Titel: Perrier's Verbesserungen an Destillir-, Siede- u. Abdampfungs-Apparaten.
Autor: Perrier, Anton
Fundstelle: 1823, Band 12, Nr. L. (S. 310–314)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj012/ar012050

L. Gewisse Verbesserungen an Destillir-, Siede- und Abdampfungs-Apparaten verschiedener Arten von Flüssigkeiten, worauf Sir Anton Perrier, Knigt zu Cork im K. Irland, sich am 27. Jul. 1822 ein Patent geben ließ.

Aus dem London Journal of Arts Nro. 32. S. 65.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

Die Absicht bei dieser Erfindung ist, die Flüssigkeit, auf welche während der Destillation gewirkt werden soll, langsam |311| über die erhizte Fläche des Kessels abfließen zu lassen, wodurch die geistige Abdampfung derselben bewirkt und unterhalten wird. Die Menge der Flüssigkeit, auf welche gewirkt werden soll, oder welche während einer gegebenen Zeit durch den Destillir-Apparat gehen soll, so wie die Geschwindigkeit derselben, wird durch die Bahn des Kreises bestimmt, die sie zu durchlaufen hat; auf diese Weise ist man auch der vollkommenen Einwirkung des Feuers auf die ganze Masse der Flüssigkeit sicher, und die geistige Verdampfung wird nicht gehindert, oder durch wässerige und empyreumatische Dämpfe unterdrükt. Bei diesem Baue des Destillir-Apparates hat eine stätige und ununterbrochene Destillation, Kochung und Abdampfung Statt, so lang Flüssigkeit nachgefüllt, und das Feuer unterhalten wird.

Tab. VII. Fig. 10. ist ein Profil des Durchschnittes des Destillir-Apparates nach dieser verbesserten Art, der aus Kupfer oder irgend einem anderen tauglichen Materials verfertigt ist, und Fig. 11. ist der Grundriß desselben. Der Boden dieses Kessels ist durch concentrische Scheidewände abgetheilt, die, wie Fig. 10. zeigt, noch genug senkrecht emporstehen, um das Ueberlaufen der Flüssigkeit zu hindern. Diese Scheidewände haben Oeffnungen von einer Abtheilung in die andere an entgegengesezten Seiten, so daß der lauf der Flüssigkeit in derselben eine Art von Labyrinth wird. a, ist ein Behälter der zur Destillation vorbereiteten Flüssigkeit; b, ist eine aus diesem Behälter herabsteigende Röhre, welche die Flüssigkeit auf den mit c bezeichneten Theil des Kessels herabfallen läßt, wo der Lauf anfängt. Von hier aus fließt nähmlich die Flüssigkeit durch die Abtheilungen oder Canäle, wie die Pfeile zeigen, über die ganze Oberfläche des Bodens hin, wodurch die volle Wirkung des Feuers selbst auf kleine Mengen der Flüssigkeit Statt hat, und die Ausdünstung mit größerer Schnelligkeit geschieht. Der Rükstand der Flüssigkeit geht dann durch die Auslaß-Röhre d ab, die sich schieben läßt, um die Menge und Tiefe der Flüssigkeit in dem Destillir-Apparate, auf welche gewirkt werden soll, zu reguliren. Diese Röhre muß mit der Einlaßröhre in solchem Verhältnisse stehen, daß die Flüssigkeit |312| in ihrem Durchgange zur Regulirungs-Röhre vollkommen destillirt wird.

Der Geist, welcher in den oberen Theil dieses Destillir-Apparates aufsteigt, ist stärker und reiner, als man denselben in den gewöhnlichen Destillir-Blasen findet, wo der geistige Dampf gewöhnlich mit wässerigen Stoffen und anderen Unreinigkeiten sehr gemengt ist. Die Canäle können über einem Boden von beliebiger Größe in beliebiger Länge ausgedehnt werden, wenn man sie schmäler macht.

Destillir-Apparate dieser Art können in jeder Größe und Gestalt verfertigt werden, d.h., rund, vierekig, oder von jeder Form, und die Scheidewände können in concentrischen oder excentrischen Kreisen laufen, und die Oeffnungen an den Seiten können in solchen Entfernungen angebracht werden, daß die Flüssigkeit über die größte Fläche am Boden des Kessels läuft; oder, der Destillir-Apparat kann vierekig, mit winkeligen, und in Form eines Labyrinthes oder auf irgend eine andere Weise aufgestellten Scheidewänden versehen seyn, um den Lauf der Flüssigkeit über der Oberfläche des Kessels soweit auszudehnen, als möglich. Der Boden dieser Destillir-Apparate kann entweder flach, concav, convex, kegelförmig, oder von irgend einer anderen Form, und der Einlaß der Flüssigkeit in denselben, so wie der Auslaß, kann an der Seite, in der Mitte, oder anderswo, nach Umständen, angebracht seyn.

Kessel oder Abraucher, die nach diesem Plane gebaut sind, können entweder mit oder ohne Helm seyn, und in jedem Falle kann der wirksame Raum derselben dadurch vergrößert werden, daß man in den Zügen damit verbundene Reihen von Röhren zwischen dem Destillir-Apparate und dem Schornsteine anbringt, (welche Röhren in schlangenförmiger oder in irgend einer anderen Richtung gebogen oder gewunden seyn können) und die Flüssigkeit, welche bearbeitet werden soll, ehe sie in den Apparat kommt, durch dieselben laufen läßt, wodurch die Operation soviel möglich gefördert werden kann.

