Titel: Crum's Versuche und Beobachtungen über den Indig.
Autor: Crum, Walter
Fundstelle: 1824, Band 13, Nr. XVI. (S. 85–114)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj013/ar013016

XVI. Versuche und Beobachtungen über den Indig, und über gewisse Substanzen, welche sich mittelst Schwefel-Säure aus demselben erzeugen lassen. Von Hrn. Walter Crum.

Aus den Annals of Philosophy. New Series. N. 26. S. 81.33)

An den Herausgeber der Annals of Philosophy.

Mein Herr!

Glasgow, den 1. Jan. 1823.

Man kann den Indig ziemlich rein erhalten, wenn man, nach dem gewöhnlichen Verfahren, die gelbe Flüssigkeit, welche die Blauküpe der Färber bildet, mit gewöhnlicher Luft solang schüttelt, bis der entsäuerte Indig, welcher darin mittelst Kalk-Wassers aufgelöst erhalten wird, wieder seine blaue Farbe erhält, und dann den Niederschlag mit verdünnter Kochsalzsäure digerirt, um das wenige Eisen und den kohlensauren Kalk, welchen er enthält, zu entfernen. In diesem Zustande ist er unter dem Namen niedergeschlagener Indig bekannt, und muß von dem von Bergmann so genannten Pulver unterschieden werden, einer Substanz, auf welche ich in der Folge besonders zurükkommen werde. Er enthält gewöhnlich einen geringen Antheil schwefelsauren Kalk, und, nach Dr. Thomson's Bemerkung, auch etwas Harz, das sich durch Alkohol entfernen läßt.

Man hat lang schon gewußt, daß Indig, wenn er erhizt wird, sich sublimirt. Die erste Erwähnung dieser Erscheinung, die mir bekannt geworden ist34), findet sich in einem Werke |86| über den Calico-Druk (on calico printing), welches O'Brien, ein Muster-Zeichner in London, im J. 1789 herausgegeben hat35) und worin er auch die Methode beschreibt diesen Sublimat aufzusammeln. „Wer neugierig ist „sagt er“ kann den Indig sublimiren, und dadurch Indig-Blumen bekommen, wie man Zink- und Schwefel-Blumen etc. erhält. Bei Versuchen im Kleinen kann dieß in einer gewöhnlichen Flasche an einem gemeinen Feuer geschehen, nur darf das Feuer die Flasche nicht unmittelbar berühren.“

Um diese Blumen zu erhalten, räth Chevreul (Annales de Chemie T. 66. Avril 1808) acht Gran gemeinen gepülverten Indig in einen bedekten Tiegel zu thun, und diesen auf brennende Kohlen zu stellen, worauf der Farbstoff sich in der Mitte des Tiegels kristallisiren wird, und dann nach dem Erkalten mit einer Feder abgewischt werden kann. Ich war nie im Stande auf diese Weise irgend etwas davon zu erhalten; immer ward ein Theil davon entfärbt, und das Ganze lag verdichtet auf der Asche, die ein feines Pulver bildete, von welchem es ohne Verunreinigung nicht abgesondert werden konnte.

Es gelang mir indessen auf eine andere Weise mir in vollkommen reinem Zustande, soviel davon zu verschaffen, als ich zu meinen Versuchen nöthig hatte. Ich bediente mich der Dekel zweier Platinna-Tiegel von beinahe 3 Zoll im Durchmesser, und von solcher Form, daß, wenn ihre hohlen Flächen einwärts gekehrt wurden, sie in der Mitte ungefähr drei Achtel Zoll weit von einander abstanden. Auf die Mitte des unteren trug ich, sehr dünn, zehn Gran niedergeschlagenen Indig auf, nicht in Pulver, sondern in kleinen Klümpchen von ungefähr 1 Gran Schwere; nachdem ich den oberen Dekel darauf gesezt hatte, brachte ich die Flamme einer Weingeist-Lampe unter dem Indig an. In kurzer Zeit zersezte sich derselbe zum Theile, fing an zu schmelzen, und es entwikelten sich purpurfarbene Dämpfe, wie man aus dem Zischen abnehmen konnte, welches dieselben begleitet. Die Hize ward fortgesezt, bis dieses Zischen |87| beinahe aufhörte, worauf die Lampe weggenommen wurde, und man den Apparat kalt werden ließ. Bei dem Abnehmen des Dekels zeigte sich nun der Indig an der inneren Fläche desselben angeflogen, und zuweilen kamen auch einige lange Nadeln am Boden des Apparates vor, die man leicht von dem zurükgebliebenen kohligen Knopfe wegnehmen konnte. Auf diese Weise erhielt ich fast immer achtzehn bis zwanzig Percent des angewendeten Indig eine geringe Menge desselben geht unvermeidlich verloren; ich bin aber überzeugt, daß man auf keine ähnliche Weise um Vieles mehr erhalten kann. Ich habe mehrere Versuche mit Apparaten von verschiedener Form angestellt um diese Substanz mehr im Großen zu bereiten; ich habe aber keine Vorrichtung brauchbarer gefunden, als die so eben beschriebene. Wenn der Dekel kühl gehalten wird, wie z.B. mit einem nassen Tuche, so verdichtet sich kein Indig an demselben. Das Innere des Apparates ist dann verhältnißmäßig kalt, und der Dampf wird verdichtet, bevor er den Dekel erreicht, fällt zurük, oder krystallisirt sich vielmehr auf der Asche. Dieselbe Wirkung hat Statt, wenn sich, statt einer geflossenen Kohle, Asche bildet, und reiner Indig läßt, gestossen, so wie gemeiner unter jeder Form, immer eine gewisse Menge lokerer Masse zurük.

Diejenigen, die sich nicht leicht niedergeschlagenen Indig zum Sublimiren verschaffen können, werden es bequem finden, mit meiner Methode diejenige zu verbinden, welche die HHrn. Le Royer und Dumas neulich im Journal de Pharmacie bekannt gemacht haben. Sie besteht darin, daß man ungefähr 30 Gran gemeinen grob gepülverten Indig auf eine offene silberne Kapsel streut, und der Hize einer Weingeist-Lampe aussezt, bis aller sublimirte Indig sich auf der Oberfläche der Asche gebildet hat. Ich fand, bei Wiederholung dieses Verfahrens, daß zehn Theile gemeinen Indig Einen Theil sublimirten Indig geben, der jedoch weit entfernt ist rein zu seyn. Durch wiederholte Sublimation in meinem Apparate wird er, wegen des Verlustes seiner Unreinigkeiten und einiger Dämpfe, auf die Hälfte reducirt.

Ich werde nun hier beschreiben, was außerdem noch bei |88| der Sublimation Statt hat. Zehn Gran niedergeschlagenen Indigs gaben, in dem beschriebenen Apparate.

1,88 Gran sublimirten Indig.
6,44 Gran blieben als Asche zurük, folglich verflüchtigten sich
1,68 Gran und entwiechen.
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10,00.

Dreizehn Gran desselben Indig, eine Viertel Stunde lang in einem stark roth glühenden kleinen Platinna-Tiegel, der fest, jedoch nicht genau, geschlossen war, gehizt, ließen 7,9 Asche (cinder) zurük, was 61 per Cent gibt.

Um zu sehen, welche Gase sich während dieser Zerstörung des Indigs entwikelten, brachte ich 5,28 Gran davon in eine kleine mit einer Queksilber-Wanne verbundene gläserne Röhre. Nach Anwendung der Hize einer Weingeist-Lampe bildete sich Indig-Dampf, der sich in dem kälteren Theile der Röhre verdichtete, zulezt aber durch wiederholte Anwendung der Hize zerstört wurde. Es kam eine gewisse Menge Wassers in der Röhre zum Vorscheine, und in dem Recipienten fanden sich 0,96. Als man die Röhre abnahm, fand man, daß sie 0,71 Gran an Gewicht, oder 13,5 Percent des angewendeten Indigs verloren hatte. Das Wasser, welches sich gebildet hatte, hatte einen unangenehmen, brennzeligen Ammonium-Geruch. Bei der Analyse des Gases in dem Recipienten fand ich (die atmosphärische Luft in dem Apparate und eine geringe Menge Gas, die in der Röhre zurükblieb, mit in Anschlag gebracht), daß es, bei 100 Theilen Indig, aus

2,8 Kohlensäure,
0,8 gekohlstofftem Wasserstoffgase und Kohlenstoffoxide,
1,9 Stikstoffe bestand.
8,0 der Unterschied zwischen der Summe obiger Bestandtheile und dem Verluste, = 13,5, war Wasser mit etwas Ammonium.
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13,5.

Sublimirter Indig.

Der Indigo sublimirt sich in langen platten Nadeln, welche, wenn man sie stößt, sich leicht in vierseitige Prismen spalten.

