Titel: Wynn, über Glasmahlerei und Glasvergoldung.
Autor: Wynn, Peter
Fundstelle: 1823, Band 12, Nr. XL. (S. 217–224)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj012/ar012040

XL. Ueber Glasmahlerey und Glasvergoldung. Von Hrn. Rob. Wynn.

Aus dem XXXV. Bd. der Transactions of the Societz for the Encouragement of Art Manufactures and Commerce. In Gill's technical Repository. N. 19. S. 28.

An dem gefärbten Glase ist mittelst eines färbenden |218| Stoffes, welcher gleichförmig in dem Glase vertheilt, oder in demselben aufgelöst ist, die ganze Masse gefärbt80).

Bei dem Email werden die Farben, die mit einem leicht verglasbaren Flusse abgerieben werden, auf die Oberfläche von Metall, Porzellan oder Glas, aufgetragen, und dann einem solchen Grade von Hize ausgesezt, daß nur das Email schmilzt, und sich an der Oberfläche des Körpers, auf welchem es aufgetragen wird, befestigt.

Bei der Glasmahlerei werden die färbenden Stoffe mit Wasser, oder mit irgend einem flüssigen Vehikel befestigt, wodurch sie sich dann über die Oberfläche einer Glasplatte verbreiten lassen, und, wenn sie auf derselben troken geworden sind, werden sie einem Grade von Hize ausgesezt, den die Erfahrung als hinreichend bestimmt hat. Die nicht verschlungenen (nicht eingebrannten) Farben werden von der Oberfläche des Glases abgewischt, an welcher sie nicht anhängen, und jene Theile des Glases, welche davon bedekt wurden, haben eine bleibende und durchscheinende Farbe angenommen, wahrscheinlich weil einige Theile des färbenden Stoffes absorbirt und in den Zwischenräumen des Glases befestigt wurden.

Zu allen Compositionen der Glasmahlerei kommt Silber in einer oder in der anderen Form als wesentliches Ingredienz vor. Ich werde daher damit anfangen, die verschiedenen Silberbereitungen zu beschreiben, deren ich mich bediene.

Nro. 1. Salpetersaures Silber.

Man nimmt 4 bis 6 Loth reine Salpetersäure, und verdünnt sie mit dreimal soviel destillirtem Wasser dem Umfange nach, gibt sie in eine Florentiner-Flasche oder in irgend ein anderes schikliches gläsernes Gefäß, und sezt feines Silber in kleinen Stüken nach und nach so lang zu, bis die in einer höheren Temperatur gehaltene Säure nichts mehr davon auflöst. Nachdem sie einige Zeit über in Ruhe gestanden ist, gießt man die klare Flüssigkeit in eine reine Flasche mit gläsernen eingeriebenen Stöpsel ab, und bewahrt sie zum Gebrauche.

Nro. 2. Kochsalzsaures Silber oder Hornsilber.

Man löst gemeines Salz in Wasser auf, und sezt salpetersaures |219| Silber zu, tropfenweise, bis kein Niederschlag mehr erfolgt. Auf diese Weise erhält man eine schöne weiße, der geronnenen Milch ähnliche Masse, die mit heißem Wasser gehörig gewaschen und getroknet werden muß: wenn man dieselbe dem Lichte aussezt, wird sie dunkel purpurroth.

Nro. 3. Köhlensaures Silber.

Man löse basische kohlensaure Soda (gereinigtes kristallisirtes Natron) in Wasser auf, und seze salpetersaures Silber auf die oben beschriebene Weise zu. Der auf diese Weise erhaltene Niederschlag ist, nachdem er gewaschen und getroknet wurde, zum Gebrauche fertig.

Nro. 4. Ein anderes kohlensaures Silber.

Man löse basische kohlensaure Pottasche in Wasser auf, und seze salpetersaures Silber zu, und verfahre übrigens gerade so, wie bei Nro. 3.

Nro. 5. Phosphorsaures Silber.

