum Durchgange, um leicht auf den Rüken der Presse gelangen zu können. Jede Partie oder Unterabtheilung nimmt 25 Fuß ein; die ganze Länge des Apparates beträgt demnach 100 Fuß.

In jeder Presse befinden sich ein paar Muster in Blei (oder wie sie es nennen, ein paar Platten (plates), deren Verfertigungsweise unten angegeben werden wird. Die eine dieser Platten ist an dem oberen Bloke der Presse befestigt, und dieser Blok ist so vorgerichtet, daß er sich an einer Art von allgemeinem Gelenke (universal joint) dreht, wodurch diese Platte sich |76| desto genauer an die untere anlegt. Leztere ruht auf dem beweglichen Theile der Presse, gewöhnlich Schwelle (sill) genannt. Wenn diese in die Höhe gedrükt wird, so passen die beiden Muster mittelst Leit-Stiften an den Eken, die mit der größten Sorgfalt eingepaßt werden, höchst genau auf einander.

Die Kraft, welche diese große hydrostatische Reihe in Bewegung sezt, befindet sich in einem besonderen Zimmer, das Maschinen-Zimmer genannt. Die Maschine besteht ans zwei Cylindern von besonderem Baue, mit genau in dieselben passen, den cylindrischen Stämpeln und drei kleinen Drukpumpen an jedem Cylinder, die von einer Dampfmaschine getrieben werden.

Der Stämpel des größeren Cylinders hat acht Zoll im Durchmesser, und ist oben mit einem Gewichte von 5 Tonnen beladen: er kann durch einen ledernen Halsring ungefähr zwei Fuß hoch aufsteigen. Der Stämpel des anderen Cylinders hat nur Ein Zoll im Durchmesser, und ist gleichfalls mit einem Gewichte von 5 Tonnen oben beladen, und steigt 2 Fuß hoch durch einen Halsring.

Wenn nun die Stämpel auf dem untersten Puncte stehen, so werden 4–6 kleine Drukpumpen durch die Dampfmaschine in Bewegung gesezt: zwei um den größeren, und zwei um den kleineren Stämpel zu heben. In kurzer Zeit ist so viel Wasser in die Cylinder gebracht, daß die belasteten Stämpel ihre höchsten Puncte erreicht haben, und nun sind sie bereit auf die hydrostatischen Drukpressen zu wirken, indem der Druk des Wassers unter der Erde durch starke kupferne Röhren von kleinem Durchmesser aus einem Zimmer in das andere geleitet wird.

An jeder Presse befinden sich zwei Klappen; die eine öffnet eine Verbindung zwischen dem ersten großen Cylinder, und dem Cylinder der Presse; die andere zwischen dem ersten kleinen Cylinder und der Presse. Der Dienst der unteren ist kein anderer, als lediglich den unteren Blok der Presse zu heben, und in Berührung mit dem oberen zu bringen; die zweite gibt dem Stoffe den gehörigen Druk. Eine dritte Klappe ist an der Presse angebracht, um das Wasser aus ihrem Cylinder zu entleeren, wenn die Presse nachlassen soll, damit man den Stoff wegnehmen oder durchziehen kann.

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Zwölf bis vierzehn Stüke, die vorläufig türkisch-roth gefärbt wurden, werden durch eine besondere Maschine so parallel als möglich über einander gestrekt, und über einen hölzernen Cylinder, die Trommel genannt, aufgerollt, welcher sodann auf den Rüken der Presse in gehöriger Lage aufgelegt wird. Ein Theil dieser vierzehn Lagen, so groß als die Fläche der Platten, wird hierauf zwischen denselben mittelst Haken, die an den beiden Enden der Stüke angebracht werden, durchgezogen. Wenn man nun die mit dem ersten achtzölligen Cylinder verbundene Klappe öffnet, so tritt das Wasser in den Cylinder der Presse, und hebt augenbliklich den unteren Blok derselben, so daß die untere Platte mit dem darauf liegenden Zeuge genau an die obere angedrükt wird. Nun wird diese Klappe geschlossen, und die obere geöffnet. Der Druk von 5 Tonnen an dem einzölligen ersten Cylinder wirkt nun auf den Stämpel der Presse von acht Zoll im Durchmesser. Die wirklich ausgeübte Kraft wird also hier 5 × 8² = 320 Tonnen, da die Flächen der Cylinder sich verhälten, wie die Quadrate ihrer Durchmesser. Der Stoff wird also zwischen die bleiernen Muster-Platten mit einem Druke von 320 Tonnen gepreßt (= 640000 Pf.)

