Titel: Berthier's Analysen des Kaolin.
Autor: Berthier, Pierre
Fundstelle: 1823, Band 12, Nr. LXI. (S. 361–364)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj012/ar012061

LXI. Analysen des Kaolin136). Von Hrn. P. Berthier, Markscheider au Corps royal des Mines.

Aus den Annales de Chimie. September 1823. S. 107.

Man glaubt allgemein, daß der Kaolin ursprünglich dichter Feldspath war, und diese Meinung gründet sich auf eine Menge mineralogischer und geologischer Beobachtungen, die unbestreitbar zu seyn scheinen. Man glaubte zuerst, daß der Feldspath, um sich in Kaolin zu verwandeln, nur eines Zerfallens bedarf, wodurch er zu feinem Staube wird; allein, die von Vauquelin (Bul. phil. Nro. 60) und von Rose (Karsten's Tabellen S. 57) gegebenen Analysen bewiesen die Verschiedenheit der Bestandtheile derselben, und zwangen das Geständniß ab, daß der Feldspath bei dieser Verwandlung mächtig verändert worden seyn mußte. Die meisten Mineralogen sagen heut zu Tage, daß der Kaolin ein Feldspath ist, der auf was immer für eine Weist seine Pottasche verloren hat. Ich werde hier durch Vergleichung mehrerer Abarten von Kaolin mit dem Feldspathe zeigen, daß diese Idee nicht Stich hält, und dann untersuchen, worin die Unterschiede dieser beiden Körper bestehen.

Folgende Resultate hat die Analyse gegeben:

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St. Yriez137). Schneeberg138). Meissen139). St. Tropez140). Mende141). Normandie142).
Kieselerde 0,468. 0,436. 0,586. 0,558. 0,635. 0,500.
Thonerde 0,373. 0,377. 0,346. 0,260. 0,280. 0,250.
Pottasche 0,025. 0,024. 0,082. 0,010. 0,022.
Bittererde Spuren 0,018. 0,005. 0,080. 0,007.
Kalk 0,055.
Eisenoxid 0,018. 0,085.
Wasser 0,130. 0,126. 0,072. 0,095.
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0,996. 0,954. 0,976. 0,990. 1,005. 1,014.

Man ersieht aus diesen Analysen, daß die Bestandtheile des Kaolin wandelbar sind. Es scheint mir dieser Umstand von |363| zwei Ursachen abzuhängen; erstlich davon, daß es beinahe unmöglich ist, denselben durch das Schlämmen gehörig zu reinigen, indem immer kleine Quarz- und Feldspaththeilchen im Wasser schwebend erhalten werden, und dann auch davon, daß der Feldspath sich wahrscheinlich nur nach und nach zersezt, und eine Menge von Zuständen durchläuft, ehe er sich in vollkommen reine Porzellanerde verwandelt. Man hat allen Grund zu glauben, daß diese durchaus keine Pottasche enthält.

Man muß bemerken, daß die Thonerde in allen Arten von Kaolin im Verhältnisse zur Kieselerde in weit größerer Menge vorkommt, als im Feldspathe. Hieraus folgt, daß lezterer nicht bloß feine Pottasche verliert, wenn er sich in Kaolin verwandelt, wie man geglaubt hat, sondern daß dieselbe Ursache, die ihn verwandelt, ihm auch eine große Menge Kieselerde entzieht. Wenn man zugibt, daß die im Kaolin vorkommende Pottasche von einem Theile noch unzersezten Feldspathes herrührt, so sieht man leicht ein, daß im Kaolin von St. Yriez, denselben vollkommen rein angenommen, die Kieselerde sich zur Thonerde ungefähr wie 52 zu 48 verhalten müßte. Dieß ist aber das Verhältniß der kieselsauren Thonerde (silicate d'Alumine); und da die Formel für den Feldspath KA³S¹² ist, so folgt unter unserer Voraussezung, daß dieses Fossil die kieselsaure Pottasche KS³ fahren läßt, und folglich zwei Drittel seines Gewichtes verliert, wenn es in Kaolin übergeht. Und dieß scheint mir wirklich die chemische Veränderung, welche der Feldspath durch die langsame Zersezung erleidet, der er im Schoße der Erde ausgesezt ist. Die Ursache dieser außerordentlichen Veränderung ist durchaus unbekannt, und es ist um so schwerer sich einen Begriff von derselben zu machen, als das Wasser, dem man dieselben zuzuschreiben in Versuchung gerathen könnte, ohne Wirkung auf das kieselsaure Alkali mit mächtigem. Säure-Ueberschusse KS9 zu seyn scheint.