Man löse phosphorsaure Soda in Wasser auf, seze salpetersaures Silber zu, und verfahre auf die bereits angegebene Weise. Der auf diese Weise erhaltene Niederschlag ist gelb.

Nro. 6. Schwefel-Silber.

Man nehme irgend eine Menge in dünne Plättchen gestrektes reines Silber, und bringe es mit einigem Schwefel in einen Tiegel. Nachdem dieser eine kurze Zeit über im Feuer stand, wird der Schwefel schmelzen, und nach und nach mit einer blauen Farbe brennen. Wenn die Flamme aufhört, sezt man noch einigen Schwefel zu, und fährt auf vorige Weise fort; nimmt dann das Silber heraus, und hizt es in einer Muffel roth. Es wird dann weiß und sehr brüchig, und, nachdem es in einem Mörser gepülvert wurde, zum Gebrauche fertig seyn.

Nro. 7. Silber mit Zinn niedergeschlagen.

Man nimmt eine beliebige Menge der salpetersauren Silberauflösung Nro. 1., stellt einen Stab metallischen Zinnes in dieselbe, und wärmt die Auflösung etwas. Das Silber wird in Form metallischer Blätter auf dem Zinne niederfallen. Man schabt sie ab, wäscht sie mit warmen Wasser, troknet sie, reibt sie in einem Mörser, und bewahrt sie zum Gebrauche auf.

|220|

Nro. 8. Silber durch Kupfer niedergeschlagen.

Man nimmt eine beliebige Menge verdünnter salpetersaurer Silber-Auflösung, und legt ein Stük Kupferplatte in dieselbe: hierauf verfährt man genau wie oben bei Nro. 7.

Obige Silber-Bereitungen, in den unten anzugebenden Verhältnissen mit anderen Ingredienzen gemengt, gewähren alle verschiedenen Pigmente, die zur Glasmahlerei nothwendig sind.

Gelbe Farben für Glas.

Nimm Silber, Nro. 3. 1 Theil,
gelben Lak 1 Theil.

Man mische beide, und reibe sie mit Terpenthin-Oel, das mit dem diken Theile des Terpenthin-Oeles81) verbunden ist, gehörig ab. Dieses Gemenge trägt man dünn auf das Glas auf.

Nimm Silber, Nro. 2. 1 Theil,
Thonerde, die aus einer Alaun-Auflösung
mit basischer kohlensaurer Soda niedergeschlagen
3 Theile,
wurde kleesaures Eisen, durch Niederschlag aus
einer hellen schwefelsauren Eisenauflösung mit
sauerkleesaurer Pottasche bereitet
8 Theile,
Zink-Oxid 2 Theile.

Das Silber muß zuerst mit dem Zink-Oxide in Wasser, und dann mit den übrigen Ingredienzen abgerieben werden. Diese Composition wird auf dem Glase dik aufgetragen.

Nimm Silber, Nro. 4. 1 Theil,
gelben Lak 1 Theil.

Reibe beide in Terpenthin-Geist und dem diken Terpenthin-Oele, und trage die Mischung sehr dünn auf das Glas auf.

Orange-Farben für Glas.

Nimm Silber, Nro. 7. 1 Theil,
Venezianer rothen und gelben Ocher, gleiche
Theile, in Wasser gewaschen und roth calcinirt
2 Theile,
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Reibe diese Mischung in Terpenthin-Geist mit dem diken Terpenthin-Oele, und trage sie dann auf Glas auf.

Nimm Silber, Nro. 8. 1 Theil,
Venezianer rothen und gelben Ocher 1 Theil.

Reibe beide in Terpenthin und Oel etc., wie die vorhergehende Mischung ab.

Wenn ganze Glastafeln orangefarben zu übermahlen sind, kann man das Verhältniß des Oeles sehr vergrößern, und die Ingredienzen mit Wasser abreiben. Die Tiefe der Farbe hängt, einiger Maßen, von der Hize des Ofens ab, und von der Zeit, während welcher das Glas derselben ausgesezt ist. Erfahrung lehrt dieß so leicht, daß keine Regeln sich hierüber geben lassen.