Nun muß die bleichende oder entfärbende Flüssigkeit (wässerige Chlorine, die man erhält, wenn man Schwefelsäure zu einer Auflösung von chlorsaurem Kalke sezt,) auf den Stoff gebracht werden. Diese Flüssigkeit befindet sich in einer großen Cisterne in einem nahe gelegenen Hause, aus welcher sie nach Belieben in mehrere kleinere bleierne an den Pressen angebrachte Cisternen geleitet wird. Diese Cisternen haben graduirte Weiser-Röhren, um die Menge Flüssigkeit zu bestimmen, welche zur Entfärbung des bestimmten Musters nöthig ist. Die Sperrhähne an den Röhren und Cisternen, welche diese Flüssigkeit enthalten, sind alle von Glas.

Aus der Maß-Cisterne fließt die Flüssigkeit in die Höhlungen der oberen Bleiplatte, und senkt sich von diesen auf den Stoff nieder, durchdringt ihn, zieht die rothe Farbe aus, und wird mittelst einer Furche in dem unteren Bloke endlich in die Abzugsröhre geleitet. Sobald die Chlorin-Flüssigkeit durch ist, wird, auf dieselbe Weise, Wasser durchgelassen, um alle Chlorine wegzuschaffen, indem sonst, wenn der Druk der Presse nachgelassen |78| wird, die Umrisse der entfärbten Figuren nicht scharf genug seyn würden. Der Durchgang der entfärbenden Flüssigkeit durch den Stoff, so wie der des Wassers, wird durch einen pneumatischen Apparat oder durch ein Gebläse gelegentlich unterstüzt. Dieser leztere Apparat besteht aus einem großen Gasometer, aus welchem die einem mäßigen Druke unterworfene Luft hervortritt, und in der Richtung der Flüssigkeit auf die Lagen des Stoffes wirkt. Durch einen gelegentlichen Rieb an dem Luft-Sperrhahne kann der Arbeiter auch die gleichförmige Vertheilung der entfärbenden Flüssigkeit über alle Höhlungen der oberen Platte sichern. Wenn viele Waaren abgeliefert werden müssen, wird der Luft-Apparat stark gebraucht, indem der Arbeiter dadurch sein Product verdoppeln kann.

Die zur Entfärbung nöthige Zeit in der ersten Presse reicht hin, um die drei anderen Arbeiter die übrigen fünfzehn in Gang bringen zu lassen. Der Entfärber (discharger) geht nun von Presse zu Presse; läßt Entfärbungs-Flüssigkeit, Luft und Wasser zu, und ihm folgen in gehörigen Zwischenräumen die Gehülfen, die die Presse nachlassen, ein anderes Stük von Stoffen hervorziehen, und die Pressen wieder herstellen. Sobald die Flüssigkeit in die sechszehnte Presse eingelassen wird, ist es Zeit die erste Presse zu öffnen. Auf diese Weise gehen 10 Minuten hin; d.h., 224 Saktücher (16 × 14) werden in 10 Minuten nach ihrem Muster entfärbt. Auf diese Art werden nach und nach die Stüke ganz durchgezogen und behandelt.

Wenn die Stoffe aus der Presse kommen, laufen sie vorne durch zwei Walzen, und kommen von diesen in einen untergesezten Trog mit Wasser, worauf sie den Wäschern und Bleichern zur Vollendung übergeben werden. Auf diese Weise werden mit 16 Pressen 1600 Stüke, jedes zu 12 Yards (36 Fuß), oder 19,200 Yards, durch vier Arbeiter in 10 Stunden in die herrlichsten Bandanas verwandelt.

