Titel: Ueber Gasbeleuchtungs-Anstalten. Aus den Berichten des Hauses der Gemeinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 12, Nr. XLVI./Miszelle 4 (S. 247–249)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj012/mi012046_4

Ueber Gasbeleuchtungs-Anstalten. Aus den Berichten des Hauses der Gemeinen.

Der Druk befohlen Dd. 7. Julius 1823.

Der besondere Ausschuß, welchem der Bericht der k. Gesellschaft (Royal Society)89)an den ersten Staatssekretär des Inneren hinsichtlich der Gasbeleuchtung |248| zugleich mit den Berichten desjenigen, welchen der obenerwähnte Staats-Secretär zur Aufsicht der in der Hauptstadt befindlichen Gasbeleuchtungs-Anstalten beauftragte, zugetheilt, und der hiedurch bevollmächtigt wurde, seine Beobachtungen hierüber dem Hause vorzutragen, dem zugleich mehrere Gesuche der Gasbeleuchtungs-Anstalten und anderer zugekommen sind, hat, dem Befehle des Hauses zufolge, die gedachten Gesuche erwogen, die ihm übertragenen anderen Gegenstände untersucht, und folgenden Bericht zu erstatten beschlossen:

Euer Ausschuß ist der Meinung, daß die Gefahr, die aus Gasometern und Gaswerken wahrscheinlicher Weist entstehen kann, nicht so groß ist, als man sie angenommen hat, und daß deßhalb die Nothwendigkeit eines gesezlichen Einschreitens, worauf in den angezogenen Berichten angetragen wird, so dringend nicht ist, daß es im Verlaufe der gegenwärtigen Sizung vorgenommen werden müßte.

Es erhellt, daß seit dem Jahre 1814, in welchem der Bericht des Ausschusses der k. Gesellschaft abgefaßt ist, große Verbesserungen an dem Apparate, an der Maschinerie und an der Leitung der Gaswerke vorgenommen worden sind, wodurch die Gefährlichkeiten dieser Werke bedeutend vermindert wurden, und daß noch täglich an jedem Zweige derselben Verbesserungen angebracht werden, wodurch die mit solchen Anstalten nothwendig verbundene Gefahr immer mehr und mehr vermindert wird.

Alle Zeugen unterstüzen die Meinung hinlänglich, daß die Gefahr eines Zufalles oder Unglükes nur gering ist, wenn die gehörige Sorgfalt und Aufmerksamkeit, die bei jeder großen Unternehmung nothwendig ist, von den Aufsehern und Arbeitern in den Werken gehandhabt wird.

Es ist offenbar, daß gekohlstofftes Wasserstoffgas, das dem Publicum gewöhnlich abgeliefert wird, an und für sich keiner Explosion fähig ist, und daß, wenn diese geschehen soll, 5–12 Theile atmosphärische Luft beigemengt werden müssen, und eine Flamme in die Nähe kommen muß, während doch die Gasometer-Häuser in der Regel so gebaut sind, daß diese zur Explosion nöthige Mischung sich nicht bilden kann, und folglich die Gefahr eines Unglükes fern gehalten wird.

Die Gefahr von Gasanwendung in den Straßen und Gassen erscheint gleichfalls sehr gering, und wird wahrscheinlich durch größere Geschiklichkeit und Sorgfalt der dabei angestellten Personen fortan immer mehr und mehr vermindert werden.

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Der Ausschuß ersucht, die Aussagen der Zeugen in Hinsicht auf die Unfälle, die sich durch Gas-Explosion zu Edinburgh und Manchester und an anderen Oertern zutrugen, in ihrem ganzen Umfange zu durchlesen.

Es scheint, daß man in einigen Gaswerken Sir Humphrey Davy's Sicherheits-Lampen gebraucht, um sich gegen jeden Unfall zu schüzen, der durch Zusammentreffen einer Flamme mit einer explosionsfähigen Mischung, die sich allenfalls durch Risse in den Gasometern oder Röhren gebildet haben möchte, entstehen könnte. Da der Ausschuß diese Vorsicht für höchst nöthig hält, so traut er den Direktoren aller Gas-Anstalten zu, daß sie sich, sowohl ihrer eigenen als der öffentlichen Sicherheit wegen, alsogleich derselben bedienen werden.