Wenn man sie unter einem bestimmten Winkel ansieht, |89| zeigen sie die glänzendste und gesättigste Kupferfarbe; auf Haufen liegend haben sie aber nur ein sattes Kastanien-Braun, so wie man es durch Mischung von sehr wenig Gelb mit starkem, aber tief rothen, Purpur erhält.

Außer in dieser Nadelform kommt diese Substanz auch in Form von Plättchen vor, die viel breiter sind als die Nadeln, und außerordentlich dünn; sie sind zuweilen beinahe in Röhren gewunden. Leztere erscheinen dem unbewaffneten Auge vollkommen undurchsichtig. Ich war indessen über ihr unerwartetes Aussehen unter dem Vergrößerungs-Glase nicht wenig erfreut. Schief angesehen scheinen sie noch immer undurchsichtig und Kupferfarben, wie die Nadeln; wenn man sie aber senkrecht auf die Lichtstrahlen hält, so sieht man, daß sie durchscheinend und wunderschön blau sind, gerade so, wie eine verdünnte Auflösung von Indig, auf welchen Schwefel-Säure gewirkt hat. Das Blau dieser Plättchen, nach der Dike derselben, mehr oder minder satt; zuweilen so, daß man es gerade noch von Weiß zu unterscheiden vermag, zuweilen beinahe schwarz. Die Bronzefarbe, die diese Krystalle zeigen, wenn sie auf Haufen liegen, ist offenbar nur eine Mischung der Kupferfarbe mit diesem Blau.

Der Indig-Dampf ist durchscheinend, und ungemein schön röthlich-violett, und kommt so ziemlich dem Jod-Dampfe ähnlich, von welchem er jedoch durch seine rothe Schattirung hinlänglich unterschieden ist. Die Sublimation hat bei einer Hize von ungefähr 550° F. (230° R. Ue.) Statt; denn der Dampf steigt bei einer geringeren Hize, als der des schmelzenden Bleies, auf, und fordert eine stärkere Hize, als die des schmelzenden Wißmuthes. Auf der rauhen glänzenden Oberfläche des Bleies sah ich einige Krystalle während des Aufsteigens des Dampfes schmelzen; ich habe aber unter keinen anderen Umständen irgend etwas von einem Schmelzen wahrgenommen, bis die Substanz zerstört war. Daher ist der Schmelzpunct des Indigo, sein Verflüchtungspunct, und derjenige, bei welchem er zersezt wird, auffallend nahe bei einander.

Die specifische Schwere des sublimirten Indigs ist 1,35.

Die Krystalle sublimiren sich, wenn sie in offenen Gefäßen erhizt werden, ohne einen Rükstand zu lassen. In verschlossenen |90| Gefäßen ist der Dampf zuerst röthlich violett, wie in der freien Luft; wie aber die Hize zunimmt, nimmt er ein Scharlachroth an, und bevor er ganz zersezt wird, wird er tief scharlachroth und endlich orangefarben: zugleich sezt sich eine gewisse Menge Holzkohle ab.

Einwirkung der Oehle. – Unter den wesentlichen Oehlen löst das Terpenthin-Oehl, bei seinem Siedepuncte, soviel Indig auf, daß es davon die schöne violette Farbe des Indig-Dampfes erhält; sobald aber die Temperatur nur etwas vermindert wird, reicht dieß hin, allen Indig niederzuschlagen. Die festen Oehle und fettigen Substanzen, die auf einen höheren Grad von Hize gebracht werden können, äussern eine mehr kräftige Wirkung auf den Indig. Keines derjenigen, die ich davon versuchte, wirkt bei der Hize des siedenden Wassers auf denselben; wenn aber die Hize vermehrt wird, lösen sie ihn allmählich auf, und erhalten die Farbe des Indig-Dampfes in einem tieferen Tone, als das Terpenthin-Oehl. Wenn die Auflösung zu dieser Zeit abgekühlt wird, so schlägt sich der Indig blau nieder. Je länger die Hize fortgesezt wird, desto mehr Indig wird aufgelöst; allein die Farbe der Auflösung fängt an sich zu verändern; sie neigt sich allmählich in das Karmesinrothe, und hat dann angefangen zerstört zu werden. Wenn die Auflösung jezt kalt wird, wird die Farbe grün; noch mehr fort erhizt aber stark karmesinroth, dann orangefarben, und zulezt, bei gänzlicher Zersezung, gelb, welche Farbe sie nun auch bei dem Erkalten behält.

Bestimmung der lezten Bestandtheile des Indigs.

Der Apparat, dessen ich mich zur Analyse des Indigo mit Kupfer-Peroxid bediene, besieht bloß aus einer 7 Zoll langen und 3/8 Zoll weiten Röhre aus grünem Glase, die an einem Ende geschlossen, an dem anderen mittelst einer kleinen gekrümmten Röhre, die mit der vorigen durch eine fest gebundene Kautschuk-Röhre verbunden ist, mit einer Queksilber-Wanne in Verbindung steht.

Der Indig wird zuerst mit einer gewissen Menge Kupfer-Peroxid abgerieben, und, nachdem er so in die Glasröhre gefüllt wurde, mit einer anderen Portion Kupfer-Peroxid bedekt, |91| und endlich mit etwas metallischen Kupfer, welches aus seiner schwefelsauren Auflösung durch eine Zinkplatte niedergeschlagen wurde, und in einem geschlossenen Gefäße geglüht. Zulezt fülle ich den noch übrigen Raum, (ungefähr ein paar Zoll) mit einem Stük-Glasröhre aus, das an beiden Enden geschlossen ist, und so ziemlich in die andere Röhre paßt. Dadurch werden die Materialien an ihrer Stelle erhalten, und die Menge der in dem Apparate enthaltenen atmosphärischen Luft wird soviel als möglich vermindert. Hierauf wird die Röhre mit drei Wein-Geist-Lampen erhizt, wovon zwei das metallische Kupfer und das reine Peroxid in Rothglüh-Hize erhalten, während die dritte allmählich jenen Theil der Röhre durchdringt, welcher den Indig enthält.

Als ich diese Versuche anfing, brauchte ich die gewöhnliche Vorsicht, das Kupfer-Peroxid unmittelbar vor dem Gebrauche zur Rothglüh-Hize zu bringen. Ich fand indessen bald, daß, bevor ich mit dem Abreiben des Pflanzenstoffes mit demselben fertig werden, und die Mischung in die Glasröhre eintragen konnte, es eine Menge Wassers aus der Luft angezogen hatte, welche nach dem verschiedenen hygrometrischen Zustande der Atmosphäre, und der Länge der Dauer der Arbeit verschieden war. Es fiel mir dann ein, daß aller aus dieser Quelle entstehenden Täuschung dadurch abgeholfen werden kann, daß ich dem Peroxide gestatte sich mit Feuchtigkeit zu sättigen, indem ich dasselbe der Luft frei ausgesezt lasse, und bei jeder Analyse (wenigstens wenn der Zustand der Atmosphäre sich änderte), 150 Gran davon in einem kleinen Platinna-Tiegel, der gerade so viel faßt, eindrüke, in einem anderen Tiegel bis zur dunklen Rothglüh-Hize glühe, und den Verlust an Gewicht, ohne Abnahme des Dekels, bestimme.36)

|92|

Auf diese Weise habe ich mehrere Analysen des Indigo gemacht, die sehr wenig von einander abweichen. Ich wähle die folgende, da sie beinahe das mittlere Verhältniß der übrigen gibt.

Analyse. – Ein Gran sublimirter Indig wurde mit 90 Gran Kupfer-Peroxid abgerieben. 25 Gran wurden noch überdieß in der Röhre auf ihn gelegt, und über diese kamen noch 30 Gran metallisches Kupfer. Diese Substanzen enthielten 0,11 Gran Wasser.

Nach der Operation hatte die Röhre 3,17 Gran im Gewichte verloren, wovon, da der Indigo 1 Gran wog, und 0,11 Wasser dem Kupfer angehörten, 206 Gran Sauerstoff gewesen seyn müssen, welchen das Peroxid lieferte. Das Gas in dem Recipienten betrug 6,46 Cubiczoll, bei mittlerer Temperatur und mittlerem Druke. Davon verschlang die Pottasche 5,82 Cubiczoll, und ließ einen Rükstand von 0,64 Cubiczoll.