Die Muster oder Platten, welche in die Pressen kommen um die weißen Figuren auf den Stoffen zu bilden, werden auf folgende Weise aus Blei verfertigt. Ein Gitter-Rahmen aus Gußeisen, ein Zoll dik und die Kanten aufwärts gebogen, so daß er einen Trog bildet, der etwas größer ist als das Bleimuster, dient als feste Grundlage. In diesen Trog kommt |79| eine Bleiplatte von ungefähr 1/2 Zoll Dike, und wird darin mittelst von Unten aufsteigenden Schrauben-Nägeln gehörig befestigt. An die Kanten dieser Bleiplatte werden die Enden eines Bleiblattes angelöthet, welches die ganze äußere Fläche des eisernen Gestelles bedekt, und auf diese Weise wird ein fester Zoll tiefer Trog gebildet. Der aufrecht stehende Rand gibt nicht nur der Platte große Stärke, sondern dient auch zur Aufnahme der Flüssigkeit. Nun wird ein dünnes Bleiblatt auf die dike Bleiplatte, wie Furnitur auf Toiletten-Tische, aufgelegt und an den Kanten angelöthet. Beide Stüke Blei müssen vorher durch Hämmern auf einer glatten Steinplatte vollkommen eben gemacht, und dann mit einem Hobel übergangen werden. Die Oberfläche des dünnen Bleiblattes wird, nach vorläufig geschehener Befestigung, mit Zeichenpapier belegt, welches darauf aufgepappt wird, und auf dieses wird das Muster gezeichnet, und dem Model-Schneider übergeben. Dieser heftet nun zuförderst alle Theile des Musters, welche dicht bleiben müssen, mit messingenen Nadeln nieder, und schneidet mit den kleinen Instrumenten, die die Modelschneider gewöhnlich zur Verfertigung der krummen Linien der Muster brauchen, senkrecht durch das dünne Blatt durch. Die auf diese Weise ausgeschnittenen Stüke lassen sich leicht herausheben, und bilden so die Canäle, durch welche die weißen Figuren auf dem rochen Stoffe entstehen. Am Grunde dieser Canäle wird eine hinlängliche Anzahl von Oeffnungen durch die dikere Bleiplatte gemacht, damit die entfärbende Flüssigkeit leicht ein und ausfließen kann. Wenn auf diese Weise eine Platte fertig ist, wird mit Drukerschwärze in der hydrostatischen Presse ein Abdruk davon auf das Papier gemacht, womit eine zweite Platte überpappt ist, und so gibt jedes paar Platten ein Muster, das nach Belieben in die Presse gethan, und herausgenommen werden kann.

Taf. I. Fig. 32. ist ein Aufriß einer Presse; A, der obere Theil derselben oder die Deke; BB, die Stüzen oder Säulen; C, der obere Blok, um das obere Muster daran zu befestigen; D, der untere oder bewegliche Blok; E, der Cylinder; F, die Sohle oder die Grundlage; G, der Wassertrog, in welchen der abgelassene Zeug fällt; aa, Röhren, um Wasser einzulassen; b, eine Röhre für die Luft; c, Hahn, um Flüssigkeit |80| aus dem Behälter oder Messer zufließen zu lassen; H, Behälter oder Flüssigkeits-Messer; dd, Glasröhren, welche die Menge der in dem Behälter enthaltenen Flüssigkeit anzeigen; ee, gläserne Sperrhähne, um die Flüssigkeit in die Cisterne zu lassen; ff, Sperrhähne, um Wasser einfließen zu lassen; gg, die Muster-Platten; nn, Schrauben, um die Muster parallel unter einander zu stellen; mm, Zapfen, die mit einem einen halben Zoll tiefen Loche durchbohrt sind. Das untere eiserne Gestell hat correspondirende Stifte, welche in diese Löcher passen, so daß die Muster immer genau auf einander passend erhalten werden; hh, Walzen, welche den abgelassenen Zeug aufnehmen und durchziehen, und von welchen er in den Wassertrog hinabfällt; k, Sperrhahn zur Füllung des Wassertroges mit Wasser; iii, Ablaufröhren für Wasser und Flüssigkeit.

Glasgow den 30. Mai 1823.

Bemerkungen über obigen Aufsaz.

Es dürfte vielleicht für unsere Leser nicht uninteressant seyn, den Fortschritten der verschiedenen Methoden, Fleke oder Figuren auf seidenen oder baumwollenen Saktüchern zu erzeugen, bis zu der oben beschriebenen höchsten Vervollkommnung derselben nachzuspüren. Wir erinnern uns noch der Zelt, wo die Färber eine Menge von Weibern und Kindern dazu verwendeten, kleine vierekige Stellen des ungefärbten Stoffes in regelmäßige Figuren zusammen zu binden, damit sie von der Farbe nicht angegriffen würden, und weiße oder gelbe vierekige Fleken auf dem Saktuche zum Vorscheine kämen. Der erste Schritt, den die Kunst in diesem Zweige der Industrie vorwärts that, war die Anwendung der Entfärbungs-Methode, die man in Rees's New Cyclopädia unter dem Suchworte Discharging erklärt findet. Wir geben hieraus folgenden Auszug18).

