Titel: Wynn, über Bereitung von Email-Farben und Flüssen.
Autor: Wynn, Peter
Fundstelle: 1823, Band 12, Nr. XXXIX. (S. 204–217)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj012/ar012039

XXXIX. Ueber Bereitung von Email-Farben und Flüssen, und über die Mittel, dieselben aufzutragen. Von Hrn. Robert Wynn.

Aus dem XXXV. B. der Transactions of the Society for the Encouragement of Arts Manufactures and Commerce in Gill's technical Repository. N. 19. S. 25. Im Auszuge67).

Hr. Wynn sagt in seiner Einleitung, daß die Bereitung der Email-Farben bisher immer geheim gehalten wurde, und alles, was bisher darüber geschrieben wurde, großen Theils nur eine Compilation ist, die von Leuten zusammen gestoppelt wurde, die in der Email-Mahlerei keine Erfahrung besaßen. Er fürchtet, daß bei der Geheimniß-Krämerei, die über die Bereitung der Email-Farben herrscht, am Ende die Kunst selbst verloren gehen könnte68).

Er bemerkt, daß die verschiedene Güte und der verschiedene Grad von Reinheit der Ingredienzen, so wie sie im Handel vorkommen, allerdings einige Abweichungen bei Befolgung der unten angeführten Regeln zur Folge haben muß; daß man aber durch sorgfältige Beachtung derselben immer die beßten Email-Farben erhalten wird.

„Die verschiedenen Eigenschaften der Materialien, so wie der Oberflächen, welche emaillirt werden sollen, fodern,“ sagt er, „daß die Farben dem Grade der Hize angepaßt werden, welchen sie bei dem Einbrennen zu ertragen haben. Die beßten Email-Mahler befolgen beinahe allgemein den Grundsaz, |205| daß sie zur ersten Farbe oder zum ersten Brande solche Farben wählen, welche bedeutend härter sind, als die bei dem zweiten, und die feinsten und weichsten zulezt versparen, damit das Werk einen schönen Glanz erhält. Wer immer mit Email-Farben umgegangen ist, wird einsehen, daß man diese Farben nöthigen Falles dadurch härten kann, daß man denselben mehr von dem färbenden Stoffe oder weniger von dem Flusse zusezt, und daß, wenn sie noch weicher werden, und nach dem Einbrennen mehr glänzen sollen, man ihnen noch etwas mehr Fluß zusezen muß, was am beßten und am häufigsten, durch den sehr weichen Fluß, N. 8, geschieht: andere besondere Verfahrungsarten werden, wo sie nöthig sind, bei den Farben-Recepten selbst angegeben werden. Es ist besser wenigstens einige Unzen von jeder Farbe auf einmal zu bereiten, und diese, sobald sie bereitet ist, mit einem gläsernen Läufer auf einer Glastafel mit Wasser abzureiben, dann am Feuer zu troknen, und als Pulver in Flaschen zum Gebrauche aufzubewahren.“

„Wo man sie zum Mahlen braucht, reibt man sie mit Terpenthingeist, der mit dikem Terpenthin-Oele verdikt wird, an: leztere Eigenschaft erhält das dünne flüssige Terpenthin-Oel in drei bis vier Jahren69).“

Bereitung dieser Materialien.

Feuerstein-Pulver.

Man nimmt Feuersteine, die in Kalköfen weiß gebrannt wurden (man bekommt sie bei den Kalkbrennern in Vauxhall), wäscht sie mit heissem Wasser und mit einer Bürste rein, hizt sie bis zur Rothglühhize, und wirft sie dann in kaltes Wasser. Nachdem sie zwei bis dreimal auf diese Weise behandelt wurden, pülvert man sie in einem Mörser aus Steingut (biscuit) mit einem |206| Stössel aus demselben Materiale (was sehr bald geschehen ist), und reibt sie mit Wasser auf einer Glasplatte ab.

Wo man keine Gelegenheit hat, sich gebrannte Feuersteine von den Kalkbrennern zu verschaffen, nimmt man die gewöhnlichen schwarzen, zerschlägt sie in Stüke, hizt sie in siedendem Wasser, damit sie in dem Tiegel nicht fließen und behandelt sie auf dieselbe Weise, wo man dann ein feines weißes Pulver erhalten wird.

Rothes schwefelsaures Eisen.