Destillir-Apparate von dieser Einrichtung, können, vorzüglich wo sie vierekig sind, innerlich in mehrere Apparate abgetheilt seyn, wovon jeder seinen besonderen Helm und Verdichter hat, durch welche Vorrichtung der in dem ersten Destillir-Apparate |313| verdichtete Geist in den zweiten gelangen kann, um in diesem wieder bearbeitet zu werden, und aus diesem in einen dritten, wodurch man die Rectification in Einer Operation und bei Einem Feuer zu einem beliebigen Grade bringen kann.

An dem in Fig. 10 dargestellten Apparate sieht man eine Reihe von Ketten von einer Stange, ee, herabhängen, welche von einer Central-Spindel getragen werden, die durch ein Zahnrad und einen Triebstok, der von einer Kurbel in Bewegung gesezt wird, getrieben wird. Diese Ketten hängen in Stiften, und fallen in die Zwischenräume zwischen den Scheidewänden, um den Boden des Destillir-Apparates in dem Verhältnisse zu kehren, als der Schaft sich dreht, und das Anbrennen des Materiales, wenn es dik oder klebrig ist, wie Terpenthin, Syrup, etc., zu hindern.

„Zwischen jedem Kreise können, nach dem in Fig. 12, die vierekig, länglich oder rund seyn kann, aufgestellten Grundsaze, Leisten angebracht werden; wo der Boden vierekig oder länglich ist, ist er mit ähnlichen Leisten durchschnitten, die an den Enden und an dem Boden befestigt sind; wo er rund ist, sind sie bloß an dem Boden befestigt, mit dem Unterschiede, daß unter jeder Leiste abwechselnd ein Raum von jeder erforderlichen Weite zwischen ihr und dem Boden gelassen ist, wodurch die Flüssigkeit, wenn sie an dem einen Ende oder im Mittelpuncte eintritt, über die Eine Leiste weg und unter der anderen durch kann, bis sie zum Auslaßpuncte gelangt. Auf diese Weise wird die ganze Masse, in was immer für einer Tiefe sie in dem Apparate stehen mag, in einer Schichte von der Dike des Raumes zwischen der Leiste und dem Boden der vollen Wirkung des Feuers ausgesezt.“

Fig. 13 ist von allen übrigen wesentlich darin unterschieden, daß der Boden in Falten auf und nieder gebogen ist, und eine Oberfläche darbiethet, welche mit der Länge, Tiefe und Anzahl der Falten im Verhältnisse steht. Zwischen jeder dieser Falten läuft, wie in Fig. 12, eine Leiste von einer Seite des Apparates zu der anderen, die an beiden Enden befestigt ist, und unten ihrer ganzen Länge nach zwischen ihrer unteren Kante und der Furche, welche die Falte bildet, einen Durchgang läßt, durch welchen die Flüssigkeit in ihrem ganzen Laufe auf eine Schichte von jeder beliebigen Dike längs einer |314| Oberfläche von ungeheurer Ausdehnung, obschon sie scheinbar nur einen geringen Raum einnimmt, gebracht, und der ganzen Hize des Feuers ausgesezt werden kann.“

Bisher wurden diese Apparate als der unmittelbaren Wirkung des Feuers ausgesezt, betrachtet; der Patentträger schlägt aber vor, sie durch Dampf erhizen zu lassen, der entweder außen oder innen angebracht werden kann, oder auf beide Weisen zugleich, wie in Fig. 14, wo a einen Dampfkessel mit Sicherheits-Klappen vorstellt, der auf die gewöhnliche Weise mit Wasser gefüllt wird. Dieser Kessel ist oben mit drei Destillir-Apparaten nach obigem Grundsaze versehen. Der Boden derselben ist in gewissen Entfernungen seiner ganzen Länge nach durchbohrt, und in diesen Löchern ist eine Röhre eingepflanzt, die sich in kleinere Aeste zertheilt, deren Enden in die Flüssigkeit, die durch den Destillir-Apparat fließt, eingetaucht sind. Der Dampf steigt aus dem Kessel durch die Röhre bb auf, und kommt in die hohlen Gefäße cc, und von da durch die Röhren dd in die kleineren gekrümmten Röhren ee, an deren Enden er die Flüssigkeit auf ihrem Fortströmen durchzieht. Wenn man es vortheilhafter oder bequemer fände, den Wärmestoff von außen durch das Metall einwirken zu lassen, ohne daß der Dampf in die Flüssigkeit übergeht, so darf man nur die Enden der gekrümmten Röhren verschließen, und sie, mit einer geringen Neigung, in eine horizontale Lage bringen, so daß der verdichtete Dampf in den Kessel zurüktritt. Hier kann der Geist, der in einem Apparate aufsteigt, in den anderen übergehn, und dort weiter bearbeitet werden, „und so können Destillationen von jedem Grade und von verschiedenen Substanzen in einer und derselben Operation zu derselben Zeit und bei einem mäßigen Feuer durchgeführt werden, welches, nach diesem Grundsaze, auch für die größten bekannten Brennereien hinreicht.“

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