Dieser Rükstand bestand aus der gewöhnlichen atmosphärischen Luft des Apparates, und aus dem in den Indigo enthaltenen Stikstoff. Wenn man die Mündung der Röhre, so wie ich that, mit einem runden Stüke Glas füllt, und sich einer sehr kleinen Leitungs-Röhre bedient, so bleibt kaum ein leerer Raum in dem Apparate übrig; allein, da das Kupfer-Peroxid eine sehr lokere Substanz ist, und sich leicht in die Röhre einschütteln läßt, so hält sie, wenn sie nicht eingedrükt wird, eine sehr bedeutende Menge Luft in sich eingeschlossen. In der Voraussezung, daß diese Menge bloß eine Kleinigkeit betrüge, hat man diesen Umstand öfters gänzlich vernachlässigt, und noch öfters nur soviel als möglich dadurch ausgetrieben, daß man, vor Anfang des Versuches, nur einen Theil der Röhre erhizte, und das, was zurükblieb, gänzlich vernachläßigte. |93| Eine sehr leichte und einfache Methode den Betrag derselben mit Genauigkeit zu bestimmen, ist diese, daß man die Analyse irgend eines Pflanzenstoffes, z.B., des Zukers, der keinen Stikstoff enthält, in demselben Apparate und in derselben Menge von Materialien vornimmt. Hier geht nichts als Kohlensäure in den Recipienten über, und mit dieser die ganze Menge der in dem Apparate enthaltenen Luft. Wenn erstere von Pottasche verschlungen wird, so läßt sie eine Menge atmosphärischer Luft zurük, die genau derjenigen bei dem anzustellenden Versuche mit dem Indigo gleich ist; die Differenz zwischen dieser und dem ganzen Rükstande des aus dem Indigo enthaltenen Gases ist demnach Stikstoff. Ich fand auf diese Weise, daß der Apparat, dessen ich mich bediente, 0,26 Cubic-Zoll atmosphärische Luft enthielt, welche, abgezogen von dem gesammten Rükstande, nachdem die Pottasche das kohlensaure Gas verschlungen hatte, nämlich von 0,64,0,38 Cubiczoll, oder 0,1126 Gran Stikstoff, als die Menge die davon in Einem Grane Indigo enthalten ist, zurükließ. Diese Methode, so wie jene, die Menge des in dem Kupfer-Peroxide enthaltenen Wassers zu schäzen, habe ich dem Dr. Ure mitgetheilt, als ich ihm das Daseyn des Wasserstoffes im Indigo bekannt machte.

Die 5,82 Cubiczoll kohlensaures Gas + 0,08, welche, wie Ich fand, in dem Apparate zurükgeblieben waren, sind = 5,9 und dieß gibt, den Wasserdunst mit in Anschlag gebracht,

Textabbildung Bd. 13, S. 93

Cubiczoll trokenes kohlensaures Gas, welches aus 0,7322 Gran Kohlenstoff und 1,952 Gran Sauer-Stoff besteht. Allein, 2,06 Gran Sauerstoff wurden von dem Kupfer-Peroxide genommen, was 0,103 Gran mehr ist, als zur Verbrennung des Kohlenstoffes nöthig war. Dieß zeigt nun 0,0135 Gran freien Wasserstoff37). Der Ueberrest ist Sauer-Stoff |94| und Wasserstoff in dem Wasserbildungs-Verhältnisse. Daher besteht der Indig aus

Kohlenstoff 73,22
Stikstoff 11,26
Sauerstoff 22,60
Wasserstoff 2,92
––––––
100

Diese Zahlen correspondiren so ziemlich mit

1 Atom Stikstoff 1,75 oder 10,77
2 Atomen Sauerstoff 2,00 – 12,31
4 Atomen Wasserstoff 0,50 – 3,08
16 Atomen Kohlenstoff 12,00 – 7,384
–––––––––––––––
16,25 – 100,00

Das am Ende des Versuches in dem Apparate zurükgebliebene Gas wurde durch Hizung derselben Röhre mit einer gleichen Menge Kupfer-Peroxid ohne organische Materie bestimmt, in dem man bemerkte, wie viel Luft in den Recipienten übergetrieben wurde. Die Differenz zwischen dieser Menge von Luft, und der ganzen Menge der bei dem Versuche mit Zuker gefundenen Luft, kommt jener des übrig bleibenden Gases so ziemlich nahe. Die Temperatur des Gases bei der Messung desselben war 58°; Barometer-Stand 29,1 Zoll.

Auch mit gut getroknetem niedergeschlagenen Indig habe ich mehrere Analysen vorgenommen, und abgesehen von einer geringen Menge darin enthaltenen schwefelsauren Kalkes, erhielt ich Resultate, welche vollkommen mit der Analyse des sublimirten Indigo übereinstimmten. Ich finde auch, daß andere Körper |95| auf diese beiden Substanzen auf dieselbe Weise wirken. Die verschiedene Einwirkung der Hize auf dieselben hängt offenbar von einer kleinen Verschiedenheit in der mechanischen Anreihung ihrer Theilchen ab.

Brugnatelli schlug vor, diesen Sublimat Indigogen zu nennen, weil, wenn man ihn mit dem Sazmehle der Pflanze verbindet, er den gemeinen Indig bildet. Allein, eine solche Nomenklatur darf in der Chemie nicht gestattet werden. Man mußte, nach eben diesem Grundsaze, die Pottasche Potassogen nennen, weil sie, verbunden mit gewissen fremdartigen Körpern, rohe Pottasche bildet. Derselbe Chemiker betrachtet diese Substanz als ein Metall, indem, wie Hr. van Mons uns versichert, (Annals of Philosophy, VI. 75) nach seiner Erfahrung sich dieselbe mit Queksilber amalgamiren läßt. Döbereiner wiederholte diesen Versuch des Brugnatelli, und erzeugte nicht bloß ein Amalgam, sondern, was noch wunderbarer ist, erhielt, als er dasselbe in eine Auflösung von salpetersaurem Silber brachte, Krystalle in der Form einer Artischoke, welche eine Legirung des Indigo-Metalles mit Silber waren. In Folge dieser Angaben versuchte ich mehrere Mahle sublimirten Indigo sowohl nach Döbereiner's Verfahren, als nach anderen Methoden, von welchen ich noch ehe ein Gelingen erwarten konnte, zu amalgamiren: immer vergebens. Ich konnte in keinem Falle die mindeste Veränderung in der Flüssigkeit des Queksilbers wahrnehmen.

Wirkung der Schwefelsäure auf den Indig.

Wenn der Indig mit concentrirter Schwefelsaure digerirt wird, erleidet er bekantlich eine bedeutende Veränderung, und wird in eine eigene blaue Substanz verwandelt, die vom Indigo ganz verschieden ist, mit welcher das Sächsisch-Blau gefärbt wird.

Die Chemiker haben bisher so wenig auf diese Substanz geachtet, daß keiner daran dachte, derselben einen eigenen Namen zu geben. Ich will es wagen, den Namen Caerulin 38) dafür vorzuschlagen, wegen der Farbe der Auflösung.

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Die Verbindung der blauen Substanz mit der Schwefel-Säure ist eine Halbflüssigkeit, welche eine bedeutende Menge Wassers zu ihrer Auflösung fordert. Wenn man vor dem Filtriren dieser Auflösung Pottasche zusezt, so bildet sich ein tiefblauer Niederschlag. ES wunderte mich indessen, da ich diesen Versuch anstellte, zu sehen, daß der Niederschlag eben so häufig fiel, als noch nicht der vierte Theil der Säure gesättigt war, wie da die Auflösung bereits ganz neutral geworden ist. Einer anderen Portion dieser Auflösung sezte ich Pottasche zu, die vorher mit Schwefelsaure gesättigt wurde, und sah daß derselbe Niederschlag sich bildete, wie wenn ich Pottasche allein nahm39). Ich brachte den Niederschlag auf das Filtrum, und süßte ihn mit Wasser aus, um zu sehen, ob es der reine Färbestoff war, der sich auf diese Weise abschied. Bei dem ersten Absüßen ging nicht viel Niederschlag davon; bei dem zweiten verminderte er sich indessen bedeutend; und verschwand beinahe gänzlich, als das dritte Absüßwasser zugegossen wurde.

Um die Ursache dieser vermehrten Auflösbarkeit zu entdeken, bereitete ich mir eine gesättigte Auflösung von schwefelsaurer Pott |97| Asche in Wasser, gab etwas weniges von der blauen breiartigen Substanz, die auf dem Filtrum zurük blieb, in dieselbe, und schüttelte sie mit dieser gehörig durch. Die Auflösung blieb durchaus farbenlos. Dasselbe war auch der Fall, wenn ich kochsalzsaure, essigsaure Pottasche, oder irgend ein anderes Pottasche-Salz anwendete. Auch Alkohol und Aether lösten diese Substanz nicht auf. In reinem Wasser jedoch löste sich dieselbe auf der Stelle auf, und bildete dieselbe tief blaue Auflösung, die durch das Filtrum lief.