Man stößt schwefelsaures Eisen oder sogenannten grünen Vitriol, und bringt ihn in eine irdene Muffel bis alle Feuchtigkeit verdünstet ist, und ein graues Pulver zurükbleibt. Dieses Pulver gibt man hierauf in einen im Holzkohlenfeuer stehenden Tiegel, und rührt es mit einem stählernen Stabe, bis es schön roth wird. Dann läßt man es aus dem Tiegel in eine Pfanne mit kaltem Wasser fallen, die unter einem Schornsteine steht, damit die widerlichen Dämpfe, welche davon aufsteigen, durch denselben Abzug finden, und nachdem es sich auf dem Boden der Pfane niedergesezt hat, wäscht man es mehrmalen in heißem Wasser, und bewahrt es troken zum Gebrauche auf. Je mehr es gebrannt wird, desto dunkler wird die Farbe.

Braunes schwefelsaures Eisen.

Man nimmt schwefelsaures Eisen in Klumpen, und calcinirt es in rothglühenden Holzkohlen solang, bis es dunkelbraun wird, läßt es dann im Tiegel erkalten, und wäscht es hierauf wiederholt in heißem Wasser ab.

Schwarzes Kupfer-Oxid.

Man nimmt Kupfer, und löst es in Scheidewasser auf, dem man so lang davon zusezt, bis keines mehr aufgelöst wird. Diese Auflösung verdünnt man mit Wasser, und sezt etwas in Wasser aufgelöste basische kohlensaure Pottasche zu. Es wird ein grüner Niederschlag in dem Gefäße zu Boden fallen, den man mehrmalen in heißem Wasser waschen muß. Nachdem er sich in dem Absüßwasser zu Boden gesezt hat, gießt man das überflüssige Wasser weg, und bringt diesen grünen Bodensaz auf Filtrirpapier, das über ein Stük groben lokeren Canevaß gebreitet ist, welcher oben auf einen irdenen Tiegel aufgebunden ist. |207| Nachdem der Niederschlag auf diese Weise all sein Wasser ablaufen ließ, nimmt man ihn von dem Canevaß, und troknet ihn vollkommen aus, indem man das Papier auf Kreide in einen Napf legt, und an das Feuer bringt. Wenn er hierauf troken geworden ist, calcinirt man ihn in einem Tiegel bei Holzkohlenfeuer, und wirft ihn, rothglühend, in kaltes Wasser. Dann wäscht man ihn in siedend heißem Wasser, und troknet ihn auf dem Boden eines Bekens vor dem Feuer. Dieses schwarze Kupfer-Oxid ist sehr schön.

Grünes Kupfer-Oxid.

Man nimmt eine gesättigte Auflösung von Kupfer in Scheidewasser, und schlägt das Kupfer mit basischer kohlensaurer Pottasche nieder. Den Niederschlag wäscht man mehrmalen in siedendem Wasser, filtrirt und troknet ihn.

Weißes Zinn-Oxid.

Man gießt geschmolzenes Zinn mit einem Gußlöffel in eine mit einem Schieberdekel versehene, und innenwendig ganz mit Kreide ausgestrichene hölzerne Büchse, schließt dieselbe und schüttelt sie, biß das Zinn fein gekörnt wird. Dann wäscht und troknet man es, gibt es in eine reine Florentiner Oelflasche, und gießt starke salpeterige Säure darüber, wodurch es schnell in weißes Pulver verwandelt wird. Nachdem man eine hinlängliche Menge hievon erhalten hat, wäscht man es mehrmalen in siedendem Wasser aus, gießt es in ein Beken und troknet es vor dem Feuer. Auf diese Weise erhält man ein schön weißes Zinn-Oxid.

Schwarzes Kobalt-Oxid.

