Titel: Bildung von Blau-Säure durch Glühung kohlenstoffiger Substanzen mit salpetersaurer Schwererde.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 12, Nr. LXIV./Miszelle 13 (S. 377–378)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj012/mi012064_13

Bildung von Blau-Säure durch Glühung kohlenstoffiger Substanzen mit salpetersaurer Schwererde.

In Hrn. Silliman's Journal befindet sich ein Aufsaz über Cyanogen-Bildung durch Einwirkung der Salpeter-Säure auf Holzkohle, welcher auch im Philosoph. Mag. et Journ. N. 304 mitgetheilt wurde. In diesem lezteren findet sich im September Hefte l. J. S. 234. aus dem I. Bande S. 229 der Transactions of the Geological Society of Cornwall ein Aufsaz aus den Papieren des sel. Gregor, den Dr. Paris mittheilte, und der im Wesentlichen Folgendes enthält.

„Man führt Glanzkohle (culm) bei uns ein, weil sie so rein ist, daß man sie zum Schmelzen des Zinnes brauchen kann. Hr. Gregor sagte mir kurz vor seinem Tode, daß er unter den Häufen dieser Glanzkohle Stüke fand, die ein viel dichteres Gefüge besaßen, und vollkommen unverbrennbar waren. Um sie zu zersezen, pülverte er sie, sezte zweimal so viel salpetersaure Schwererde (dem Gewichte nach) zu, und glühte sie in einem Patinna-Tiegel, wobei, zu seinem Erstaunen, eine heftige Detonation unter Entwiklung von häufigen blausauren Dämpfen Statt hatte. Der Rükstand im Tiegel bestand aus biausaurer und kohlensaurer Schwererde. In den Papieren des sel. Gregor findet sich die specifische Schwere dieser Substanz zu 1,627 angegeben. Gregor nahm 50 Gran dieser Kohle, mischte sie mit 200 Gran salpetersaurer Schwererde, pülverte sie, und sezte sie in einem Platinna-Tiegel einem gewöhnlichen Feuer aus. Noch ehe der Tiegel roth glühte, hatte eine heftige Detonation unter Entwikelung eines glänzenden Lichtes und lebhafter Hize, die den Tiegel und seinen Dekel roth glühend machte, Statt, und es blieb eine lichtgraue, poröse, schwarz gestreifte Masse zurük, die nach Blausäure roch. Nachdem er sie aus dem |378| Tiegel genommen, gepülvert und in einen Kolben gethan hatte, goß er Kochsalzsäure darauf, die eine Menge elastischer Flüssigkeit daraus entwikelte. Die Flüssigkeit nahm eine dunkelblaue Farbe an, und in ihr schwebte ein sehr leichtes Pulver, das Berliner-Blau zu seyn schien. Nachdem die Flüssigkeit abgegossen war, blieb ein unzersezter Rükstand zurük, der, getroknet 23 3/4 Gran wog. Dieser Rükstand wurde mit 100 Gran salpetersaurer Schwererde gemengt, und wie vorher behandelt, worauf wieder eine, obgleich schwächere, Detonation erfolgte, und eine grauliche Masse zurük blieb, die, wie vorher, mit Kochsalzsäure behandelt wurde: es schied sich kein blaues Pulver mehr aus, die ausgelaugte Masse opalisirte aber. Der unaufgelöste Rükstand wog jezt 15 7/8 Gran. Dieser wurde neuerdings mit 50 Gran salpetersaurer Schwererde gemengt, worauf wieder eine lebhafte Detonation mit Entwikelung einer hellen Flamme erfolgte. Der Tiegel ward aber hier einer stärkern Hize ausgesezt, und bei dem Zugießen der Kochsalzsäure schied sich wieder ein blaues Pulver aus. Der unzersezte, ausgesüßte und getroknete Rükstand wog 8 1/4 Gran, und gab, mit 40 Gran salpetersaurer Schwererde gemengt, dieselben Phänomene, und auch das blaue Pulver. Der übrige Rükstand betrug nur mehr 2 1/2 Gran, und ward auf dieselbe Weise behandelt, worauf nur mehr Ein Gran unzersezt zurük blieb, den man nicht weiter mehr zersezte. Ein starker Geruch nach Blausäure begleitete die Detonation.

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