Es schien also bloß nöthig, etwas Pottasche-Salz in Wasser aufzulösen, um das Wasser zum Aussüßen dieser Substanz, ohne daß es etwas von derselben auflösen kann, tauglich zu machen. Ich fand die essigsaure Pottasche außerordentlich brauchbar zu diesem Zweke, da dieses Salz noch den Vortheil vor der kochsalzsauren oder schwefelsauren Pottasche voraus hat, daß es aus einer schwachen Auflösung in Wasser nicht, wie diese, durch Alkohol niedergeschlagen wird. Man kann es das her in der Folge beim Waschen mit Alkohol gebrauchen.

Diese Aussüßungen mit essigsaurer Pottasche wiederholte ich so oft an einer gewissen Menge des Niederschlages, den ich jeder Zeit vom Filtrum nahm und in einer Flasche Mit dieser Flüssigkeit schüttelte, daß nicht 1/5006 eines Granes der ursprünglich auflöslichen Materie zurükbleiben konnte. Die schwache Auflösung von essigsaurer Pottasche wusch ich so gut als möglich mit Alkohol weg ohne daß ich jedoch im Stande gewesen wäre alle Spuren von Salz wegzubringen, obschon ich den Alkohol etwas verdünnt anwendete. Die Kleinigkeit, die davon zurükblieb, konnte leinen materiellen Einfluß auf die Versuche äußern, die ich damit anstellte.

Wenn ein Theil der, auf diese Weise zubereiteten, Substanz in einem großen Platinna-Tiegel gebrannt wurde, so ließ er eine bedeutende Menge etwas röthlicher Asche, welche sich beinahe gänzlich im Wasser auflöste, zurük. Dasjenige, was zurükblieb, war von tief rother, oder vielmehr von brauner Farbe, und hauptsächlich Eisen-Oxid. Die Auflösung der Asche war durchaus nicht alkalisch; sie gab nur kochsalzsaurer Schwer-Erde einen dichten weißen Niederschlag; einen sehr leichten mit |98| sauerkleesaurem Ammonium, und mit schwefelsaurer Thonerde bildeten sich in wenigen Stunden große Alaun-Kristalle. Sie war schwefelsaure Pottasche. Um allen Zweifel zu beseitigen, daß der Niederschlag hinlänglich ausgewaschen wurde um alles von demselben wegzuschaffen, was nicht wirklich in den angewendeten Auflösungs-Mitteln unauflösbar war, und folglich auch die schwefelsaure Pottasche, wenn diese Substanz nicht chemisch mit den, Cärulin verbunden war, mischte ich eine große Menge Kochsalzsäure mit der ursprünglichen Auflösung in Schwefelsäure, und bildete mit kochsalzsaurer Pottasche einen Niederschlag. Nachdem ich denselben, wie vorher, mit einer Auflösung von essigsaurer Pottasche, und hierauf mit Alkohol gewaschen hatte, fand ich, daß die Auflösung der Asche nach dem Verbrennen der Substanz mit kochsalzsaurer Schwererde Anzeigen von Ueberfluß von Schwefelsaure gab, während mit salpetersaurem Silber kein Niederschlag erschien; nur eine Menge kleiner glänzender Kristalle allein sezte sich nach einiger Zeit ab, und diese waren schwefelsaures Silber.

Nach diesen Thatsachen trage ich keinen Anstand zu schliessen, daß dieser Niederschlag eine Verbindung von Cärulin mit schwefelsaurer Pottasche ist. Dieses Salz bildet mehr als den vierten Theil des Gewichtes desselben. Man kann es daher Cäruleo-schwefelsaure Pottasche (cäruleo-sulfate of potash) nennen.

Auch die Soda-Salze bilden Niederschläge in der Auflösung des Cärulin mit Schwefelsäure, und diese sind gleichfalls in Auflösungen von Pottasche oder Soda unauflösbar, obschon sie in einem gewissen Grade in reinem Wasser auflösbar sind. Erhizt lösen sich diese cäruleo-schwefelsauren Salze selbst in Auflösungen ihrer Salze auf. Beim Erkühlen fällt der größte Theil wieder in schwärzlichen Körnern nieder; ein Theil hiervon bleibt indessen aufgelöst. Die Soda-Verbindung ist offenbar mehr auflösbar, als jene mit Pottasche. Die Absüß-Wasser des ersteren Niederschlages mit einer kalten Auflösung feiner essigsauren Verbindung sind etwas mehr gefärbt, als jene des Pottasche-Niederschlages mit seiner essigsauren Verbindung bei gleicher Stärke. Diese leztere Substanz ist gänzlich unauflösbar in Wasser, welches ein pr. Cent. essigsaure Pottasche, oder selbst |99| nur ein halbes pr. Cent. nach zwei oder drei Aussüßungen enthält. Ich bediente mich gewöhnlich einer Auflösung von zwei Theilen trokener essigsaurer Soda in 100 Theilen Wasser, und man kann soviel von dieser Flüssigkeit anwenden, als man will, ohne daß die Menge der Substanz dadurch auf eine materielle Weise vermindert würde.

Auch die Ammonium-Salze bilden gleichfalls Niederschläge in der schwefelsauren Auflösung des Cärulin, wenn sie nicht sehr verdünnt sind. Der Niederschlag löst sich leicht in heißen Auflösungen der Ammonium-Salze auf, und scheidet sich beim Erkalten wieder ab, wobei die ganze Masse gerinnt. Ich glaube diese Substanz ist eine Verbindung von Cärulin mit schwefelsaurem Ammonium, nach der Menge des Salzes zu urtheilen, welche ich in demselben auch dann noch fand, wenn er so gut wie möglich ausgewaschen war. Sie ist indessen viel auflöslicher als die cäruleo-schwefelsaure Pottasche und Soda, und kann daher nicht so frei ausgewaschen werden, wie diese Verbindungen feuerbeständiger Alkalien. Pottasche und Soda und ihre Salze zersezen sie. Sie löst sich in großer Menge in siedendem reinen Wasser auf, und in 40–50 Theilen kalten. Sie besizt dieselben allgemeinen Eigenschaften, wie die mehr unauflöslichen Verbindungen.

Eine analoge Verbindung mit Schwererde läßt sich durch Zersezung der cäruleo-schwefelsauren Pottasche mittelst kochsalzsaurer Schwererde bilden. Die dadurch entstehende Verbindung ist äußerst unauflösbar. Ein häufiger blauer Niederschlag bildet sich auf diese Weise in Auflösungen von cäruleo-schwefelsaurer Pottasche, die so wenig Schwefelsäure enthalten, daß sie nicht im Mindesten von einem Baryt-Salze getrübt werden, wenn das Cärulin vorläufig durch Salpeter-Säure zerstört wurde.

Aehnliche Verbindungen lassen sich auch mit anderen Basen bilden, deren schwefelsaure Verbindungen schwer im Wasser auflösbar sind; ich habe sie aber nicht besonders untersucht.

Die bittererdigen Salze vermögen nicht das Cärulin aus seinen Auflösungen niederzuschlagen. Man kann alle Schwefelsäure in der ursprünglichen Auflösung mit Bittererde sättigen, ohne daß ein Niederschlag sich bildet.

|100|

Cäruleo-schwefelsaure Pottasche.

Diese Substanz ist, wo sie mit Wasser befeuchtet wird, so tief blau, daß sie durchaus schwarz erscheint: troken hat sie eine starke glänzende kupferrothe Farbe. Bei durchfallendem lichte ist sie blau. Sie zieht das Wasser aus der Luft mit großer Schnelligkeit an: in zwei Stunden zog eine getroknete Portion derselben ein Zehntel ihres Gewichtes davon an.

In heißem Wasser ist sie in einem beträchtlichen Grade auflösbar. Kaltes Wasser nimmt 1/40 seines Gewichtes von derselben auf, und bildet eine so tief gefärbte Auflösung, daß, wenn diese mit 20 Theilen Wasser in einer Flasche von Einem Zoll im Durchmesser verdünnt wird, sie kaum noch durchscheinend erscheint. Wasser in einem Weinglase, welches 1/500000 seines Gewichtes von dieser Substanz enthält, ist deutlich blau gefärbt.

Die gesättigte Auflösung wird durch Brunnenwasser gefällt, und durch jede Flüssigkeit die ich versuchte, nur nicht durch destillirtes Wasser. Hieraus erhellt, daß die bloße Gegenwart irgend einer fremdartigen Substanz in reinem Wasser die Auflösbarkeit derselben mächtig vermindert.