Man nimmt guten metallischen Kobalt70), und löst ihn bis zur Sättigung in mit etwas Wasser verdünnter Salpetersäure in einer im Sandbade stehenden Flasche auf. Hierauf gießt man die Auflösung in ein weites Beken, und nachdem man Wasser zugesezt hat, schüttet man solang eine Auflösung von basischer |208| kohlensaurer Soda in dieselbe, bis kein Niederschlag mehr erfolgt. Nachdem dieser sich vollkommen zu Boden gesezt hat, gießt man das Wasser ab, wäscht ihn mehrmalen in heißem Wasser, filtrirt und troknet ihn. Nachdem er troken geworden ist, mengt man ihn in einem Steingut-Mörser (biscuit) mittelst eines Stößels aus demselben Materiale mit dreimal soviel Salpeter dem Gewichte nach, gibt die Mischung in einen warmen Tiegel, und wirft in diesen eine glühende Holzkohle. Es werden einige leichte Verpuffungen entstehen, und wenn diese aufgehört haben, mache man den Kalk rothglühend. Dieser Kalk ist, nachdem er gewaschen und getroknet wurde, das beßte Kobald-Oxid zur Email-Malerei, und taugt zu allen sowohl einfachen als zusammen gesezten Farben.

Flüsse.

Bei der Bereitung der Flüsse muß man aber dafür sorgen, daß alle Ingredienzen in einem Steingut-Mörser mit einem Stößel aus demselben Materiale auf das Genaueste gemengt, und so fein als möglich gepülvert werden. Die Tiegel müssen erwärmt seyn, ehe man die Flüsse in dieselben gibt (man stellt sie zu diesem Ende mit dem offenen Theile abwärts über das Feuer), wodurch man das Zerspringen derselben vermeidet.

Der beßte Ofen zur Bereitung der Flüsse und zu jedem Zweke, der starke und anhaltende Hize fodert, ist der gemeine deutsche Ofen, von 12–20 Zoll im Durchmesser, und durchaus, vom Roste bis zur Dike (außer vorne bei dem Thürchen zur Einführung der Muffel) ausgefüttert mit einer Reihe von Feuerziegeln, die mit Lehmen aufgesezt sind. Die eiserne Schornsteinröhre steigt hinten und oben von der Deke auf. Die Deke oder der obere Theil des Ofens muß, wie ein Dekel, los eingesezt seyn, und mittelst Handhaben sich abheben lassen. In der Mitte desselben muß ein kreisförmiges Loch angebracht seyn, das gleichfalls mit einem Dekel versehen ist; durch dieses Loch kann der Dekel des Tiegels abgehoben, und das, was in demselben enthalten ist, mittelst eines stählernen Stabes umgerührt werden. Auf den Rost kommt ein kleines Stük Feuerziegel zu liegen, damit der Tiegel darauf stehen kann. Geheizt wird entweder mit Holzkohlen und Coks zugleich, oder mit Holzkohlen allein.

|208|

Fluß Nro. 1.

Rothes Blei 8 Theile, dem Gewichte nach.
Calcinirter Borax71) 1 1/2
Feuerstein-Pulver 2
Flint Glas 6

Fluß Nro. 2.

Flint Glas 10
Weißer Arsenik 1
Salpeter 1

Fluß Nro. 3.

Rothes Blei 1
Flint Glas 3

Fluß Nro. 4.

Rothes Blei 9 1/2
Nicht calcinirter Borax 5 1/2
Flint Glas 8

Fluß Nro. 5.

Flint Glas 6
Fluß Nro. 2. 7
Rothes Blei 8

Fluß Nro. 6.

Fluß Nro. 2. 10
Rothes Blei 4
Feuerstein-Pulver 1 1/4

Fluß Nro. 7.

Fluß Nro. 4. 6
Colcothar 1

Fluß Nro. 8.

Rothes Blei 6
Nicht calcinirter Borax 4
Feuerstein-Pulver 2
|210|

Nachdem diese Flüsse geschmolzen sind, müssen sie entweder auf einen Reibstein, der mit einem Schwamme befeuchtet wurde, oder in eine große Pfanne mit reinem Wasser gegossen, dann getroknet, und in einem Mörser aus Steingut zum Gebrauche gepülvert werden.

Gelbes Email

Rothes Blei 8 Theile,
Spießglas-Oxid 1 Theil,
Weißes Zinn-Oxid 1 Theil.

Diese Ingredienzen werden in einem Steingut-Mörser gehörig gemengt, und nachdem sie auf einem holländischen Ziegel in die Muffel gebracht wurden, nach und nach in Rothglühhize gebracht, worauf man sie auskühlen läßt.

Von dieser Mischung nimmt man 1 Theil,
vom Flusse Nro. 4. 1 1/2 Theile,

und reibt sie mit Wasser zum Gebrauche ab.

