Titel: Ueber die Londoner Gasbeleuchtungs-Anstalt mit tragbaren Gasbehältern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 12, Nr. XLVI./Miszelle 5 (S. 249–251)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj012/mi012046_5

Ueber die Londoner Gasbeleuchtungs-Anstalt mit tragbaren Gasbehältern.

Da die gewöhnlichen Gasleitungen durch Röhren manchem Hausbesizer zur Beleuchtung seines Hauses zu kostbar waren, so kam man auf die Idee, das Beleuchtungsgas in Gefäßen zu comprimiren, und in diesem verdichteten Zustande in die Häuser, welche keine eigenen Leitungen besaßen, zu tragen. Unter mehreren solchen Gasbeleuchtungsanstalten zeichnet sich die Portable-Gas Company in St. John's Street, Clerkenwell, N. 30 and Basinghallstreet, 7, besonders aus.

Sir Wilh. Congreve machte in seinem Berichte des Hauses der Gemeinen über die Gasbeleuchtungs-Anstalten auf die Gefahren, die dieser Art von Gasanwendung eigen sind, aufmerksam, indem er |250| bemerkte, daß 1stens die Gasbehälter zu lang gebraucht, und durch das Gas, welches sie enthalten, überspannt würden; 2tens die Temperatur des Gasbehälters öfters zu sehr erhöht wird.

Dagegen äußert Hr. David Gordon in einem Schreiben an Sir W. Congreve, a. a. O., daß, „was das Erstere betrifft, wenn der Behälter nicht so sehr überspannt wird, daß dadurch das Metallgefüge selbst leidet, weder von anhaltendem noch von schnell abwechselndem Druke auf dieselben auch nicht das Mindeste zu besorgen steht; denn, wenn dieß nicht wäre, könnte man sich einer Dampf-Maschine nur eine sehr kurze Zeit über mit Sicherheit bedienen, indem dieselbe während 10 Minuten einem weit größeren Wechsel von Druk unterliegt, als ein Gasbehälter in 12 Monaten nicht zu erleiden hat, wenn er auch täglich gebraucht wird.“

„Um die zweite Ursache von angeblicher Gefahr zu beleuchten, muß ich zwar zugeben, daß Erhöhung der Temperatur auch den Druk erhöht; allein, bei der größten Unaufmerksamkeit ist es nicht möglich, daß dieser Druk zufällig um mehr als um drei Atmosphären erhöht wird. Nun sind aber alle Gasbehälter auf einen Druk von 43 Atmosphären probirt, und können, auch bei der größten Unachtsamkeit, nicht mit mehr als 39 Atmosphären gefüllt werden: folglich ist gegen diese Gefahr hinlänglich gesorgt.“

Um unseren Lesern eine Idee von dieser Anstalt zu geben, die vielleicht doch einmal irgendwo in Deutschland nachgeahmt werden könnte, wollen wir hier einen Auszug aus dem a. a. O. bekannt gemachten Prospectus der Londoner tragbaren Gasbeleuchtungs-Anstalt mittheilen.

„Da das Gas um das Dreißigfache seines Umfanges zusammen gedrükt wird, so kann die Größe der Gas-Lampen keine Ungelegenheit erzeugen, und da alle Behälter der Lampen probemäßig einen Druk von mehr als 200 Pfund auf den Quadrat-Zoll über jenen Druk aushalten, den sie bei dem Füllen erleiden, so kann bei dem Gebrauche derselben gar keine Gefahr entstehen.“

„Es ist erwiesen, daß 6 Fuß des beßten Oel-Gases ebensoviel Licht geben, als ein Pfund Wachs-Kerzen. Die Gesellschaft versicht die ordentlichen Kundschaften damit um den halben Preis eines Pfundes Talg-Lichter.“

„Die Gasbehälter haben entweder Walzen- oder Kugelform, und werden, wo sie leer sind, täglich von den Dienern der Gesellschaft abgeholt und durch frisch gefüllte ersezt, so daß die ordentlichen Kundschaften stets mit ihrem nöthigen Vorrathe versehen sind.“