Wenn die Auflösung mit 20 Theilen reinen Wassers verdünnt wird, so ist sie noch immer durch Auflösungen von Pottasche und Soda-Salzen, Kalk-Schwererde-Strontian, Blei und Queksilber-Salzen fällbar. Ein Zusaz von Schwefel- oder Kochsalz-Säure löst diese Niederschläge nicht wieder auf. Als kein weder Ammonium, noch irgend ein Ammonium Salz, schlägt diese schwache Auflösung nieder. Kein bittererdiges, kein Zink- oder Kupfersalz noch die Auflösungen von Alaun, schwefelsaurem Braunsteine, Zinn-Permuriat, Eisen-Proto- oder Persulfat, oder von salpetersaurem Silber zersezen sie. Sie wird von keiner Säure gefällt, und eben so wenig von Galläpfel-Aufguß oder von reiner Gallerte. Alkohol und Aether fallen die schwache wässerige Auflösung nicht, obschon sie nichts von der trokenen Substanz auflösen. Cäruleo-schwefelsaure Pottasche löst sich leicht in concentrirter Schwefelsäure auf, aber nicht in concentrirter Kochsalzsäure.

Wenn man Zinn-Chlorid der Auflösung dieser Substanz beimischt, so wird die Farbe derselben augenbliklich in Gelb |101| verwandelt. Dieses gelbe Product ist im Wasser nicht sehr auflöslich, und sezt man irgend einen anderen Körper, der derselben Sauerstoff mittheilen kann, derselben zu, wie ein Kupfersalz, so wird sie wieder blau.

Wenn man Hize auf die blaue Substanz einwirken läßt, so schmilzt sie nicht; sie gibt keine purpurfarbenen Dampfe, und, da sie durch den salzigen Stoff geschüzt wird, so wird eine lang angewendete, starke Hize nothwendig, um sie in Asche zu verwandeln.

Wenn man leuchtende Gegenstände, wie die Sonne oder den Mond, oder die Flamme einer Kerze, durch die blaue Auflösung dieser Substanz ansieht, und diese den gehörigen Grad von Sättigung der Farbe besizt, so erscheinen sie sehr schön und reich scharlachroth. Es verdient bemerkt zu werden, daß, wenn man nur einen einzigen Tropfen salpetersaures oder schwefelsaures Kupfer in eine bestimmte Menge dieser Auflösung fallen läßt, diese Gegenstände, wenn man sie durch dieselbe ansieht, blau erscheinen, obschon das Aussehen der Flüssigkeit im Allgemeinen nicht im Mindesten dadurch verändert wurde. Zink bringt dieselbe Wirkung, obschon nicht so kräftig, hervor. Jede Säure stellt in diesen Mischungen die Eigenschaft, leuchte de Körper roch durchscheinen zu lassen, wieder her, außer wann viel Kupfer zugesezt wurde, wodurch die Flüssigkeit selbst grün wird.

Sir Davy40) war der Erste, welcher entdekte, daß ein Pflanzenstoff die Eigenschaft besizt in Verbindung mit gewissen Neutral-Salzen sich zu fällen, die an und für sich im Wasser auflösbar sind. Kohlensäure Pottasche und Soda und kohlensaures Ammonium und Zinn- und Eisen-Chlorid gehören unter diejenigen Substanzen, welche dieser Naturforscher unzersezt in Verbindung mit Gärberstoff in den durch diese Salze in einem Aufgusse von Galläpfeln gebildeten Niederschlägen gefunden hat. Es scheint, daß Cärulin eine ähnliche Rolle spielt, wenigstens mit den schwefelsauren Salzen. Ich weiß indessen nicht, daß irgend ein Chemiker bisher irgend eine Substanz beschrieben hätte, |102| welche die Eigenschaft besizt, die der von mir hier abgehandelten zukommt, nämlich diese, daß sie in reinem Wasser auflöse bar ist, nicht aber in Auflösungen von Neutral-Salzen, welche keine Veränderung in derselben hervorbringen. Im gemeinen Leben scheint man indessen lang schon eine Idee von dieser sonderbaren Thatsache gehabt und darnach gehandelt zu haben. Diejenigen, welche gedrukte Kleider, vorzüglich dunkle und solche die keine sehr haltbaren Farben haben, waschen, spülen sie in einer Auflösung von gemeinem Salze, oder wenigstens in sehr hartem Wasser aus, ehe sie dieselben zum Troknen aufhängen. Das Salz, sagen sie, befestigt die Farbe, und hindert dieselbe sich über das Weiß zu verbreiten, was immer geschieht, wenn man die Kleider an einem kühlen Orte, ohne eine solche Eintauchung, troknen läßt.

Ueber die Erscheinungen, welche während der Bildung des Cärulins Statt haben.

Einige Erscheinungen, welche die Einwirkung der Schwefelsäure auf den Indig begleiten, wurden von verschiedenen Chemikern angegeben. Bergmann bemerkte im Jahre 1776, daß, wenn Indig in Pulver-Form auf Schwefelsäure gestreut wird, grünliche Wolken entstehen, die durch Zusaz eines Tropfens Wasser blau werden41). Er sezte bei, daß dasselbe, nur aber langsamer, auch ohne Wasser geschieht. Haussmann, zu Colmar,42) bemerkte, daß die Säure, wenn sie mit Indigo in Berührung kommt, zuerst grünlich gelb, dann tief grün, und endlich blau wird. Dieser Herr bemerkte zugleich, daß das Aufbrausen und die Entwikelung von schwefelsauren Dampfen, die man immer bei Bildung der blauen Mischung bemerkt, keinen Zweifel übrig läßt, daß die Säure eine Wirkung auf die Theilchen des Indigo äußert, und daß wir uns irren würden, wenn wir dieß als bloße Auflösung des unveränderten Indigo betrachten würden. Berthollet, in seinem trefflichen Werke über Färberei,43) betrachtet die Veränderung, die hier Statt |103| hat, als eine Art von Verbrennung; die Schwefelsäure gibt dem Indigo Sauerstoff, und wird dadurch in schwefelige Säure verwandelt. Dr. Bancroft, dessen Werk bald nach jenem von Berthollet erschien, betrachtet die Auflösung als gesäuerten Indig mit Schwefelsaure verbunden. Daher nannte er sie schwefelsauren Indig44).

Soweit reicht, soviel mir bekannt ist, das Gebieth unseres Wissens, oder vielmehr unserer Meinungen, über diesen Gegenstand. Ich will hier die Erscheinungen angeben, die ich selbst während dieses Processes wahrgenommen habe.

Wenn Indig in Schwefelsaure gethan wird, wird er aufgelöst, und die Säure nimmt eine gelbe Farbe an. Wenn diese Auflösung in Wasser getröpfelt wird, wird sie auf der Stelle blau; allein, die auf diese Weise erzeugte Substanz ist durchaus nicht einerlei mit jener, welche sich nach einiger Zeit ohne Beihülfe des Wassers bildet. Es ist durchaus unveränderter Indigo, der sich niederschlagt, und die Schwefelsäure vollkommen ungefärbt läßt. Wenn die gelbe Auflösung der freien Luft in einem Uhrglase eine kurze Zeit über ausgesezt wird, stellt sich die blaue Farbe auf dieselbe Weise wieder her und der Indigo fällt zu Boden. Diese Erscheinung ist nicht der Einwirkung der Luft, sondern bloß der Einsaugung der Feuchtigkeit zuzuschreiben.

Wenn diese beiden Substanzen mit einander verbunden werden, so entsteht eine bedeutende Vermehrung der Wärme. Es ist kaum zu zweifeln, daß dieß von der Schwefelsäure herrührt, welche die im Indigo enthaltenen 14,3 pr. Cent. Wasser anzieht, und sich damit verbindet.

Wenn man oben erwähnte gelbe Auflösung ohne Verdünnung stehen läßt, so wird sie in einigen Stunden blau; dieß geschieht ohne alle Beihülfe der atmosphärischen Luft, wie ich bei einem Versuche in einer kleinen Flasche fand, deren Mündung ich zusiegelte, sobald ich die beiden Materialien in derselben mit einander gemengt hatte. Wegen der Dunkelheit der Flüssigkeit kann diese Veränderung der Farbe nur an dem dünnen |104| Häutchen wahrgenommen werden, welches den leeren Theil der Flasche benezt, wenn man sie rüttelt.

Alle Chemiker, welche von diesem Processe sprachen, erwähnen der Bildung der schwefeligen Saure während der Auflösung des Indigo, und schloßen, indem sie dieselbe der Einwirkung des Indig selbst auf die Säure zuschrieben, ganz natürlich, daß diese Substanz auf Kosten der Säure gesäuert wurde. Allein diese Chemike stellten ihre Versuche bloß an dem im Handel vorkommenden käuflichen Indigo an, an einer Substanz, die mehr als die Hälfte ihres Gewichtes Unreinigkeiten enthält, welche großen Theils Pflanzenstoff sind. Ich habe gefunden, daß diese Unreinigkeiten allein es sind, welche die Säure zersezen; denn während der Auflösung des sublimirten Indigo kann man keine Spur von schwefeliger Säure entdeken, wenn man gleich Stunden lang die Hize des siedenden Wassers einwirken läßt. Auch hat keine Bildung von Unterschwefelsäure (hyposulfuric acid) Statt; denn wenn eine solche vorhanden wäre, so müßte sie durch die Hize, welcher die Flüssigkeit ausgesezt war, zersezt werden, oder selbst schon durch die Gegenwart der concentrirten Schwefelsäure allein, in welchem Falle sich schwefelige Säure entwikelt haben würde.