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„Dieses Verfahren wird häufig von Färbern angewendet, um auf gefärbten Stoffen besondere Muster hervorzubringen. Eine Fabrik dieser Art wurde neulich in West-Scotland errichtet, und sie erhielt sehr bald eine bedeutende Ausdehnung. Sie erzeugt Bandana-Saktücher nach Art der Indischen. Das Materials ihrer Waare ist Baumwolle, die bald zweidrähtig bald einfach gewoben wird. Die Grundfarbe dieser Saktücher ist das feste Türkisch-Roth, und diese Farbe wird stellenweise wieder vernichtet, so daß eine Menge weißer Fleken auf rothem Grunde entstehen. Das Verfahren bei Bildung dieser Fleken ist nichts weniger als complicirt; da die Manufactur aber neu und nur auf die Gegend beschränkt ist, wo sie entstand, und da man sie allgemein bewundert, so kann eine Nachricht über die bei derselben gebrauchte Maschine, so wie über das Verfahren, dessen man sich daselbst bedient, vielleicht einiger Aufmerksamkeit werth seyn. An den indischen Bandanas stehen die weißen Fleken meistens in Haufen in Diagonaler- oder Demant-Richtung bei einander, und diese Form hat man auch meistens bei den nachgeahmten Bandanas beibehalten. Die Fleken sind bald rund, bald vierekig, und zuweilen, obschon selten, dreiekig. Vor Entdekung und Einführung des Entfärbungs-Processes hat man die Bandanas mittelst des gewöhnlichen Calico-Drukes nachgeahmt; allein, außer dem, daß die Farbe nicht so lebhaft und glänzend war, schoß sie auch sehr bald ab, so daß diese Methode, bei der Güte der entfärbten Bandanas und der Nachfrage nach denselben, bald gänzlich wird aufgegeben werden müssen.“

„Die Maschine, deren man sich bedient, ist eine sehr starke Schraubenpresse, deren ganzes Gestell Gußeisen ist. Jeder Theil dieser Presse muß nothwendig so stark seyn, daß er, ohne irgendwo nachzugeben, den stärksten Druk ertragen kann.“

„Das Muster, welches man zu geben verlangt, wird auf |82| zwei flache Tafeln geschnitten, die genau aufeinander passen. Sie sind gewöhnlich von Gußeisen, und die untere Tafel ist oben mit Kupfer oder mit irgend einem anderen Metalle überzogen, welches zugleich eine feine Politur annimmt, und einiger Massen im Stande ist, der äzenden Kraft der entfärbenden Flüssigkeit zu widerstehen, welche aus oxigenirt-kochsalzsaurem Kalke mit Wasser verdünnt besteht. In der unteren Platte, die vollkommen glatt und eben seyn muß, ist für jede Stelle, die entfärbt werden soll, ein Loch ausgeschnitten. In der oberen Platte oder in dem Dekel der Presse wird jeder Flek durch eine hohle Röhre von Messing oder Kupfer gebildet, die in einem in der Platte angebrachten Loche luftdicht befestigt, und mit einem Kitte aus Bleiweiß und Oel oder mit irgend einem anderen Kitte so eingekittet ist, daß die entfärbende Flüssigkeit bei keiner anderen Oeffnung, als durch diese Röhren entweichen kann.“

„Um die obere Platte oder um den Dekel ist ein Ranft, welcher das Ablaufen der entfärbenden Flüssigkeit hindert, und an jeder Eke derselben ist ein rundes Loch zur Aufnahme eines Stiftes, der in der unteren Platte oder Sohle der Presse angebracht ist, um den unteren Theil der hohlen Röhren genau senkrecht über die Löcher der unteren Platte zu bringen. Ausser diesen Leitern sind noch zwei Kerben angebracht, welche die aufrechten Stüzen der Presse umfassen, so daß die obere Platte bei ihrem Steigen und Fallen an sechs verschiedenen Stellen geleitet wird. Das Heben und Niederdrüken des Dekels geschieht mittelst einer Schraube, die man durch ein auf derselben befindliches Rad mit senkrechten Speichen um dasselbe, durch welche man, wie bei anderen großen Preßen, einen Hebel stekt, dreht, und so den Dekel auf oder niederschraubt. Die Sohle oder der Boden der Presse muß vollkommen horizontal seyn, und wird von sechs starken eisernen senkrechten Füssen getragen: an jeder Eke steht nämlich einer, und einer in der Mitte zu jeder Seite unter den zwei aufrechten Preß-Pfeilern. Der zu entfärbende Stoff kommt zwischen den Dekel und die Sohle.“