Rose hat einen Kaolin untersucht, der beinahe dieselben Bestandtheile zeigt, auf welche ich durch Induction geleitet wurde, indem er

0,5200 Kieselerde,
0,4700 Thonerde,
0,0033 Eisen-Oxid
––––––
0,9933

fand.

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Der Kaolin von Schneeberg scheint sehr wenig von jenem von St. Yriez verschieden. An jenem von St. Tropez ist der Feldspath nur zur Hälfte zersezt.

Man weiß gegenwärtig, daß es Feldspathe mit Pottasche, mit Soda und mit Bittererde als Basis derselben gibt, und daß diese 3 Arten sich unter allen Verhältnissen mit einander verbinden können. Es ist höchst wahrscheinlich, daß die Meißner Kaoline von einem etwas bittererdigen Feldspathe herkommen, und daß der von Mende durch eine theilweise Zersezung eines Feldspathes entstand, in welchem die Bittererde vorwaltet.

Was den Kaolin aus der Normandie betrifft, so ist dieser sehr unrein, und ich weiß nicht, ob der Kalk darin zufällig ist, oder ob er das Daseyn eines Feldspathes verkündet, in welchem diese Erde zum Theile die Stelle des Alkali vertritt.

Kaolin ist bei den Franzosen, was bei den deutschen Mineralogen bisher Porzellanerde hieß. Der berühmte chemische Analytiker und Mineralog, Hofrath und Professor Fuchs, gegenwärtig zu großem Verlurste der Universität Landshut Custos des Mineralien-Cabinettes der Münchner Academie, hat in einer sehr lehrreichen Abhandlung (über die Entstehung der Porzellanerde. 4to. 24. S.) erwiesen, daß die Porzellanerde nicht, wie man bisher glaubte, verwitterter Feldspath, sondern ein Fossil eigener Art ist, das er Porzellan-Spath nennt. Hr. Berthier, der die Abhandlung des Hrn. Hofrath Fuchs nicht kennt, bestätigt in gegenwärtiger, für Porzellan-Fabriken so wichtigen, Abhandlung die Richtigkeit der Ansichten desselben. A. d. Ueb.

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Kaolin de St. Yriez (Haute Vienne), durch Schlämmen an der Porzellan-Fabrik zu Sevres bereitet, und getroknet. Er ist vollkommen weiß. Ungebrannt wird er von starken Säuren angegriffen, unter anderen auch von concentrirter Schwefelsäure, wodurch man sich leicht reine schwefelsaure Thonerde verschaffen kann. Der von der Säure nicht angegriffene, gut gewaschene und gebrannte Theil hielt

0,693Kieselerde;
0,267Thonerde;
0,030Pottasche;
0,010Bittererde.
––––––
1,000.A. d. O.

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Kaolin von Schneeberg. Er ist etwas röthlich. Man hat die steinigen Theile, mit welchen er gemengt ist, durch Schlämmen weggeschafft. Der Teig enthält das Alkali, dessen Gegenwart man erwiesen hat, dessen Menge man aber nicht bestimmt angeben konnte. A. d. O.

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Kaolin von Meissen. Man sagt, daß er aus einer Porphyrart gewonnen wird. Er ist schön weiß, aber sehr mit Quarz gemengt. Er ward durch Schlämmen gereinigt. Der getroknete Teig verliert durch das Brennen 0,10 Wasser. A. d. O.

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Kaolin de la Gardo Freynet, pres St. Tropez (Var.) Er bildet ein Lager von 12 bis 14 Metres Mächtigkeit, und kommt in Begleitung von Schrift-Granit mitten im Glimmerschiefer vor, und ist mit blättrigem Feldspathe und Glimmer gemengt. Er hält nur die Hälfte wahren, im Wasser vertheilbaren Kaolin, und ist sehr merklich roth gefärbt. A. d. O.

|362|

Kaolin des Toweches, près Mende (Lozére). Er ist mit einer bedeutenden Menge sehr grobkörnigen Feldspath-Sandes gemengt, und etwas röthlich. A. d. O.

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Kaolin de Normandie. Er ist von Eisen-Oxid stark gefärbt; enthält aber doch nicht soviel Eisen, als oben in der Tabelle angegeben ist, weil dieses Oxid noch immer viel Thonerde enthält. A. d. O.

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