Rothe Farben für Glas.

Nimm Silber, Nro. 6. 1 Theil,
braunes Eisenoxid, das man durch Hizung
von Hammerschlag, der in Wasser gelöscht
und fein gepülvert, dann als Pulver in der
Muffel calcinirt wird, bereitet
1 Theil.

Diese Ingredienzen werden mit Terpenthin und Oel abgerieben, und die Mischung wird dik auf dem Glase aufgetragen.

Nimm Spießglanz-Silber, durch Zusammenschmelzen
von einem Theile Silber und zwei Theilen rohen
Spießglanz bereitet und gepülvert
1 Theil,
Colcothar 1 Theil.

Reibe die Ingredienzen mit Terpenthin und Oele ab, und trage die Mischung dik auf das Glas auf.

Nimm Spießglanzsilber, auf obige Weise bereitet, 1 Theil,
Venezianer rothen und gelben Ocher, von jedem 1 Theil.

Reibe etc., wie oben.

Wenn ganze Glas-Tafeln gefärbt werden sollen, müssen die Mengen von Ocher oder Colcothar sehr vergrößert, und die Ingredienzen mit Wasser abgerieben werden.

Von dem Auftragen der Farben auf das Glas.

Die, von den meisten Glasmahlern befolgte, Methode ist, |222| die Umrisse mit chinesischer Tusche oder mit brauner Farbe, die mit Terpenthin und Oel abgerieben ist, zu zeichnen, und dann die färbende Farbe, die vorher mit Wasser abgerieben wurde, dik aufzutragen. Allein, auf diese Weise läuft die Farbe häufig über die Umrisse, oder bleibt hinter denselben zurük, und vereitelt alle Geschiklichkeit des Zeichners.

Ich zeichne mit Tusche, und nachdem ich die Farbe mit Terpenthin-Geist so fein als möglich gerieben, und mit dikem Terpenthin-Oele zur gehörigen Consistenz gebracht habe, seze ich etwas Lavendel-Oel zu, und bedeke den Umriß ganz mit dieser Mischung.

Nachdem sie vollkommen troken geworden ist, nehme ich die Farbe mit der Spize eines Stäbchens und Messers von allen jenen Theilen weg, die nicht gefärbt werden sollen, und bin auf diese Weise im Stande, die zartesten Verzierungen und die verwikeltesten Zeichnungen mit großer Genauigkeit auszuführen.

Wenn die Farbe so dik aufgetragen werden muß, daß die Umrisse durch dieselbe nicht sichtbar sind, so lege man die Farbe zuerst so sanft als möglich, auf, und nachdem sie troken geworden ist, ziehe man die Umrisse mit Zinnober-Wasserfarbe, und arbeite die Zeichnung auf obige Weise aus.

Außer der Präcision, die man durch diese Methode erhält, wird der Künstler dadurch auch in den Stand gesezt, die verschiedenen Schatten in der Zeichnung anzulegen, und aufzutragen, während die ältere Methode des bloßen Anstreichens der Figur nur eine und dieselbe Farbe gewährte.

Der Künstler muß suchen, den Ofen mit solchen Stüken zu füllen, deren Farben alle mit demselben Vehikel abgerieben sind, und nicht Terpenthin und Wasserfarben in demselben Brande unter einander mengen. Auch müssen alle diese Stüke sorgfältig getroknet und in den Ofen gebracht werden, wenn er bereits mäßig erwärmt ist.

Glas zu vergolden.

Nimm feines Gran-Gold 1 Theil,
Queksilber 8 Theile.

Das Queksilber wird in einem Tiegel erwärmt, und dann |223| das Gold, das vorher roth glühend gemacht wurde, zugesezt82). Nachdem das Gold vollkommen aufgelöst ist, gießt man die Mischung in kaltes Wasser, und wäscht sie gut. Das überflüssige Queksilber wird durch Leinwand oder weiches Leder gepreßt, und das Queksilber, welches durchläuft, und noch einiges Gold enthält, für das Nächstemal aufgehoben.