„Der mechanische Theil bei dieser Arbeit kommt beinahe in jeder Hinsicht dem Verfahren der Tuchbereiter, Buchbinder und anderer Arbeiter, welche große Schrauben-Pressen nöthig haben, gleich. Genauigkeit bei der Arbeit und Stärke sind alles, |83| was man zum Gelingen der Arbeit nöthig hat: beide sind aber auch unerläßliche Bedingungen hiezu. Die Presse muß so befestigt werden, daß sowohl der Dekel als die Sohle vollkommen horizontale Ebenen bilden. Die Sohle muß vollkommen eben seyn, und die hohlen Röhren in dem Dekel müssen alle den Boden bei gleichem Druke genau berühren. Die Oeffnung der Röhren muß ferner genau mit den Löchern oder Oeffnungen in der Sohle correspondiren; und die Leiter müssen so befestigt seyn, daß sie leicht spielen, zugleich aber auch jede Abweichung des Dekels beim Steigen und Fallen unmöglich machen. Da ein gewaltiger Druk entsteht, wenn der Dekel niedergeschraubt wird, so muß man sehr dafür sorgen, daß alle Stüzen der Presse so genau senkrecht, als möglich, stehen, und die einmal gehörig gestellte Presse muß stark befestiget werden.“

„Wenn nun dieser Apparat gehörig vorgerichtet und befestiget ist, so ist das übrige weitere Verfahren sehr einfach. Die Stoffe sind in der natürlichen Baumwollen-Farbe gewoben, und werden dadurch schöner und wohlfeiler als die sogenannten Pullicate-Saktücher und andere Nachahmungen indischer Waaren, wo die Muster auf dem Stuhle verfertigt und die Wolle als Garn gefärbt wird. Man mag noch so sehr Acht geben, daß das Garn bei den langweiligen und oft zu wiederholenden Prozessen der Türkischroth-Färberei keinen Schaden nimmt, so wird jeder, der mit Verarbeitung von gefärbtem Garne bekannt ist, gestehen, daß die Veränderung, welche das Garn unter der Hand des Färbers erlitt, alle folgende Arbeiten, die zur Verwebung desselben nöthig sind, sehr erschwert; und was von gefärbtem Garne überhaupt gilt, gilt, der Natur der Färberei nach, vielleicht von keinem mehr, als vom sogenannten Türkischgarne. Man müßte folglich den Arbeitslohn, den die Winder, Spuhler und Weber erhalten, in dem Verhältnisse erhöhen, als sie mit mehr Hindernissen zu kämpfen hätten, und bei aller angewendeten Mühe, weniger an Arbeit liefern könnten. Uebrigens ist jedes Muster, das man den Saktüchern auf dem Stuhle geben kann, immer nur eine Art von Quadrillirung (checking), und alle verschiedene Farben können, wenn man anders die Muster nicht zu sehr zusammengesezt und folglich außerordentlich theuer machen will, nur parallel oder unter rechten Winkeln |84| eingetragen werden. Die Zeit, die man mit dem Wechseln der Farbe bei dem Eintragen verliert, hindert gleichfalls die Beschleunigung der Arbeit nicht wenig, und so macht sowohl der Zustand und die Natur des zu verwebenden Stoffes, als der Mechanismus des Webens selbst, den Lohn für die Arbeit in dem Verhältnisse der Menge, die er hievon erzeugt, nothwendig höher.“

„Da aber die Bandanas einfach, ganz wie Caloco, Kammertuch etc. gewoben werden, so hat man hier mit keinem Hindernisse dieser Art zu kämpfen, und die ganze weitere Arbeit und Auslage ist für die Presse.“

„Die auf obige Weise gewobenen Stoffe werden von allen Unreinigkeiten gesäubert, und Türkisch-Roth, so wie das gewöhnliche Türkischgarn, gefärbt. Wenn sie nun entfärbt werden sollen, werden sie sorgfältig in Quadrate 10–12fach zusammengelegt, und auf die Sohle der Presse gebracht, von welcher der Dekel vorläufig gehoben wurde, jezt aber wieder auf dieselbe fest niedergeschraubt wird, so daß die Stoffe zwischen Dekel und Sohle so stark als möglich gepreßt werden. Der untere Theil einer jeden hohlen Röhre drükt nun stark auf die obere Fläche des Stoffes, und da er, wie oben bemerkt wurde, senkrecht auf den Löchern der unteren Platte steht, so kann kein Theil der entfärbenden Flüssigkeit entweichen, außer durch jene Oeffnungen, welche die Muster bilden. Wenn nun die Presse niedergeschraubt ist, so wird die entfärbende Flüssigkeit auf den Dekel gegossen, und, da der Ranft sie nicht abfließen läßt, so läuft sie durch die Oeffnungen der Röhren, und entfärbt die Stellen des Stoffes, durch welche sie läuft; denn die Gewalt der Presse hindert sie, sich über irgend einen anderen Theil zu verbreiten. Die entfärbende Flüssigkeit wird in einem Troge aufgenommen, der unter der unteren Platte der Presse angebracht ist. Aus diesem Troge wird sie mittelst eines Spundes in Gefäße geleitet, die zu ihrer Aufnahme bestimmt sind, und darin aufbewahrt; denn, obschon sie während ihres Durchganges durch den Stoff und durch das Entfärben desselben viel von ihren chemischen Eigenschaften verloren hat, so behält sie doch noch genug von den lezteren, um bei weniger wichtigen Operationen des Reinigens und Bleichens mit Vortheil angewendet werden zu können. |85| Die Entfärbung geschieht mittelst dieser Flüssigkeit in ungefähr 8 bis 10 Minuten. Nachdem die Flüssigkeit durch den Stoff durchgedrungen ist, wird der Dekel gehoben, und der Stoff herausgenommen, hierauf ein neues Stük eingelegt, und mit demselben wieder auf dieselbe Weise verfahren.“