In weniger dann 24 Stunden ist der Indigo, wenn ein geringer Grad von Hize dabei angewendet wird, gänzlich in Cärulin verwandelt, und wenn man Wasser beimischt, so läuft es durch das Filtrum, ohne irgend einen Rükstand zu lassen.

Bestandtheile des Cärulin.

Da während der Bildung des Cärulines weder Erzeugung von Schwefelsäure, noch Absorption der Luft Statt hat, so ist es klar, daß keine Oxidation weder des vorläufig in dem Indigo enthaltenen Kohlenstoffes noch des Wasserstoffes geschehen kann. Da während dieses Processes kein Kohlenstoff abgesezt, kein Gas entwikelt wurde, so dient dieß zugleich auch als Beweis, daß der Stikstoff in der neuen Substanz in demselben Verhältnisse zu dem Kohlenstoffe vorhanden ist, wie in dem Indigo. Daß Schwefelsäure keinen Bestandtheil derselben bildet, ist aus dem Umstande einleuchtend, daß beinahe jedes schwefelsaure Salz dieselbe fällt, und keine neue Schwefelsäure mit sich zu Boden nimmt. Es ist also bloß in der Menge des damit verbundenen |105| Wassers eine Veränderung möglich, und, um zu bestimmen, ob in diesem Falle dem Indigo Wasser entzogen oder zugesezt wurde, war es nur noch nöthig eine gegebene Menge dieser Substanz in Cärulin zu verwandeln, und das Product zu wägen, wie Hr. de Saussure mit dem Stärkmehl-Zuker gethan hat. Indessen gibt es hier Schwierigkeiten, welche hindern, daß man einen solchen Versuch mit irgend einer Genauigkeit anstellen kann; vorzüglich ist es die große Menge der mit dem Produkte nothwendig verbundenen Schwefelsäure, und die Auflösbarkeit dieser Substanz in Wasser. Ich habe mich begnügt die cäruleo-schwefelsaure Pottasche mit Kupfer-Peroxid zu analysiren, nachdem ich durch Einäscherung so genau als möglich die Menge des in derselben enthaltenen salzigen Stoffes bestimmte. Da aber dieß nicht mit absoluter Präcision geschehen kann, indem ein geringer Antheil Säure mit dem Pflanzenstoffe verloren geht, so sind meine Resultate, vorzüglich in Hinsicht auf den Wasserstoff, durchaus nicht so gleichförmig ausgefallen, wie jene, welche ich bei meiner Analyse des Indigo erhielt. Alles, was in diesem Falle wirklich nothwendig ist, ist die Menge Kohlenstoffes zu bestimmen, was mit geringer Gefahr eines Irrthumes geschehen kann. Das, was noch abgeht, wenn man dem Kohlenstoffe das Verhältniß von Stikstoff und freiem Wasserstoffe im Indigo zugezahlt hat, ist Wasser.

Diesem zu Folge troknete ich eine bestimmte Menge der blauen Substanz bei einer Hize von 212° F. (81° R. Ueb.) in luftleerem Raume, und nachdem ich sie so schnell als möglich gewogen hatte, sezte ich sie eine Nacht über der Luft aus, und bemerkte die Zunahme des Gewichtes von der Feuchtigkeit, die sie angezogen hatte. Ein Theil davon ward zu Asche gebrannt. Ein anderer Theil wurde mit Kupfer-Peroxid abgerieben, und die dadurch erzeugte Kohlensäure über Queksilber aufgefangen. Auf diese Weise fand ich, daß Ein Gran reines Cärulin 4,5 Cubikzoll trokenes kohlensaures Gas lieferte, was 0,5718 Gran Kohlenstoff gleich ist, wo man 0,12708 Gran Kohlenstoff auf ein Cubikzoll Gas rechnet. Die Bestandtheile dieser Substanz sind folglich |106|

Kohlenstoff 57,18
Stikstoff 8,79
Sauerstoff 29,32
Wasserstoff 4,71
––––––
100,00

Dieß kommt dem Indigo + 4 Wasser so nahe, daß man kaum zweifeln kann, daß dieses seine Zusammensetzung ist.

1 Atom Stikstoff 1,75 oder 8,43
6 Atome Sauerstoff 6,00 – 28,92
8 Atome Wasserstoff 1,00 – 4,82
16 Atome Kohlenstoff 12,00 – 57,83
––––––––––––––
20,75 – 100,00

Ich fand durch Versuch, daß die Menge Stikstoff im Verhältnisse zu dem Kohlenstoffe dieselbe ist, wie im Indigo; da aber alle meine Versuche zur Bestimmung der Menge des freien Wasserstoffes mißlangen, so wollte ich lieber alle Zahlen nach dem Kohlenstoffe durch Berechnung aus der Analyse des Indigo angeben, weil diese mehr Präcision erlaubt. Die Hize einer Weingeist-Lampe ist für die Analysen der meisten Pflanzenstoffe, die nicht mit salzigem Stoffe gemengt sind, hinreichend; bei dem Cärulin ist es aber nothwendig, die ganze Rothglühhize eines Holzkohlen-Feuers zur gänzlichen Verbrennung desselben mit dem Kupfer-Peroxide anzuwenden.

Es ist nicht der mindeste Beweis vorhanden, daß irgend eine Verbindung zwischen dem Cärulin und der Schwefel-Säure in der ursprünglichen Flüssigkeit Statt hat. Es ist zwar wahr, daß Alkalien es aus seiner Auflösung fällen, und man glaubte, daß dieß die Wirkung einer höheren Anziehung von Seite der Säure gegen das Alkali ist, wodurch der Pflanzenstoff frei wird; allein, eine solche Theorie fällt in den Staub, sobald man weiß, daß Neutral-Salze genau dieselbe Wirkung hervorbringen; daß Bittererde dieselbe durchaus nicht fällt, obschon sie die Säure neutralisirt, und daß Cärulin selbst in Wasser auflösbar ist. Cärulin löst sich zwar in Schwefelsäure auf, und sogar häufiger als in Wasser; allein dieß beweiset nicht für die Bildung einer Verbindung, die wir berechtigt wären schwefelsauren Indigo zu nennen. Eine solche Auflösung unterscheidet sich in keiner Hinsicht von jener der Harze |107| und anderer organischer Körper in derselben Säure, oder selbst von der Auflösung dieser Körper in Alkohol oder Aether.

Diejenigen, welche gern über die Art und Weise speculiren, wie die Elemente des Wassers in organischen Körpern angereiht sind, werden es sonderbar finden, daß Schwefelsäure dem Indigo Wasser entziehen kann, und nicht dem Cärulin, einer Substanz, die drei Mahl soviel Sauerstoff und Wasserstoff enthält; oder, daß dieselbe Säure, die dem Indigo sein Wasser raubt, alsogleich drei Mahl soviel dafür hergeben sollte.

Ueber eine neue durch die Schwefelsäure aus dem Indigo erzeugte Substanz.

Während ich mich mit diesen Versuchen beschäftigte, entdekte ich, daß, wenn die Wirkung der Schwefelsaure auf den Indig in einer gewissen Periode unterbrochen wird, eine neue Substanz. die vom Cärulin ganz und gar verschieden ist, sich bildet, und die etwas sonderbare Eigenschaften besizt. Sie bildet sich in dem Augenblike, wo der Indig aus dem Gelben in das Blaue übergeht durch die Einwirkung der Schwefelsäure.

Durch folgendes Verfahren erhalt man sie in größerer Reinheit, als auf irgend eine andere Weise, die ich bisher zu entdeken im Stande war. Man bereitet sich eine gewisse Menge Indig, in dem man denselben in Schwefelsäure, die mit drei Theilen Wasser verdünnt ist, siedet, und, nachdem er gehörig ausgesüßt wurde, troknet. Auf diese Weise verliert er mehr als ein Drittel seines Gewichtes an Unreinigkeit. Man mengt mm Einen Theil dieses gereinigten Indigs mit sieben oder acht Theilen concentrirter Schwefelsäure in einer zugestopften Flasche, und schüttelt die Mischung gelegentlich auf, bis sie bouteillengrün wird. Dann mischt man sie mit einer großen Menge destillirten Wassers, und bringt sie auf ein Filtrum. Bei fortgeseztem Aussüßen auf dem Filtrum mit destillirtem Wasser wird die Flüssigkeit, die Anfangs farbenlos durchgeht, nach und nach immer mehr blau, und nach einiger Zeit geht aller Indig, der verändert worden ist, durch. Die farblosen Absüßwasser werden weggeschüttet. Die blaue Flüssigkeit enthält die neue Substanz aufgelöst, und ist, dem Ansehen nach, von einer Auflösung des Cärulines nicht verschieden. Wenn |108| man aber kochsalzsaure Pottasche zusezt, fällt diese neue Substanz in einer ungemein schönen röthlichen Purpurfarbe nieder, die der Farbe der Indigo-Dämpfe genau ähnlich ist. Diesen Niederschlag bringt man auf ein Filtrum, und wascht ihn solang mit destillirtem Wasser aus, bis die durchlaufende Flüssigkeit nicht mehr einen weißlichen, sondern einen rochen Niederschlag mit salpetersaurem Silber gibt. Dann kann man ihn troknen.