„Die Gesellschaft schikt ihre Gas-Lampen nur in dem einfachsten Zustande: der Abnehmer kann ihr jede ihm gefällige Hülle, wie er sie in seinen Zimmern nöthig findet, geben.“

„Da dieses Oel- oder Thrangas frei von allem geschwefelten Wasserstoff ist, so leiden Gemählde, Vergoldungen und Metalle aller Art nicht im Mindesten durch dasselbe: es gibt auch bei dem Brennen um die Hälfte weniger Hize als Steinkohlengas.“

Die übrigen Vortheile, die daraus entstehen, daß diese Vorrichtung tragbar ist, sind:

1) daß man weniger Licht braucht, als wenn die Lampe an irgend einem Orte im Zimmer befestigt ist;

2) daß man auch dadurch das Licht sparen kann, da man, nach Bedarf, mehr oder weniger Lampen anzünden, und das Licht in demselben verstärken oder vermindern kann: der Abnehmer zahlt nämlich nicht mehr Gas hier, als er wirklich verbraucht;

3) daß man auf diese Weise die Gas-Beleuchtung auch an jenen Orten des Hauses haben kann, wo es unmöglich ist, das Gas hinzuleiten.

„Da diese tragbaren Gas-Lampen eben so reinlich als sicher sind, so taugen sie vorzüglich in den Werkstätten der Puzmacherinnen, Spizenklöpplerinnen, Schneider und überhaupt dort, wo feine Arbeiten verfertigt werden; auch in Schreibstuben, Kaffeehäusern, Buden etc., da sie sich in jedem nöthiegen Falle alsogleich anzünden lassen.“

„Wir müssen hier noch bemerken, daß durch das Ausströmen des Gases aus diesen tragbaren Lampen keine Explosion geschehen kann, indem hiezu |251| weit mehr Gas nöthig ist, als der für ein ganzes Haus nöthige Vorrath beträgt, selbst wenn man annähme, daß alles Gas in den Behältern auf einmal in dem kleinsten Zimmer ausgelassen würde.“

Bedingungen, unter welchen die Gesellschaft das Publicum mit comprimirtem Oel- oder Thrangas versieht.

Textabbildung Bd. 12, S. 251

NB. Als Ersaz für die besonderen Auslagen bei kleinen Gefäßen, die weniger als 10 Fuß halten, werden die Bruchtheile eines Fußes für Einen ganzen Fuß gerechnet; in jedem anderen Falle werden die Bruchtheile, wo sie weniger als einen halben Fuß betragen, nicht bezahlt; über einen halben Fuß aber werden sie für einen ganzen Fuß gerechnet.“

„Die Abnehmer, welche regelmäßig bedient werden wollen, werden die Größe der Lampe, und wie oft sie gefüllt werden soll, bestimmen: sie werden für die geleerte immer eine gleich große frisch gefüllte erhalten.“

„Die Abnehmer müssen für die ihnen geborgte Lampe nach der Größe derselben Einsaz erlegen, und erhalten dafür Recepisse und Versicherung guter Bedienung.“

„Die Lampen werden von der Gesellschaft in gutem Stande unterhalten; der Abnehmer ist aber für Beschädigung derselben durch Angeschiklichkeit oder Nachlässigkeit während des Gebrauches verantwortlich.“

„Die Abnehmer müssen, wenn sie aufhören sollten, Gas bei der Gesellschaft zu nehmen, die Lampen auf Verlangen zurükstellen, und erhalten dafür ihren früheren Einsaz von der Gesellschaft zurük.“

„Die Abnehmer bezahlen bei ihrem Eintritte für jedes 100 Fuß 6 Shill. 3 d. vor hinein, und wenn diese verbraucht sind, wieder eben soviel, vorausgesezt, daß sie täglich 10 Fuß brauchen. Bei kleineren Quantitäten, ist der Preis höher.“

„Die Gesellschaft füllt auch Privat-Gasometer ohne Compression um 6 Shill. 3 d. die 100 Fuß, wenn sie täglich gefüllt werden; außerdem ist der Preis höher.“ (Aus dem Repertory of Arts, Manufactures and Agriculture. Octbr. 1823. S. 275. Im Auszuge.)

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