Je nachdem man die Verhältnisse von rothem Bleie und Spießglanz verändert, erhält man verschiedene Nüancen von Gelb.

Ein anderes gelbes Email.

Man nimmt drei Theile, dem Gewichte nach, in Blätter gerolltes Blei, und Einen Theil Blokzinn, und schmilzt sie in einem Gießlöffel, oder auf einer flachen Schaufel, und nimmt das, was sich auf der Oberfläche oxidirt, sobald es zum Vorscheine kommt, ab. Sobald man eine hinlängliche Menge hievon erhalten hat, gibt man es in die Muffel, und sezt es einer gelinden Reverberir-Hize aus, um alle noch übrigen Metall-Theilchen zu calciniren72).

Von diesem nimmt man 7 1/2 Theile,
Spießglanz 1 Theil,
Bleiglätte 1 Theil.

mengt alles gehörig, und glüht es in einer Muffel roth, und solang, daß es zusammen bakt, aber nicht schmilzt. Man braucht denselben Fluß, wie bei dem anderen Gelb.

|211|

Orange-Email.

Nimm rothes Blei 12 Theile,
rothes Eisen schwefelsaures Eisen 1 Theil,
Spießglanz-Oxid 4 Theile,
Feuerstein-Pulver 3 Theile;

alles gehörig in einem Mörser gemengt, und so erhizt, daß es zusammen bakt, ohne zu schmelzen.

Hievon nimm 1 Theil,
Fluß, Nro. 7 2 1/2 Theile.

Reibe sie zum Gebrauche ab.

Dunkelrothes Email.

Braunes schwefelsaures Eisen 1 Theil,
Fluß, Nro. 7. 2 1/2 Theile.

Reibe sie zum Gebrauche ab.

Lichtrothes Email.

Rothes schwefelsaures Eisen 1 Theil,
Fluß, Nro. 1 3 Theile,
weißes Blei 1 1/2 Theile.

Reibe sie zum Gebrauche ab.

Rothbraunes Email.

Braunes schwefelsaures Eisen 1 Theil,
Fluß, Nro. 1, 3 Theile.

Reibe sie zum Gebrauche ab.

Vandykbraunes Email.

Fluß, Nro. 4. 3 Theile,
Eisenfeile 1 Theil.

Schmelze sie in einem Tiegel, und nimm sie mit Zangen73) heraus: mit soviel Metall läßt es sich nicht leicht ausgießen,

|212|
Von diesem nimm 5 Theile,
schwarzes Kobalt-Oxid 1 Theil.

Reibe sie zum Gehrauche ab.

Ein anderes braunes Email.

Braunstein 2 1/2 Theil,
rothes Blei 8 1/2 Theile,
Feuerstein-Pulver 4 Theile;

hize sie so lang, bis sie zusammen baken;

von dieser Mischung nimm 1 1/2 Theile,
Fluß, Nro. 4. 1 Theil,
Eisenfeile 1 1/2 Theile.

Reibe sie zum Gebrauche ab.

Schwarzes Email zum Mahlen und zum Mischen mit anderen Farben.

Man nimmt in kleine Stük gebrochenen Umber, und röstet ihn in einem Schmelztiegel in gelber Glühhiz so lang, bis er schwarz wird, worauf er in siedend heißem Wasser gewaschen und getroknet wird.

Hievon nimmt man 10 Theile,
schwarzes Kobalt-Oxid 10 Theile,
blaues Flint-Glas 10 1/2 Theile,
uncalcinirten Borax 7 1/2 Theile,
rothes Blei 12 Theile;

alles wohl zusammen gehizt.

Hievon nimmt man 2 Theile,
Fluß, Nro. 4. 1 Theil.

Reibe es mit Wasser zum Gebrauche.

Schwarze Farben kann man auch in anderen Verhältnissen aus diesen Ingredienzen bereiten, und Braunstein zuweilen statt Umbers nehmen.

Ein anderes schwarzes Email.

Umber, schwarz geröstet 1 Theil,
schwarzes Kobalt-Oxid 1 1/2 Theile,
schwarzes Kupfer-Oxid 1/2 Theil,
Fluß, Nro. 4. 3 Theile.

