Titel: Ueber Behandlung der Wäsche während des Waschens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 12, Nr. XLVI./Miszelle 16 (S. 254–255)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj012/mi012046_16

Ueber Behandlung der Wäsche während des Waschens.

„Als Inhaber sehr großer, mit Leinwand-Manufakturen verbundener, |255| Werke, und als Bleicher von Profession, bin ich, mit den Operationen des Reinigens und Weißmachens der Leinen- und Baumwollenstoffe so ziemlich bekannt, und kenne auch die Vortheile und Nachtheile der verschiedenen hiezu vorgeschlagenen Verfahrungs-Arten, so daß ich nicht im Verdachte stehen kann, als schlüge ich aus Unerfahrenheit eine Methode vor, die den Stoffen, welche gewaschen werden sollen, nachtheilig werden könnte. Ich will indessen ja nicht einen Augenblik zweifeln, daß die Frauenzimmer bei ihren vorgefaßten Meinungen Einwürfe genug gegen meine Methode, insofern sie von ihrer gewöhnlichen Haus-Praxis abweicht, werden vorzubringen wissen, und überlasse es lediglich dem Belieben einer jeden Hausfrau, mein Verfahren zu verwerfen oder zu befolgen.“

„Die Menge Weiber bei meinen Werken, die immer für ihre Familien zu waschen hatten, und unseren Fabrik-Arbeiten dadurch hinderlich waren, führten mich auf die Idee, ein Mittel auszudenken, wodurch dieses Waschen vermindert werden könnte, und ich war glüklich genug, eines zu finden, wodurch drei Viertel an Händen, und Seife und Zeit zugleich erspart werden konnte.“

„Mein Verfahren ist dieses. Die Artikel, welche gewaschen werden sollen, müssen nach ihrer Feinheit sortirt, und hiernach in besondere Gefäße gethan werden, in welchen sich warmes Wasser in einer Temperatur von 100 bis 130° F (+ 30 bis + 55°) Reaum.) befindet. In diesem Wasser löst man den dritten oder vierten Theil Seife auf, die man nöthig haben würde, wenn man die Wäsche auf gewöhnliche Weise wüsche, und sezt etwas Perlasche zu. Nachdem die Wäsche mit dieser Flüssigkeit gänzlich bedekt ist, läßt man sie darin 36 bis 43 Stunden lang weichen, worauf man sie herausnimmt, in reinem kalten Wasser auswäscht, und leicht ausringt, so daß nur wenig Wasser mehr an derselben hängen bleibt.“

„Nun wird ein Kessel, der soviel Wässer faßt, daß die ganze Wäsche bedekt wird, auf ungefähr 100° F (+ 30 R.) gehizt, und die übrige Seife (ungefähr 2/3 von dem, was man in Allem braucht) mit etwas Perlasche hineingethan. Nachdem diese hinlänglich aufgelöst ist, legt man die Wäsche in die Flüssigkeit, hält aber die feineren Stüke bei einander und behandelt sie zuerst. Nun erhöht man allmählich die Temperatur bis zum Siedepuncte, d.h. während 20 Minuten oder einer halben Stunde, nicht schneller, und läßt alles 15 bis 20 Minuten lang sieden, worauf man die Wäsche herausnimmt, und in ein Gefäß mit warmem Wasser bringt. Diese Lauge vom ersten Sude läßt man in dem Kessel, füllt ihn mit Wasser aus, und gibt die gröbere Wäsche hinein, die eben so behandelt wird.“

„Die auf diese Weise behandelte Wäsche wird dann genau untersucht, und wenn einige Fleken geblieben sind, was selten geschieht, werden sie mit der Hand ausgewaschen, indem man sie auf die gewöhnliche Weise facht reibt. Dieses Sieden bringt, gegen das gewöhnliche Vorurtheil, alles Fett und allen Schmuz so gut heraus, daß man mehr als drei Viertel Arbeit ohne das gewöhnliche Reiben gethan hat. Durch bloßes weiteres Auswaschen in kalten Wasser wird die Wäsche vollkommen rein.“

„Dadurch wird nun nicht bloß, wie wir bereits bemerkten, Mühe und Auslage erspart, sondern die Wäsche vor dem verderblichen Reiben geschüzt, das ihr so schädlich ist, die Fäden abreißt und mehr abnüzt, als das gewöhnliche Tragen.“ (Aus dem London Journal of Arts, N. 32. S. 83. Im Auszuge.)

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