In den Berichten sowohl als in den Zeugen-Aussagen finden sich mehrere Vorschlage über die Entfernungen, Größen und Abstände der Gasometer von einander, den Bau der Häuser und Dächer, Sümpfe etc., die ernstliche Aufmerksamkeit verdienen; und obschon der Ausschuß das Interesse der Gas-Anstalten selbst als innig verbunden mit der Vermeidung aller Gefahr von Seite des Gases betrachtet, so ist er doch der entschiedenen Meinung, daß fortan dem Staats-Secretäre jene Gewalt über alle Gas-Anstalten ertheilt werden soll, die nöthig seyn wird, die Verbesserungen, welche an diesen Werken zur öffentlichen Sicherheit nothwendig sind, vorzunehmen.

Der Ausschuß kann diesen seinen Bericht nicht schließen, ohne sein Wohlgefallen darüber zu erkennen zu geben, daß das Publicum ein so großes und rasch fortschreitendes Mittel zur Bequemlichkeit und Behaglichkeit im gesellschaftlichen Leben, wie der Gebrauch des Gases unter gehöriger Leitung ist, erhalten hat, und er ist der Meinung, daß es in polizeilicher Hinsicht sehr wohlthätig seyn würde, wenn man die Straßen der Hauptstadt mit diesem Gase erleuchtete.

Euer Ausschuß hat es für geeignet erachtet, seinem eigenen Berichte als Anhang die Prüfung der verschiedenen Zeugen-Aussagen beizulegen, die ihm vorgelegt wurden, und bittet ihm zu erlauben, sich im Allgemeinen auf die gedrukten Berichte der k. Gesellschaft und Sir Wilh. Congreve's zu beziehen90). (Aus dem Repertory of Arts, Manufactures and Agriculture. Octbr. 1823. S. 281.)

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Dieser Bericht, nebst allen übrigen hieher gehörigen, findet sich im Repository of Arts Manufactures and Agriculture. Nr. 253 S. 43. Nr. 254. S. 75. Nro. 255. S. 143. Nro. 256. S. 220. Er ist allerdings sehr lehrreich, und wir halten es für Pflicht, die künftigen Errichter von Gasbeleuchtungs-Anstalten in Deutschland auf denselben aufmerksam zu machen, herzlich bedauernd, daß es gegenwärtig |248| noch vergebene Mühe seyn würde, für den deutschen Leser, der in stinkenden Talg und nicht besser riechendes Oel verliebt zu seyn scheint, eine deutsche Uebersezung zu besorgen. Im Bd. 6. S. 308. Bd. 8. S. 262. Bd. 9. S. 264. Bd. 10. S. 381. Bd. 11. S. 236 dieses Journals haben wir auf Versuche im Kleinen, und späterer Ausführung im Großen ein Material vorgeschlagen und angewendet, das uns Deutsche in Stand sezt, bei Mangel guter Steinkohlen, überall das leuchtendste Oelgas aufs Wohlfeilste darzustellen, nämlich aus Oelsaamen und Oelkuchen eine Erfindung die in der Gasbeleuchtungskunst die wichtigste und für die Agricultur gleich vortheilbringend ist, und gegenwärtig in Frankreich und England mit dem beßten Erfolge angewendet wird. Diese deutsche Erfindung wird vermuthlich erst wieder zu uns zurükkehren, wenn sie die Reise um die Welt gemacht hat. Die sonst so gefälligen HHrn. Redacteurs derjenigen Zeitschriften welche ihre Blätter, ohne Quellenangabe, größerntheils aus diesem Journal füllen, haben bisher die Delicatesse beobachtet, dieser Erfindung mit keinem Worte zu erwähnen; ob aus Lichtscheue wissen wir nicht. Haben wir ja in Deutschland erst 150 Jahr später, als in England, Erdäpfel essen gelernt, und können es (vorzüglich auf dem Lande) in mehreren Gegenden Baierns noch nicht, so dürften wir es auch hoffentlich in 150 Jahren noch zur Gasbeleuchtung bringen, wo dann wahrscheinlich keine Gefahr mehr damit verbunden ist.

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Ueber Sir W. Congreve's Bericht über die Gasbeleuchtungs-Anstalten hat der berühmte, nun schon zu frühe seelige, Esqu. Ricardo einen etwas beissenden Aufsaz in den Annals of Philosophy N. 31. S. 1. eingerükt, der sowohl über Sir Congreve's Bericht, als über die Gasbeleuchtungs-Anstalten überhaupt, vorzüglich aber die Thran- oder Oelgas-Beleuchtung, verglichen mit der Kohlengas-Beleuchtung, sehr viel Licht verbreitet. Wir bedauern, daß die engen Gränzen unserer Blätter uns nicht gestatten, diesen Aufsaz unseren Lesern mitzutheilen, und noch mehr bedauern wir, daß er für die wenigsten deutschen Leser bisher Interesse haben kann.

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