Reibe sie im Wasser ab, und wenn sie gehörig getroknet sind, bringe sie auf einem holländischen Ziegel (der vorläufig mit in Wasser abgeriebenem Feuersteinpulver übertüncht wurde,) in Holzkohlen-Feuer |213| in eine Muffel, und hize sie so, daß sie zusammen baken; dann seze einen halben Theil Fluß Nro. 4. zu.

Wenn diese schwarzen Farben zu weich wären, werden sie durch einen Zusaz von etwas schwarzem Kobalt-Oxide gehärtet.

Schwarzes Email zum Schattiren und Zeichnen unter Grün.

Braunstein 5 Theile,
Königs-Schmalte (royal smalt) 1 Theil;

reibe diese Mischung fein in Wasser ab; erhize sie zu einem hohen Grade in einer Muffel.

Sehr schönes schwarzes Email zu dichtem Grunde, oder sogenannten Einlegung (Inlaging); selten wird damit gemischt.

Schwarzes Kupferoxid 1 Theil,
Fluß, Nro. 4. 2 Theile.

Reibe sie mit Wasser zum Gebrauche ab.74)

Fritte zum durchscheinenden grünen Email.

Feuerstein-Pulver 3 Theile,
Fluß, Nro. 2. 3 Theile,
grünes Topf-Metall-Glas75) 1 1/2 Theile,
rothes Blei 7 1/2 Theile,
uncalcinirter Borax 7 1/2 Theile,
grünes Kupfer-Oxid 1 1/4 Theile.

Schmelze alles in einem Tiegel, gieße die Masse aus, und pülvere sie in einem Steingut-Mörser.

Grünes Email.

Nimm von der grünen Fritte 3 Theile,
gelbes Email 1 1/2 Theile,

wo es zu weich wäre, seze Neapolitaner-Gelb zu, und reibe es mit Wasser zum Gebrauche ab.

Ein anderes grünes Email.

Grüne Fritte 5 Theile,
Fluß, Nro. 2. 1/2 Theil,
Fluß, Nro. 6. 2 1/2 Theile.

Reibe sie mit Wasser zum Gebrauche ab.

|214|

Grün, zur Email-Mahlerei wird in verschiedenen Schattirungen durch Mischung von Blau und Gelb, Blau und Orange etc. in verschiedenen Verhältnissen gebildet76).

Blaues Email.

Schwarzes Kobalt-Oxid 4 Theile,
Feuerstein-Pulver 9 Theile,
Salpeter 13 Theile.

Mische diese Ingredienzen in einem Steingut-Mörser gehörig, und hize sie in einem Schmelztiegel in starkem Feuer von Holzkohlen und Cokes, bis sie vollkommen geschmolzen sind77). Dann pülvere die Masse, wasche sie in kaltem Wasser, und trokne sie.

Hievon nimm 1 Theil,
Fluß, Nro. 5. 1 Theil.

Reibe sie mit Wasser zum Gebrauche.

Ein anderes blaues Email.

Nimm schwarzes Kobalt-Oxid 1 Theil,
uncalcinirten Borax 1 Theil.

Schmelze sie zusammen.

Von dieser Mischung nimm 2 Theile,
blaues Topf-Metall-Glas 10 Theile,
rothes Blei 1/2 Theil.

Schmelze sie in einem sehr starken Feuer. Sollte das eine oder andere Blau zu weich seyn, so seze etwas Königs-Schmalte zu; und wäre es zu hart, etwas blauen Fluß aus

3 Theilen blauem Glase,

1 Theil Borax.

|215|

Purpur-Email.

Nimm feines Gold von den Probirern, und löse es in Königswasser, das auf folgende Weise bereitet ist, bis zur Sättigung auf:

stärkste Salpetersäure 1 Theil, dem Maße nach;
Kochsalzsäure 3 Theile,
destillirtes Wasser 3 Theile.

