Titel: Notiz über Perkins's Dampfmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 12, Nr. XXX. (S. 133–136)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj012/ar012030

XXX. Noch eine Notiz über Hrn. Perkins's Dampf-Maschine.

Aus der Bibliotheque universelle in den Annales de l'Industrie nationale. Nro. 43. S. 19.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

„Hr. Perkins, ein Graveur aus America, gegenwärtig in London etablirt, hat, nachdem er bemerkte, daß in den ungeheuren |134| Kesseln der gegenwärtigen Dampfmaschinen durch das Sieden so viele Wärme verloren geht, diese Kesseln um Vieles kleiner gemacht, und das Wasser, mit welchem er den Kessel stets vollgefüllt erhält, dadurch auf eine höhere Temperatur gebracht, daß er nur so viel an Dampfbildung gestattet, als zu jedem Schlage des Stämpels nochwendig ist.“

„Folgendes ist das Resultat der Beobachtung eines Mannes, der mit dem Detail der Kunst nicht ganz vertraut ist, und der, da er die Maschine nur wenige Minuten sehen konnte, nicht Zeit genug hatte, an Hrn. Perkins alle nothwendigen Fragen zu stellen.“ 37)

„Die Maschine ist bereits seit Mitte Aprils im Gange, und besteht aus einem Kessel, oder vielmehr aus einer gegossenen Röhre, AA Fig. 3, von ungefähr 2 Fuß Höhe und 15 Zoll Durchmesser, deren Wände 3 Zoll dik sind, und die von Innen heraus einen Druk von 8–9000 Pfund auf den Quadratzoll auszuhalten vermag. Diese Röhre stekt, wie ein Tiegel, in einem Ofen B, B, und eine kleine Drukpumpe, C, welche von der Maschine gerrieben wird, hält sie immer mit Wasser vollgefüllt. Die Röhre D, welche aus dem Kessel aufsteigt, um den Dampf nach dem Cylinder E zu leiten, schikt denselben abwechselnd nach jeder Seite des Stämpels, und zwar mittelst eines Drehe-Hahnes mit zwei Ausgängen H.“

„Dieser horizontal liegende Cylinder E hat nicht mehr als 5 Zoll äußeren Durchmesser, und ist nur ungefähr 18 Zoll lang. Der Verdichter, F, ist beinahe so groß, als der Ofen, welcher den Kessel enthält.“

„Damit kein Unfall entstehen kann, ist ein Theil der Röhre D aus einem kupfernen Schliefer G verfertigt, der viel schwächer ist, als die übrigen Theile der Maschine, und der ohne Schaden zerspringen und den Dampf entweichen lassen kann, wenn der Druk zu stark würde. Ueberdieß sind an dem Kessel zwei oder drei Sicherheit-Klappen angebracht.“

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„Diese Maschine hat mit einem Druke von 4000 Pfünd auf den Quadratzoll gearbeitet, und die Temperatur des Kessels sehr erhöht. Der angeführte Beobachter fand sie auf ungefähr 450° Fahrenh. (+ 186 Reaumur). Der Druk auf den Stämpel war ungefähr 400 Pfund (Avoir dupois) auf den Zoll, und die Stärke der Maschine (wie man sie zu schäzen pflegt) zehn Pferden gleich.“

„Der Ueberschuß des Drukes über der Atmosphäre beträgt, an den gewöhnlichen Maschinen mit schwachem Druke, kaum 3–4 Pfund auf den Quadratzoll.“

„Es verdient bemerkt zu werden, daß dieser so heiße und mächtige Dampf, selbst in einer geringen Entfernung von dem Hahne, aus welchem er ausströmt, nicht brennt. Hr. Perkins wacht sich die Unterhaltung, dieß dadurch zu erweisen, daß er eine Sicherheits-Klappe öffnet, wodurch die Maschine still steht, und dann die Hand in einer, Entfernung von 6–9 Zoll von der Oeffnung hinhält, mitten in den Dampfbrudel, der lärmend herausfahrt.

„Er sagt, daß man bisher die Ersparung an Brennmateriale noch nicht genau schäzen kann, daß es aber gewiß ist, daß sie mehr als neun Zehntheile beträgt.“

Wir wollen mit dieser Notiz noch einen Auszug aus einem Schreiben über denselben Gegenstand dd. London 27. Mai verbinden.

„Die Entdekungen des Hrn. Perkins, eines geistreichen Americaners, sind gegenwärtig die Tages-Unterhaltung. Hr. Perkins hat gezeigt, daß, wo man das Wasser einem starken Druke aussezt, man die Temperatur nach Belieben und ins Unendliche mit einer unglaublich geringen Menge Brennmateriales erhöhen kann. Er bediente sich dieser Verminderung der Wärme-Capacität an mächtig zusammen gedrüktem Dampfe und Wasser, und der sehr schnell zunehmenden Elasticität bei höherer Temperatur, um an den Dampfmaschinen eine Verbesserung anzubringen, die von den wichtigsten Resultaten seyn kann. Man glaubt, daß er neun Zehntel an Brennmaterial, und vier Fünftel an Umfang und Gewicht der Maschine, und die Hälfte an Gestehungskosten derselben erspart. Vielleicht ist die Ersparung an Brennmaterial übertrieben; es ist |136| aber hinlänglich erwiesen, daß er bei Erhizung des Wassers vier Fünftel an Brennmaterial erspart; und wenn er auch nicht mehr ersparen könnte, so bliebe seine Entdekung immer unschäzbar.“

„Als ich diese Maschine zum erstenmal sah, arbeitete sie mit einem Druke von 12 Atmosphären. Hr. Perkins will sie aber mit einem Druke von 30 Atmosphären auf den Stämpel (480 Pfund auf den Quadratzoll) arbeiten machen. Durch die Sicherheits-Kugel, die er anbringt, d.h., durch eine Erweiterung an einer der Dampfleitungs-Röhren, die so dünn ist, daß sie bei der Hälfte des Drukes, dem die übrigen Theile der Maschine zu widerstehen vermögen, zerreißt, im Falle die Sicherheit-Klappen in Unordnung geriethen, ist je der Gefahr vorgebeugt. Diese Sicherheits-Kugel läßt sich binnen 5 Minuten durch eine andere ersezen; man kann sich, wie ich gestern selbst Zeuge war, als man mit einem von der Last von 20 Atmosphären zusammengedrükten Dampfe arbeitete, in der Nähe derselben befinden, wenn sie zerreißt ohne darob Schaden zu nehmen: die Kugel zerriß, ohne daß ich den mindesten Nachtheil empfand, in einer Entfernung von 3 Fuß von mir. Der Bau dieser Maschine ist äußerst einfach und sinnreich.“

Man zweifelte an der Möglichkeit der Ausführung, da diese Erfahrungen gegen alle Theorie stritten. Hr. Perkins hat aber selbst die Ungläubigen überzeugt, und durch die strengsten Versuche erwiesen, daß seine Maschine mit Vortheil im Gange, und keine Gefahr von Explosion zu besorgen ist. Das Wasser ist nämlich, so lang es selbst in der höchsten Temperatur, flüssig ist, nur wenig elastisch, und verwandelt sich hier nur dann in Dampf, wenn es aus dem Kessel tritt. Er hat ein Brevet d'importation für Frankreich auf seine Maschine genommen.

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Die Angaben dieses Beobachters weichen allerdings, wie auch die Zeichnung ausweiset, von den uns bisher in den englischen Journalen mitgetheilten ab; enthalten jedoch Manches, was wir bisher noch nicht mußten. A. d. Ueb.

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