Titel: Ueber die Bereitung des Knall-Queksilbers und über das Abfeuern der Schießgewehre etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 12, Nr. LXXXVI./Miszelle 3 (S. 462–463)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj012/mi012086_3

Ueber die Bereitung des Knall-Queksilbers und über das Abfeuern der Schießgewehre etc.

Hr. Wright fand die Klage der Jagdliebhaber, daß das Knallpulver aus chlorinsaurer Pottasche beiden neuen Schlag-Flinten, sowohl das Schloß als den Lauf durch vermehrte Oxidation beschädigt, durch eigene Erfahrung bestätigt. Die chemischen Vorlesungen des Hrn. Murray zu Hereford brachten ihn auf die Idee, statt der chlorinsauren Pottasche Knallqueksilber zu versuchen, und, nachdem er den ganzen Winter über mit demselben geschossen hatte, fand er: „daß es nicht so schnell Rost bildet, wie die chlorinsaure Pottasche; daß es nicht so sehr von Feuchtigkeit leidet, und daß es nicht so sehr zu Explosionen geneigt ist, und selbst bei diesen, nicht so verheerend wirkt. Wenn man anders mit dem Ladstoke das Pulver in Berührung mit dem Knallqueksilber gebracht hat, so entzündet es dasselbe sicher.

Er bereitet das Knallqueksilber auf folgende Weise. „In einem Florentiner-Fläschchen gießt er auf zwei Drachmen Queksilber sechs Drachmen (Maßtheile) reine Salpetersäure, und läßt sie über einer Weingeist-Lampe bis zum gänzlichen Verschwinden des Queksilbers sieden. Nachdem die Auflösung beinahe erkaltet ist, gießt er sie auf eine Unze (Maßtheile) Alkohol in einer anderen Flasche. Zuweilen erfolgt unmittelbar ein Aufbrausen mit Entweichung von Salpeter-Aether; öfters mußte er aber die Mischung über eine Lampe bringen, bis ein weißer Rauch aufstieg, worauf das Aufbrausen erfolgte. Diesen. Proceß sezt er (die Lampe entfernend) so lang fort, bis die Dämpfe eine röthliche Farbe annehmen, wo er dann Wasser in die Flasche gießt, worauf das Pulver zu Boden fällt. Die Flüssigkeit wird abgegossen und neuerdings Wasser zugesezt, wo man dann wieder das Pulver zu Boden fallen laßt, ehe man das darüber stehende Wasser abgießt, damit der Niederschlag soviel als möglich von aller Säure befreit wird. Lezteres wird hierauf auf Filtrirpapier gebracht, in einer geräumigen Stube getroknet, und in einer mit Kork, nicht mit einem gläsernen Stöpsel, verschlossenen Flasche aufbewahrt. Das Pulver ist zuweilen weiß, zuweilen lichtbraun. Zur Füllung der Kappen bedient er sich eines elfenbeinernen Stiftes, der an dem einen Ende zur Aufnahme des Pulvers etwas ausgehölt, an dem anderen Ende flach ist, so daß er in die Kappe paßt. In diese gibt er etwas weniges von dem Pulver, so daß gerade der Boden der Kappe davon bedekt wird, und taucht dann das flache Ende des Stiftes in eine starke Benzöe-Tinktur, so daß es nur etwas davon befeuchtet wird, und drükt es auf das Pulver in der Kappe. sachte dasselbe hin und her drehend, so daß das Pulver dadurch in der Kappe befestigt wird, indem die Tinctur als Firniß auf die Oberfläche des Pulvers wirkt. Bei einiger Uebung kann man in kurzer Zeit eine Menge solcher Kappen fertigen.“

Die Freunde, denen Hr. Wright solche Kappen zum Versuche mittheilte, waren alle damit zufrieden, und zogen sie jenen mit dem gewöhnlichen Knallpulver vor.

Dieses Knallqueksilber muß, wie Hr. Wright in einer Nachschrift bemerkt, in einem Vorhause oder in einem unmeublirten Zimmer unter einem Schornsteine verfertigt werden wegen der salpeterigen Dampfe die sich anfangs entwikeln, und wegen des Salpeter-Aethers, der sich am Ende des Processes bildet. Man kann es mit einer schwachen |463| Benzöe-Tinctur zu einem Teige bilden, und körnen, damit man es bei Forsyths und anderer Gewehrmacher Magazin-Schlössern anwenden kann; es darf aber mit keiner anderen Substanz gemengt werden. (Aus einem Schreiben des Hrn. E. G. Wright an die Herausgeber des Philosophical Magazine und Journal im September Hefte 1823 desselben S. 203. Im Auszuge.

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