Die Auflösung muß in einer reinen, in ein Sandbad gestellten, Florentiner Flasche geschehen. Nun gieße geschmolzenes Zinn in kaltes Wasser, damit es sich granulirt, und löse es in vier Theilen verdünntem Königswasser bis zur Sättigung auf. Das Zinn und die Säure gib in ein weites Beken, das mit einem irdenen Dekel bedekt ist, und seze es einer mäßigen Hize aus. Nachdem das Zinn ganz aufgelöst ist, seze noch mehr von demselben zu, und zugleich auch 1 1/2 Theile starke rothe rauchende salpeterige Säure, und löse wieder darin Zinn bis zur Sättigung auf, das Beken wohl mit dem Dekel bedekend, damit die Dämpfe nicht entweichen. Nachdem es so 24 Stunden lang gestanden ist, gieße etwas destillirtes Wasser in das Beken. Die Zinn-Auflösung kann dann in einer reinen Flasche zum Gebrauche aufbewahrt werden, nachdem man noch einige Grane Zinn in dieselbe legte. Wenn man nach vier fünf Tagen diese Auflösung untersucht, so wird man sie, wo sie sorgfältig bereitet wurde, von schöner dunkler Farbe und zur Purpurbereitung fertig finden78).

Nimm hierauf von der Gold-Auflösung soviel als nöthig, um dem destillirten Wasser eine blasse gelbe Farbe zu geben, und tröpfle sie nach und nach in die Zinn-Auflösung, bis die lezten zugegossenen Tropfen keine Trübung mehr in der Flüssigkeit erzeugen, und es wird sich ein sehr schöner purpurfarbener Niederschlag auf der Stelle erzeugen, der, so wie er sich gebildet hat, in ein großes Gefäß geworfen werden muß, auf dessen Boden man zwei oder drei Stüke granulirten Zinnes |216| legt. Dieser Niederschlag muß dann mehrmalen in heißem Wasser ausgewaschen, durch Filtrir-Papier und Canevaß filtrirt, und noch naß mit dem Flusse Nro. 4., der fein gepülvert seyn muß, gemengt werden.

Das Verhältniß des Flusses zu dem Purpur-Niederschlage ist immer verschieden, und wird nach der schönen reichen dunklen Farbe der Masse beurtheilt, wenn man die Ingredienzen auf der Glasplatte zusammen reibt. Man darf nicht vergessen, daß diese Farbe gerieben werden muß, ehe sie troken wird.

Vier und zwanzig Gran Gold auf diese Weise niedergeschlagen nehmen vier Loth Fluß auf: dieß mag dem Unerfahrnen als Regel gelten.

Rosenfarbenes Email.

Eine gesättigte Gold-Auflösung in Königswasser (die 24 Gran Gold enthält) verdünne man mit 100 mal soviel warmen destillirten Wasser (dem Umfange nach), in welchem Wasser 20 Gran Alaun aufgelöst sind.79) Man seze tropfenweise kaustisches Ammonium zu, bis kein Niederschlag mehr erfolgt, und wasche diesen mehrmalen in heißem Wasser.

Auf 24 Grane auf obige Weise niedergeschlagenes Gold nimmt man

Fluß, Nro. 4. 4 Loth,
Fluß, Nro. 3. 4 Loth,

mengt Alles noch naß unter einander, reibt es auf einer Glastafel, und sezt, blattweise, 16 Blätter Silber zu. Wenn Alles fein abgerieben ist, lasse man es auf dem Glase troken werden, schabe es ab, und bewahre es in einer Flasche zum Gebrauche auf.

Diese Rosenfarbe reibt sich grau oder schiefergrau; nachdem sie aber abgerieben ist, in die Muffel kommt, und daselbst einer gelinden Wärme ausgesezt wird, wird sie roth: in jedem dieser Zustände ist sie zum Gebrauche fertig.

Wenn die Farbe zu gelb wäre, darf man nur etwas Purpur zusezen, und wäre sie zu purpurfarben, so nimmt man noch etwas Blattsilber.

|217|

Ein anderes rosenfarbenes Email.

Nimm Purpur nach obiger Weise bereitet, 4 Loth,

Fluß, Nro. 3. 8 Loth,
kochsalzsaures Silber 10 Gran.

Lezteres wird durch Auflösung des Silbers in Salpetersäure, und Fällung desselben durch Küchensalz bereitet.

Reibe es mit Wasser ab. Wenn es zu purpurfarben ist, so seze etwas kochsalzsaures Silber zu.

Undurchsichtiges weißes Email.

Hirschhorn-Späne, in einem Tiegel gebrannt bei Kohlenfeuer, bis sie vollkommen weiß sind

1 Theil,
Fluß, Nro. 1. 1 Theil.

Reibe sie mit Wasser zum Gebrauche ab.

Venezianisches weißes Email in Kuchen 1 Theil,
Fluß, Nro. 8. 1 Theil.