Wenn man, statt mit kochsalzsaurer Pottasche zu fallen, die blaue Flüssigkeit, welche durch das Filtrum läuft, nachdem alle Schwefelsäure weggewaschen wurde, sie aber noch immer tief blau ist, sammelt, und bis zur Trokenheit abraucht, so erhält man diese neue Substanz nicht purpurfarben, sondern blau, wie Cärulin; und fände sich hier nicht die Schwierigkeit, die Schwefelsäure gänzlich zu beseitigen, so wäre diese Bereitungs-Methode derselben die beßte. Man kann sie wirklich auf keine andere Weise frei von salzigen Stoffen erhalten.

Wegen der Eigenschaft, die diese Substanz besizt, durch Zusaz eines Salzes purpurfarben zu werden, nannte ich sie Phönicin,45) von dem griechischen Worte φοινιε; und, um Umschreibungen zu ersparen, werde ich mich in der Folge dieses Ausdrukes bedienen.

Diese Substanz ist, mit kochsalzsaurer Pottasche bereitet, im trokenen Zustande von braun schwarzer Farbe. In einem Tiegel gehizt läßt sie etwas Indig-Dampf fahren. Es war Anfangs ungewiß, ob dieß nicht vom Indig herrühren möchte, der durch Zersezung eines Theiles des Phönicin durch die Hize entstand; allein ich werde eine Thatsache anführen, die beweist, daß der Indig eine andere Quelle haben und in geringer Menge in der Purpur-Substanz vorhanden seyn kann. Nachdem das Filtrum solang gewaschen wurde, bis die Absüß-Wasser nur mehr sehr blaß blau gefärbt sind, wird die durchlaufende Flüssigkeit von der kohlensauren Pottasche blau, statt roth, niedergeschlagen, und der Niederschlag besteht aus Indig mit etwas |109| Phönicin. Hieraus erhellt, daß selbst Indig, unter gewissen Umständen, in Wasser auflösbar ist. Wenn man das Phönicin, auf die von mir angegebene Weise bereitet, troknet und wieder auflöst, so bleibt eine geringe Menge von Indig zurük; das Phönicin gibt aber immer noch etwas Purpur-Dämpfe, wenn man es erhizt.

Wenn man die Purpur-Substanz verbrennt, so läßt sie ungefähr 15 Procent Asche, die sich in Wasser auflöst, und aus schwefelsaurer und kochsalzsaurer Pottasche besteht.

Phönicin löst sich sowohl in Wasser als in Alkohol auf, und die Auflösung ist, in beiden Fällen, blau. Alle Salze, von was immer für einer Art, schlagen es wieder in seiner ursprünglichen Purpurfarbe nieder; verschiedene Salze haben jedoch verschiedene Fallungskraft. So fallen kochsalzsaures Ammonium, chlor- und blausaure Pottasche und kochsalzsaure Soda das Phönicin gänzlich zu beinahe 60 Mahl ihres Gewichtes aus jeder wässerigen Auflösung, und salpetersaure, kochsalzsaure und schwefelsaure Pottasche zu beinahe hundert Mahl ihres Gewichtes. Schwefelsaure Bittererde, schwefelsaurer Zink und schwefelsaures Kupfer fallen aber 2000 Mahl ihr Gewicht aus einer Phönicin-Auflösung. schwefelsaures Eisen ungefähr 3000 Mahl sein Gewicht, und Alaun und kochsalzsaurer Kalk sogar 8000 Mahl soviel.

Wenn das Phönicin vorher mit einem Pottasche-Salz verbunden ist, so bleibt es unverändert, wenn es durch irgend ein alkalisches Salz wieder niedergeschlagen wird. Diese Salze bewirken nichts anderes, als daß sie das Wasser bis zu einem solchen Grade sättigen, daß diese Substanz nicht mehr länger in demselben aufgelöst bleiben kann.

Erdige und metallische Salze verbinden sich aber mit dieser Substanz, und scheiden das vorher damit verbundene Pottasche-Salz aus, und ich habe nur wenig Unterschied rüksichtlich der zur Fällung der Auflösungen von verschiedener Stärke nöthigen Menge derselben bemerkt. Die durch Kalk, Schwererde, Alaun und Kupfer gebildeten Niederschläge sind in reinem Wasser durch- aus unauflösbar, man mag sie noch so gut ausgewaschen haben. Die durch Eisen und Braunstein erzeugten lösen sich aber in einem geringen Grade auf, wenn sie durch Filtriren von ihren |110| früheren Auflösungs-Mitteln befreit wurden. Ihre Auflösung ist purpurfarben.

Säuren haben keine Wirkung, insofern sie die Fällung des Phönicin durch salzige Körper hindern sollen, und die ein Mahl gebildeten Niederschlage werden in derselben Flüssigkeit durch Beihülfe der Hize nicht wieder aufgelöst.

Diese Methode, welche ich zur Bereitung der neuen Substanz gegeben habe, ist langweilig. Da sich nur ein geringer Antheil des Indigo in Phönicin verwandelt, so ist die auf ein Mahl erhaltene Menge desselben nur sehr klein, und fordert eine große Menge destillirten Wassers und viel Zeit zum Filtriren. Wenn wir aber den Indig sich ganz in Phönicin verwandeln lassen, so geht seine Auflösung durch kein Filtrum durch, auch wenn es noch so porös ist, oder noch so gut mit Wasser oder mit Ammonium ausgewaschen wird. Es war nur ein Zufall, daß ich die Möglichkeit entdekte, dasselbe zu filtriren, wenn nur eine geringe Menge Indigs Zeit gefunden hat, sich zu verändern; und nur in so fern ich es auf diese Weise bereitete, fand ich, daß die Purpurfarbe der Gegenwart eines salzigen Stoffes zuzuschreiben, und die ihm eigene Farbe jener des Cärulines ähnlich ist.

Nach folgender Weise kann man diese Substanz in größeren Mengen, obschon nicht so rein, bereiten. Man mische Einen Theil gepülverten Indig und 10 Theile concentrirter Schwefelsäure in einer Flasche, und schüttle sie von Zeit zu Zeit, bis die blaue Farbe, welche der Indig Anfangs verloren hat, wiederkehrt. Hierzu sind, bei der gewöhnlichen Sommerwärme, ungefähr drei Stunden nöthig. Bei 100° Fahrenh. (+ 30,22 R. Ueb.) geschieht dieß in ungefähr 20 Minuten, und wenn der Indig bei der Hize des siedenden Wassers mit Schwefelsäure gemischt wird, so wird die Mischung in dem Augenblike blau, wo man dieselbe macht. Bei 45° F. (+ 5,78 R. Ueb.) sind 10 bis 12 Stunden nöthig, und ein noch geringerer Grad von Wärme fordert noch längere Zeit, wodurch man jedoch immer voraussezt, daß die Menge der angewendeten Materialien klein genug ist, um nach der Mischung auf den angegebenen Punct schnell abzukühlen. Diese Mischung gießt man in eine große Menge destillirten Wassers, und filtrirt. Den Niederschlag |111| nimmt man von dem Filtrum, und wäscht ihn mit destillirtem Wasser, welches die zur Verhinderung der Auflösung der Substanz in demselben gehörige Menge kochsalzsauren Ammoniums enthält, recht gut aus, und filtrirt wieder. Den Niederschlag löst man neuerdings in einer, großen Menge destillirten Wassers auf, hizt die Auflösung, um alle Lufttheilchen, welche die Unreinigkeiten an dem Niederfallen hindern könnten, davon zu treiben, und läßt sie zwei oder drei Tage lang in einem schmalen hohen Gefäße stehen. Dann zieht man mit einem Heber soviel davon ab, als man für vollkommen klar halten kann, und wäscht den Rükstand neuerdings mit noch mehr destillirtem Wasser. Zu der Auflösung gibt man irgend ein alkalisches Salz, bis die Substanz niedergeschlagen ist, bringt sie dann auf ein Filtrum, und wäscht sie solang mit destillirtem Wasser, bis die Flüssigkeit nicht mehr durchläuft.