„Wenn zwei fleißige Leute zum Zusammenlegen des Stoffes, zur Bedienung der Presse und zur Anwendung der Flüssigkeit verwendet werden, so wird ein Stük von 12 Saktüchern in 15 Minuten fertig; folglich können 2 Personen in einem Tage, bei 12 stündiger Arbeit, 48–50 Duzend Saktücher liefern.“

„Diese ganze Arbeit fodert nichts, als Sorgfalt und Aufmerksamkeit; denn, wo die Presse gehörig vorgerichtet ist, ist nichts anderes mehr nöthig, als die Saktücher gehörig zusammen zu legen, vierekig auf die untere Platte der Presse zu legen, und zu sorgen, daß der Dekel so fest als möglich niedergeschraubt wird, ehe man die entfärbende Flüssigkeit einwirken läßt. Bei dem Herausnehmen aus der Presse sehen die entfärbten Stellen nicht weiß, sondern matt strohfarben aus. Die gewöhnliche Verfahrungsart bei dem sogenannten Klären gibt aber sehr bald diesen Fleken eine schöne weiße Farbe, und erhöbt den Glanz des Türkisch-Rothes. Leute, die lange Zeit mit dieser Presse umgegangen sind, halten den Kitt, mittelst welchem die Röhren mit dem Dekel verbunden sind, für eine höchst wichtige Sache. Man muß allerdings öfters und sorgfältig dabei nachsehen; denn, wenn nur etwas Flüssigkeit entweichen kann, so hat der Grund dieser Saktücher dadurch wesentlich gelitten. Da diese Erfindung noch neu ist, und die praktische Chemie gegenwärtig äußerst schnell fortschreitet, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß irgend eine Composition von höherer Wirksamkeit (als die bisher gewöhnlich gebrauchte Auflösung von übersaurem kochsalzsaurem Kalke) bald entdekt werden mag. Der bisher gebrauchte Kitt dient so ziemlich gut zu diesem Zweke, fodert aber die höchste Aufmerksamkeit von Seite derjenigen, welchen die Bedienung der Pressen anvertraut ist.“

„Die Methode der Bereitung der entfärbenden Flüssigkeit wurde zuerst von Karl Tennant, Esqu., St. Rollocks bei Glasgow, erfunden und praktisch angewendet; gegenwärtig befinde sich dieselbe in den Händen aller Fabrikanten. Folgende Bemerkungen |86| über die praktische Anwendung dieser Flüssigkeit wurden dem Verfasser dieses Artikels von Hrn. Esqu. Tennant selbst gefälligst mitgetheilt, und er gibt sie hier mit dessen eigenen Worten:“

„Nach meinen Erfahrungen ist eine Auflösung von oxigenirt kochsalzsaurem Kalke von 1,010 specif. Schwere, der mit 1/100 seines Gewichtes Schwefelsäure von 1,846 specif. Schwere (wie die gewöhnliche käufliche Schwefelsäure meistens hat) zersezt wurde, die vortheilhafteste Composition zur Entfärbung des Türkisch-Roth, und ich glaube sie wird in unserer Gegend ziemlich allgemein so gebraucht.“

„Da die oxigenirte Kochsalzsäure, wenn sie aus ihrer Verbindung mit dem Kalke entwikelt wird, nur wenig im Wasser auflösbar ist, so wirkt sie desto besser, je schneller sie nach ihrer Ausscheidung mit der Schwefelsäure gebraucht wird; und dieß geschieht am beßten dadurch, daß man die Model (types, Hr. Tennant meint hier die Röhren oben im Dekel der Presse) bloß mit der Auflösung füllt, und dieselbe so viele Minuten lang darin stehen läßt, als zur Entfärbung nothwendig ist.“

