Titel: Ueber Verbindung gewisser Metalle mit Guß-Stahl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1823, Band 12, Nr. LXXXVI./Miszelle 5 (S. 463–464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj012/mi012086_5

Ueber Verbindung gewisser Metalle mit Guß-Stahl.

Hr. Fischer, Oberst-Lieutenant der Artillerie zu Schafhausen, sagt, daß wenn man Stab-Eisen, Stahl, und vorzüglich grauen Gußstahl, umgeben von einer Menge Kohle mehrere Stunden lang einem heftigen Feuer aussezt, auf der Oberfläche des flüssigen Metalles sich eine Art von Graphit oder gekohlstofftem Eisen bildet, welches in sehr dünnen, wie Eisenglimmer glänzenden, aber weichen und auf dem Papiere abfärbenden, Schuppen von höchst unregelmäßiger Form zum Vorscheine kommt.

Er nahm 2 Loth künstlichen Graphit, und ebensoviel reine gepülverte Thonerde, und sezte dieses Gemenge in einem gut verkitteten Tiegel eine halbe Stunde lang einem Hizgrade von ungefähr 160° an Wedgewood's Pyrometer aus, bei welchem Hammer-Elsen schmilzt. Nachdem |464| er den Tiegel aus dem Feuer nahm und denselben abkühlen ließ, zeigte sich am Boden desselben ein König oder Korn von einem Lothe im Gewichte, von körnigem Bruche und silberweißer in's Gelbliche ziehenden, Farbe. Das Uebrige war ein schwarzes Pulver, das genau Ein Loth wog und stark nach Schwefel roch.

Der Hr. Verfasser schmolz diesen König noch ein Mahl in einem anderen gut verkitteten Tiegen mit 10 Loth Gußstahl. Nachdem die Mischung in starken Fluß gebracht war, legte er den Tiegel, statt denselben auszugießen, horizontal, wodurch das Metall, da es nicht ausfließen konnte, eine längliche Form annahm. Nachdem der Tiegel vollkommen erkaltet war, zerschlug er ihn, und fand das Metall an seiner Oberfläche krystallisirt in Strahlen, welche aus verschiedenen Mittelpuncten ausfuhren, und sich in den Schlaken, welche das Metall bedekten, abgedrukt hatten. Die Oberfläche dieser Schlaken war wie versilbert, oder vielmehr mit einem Metall-Firnisse überzogen, wie Platinna-Glasur auf Töpfen.

Im Bruche war dieses Metall, das genau 5 1/4 Unzen wog, sehr stark krystallisirt in senkrechten Plättern, wovon die einen glänzend, die anderen matt waren. Es gab unter dem Hammer nach ohne zu brechen, zeigte aber ausserordentlichen Widerstand und Härte. Nachdem es zu einem 11 Zoll langen Stab gestrekt und nur bis zur Braunroth-Hize geglüht und hierauf gehärtet wurde, ward das Korn so fein, daß man es mit freiem Auge nicht mehr unterscheiden konnte. Der Bruch war graulichweiß und jenem des Porzellanes ähnlich. Die Härte, welcher dieser Stahl durch das Temperiren erhielt, war ausserordentlich: er griff den härtesten Stahl an, und widerstand der Einwirkung eines sehr guten Gravir-Meißels. Die polirte Oberfläche überzog sich, wo sie der Einwirkung verdünnter Schwefelsäure ausgesezt wurde, sehr bald mit einer Art von Damascirung; Salpetersäure hingegen machte sie tief grau. Einige aus diesem Stahle verfertigte Federmesser behielten lange Zeit die feinste Schneide.

Hr. Fischer versuchte auch die Stahl-Legierung mit Silber nach Facraday's Methode im Großen. Zu diesem Ende füllte er zwei Tiegel, jeden mit 25 Guß-Stahl. Da er besorgte, daß entweder alles zugesezte Silber oder ein Theil desselben durch die starke Hize verflüchtigt werden könnte, trug er dasselbe, zugleich mit dem Stahle, nur in einen Tiegel ein. Bei dem anderen Tiegel wartete er, bis der Stahl Vollkommen in den Fluß kam, und warf dann das Silber auf den flüssigen Stahl, in welchem es wegen seiner größeren specifischen Schwere augenbliklich zu Boden fiel. Das Gemenge ward mit einem eisernen, mit feuerfestem Tbone überzogenen, Stabe umgerührt, und dann in einen Model gegossen.

Die in beiden Tiegeln enthaltenen, und in dem Ofen abgekühlten Massen wurden unter dem Hammer gestrekt, und zeigten nicht den mindesten Widerstand, und, was merkwürdig ist, sie ließen sich sehr leicht schweißen. (London Journal of Arts. November. 1823. S. 275.)

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