Titel: Ueber russischen hydraulischen Kalk.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 12, Nr. LXIV./Miszelle 8 (S. 375–376)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj012/mi012064_8

Ueber russischen hydraulischen Kalk.

Die Annales de Chimie enthalten in ihrem neuesten Stüke, September 1823. S. 31 einen Auszug eines Schreibens des Hrn. Markscheiders, E. Clapryron, dd. Petersburg, aus dem Journal des Mines, nach welchem der hydraulische Kalk, welcher den russischen Kitt bildet, einen großen Theil der ungeheueren Kalkformation in horizontalen Lagern ausmacht, wovon die untersten chlorithältig sind, und auf einem Quarz und Glimmer haltigen Sandsteine aufsizen. Hr. Clapeyron entdekte diesen Kalkstein bei Gelegenheit als ihm die Mörtelbereitung zu den Schleussen von Schlüsselburg (das hier Schlinkelbourg heißt) übertragen wurde an den Wasserfällen des Wolkoft. Dieser mit Thon gemengte Kalkstein gibt nach dem Brennen einen Kalk, der unter dem Wasser erhärtet, und ungefähr aus

0,62 Kalk
0,19 Thonerde
0,19 Kieselerde
––––
100,

besteht. Er erwartet, daß man diesen Kalk auch in Frankreich147) so gut |376| wie in Rußland und England finden wird, und gewiß kommt er auch in Baiern vor. Um diesen Kalkstein benüzen zu können, wird er zuerst fein zu Pulver gemahlen, und in dem Augenblike gelöscht, wo man ihn anwendet. Wenn man ihn unmittelbar nach dem Löschen unter Wasser bringt, so erhärtet er etwas langsamer als der englische, wird aber in kurzer Zeit noch härter.

|375|

Ein Schreiben des Hrn. Clement an den Präsidenten der Academie des Sciences in den Annales de Chimie a. a. O. S. 104 dd. 10. October 1823. enthält auch wirklich die Nachricht, daß Hr. Minard, Ingenieur beim Canal du Centre eine Menge Kalksteinbrüche im Dptt. de Saône et Loire gefunden hat, welche einen solchen Kalk liefern. Einige Sorten erhärten sogar schneller unter Wasser, als der englische oder sogenannte römische Kitt. „Hr. Minard sagt Hr. Clément in seinem Schreiben „hat gefunden, daß beinahe alle Kalk-Steine die Eigenschaft besizen, einen römischen Mörtel oder Kitt zu liefern. Er hat einige Kalksteinarten in dieser Hinsicht untersucht, die nur 1/100 Thon enthielten: sie dürfen nur langsam und nicht zu stark gebrannt werden. Gewisse Kalksteine, deren man sich seit undenklichen Zeiten zum Kalkbrennen bedient, liefern, nach Belieben, romischen |376| Möttel, der in einer Viertel-Stunde erhärtet; anderen, der nur in vier fünf Tagen hart wird; und fetten Kalk, der nie erhärtet; je nachdem der Kalk während des Brennens 8,12 oder 30 per Cent. verliert. Die neuesten Bemerkungen des hochverdienten Vicat stimmen vollkommen mit jenen des Hrn. Minard: beide fanden, daß schwach gebrannte Kreide unter dem Wasser erhärtet. Man kann, nach mehreren Versuchen des Hrn. Minard, vermuthen, daß der römische Mörtel seine Eigenschaften dadurch erhält, daß der natürliche kohlensaure Kalk durch das Brennen basischer kohlensaurer Kalk wird.

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