„Nachdem diese Entfärbung geschehen ist, muß die saure Flüssigkeit sorgfältig aus den Modeln ausgewaschen werden, ehe man diese von den Stoffen wegnimmt.“

„Man hat seit Kurzem einige Veränderungen an der Presse in einigen Manufacturen vorgenommen. Der Hauptunterschied besteht darin, daß man statt, der Schraube ein großes Gewicht auf den Dekel drüken läßt. Man hat sich hiezu vorzüglich des Wassers bedient, und dieses mittelst einer Drukpumpe in einen auf dem Dekel befindlichen Trog hinaufgehoben. Allerdings mag dieß einen mehr gleichförmigen Druk auf die ganze Oberfläche des Dekels hervorbringen, als eine Schraube, die nur auf einen Punct wirkt, und in dieser Hinsicht mag diese Abänderung als Verbesserung gelten. Man hat bisher nur wenige solche Pressen; diejenigen aber, die solche besizen, versichern, daß sie entsprechend wirken.“

Zusaz des Herausgebers.

Die vorstehende Beschreibung des Verfahrens, das Fabrikat Bandanas darzustellen, ist meiner frühern Erfahrung zu Folge richtig. Indessen müssen die Herrn Mittheiler dieser Verfahrungsweise |87| ihr Verfahren, weiße Stellen in türkischroth gefärbten Baumwollengeweben hervorzubringen, früher sehr geheim gehalten haben, weil selbst Hr. Bancroft im Jahr 1816 noch keine Kenntniß davon hatte. Er sagt in seinem Färbe-Buch (deutsche Uebersezung Bd. 2. S. 346.) in einer Anmerkung: „noch bis vor wenig Jahren wurde das Türkischroth ausschließlich auf gesponnene nicht auf gewebte Baumwolle gefärbt; jedoch seit Herrn Arkwright's Erfindung (welcher zu Folge, wie Herr Wilson bemerkt, die Baumwolle nach der Länge der Fäßer kartätscht und gestrichen, und so versponnen wird), wird der Zwirn oder das Garn viel stärker und also auch gleicher gemacht, so daß die daraus gewebten Musseline mit Anwendung der gehörigen Sorgfalt fähig werden, das Türkischroth zu empfangen und sogar durch Vorbehaltung weißer Stellen bunt gemacht zu werden. Lezteres geschieht, indem man den Musselin, nachdem er in den öligten und andern Tunken eingeweicht worden, durch Cylinder laufen läßt (damit die Tunken gleichförmig ausgepreßt werden, wie dieß bei andern ganzen Stüken, die nur eine einzelne Beize bekommen haben, geschieht), denselben sodann troknet, und endlich vor der Färbeoperation auf die Stellen, welche weiß bleiben sollen, eine starke Reservage von Sauerklee- oder Citronensäure drukt.“ Zu dem Anhang der Adrianopel-Rothfärberei fügten die Herausgeber der deutschen Uebersezung desselben Färbebuchs (Dingler und Kurrer) einen Zusaz über die Merinosfabrikation bei, wo Bd. 2. S. 472. gesagt wird: „wir wollen, ehe wir zur Beschreibung dieses Fabrikars übergehen, die Darstellung der Bandanas beschreiben, was Herr Bancroft, da er doch einmal diesen Gegenstand zur Sprache brachte, aus uns unbekannten Gründen unterließ. Die in jenen Bemerkungen des Herrn Verfassers mit Säure, welche angewendet wird, um die Thonerde aufzulösen und wegzuschaffen, bedrukte Waare wird nach geschehenem Aufdruk und Troknung gehörig gereinigt, wie gewöhnlich mit Krapp gefärbt, und nach dem Färben einmal geschönt. Nach dem Schönen wird die Waare in einem oxydirt salzsauren Kalibad, wobei das Kali vorwalten muß, so lange behandelt, bis die vorher mit der sauren Aezreservage bedrukt gewesenen Stellen vollkommen weiß zum Vorschein kommen.“

