Titel: Vorschlag, um Holz-Kohlen mit minderm Verlust aufzubewahren. Aus einem Schreiben des Hrn. Fr. G. v. Wittgenstein.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 12, Nr. XXVIII./Miszelle 4 (S. 118–120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj012/mi012028_4

Vorschlag, um Holz-Kohlen mit minderm Verlust aufzubewahren. Aus einem Schreiben des Hrn. Fr. G. v. Wittgenstein.

Bekanntlich werden die Kohlen meistentheils in Kohlenmeilern im Walde auf die gewöhnliche Weise gebrannt, und es dürfte noch lange dauern, bis man im Allgemeinen nach de la Chabeaussiere (siehe Dinglers Pol. Journal B. 7. S. 264.) Manier und Vorschlag brennt.

Schon die bisherige Verkohlungs-Methode hat gar manche Nachtheile für Wald-Eigenthümer, als Köhler selbst.

Für Wald-Eigenthümer, da bei strengster Forst-Aufsicht, bei irregulairem Holzbestande allem Unterschleife zuvor zu kommen unmöglich ist. Dem werden ganze Bäume, dem Aeste, dem Stöke u.s.f. gefrevelt.

Für den Köhler ist es Schaden, da er viele Kohlen durch Wind und Wetter verliert, und hauptsächlich dadurch, da es sich sehr oft zuträgt, daß der, Zumal arme Handköhler, nicht gleich Fuhren haben kann, oder seine gebrennte |119| Kohlen (weil er nicht weiß, an wen er sie verkaufen kann) deßfalls im Kohlmeiler auf der Haube in voller Gluth stehen lassen muß, und auf diese Weist, welches Beispiele gelehrt, den vierten Theil ja die Hälfte verloren hat.

Die Kohlen-Empfänger als Hütten, Hämmer, u.s.f. verlieren aber am Misten durch die bisherige Methode, nämlich die Kohlen in Maaß oder Kohlenzain zu messen, aus diesen in die Kohlschoppen zu tragen, auszustürzen, nachher wieder einzumessen und auf Hüttenschichten oder Hammerfeuer zu tragen. Dem Kohlen-Factor werden zehn Procent für Ein- und Ausmessen gut gethan. Dieß hängt aber von der Willkühr des Messens, und auch vom Zufall ab, ob die Kohlen viele Zwischen-Räume im Zain oder Maaß bilden oder nicht. Der Regel nach kann nie richtige Rechnung geführt werden, wo gemessen wird, oder es büßt ein Theil dabei ein, entweder der Hohlenlieferant, oder der Hohlenempfänger.

Welche nachtheilige Folgen dieß aber schon alles gehabt, darüber mögen besonders diejenigen Kohlen-Verwalter etc. sprechen, die durch Kohlen-Recesse brodlos geworden sind, mit oder ohne Schuld. –

Am meisten verliert das Allgemeine, durch den Verlust eines Materiales, die Kohle, welche täglich seltener wird, so wie der Wald ab, und die Bevölkerung zunimmt, und doch muß für den lezteren Fall, darauf Bedacht genommen werden, daß das Kohlenbedürfniß verhältnißmäßig vermehrt, statt vermindert wird.

Folgenden Vorschlag mache ich, ein jeder prüfe ihn, und ziehe seinen Nuzen daraus, je nach Möglichkeit u.s.w.

Da eines Theils, wie schon gesagt, durch die bisherige fehlerhafte Methoden, sehr viele Kohlen verloren giengen, besonders aber durch das stürmische Ausstürzen der Kohlen auf die Erde und den Karren, oder in die Kohlenzain, durch das Zusammenrießeln der Kohlen in den Kohlenschoppen, wo durch eine ungeheure Menge von Kohlenstaub und Kohlengestübe oder Kohlenpulver entsteht, das wenig oder gar keinen Werth mehr hat, so bin ich auf folgende Idee gekommen.