Das Amalgam, welches in dem Leder zurük bleibt, wird in warmen Scheidewasser digerirt, wodurch das Queksilber aufgelöst, das Gold aber als außerordentlich feines Pulver zurükbleiben wird. Dieses Pulver wird, nachdem es gewaschen und getroknet wurde, mit einem Drittel seines Gewichtes Queksilber abgerieben, und hierauf Ein Gran dieses Amalgames mit drei Gran Goldfluß (siehe Fluß Nro. 4. in dem vorhergehenden Aufsaze) gemengt, und die Mischung mit Terpenthingeist, verdikt mit dikem Terpenthin-Oele, abgerieben, und auf die gewöhnliche Weise auf Glas aufgetragen.

Eben so kann auch Porzellan, Email etc. vergoldet werden.

Zusaz des Herausgebers.

Die Kunst des Glasmahlens ist nicht, wie man irrig glaubt, verloren gegangen, sondern aus der Mode, folglich außer Werth gekommen. Hr. Ritter v. Yelin sagt in Nro. 51. des Kunst- und Gewerbblattes, Jahrgang 1819 „daß die Glasmahlerei bereits vor mehr denn 15 Jahren durch den jezt bei der k. Porzellain-Manufactur in Nymphenburg angestellten Glasmahler, Hrn. Frank aus Nürnberg, wieder erfunden und besonders in neuester Zeit zu einem sehr hohen Grad der Vollkommenheit gebracht worden ist. Die Münchner sogenannte reiche Capelle, so wie das königl. Münz-Cabinet enthalten Frank'sche Glasgemählde von mehr als 1 1/2 Fuß Breite, auf 12 bis 15 Zoll Höhe, als Darstellungen nach Albrecht Dürer, Lucas Cranach und anderen altdeutschen Meistern mit einer Nüancirung, Reinheit und Schönheit von Farben, wie sie die Glasgemählde des 15ten und 16ten Jahrhunderts im Ganzen nicht aufzuweisen haben, und |224| im Einzelnen kaum übertreffen.“ Bei Benüzung der neuern Entdekung vorzüglich schöner Farben, welche auf Glasmahlerei (als auch für Schmelzmahlerei) anwendbar sind, nämlich die aus Chrom, Platin, Uran und anderen zu diesem Zwek noch nicht verwendeten Metalloxiden läßt sich diese Kunst vorzüglich in Mannigfaltigkeit des Colorits höher als je steigern. Künstler, welche hierinnen was Vorzügliches leisten wollen, dürfen sich bloß mit einem Chemiker in Verbindung sezen, der ihnen die Metalloxide in vorzüglicher Reinheit liefern kann, und sie mit ihrem gegenseitigen Verhalten bekannt macht. Die technische Behandlung der Glasmahlerei findet man in folgenden Schriften: Die Kunst Glas zu mahlen und Glasarbeiten zu verfertigen, aus dem Französischen des Hrn. Peter Vieil, Nürnberg 1779–1780. gr. 4. Krüniz ökonomische Encyclopädie, Bd. 18. S. 693, und in den Schriften der in diesem Bande S. 703 angeführten Literatur. Jacobsons technologisches Wörterbuch, Berlin 1782. Zweiter Theil, S. 105. Fünfter Theil. S. 691, und in den Schriften der im achten Theil S. 173 angeführten Literatur über Glasmahlerei. In jeder öffentlichen Bibliothek sollen sich diese Werke vorfinden.

|218|

Eine interessante Abhandlung über die Darstellung gefärbter Gläser ist im Bd. III. S. 163 enthalten. D.

|220|

Vergleiche die vorige Abhandlung. A. d. O.

|223|

Der Tiegel muß mit einem genau schließenden Dekel versehen werden, und der Arbeiter muß sich vor den gefährlichen Queksilberdämpfen wohl in Acht nehmen. A. d. Ueb.

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