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„Dieses Fabrikat, welches bloß aus einzelnen weißen Objecten besteht, läßt sich nach Dinglers Erfahrung auch gut darstellen, wenn die Objecte der zu entfärbenden Stellen durch zwei gut auf einander geschliffene bleierne Platten durchgearbeitet werden. Diese Platten werden durch einen noch zu beschreibenden Kitt auf mehrere über Hirn verbundene Bretter, von 4 bis 5 Zoll Durchmesser, befestigt. Der obere hölzerne Theil wird da, wo die Objecte in dem Blei durchgebrochen sind, durchbohrt, um der Flüssigkeit einen Ablauf zu verschaffen. Diese Vorrichtung kommt auf einen starken vierekigten Rahmen, der mit vier starken Füßen versehen ist, zu liegen, wo unterhalb eine bleierne Vorrichtung zum Einsammeln und zum weitern Benüzen der Flüssigkeit angebracht ist.“

„Zwischen diese beide Bleiplatten werden nun 8 bis 12 roth gefärbte Tücher, die gehörig ausgebreitet sind, gelegt. Die auf dem Holz befestigten Bleiplatten werden durch mehrere starke Schrauben möglichst fest auf einander geschraubt. In die oben erweiterte Oeffnung in dem Holze schüttet man schwache oxidirte Salzsäure, oder auch eine gut gesättigte Verbindung der oxidirten Salzsäure mit Kali und läßt solche durchtropfen, wo in kurzer Zeit die weiß darzustellenden Objecte entfärbt werden, und der starken Pressung wegen nicht aus der Kontur treten können. Die Schrauben werden nun schnell aufgemacht, die Platten hervorgezogen, die obere aufgehoben, und die Tücher sogleich ins Wasser geworfen, damit die Konturen rein stehen bleiben. Um sich von dem Gesagten durch einen kleinen nicht kostspieligen Versuch zu überzeugen, darf man nur zwei gut auf einander passende Brettstükchen in der Mitte durchbohren, dazwischen 5 bis 6fach auf einander liegenden, türkischroth-gefärbten Kattun legen, die beiden Brettstükchen durch vier Schrauben fest verbinden, und in eine Oeffnung oxidirte Salzsäure gießen, nach deren Durchlaufung die Stellen des Kattuns, durch welche die oxidirte Salzsäure lief, vollkommen weiß erscheinen werden; vorausgesezt, daß der zu diesem Versuch gewählte Kattun vor dem Färben weiß gebleicht war.“

Weiter als bis auf dieses mechanische örtliche Entfärben haben es bis jezt die sonst so industriösen Engländer nicht gebracht, und nur einige deutsche und französische Fabriken sind es, die bis jezt ausschließlich |89| in Adrianopelroth gefärbten baumwollen Geweben die buntesten Gegenstände in den geschmakvollsten Desseins mit Erfolg hervorbringen. Unterm 11. April 1818 ließen sich zwar die Callicodruker Gilbert Lang und Robert Schmith zu Parkholm, bei Glasgow, in der Grafschaft Lanark ein Patent auf Erzeugung des neuen Schweizer Hoch- und Blaß-Rothes (!) durch örtliche Beize und eines blaß blauen Anfluges auf diesem Roth ertheilen; die in dem Patente beschriebene Angabe ihrer Verfahrungsweise, die allem Anschein nach von einem Schweizer oder Mühlhauser Farben-Receptenhändler herrührt, ist aber so zwekwidrig, daß nach derselben kein Productions-Resultat hervorgehen kann. Das Geschichtliche der Erfindung dieses Fabrikats nebst dem Verfahren der Darstellung ist als Anhang der Türkischrothfärberei in der deutschen Ausgabe des Baucroft'schen Färbebuch (Nürnberg bei Schrag) Bd. 2. S. 471 u. f. vollständig beschrieben. Wir werden in der Folge natürliche Muster der neuern Erzeugnisse von diesem Fabrikate mittheilen.

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Napoleon's I. Siehe polytechn. Journ. B. 10. S. 510.

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Es ist, um einen gelinden Ausdruk zu gebrauchen, eine Schande, daß die wenigsten deutschen Universitäts- und Hofbibliotheken dieses von uns schon so oft empfohlene Werk besizen, dessen Ausfuhr aus England man sogar durch eine Parliaments-Acte verbiethen wollte, weil darin die Geheimnisse der englischen Industrie aufgedekt sind. Man wird nicht verlangen können, daß Privatleute sich ein Werk beilegen, |81| das über 600 fl. kostet; man kann aber von Bibliothekaren fodern, daß sie, statt der gelehrten Albernheiten, mit welchen sie ihre Bibliotheken vollpfropfen, Werke zum öffentlichen Gebrauche beischaffen, die von dem entschiedensten Nuzen für jedes Land und von dem wohlthätigsten Einflusse auf dasselbe, die also wahres Staatsbedürfniß sind. A. d. U.

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