Reibe es mit Wasser, und hize es in einer Muffel.

Fluß, Nro. 2., gepülvert und gewaschen, dann getroknet und in einer Muffel gehizt.

Es würde ein Leichtes seyn, eine Menge Recepte zu verschiedenen Farben hier aufzuführen, und einen ganzen Band mit denselben zu füllen; man dürfte bloß diese ursprünglichen Email-Farben in verschiedenen Verhältnissen unter einander verbinden: doch dieß muß lediglich dem Geschmake und den Einsichten des erfahrnen Künstlers überlassen bleiben. Mein Zwek war bloß, alles Ueberflüssige zu vermeiden, und das Verfahren bei Bereitung dieser Farben practisch deutlich zu machen.

Hr. Wynn erhielt für diese Mittheilung 20 Guineen. A. d. O.

|204|

Dieß haben wir in Deutschland nicht zu befürchten, weil in jedem guten chemischen Hand- und Wörterbuch darüber Nachricht gegeben wird. Eine treffliche, aus eigener Erfahrung hervorgegangene, Abhandlung über verschiedene Arten von Schmelzgläsern oder Emails, enthält das sehr empfehlungswerthe Werk: chemisches Handbuch für Probirer, Gold- und Silberarbeiter; von S. Stratingh, Ez. Aus dem Holländischen übersezt, von J. H. Schultes. Augsburg und Leipzig bei v. Jenisch u. Stage 1822.“ S. 212–223. D.

|205|

In Porzellan-Fabriken erhält man dieses dike Terpenthin-Oel dadurch, daß man 5 bis 6 Porzellan-Tassen in einander stellt, und von Zeit zu Zeit dünnes flüssiges Terpenthin-Oel in die obere Tasse gießt. Es steigt allmählich in die Höhe, und fließt in die zunächst unten stehende, und so fort, bis es endlich durch Ausdünstung hinlänglich dik zum Gebrauche wird. Gill.

|207|

Was die Auswahl des Kobaltes betrifft, so gibt gewöhnlich jener, der in Salpetersäure aufgelöset die reinste und tiefste rothe Auflösung gewährt, auch die schönsten Farben. A. d. O.

|208| Borax, zu einem trokenen weißen Pulver in einem Tiegel calcinirt, der nur bis zu seinem dritten Theile gefüllt werden darf, weil der Borax, wenn er heiß wird, sich sehr aufbläht. A. d. O.
|210|

Wenn diese fein abgerieben wird, so gibt es das bei dem Poliren des Stahles so häufig gebrauchte sogenannte Putty. Gill.

|211|

Wenn hier, oder in anderen ähnlichen Fällen, keine Muffel bei der Hand wäre, kann man sich eines irdenen Schmelztiegels, der innenwendig mit Feuerstein-Pulver übertüncht, oder mit trokenem Feuerstein-Pulver gehörig ausgerieben ist, von ungefähr ein Achtel Zoll Dike, bedienen. Wenn die Materialien zum Theile geschmolzen sind, so daß sie aneinander baken, können sie dann ganz und ohne Verlust herausgenommen werden. A. d. O.

|213|

Ein sehr schönes schwarzes Email erhält man aus Platinna, dessen Bereitung in diesem Journal, Bd. 8. S. 506 angegeben ist. D.

|213|

(Pot-metal glas).

|214|

Sonderbar, daß man in England den Gebrauch des Chromes zum grünen Email noch nicht kennt. A. d. Ueb.

|214|

Wenn sie nicht hinlänglich geschmolzen und flüssig genug sind, um aus dem Tiegel ausgegossen zu werden, so bleibt die Farbe an dem stählernen Stabe hängen, so lang sie warm ist, und kann mit demselben herausgezogen werden. Zuweilen macht man die blauen Farben in Tiegeln, die mit Feuerstein-Pulver ausgefüttert sind, wie oben erwähnt wurde. A. d. O.

|215|

Ueber den Purpur findet man neuere Bemerkungen in diesem Journal, Bd. 4. S. 109, und Bd. 5. S. 379. Sehr ausführlich handelt über die Bereitung des Gold-Purpur Hr. Stratingh in der angezeigten Schrift. S. 76. u.s.f. D.

|216|

Zuweilen macht man diese Farbe auch ohne Alaun. A. d. O.

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