Statt die Kohlen zu messen, wiege man sie. Zu dem Ende muß der Köhler, wenn seine Kohlen gar sind, sich 6 oder 8 Pfähle in die Erde schlagen, jeden 1 Fuß von dem andern, allenfalls so,:::: zwischen diese 8 Pfähle, die eine doppelte Reihe bilden, legt er seine Kohlen, nachdem er 3 oder 4 Bindfaden oder Cordel auf die Erde ausgebreitet hat. Auf dieses Bindwerk breitet der Köhler die Kohlen aus, so daß sie einen Fuß breit und einen Fuß hoch zu liegen kommen, und bindet sie dann so fest als möglich, damit kein Zwischenraum bleibt. Die Kohlenbündel werden hierauf dicht an einander gesezt und aller Zwischenraum mit Stroh oder dergleichen ausgestopft, damit alles fest steht. So verlieren die Kohlen beim Transportiren zu Wagen wenig. Die Kohlen können vor dem Binden gewogen und jeder Bündel ein gleiches Gewicht erhalten, z.B. 50 oder 60 Pfund. Es ist dieß willkürlich, wie das Gewicht bestimmt wird, ein jedes Land hat seine eigene Localität, wie seine Gewohnheit. Kurz, ist einmal diese Einrichtung getroffen, und das Gewicht bestimmt, so macht sich das Uebrige von selbst.

Die kleinen Kohlen, die es nun noch beim Kohlenbrennen gibt, müssen dann besonders in Säken, oder Kohlreisen, oder Körben abgefahren und dann gewogen oder gemessen werden. Diese sind gut für Schmiede, Schlosser, Nagelschmiede u. d. gl.

Wenn nun die gebundenen Kohlen (die ich Faschinen nennen möchte, da sie diesen gleichsehen), oder Kohlenbündel auf einer Hütte oder einem Hammer ankommen, so wird der ganze Karn mit den Kohlen, oder jedes einzeln gewogen, oder wie man das nun will. Nachdem diese Kohlen gewogen, werden sie auf eine Trage von 2 Mann in Schoppen getragen, da mit größter Sorgfalt auf einander geschichtet, und so wieder beim Gebrauch herausgetragen; |120| dadurch wird verhütet, daß die Kohlen nicht zerfallen noch gerieben werden, und so einem unersezlichen Verlust abgeholfen.

Nachfolgende Vortheile kann man voraus bestimmen:

1. werden, wo nicht 10 Procent doch gewiß 7 gewonnen.

2. Behalt so der Hammer- oder Hüttenbesizer ein größeres Quantum Kohlen zum ferneren Betrieb, und kann schon darum, seine Waare wohl feiler geben.

3. Wird, da der Köhler nun seine Kohlen gleich in Bündel bindet, diese dann zum Aufladen bereit auf die Haube stellt, die Feuersgefahr in den Kohlenschoppen vermindert. Man kann auch die Vorsicht gebrauchen, diese Kohlen, ehe sie in Schoppen getragen werden, noch einige Tage stehen zu lassen, damit man volle Gewißheit hat, daß kein glimmendes Feuer mehr in den gelieferten frischen Kohlen existirt.

4. Wird man im Stande sehn, eine reinere Berechnung bei der Verwaltung der Kohlen erhalten zu können.

5. Wird man bei allen Feuerschmieden u.s.w. richtigere Accorde treffen können, da auf allen Gewerken immer Unzufriedenheit herrscht, dem ist zu knapp gemessen, dem dieß, dem jenes.

Wenn aber nach dem Gewicht einmal geschmiedet wird, dann wird sich der weitere Vortheil und Nachthell folgern lassen.

Obgleich Betrug von Seiten der Köhler statt finden kann durch das Naßmachen der Kohlen, durch das nicht gaar Brennen der Kohlen, so werden sich dafür schon Gegenmittel ausdenken lassen, z.B. durch Zeichen, die man an die Kohlen-Bündel anbindet, damit man sie nachher beim Gebrauch erkennen kann, von wem sie sind28).

Doch könnte ich noch Manches sagen, aber ich will mich damit begnügen, sie aufmerksam zu machen, und nur bitten, in ihr Journal baldigst meine Idee dahin einrüken zu lassen, daß man die Kohlen nicht mehr messen, sondern wägen möchte, die Kohlen ganz und so dik lassen, wie sie das Holz liefert, und daß man sie nicht reissen oder brechen darf.

Ich lasse jezt ebenfalls auf meinen Eisenwerken die Probe machen und alles so einführen, wie ich oben angegeben; das Resultat werde ich dann getreulich mittheilen.

Nach der Oertlichkeit kann man die Kohlen mit Wieden, Stroh, Ginster u. dgl. zusammenbinden.

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Da die Kohlen sehr hycroscobisch sind, so dürfte das Wagen auch manche Differenzen herbeiführen. D.

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