Titel: Ueber die Gegenwart des Ammoniums in Eisenoxiden, welche sich im Inneren bewohnter Häuser bilden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 12, Nr. LXIV./Miszelle 12 (S. 376–377)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj012/mi012064_12

Ueber die Gegenwart des Ammoniums in Eisenoxiden, welche sich im Inneren bewohnter Häuser bilden.

Ueber diesen Gegenstand hat Hr. Vauquelin einen in vielseitiger Beziehung wichtigen Aufsaz in den Annales de Chimie, Septembre 1823. S. 99, mitgetheilt.

Er wurde vor einiger Zeit von einem Criminal-Richter zu Paris beauftragt zu untersuchen, ob gewisse rothe Fleken an einem Säbel, von welchem man vermuthete, daß er als Mordwerkzeug bei einem Meuchelmorde gebraucht wurde, wirklich Blut wären. Er löste in dieser Hinsicht mit der Spize seines Federmessers etwas von dieser rothen Materie ab, und erhizte es in einer an einem Ende geschlossenen gläsernen Röhre, in welche er ein Streifchen mit Säure gerötheten und nassen Tournesol-Papieres gestekt hatte. Sobald die Röhre heiß wurde, stieg ein gelber Dampf auf, der das geröthete Papier wieder |377| blau färbte. Ein zweiter Versuch mit Etwas von einem anderen rothen Fleke an einem Messer, von welchem man vermuthete, daß es zu demselben Zweke gebraucht wurde, und welches in dem Hause gefunden wurde, worin das Verbrechen begangen ward, gab durchaus dasselbe Resultat. Diese beiden Resultate schienen den geschöpften Verdacht zu bestätigen: indessen waren diese Fleke, obschon ein Arzt sie für Blut erklärte, mehr dem Roste als dem Blute ähnlich. Man wiederholte daher diese Versuche an dem gewöhnlichen Roste selbst, und zwar von einem Stüke Eisen, welches sich zufällig in dem Zimmer des Richters darboth. Dieser Rost, an dessen Reinheit Niemand zweifeln konnte, gab dasselbe Resultat. Hiedurch wurde also der Verdacht aufgehoben, und die Chemie gewann ebensoviel dabei, als die gerichtliche Arzeneikunde: indem es nun erwiesen ist, daß der Rost, der sich im Inneren der Häuser bildet, die Ammonium-Dämpfe zu verschlingen vermag, die sich daselbst entwikeln, und sie ziemlich kräftig festzuhalten148). „Hr. Laugier, dem Hr. Vauquelin diese Entdekung mittheilte, fand sie an dem Roste in seinem Laboratorium bestätigt, und erhielt am Ende der Operation auch noch Spuren von schwefeliger Säure. „Der Rost verschlingt,“ wie Vauquelin in einer Nachschrift bemerkt, „auch thierische Dämpfe; denn es zeigten sich bei obigen Versuchen an den Wänden der Glasröhre immer noch Spuren von thierischem Oehle.“

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Nicht bloß der Rost, selbst das Eis, das sich an den Fenstern in strenger Kälte bildet, verschlingt die Ammonium-Dämpfe; je mehr derselben in einem Zimmer sind, desto federartiger und blumiger werden die Eis-Figuren an der gefrornen Fensterscheibe seyn: in reinen unbewohnten Zimmern sind die Fenster bloß gleichförmig, ohne Zeichnungen, überfroren. Es gibt eine Menge Waaren, die den Stubengeruch in wenigen Stunden annehmen, und dadurch verdorben werden. A. d. Ueb.

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