Die Farbe der auf diese Weise bereiteten Substanz steht der nach dem vorigen Verfahren erhaltenen an Schönheit nicht viel nach. Getroknet und zu Asche gebrannt, läßt sie immer eine bedeutende Menge erdigen Stoffes, aber wenig von dem alkalischen Salze zurük, das sie niederschlug. Die Auflösung derselben ist immer mehr oder weniger purpurfarben, vorzüglich wenn sie etwas stark ist. In Alkohol ist sie vollkommen blau, und die wässerige Auflösung wird durch Erhizung blau. Nachdem sie getroknet wurde, löst sie sich in Wasser nicht mehr auf.

Wenn eine Phönicin-Auflösung gefällt wird, so ist die rükständige Flüssigkeit immer mehr oder minder von Cärulin gefärbt, und so oft man auch diese Fällung an demselben Materiale wiederhohlen mag, immer bleibt etwas Cärulin zurük. Wenn man die Auflösung erhizt hat, so bildet sich mehr Cärulin. Hieraus folgt, daß Phönicin durch die Einwirkung des Wassers allein in Cärulin verwandelt wird.

Phönicin löst sich in dem Wasser des flüssigen Ammoniums ohne Nachtheil auf; feuerfeste Alkalien zerstören es aber, obschon nicht sehr leicht. Zinn-Chlorid fällt die Auflösung, löst aber nach und nach den Niederschlag wieder auf, und bildet eine gelbe Auflösung. Von Kupfer-Salzen wird das Phönicin wieder in der ihm eigenen Farbe niedergeschlagen.

|112|

Phönicin löst sich leicht in concentrirter Schwefelsaure auf, und bildet eine blaue Auflösung; und wenn sie unmittelbar in Wasser geschüttet wird, wird der größere Theil davon wieder niedergeschlagen, indem die Unreinigkeiten der Säure hinreichen um seine Auflösung im Wasser zu hindern. Ein Theil wird in Cärulin verwandelt, welches aufgelöst bleibt. Wenn man es in Schwefelsaure aufgelöst bleiben läßt, wird es bald gänzlich in Cärulin verwandelt; folglich ist es bei Bereitung des Phönicins nach der zweiten Verfahrungsart unmöglich, die Bildung einer gewissen Menge von Cärulin zu hindern.

Bestandtheile des Phönicins.

Die Thatsachen, welche ich als Beweis anführte, daß Cärulin vom Indig nur darin unterschieden ist, daß es mehr oder weniger Wasser enthält, lassen sich gleichfalls auf diese Substanz anwenden.

Die vollkommene Unauflöslichkeit des Phönicines in schwachen salzigen Auflösungen sezt uns in den Stand, so ziemlich genau zu bestimmen, wie viel eine gegebene Menge Indig davon zu erzeugen vermag. Zehn Gran sublimirten Indigs wurden mit 300 Gran Schwefelsäure in eine kleine Flasche gethan, und nach 2 1/2 Stunden wurde die, damahls schon ganze blaue Mischung in eine Pinte Wassers geschüttet, und bis zum Sieden erhizt. Sie wurde dann auf ein abgewogenes Filtrum gebracht, und gewaschen; zuerst mit siedendem Wasser, in welchem eine geringe Menge schwefelsauren Kalkes aufgelöst wurde, und nachher mit reinem siedenden Wasser. Die purpurfarbene Substanz, die auf dem Filtrum blieb, wog, nachdem sie vollkommen getroknet wurde, 9,61 Gran. Ein Theil davon wurde verbrannt, und ließ eine Menge Asche zurük, die 1,37 Gran für die ganze Masse zeigte; folglich wurden nur 8,24 Gran reines Phönicin erzeugt. Die Absüßwasser, die von dem gebildeten Cärulin tief blau gefärbt waren, wurden zusammengeschüttet, und waren, nachdem sie auf 95 Cubikzoll Wasser verdünnt wurden, der Intensität nach, genau einer Auflösung von Einem Gran in Cärulin verwandelten Indig in 30 Zoll Wasser gleich. 3,16 Gran Indig wurden also auf Erzeugung |113| des Cärulin verwendet, und 6,84 Gran desselben haben 8,24 Gran Phönicin erzeugt.

In einem anderen Versuche erzeugten 4,2 Gran Indigo 5,13 Gran Phönicin, und in einem dritten gaben 4,79 Gran 5,65 Gran. Im Durchschnitte bilden also 100 Theile Indigo 120 Theile Phönicin.

Durch Analyse mit Kupfer-Peroxid erhielt ich Resultate, die eine geringere Gewichts-Zunahme zeigen, und ich bin geneigt, diese den synthetischen Resultaten vorzuziehen, indem das auf diese Weise bearbeitete Phönicin viel reiner ist, und der Versuch selbst weniger einer Irrung unterliegt. Ein Gran reines Phönicin gab 5,085 Kubikzoll trokenes kohlensaures Gas, welches 0,6462 Gran Kohlenstoff enthält. Daher besteht nun das Phönicin, wenn man wie oben bei dem Cärulin rechnet, aus

Kohlenstoff 64,62
Stikstoff 9,91
Sauerstoff 21,49
Wasserstoff 3,98
––––––
100,00

Dieß kommt dem Indig + 2 Wasser ziemlich nahe, und das atomistische Verhältniß kann so gestellt werden:

1 Atom Stikstoff 1,75 oder 9,46
4 Atome Sauerstoff 4,00 – 21,62
6 Atome Wasserstoff 0,75 – 4,05
16 Atome Kohlenstoff 12,00 – 64,87
–––––––––––––
18,50 – 100,00

Die Versuche des Hrn. Smithson in den Phil. Transgaben uns sehr richtige Ideen über die Natur einer Menge vegetabilischer Färbestoffe. Es ist hinlänglich einleuchtend, daß Phönicin nicht der Grundstoff ist, der irgend eine der purpurfarbenen oder blauen Pflanzen färbt, die dieser Chemiker untersuchte. Ich sammelte überdieß noch eine Menge purpurfarbener Blumen, wie man sie gewöhnlich findet, und tauchte sie einzeln in concentrirte Schwefelsaure. Start daß sie aber blau wurden, wurden sie alle roch, und bildeten mit zugeseztem Wasser roth gefärbte Auflösungen. Künftige Untersuchungen müssen daher bestimmen, ob Phönicin bereits in der Natur entweder in dem Blau oder in dem Purpurfarbenen gebildet vorkommt.

|114|

Alkohol verändert die Wirkung der Schwefelsäure auf dem Indigo auf eine merkwürdige Weise. Eine Mischung von drei Theilen Alkohol von 0,84 specif. Schwere und zwei Theilen Säure löst den Indigo auf, ohne denselben gelb zu färben, und die Auflösung kann selbst durch starkes Papier filtrirt werden. Wahrscheinlich kann man noch eine größere Menge reinen Alkohols anwenden. Wenn man Wasser zugießt, so fällt der Indigo unverändert nieder; und wenn man gemeinen Indig angewendet hat, so schlagt sich auch Harz damit zu Boden. In dieser Mischung kann der Indig eine unbestimmte Zeit über aufgelöst bleiben, ohne sich in Phönicin zu verwandeln. Auch einer Auflösung des Phönicin in Schwefelsäure kann man Alkohol zusezen, ohne daß ein Niederschlag sich bildet, und die Säure wird dadurch unfähig gemacht, dasselbe in Cärulin zu verwandeln.

Dieser Aufsaz findet sich auch in Schweigger's Journal für Ch. u. Ph. B. 8. H. 1. übersezt; der geneigte Leser beliebe jedoch die dortige Uebersezung mit der unsrigen zu vergleichen, deren Genauigkeit wir verbürgen können. A. d. Ueb.

|85|

Hr. Meineke bemerkt, bei Schweigger, daß Plinius schon diese Eigenschaft kannte: Probatur carbone (indicum). Reddit enim, quod sincerum est, flammam excellentis purpurae, et, dum fumat, odorem maris.“ Hist. Nat. 35. 6. A. d. Ueb.

|86|

Deutsche Uebersezung mit einer Vorrede von Dr. Hermbstädt. Leipzig ohne Jahrzahl. D.

|91|

Berzelius hat die augenblikliche Anziehung des Wassers durch Kupfer-Peroxid (Annal. d. Chim. 17. 27) erwiesen, gegen die durch Vernachlässigung derselben entstehende Täuschung gewarnt; und Hr. de Saussure schrieb eine Anmerkung zu seiner Analyse des Schwein-Spekes (Annal d. Chim. 11. 395), die von allen Analysen gilt, bei welchen Kupfer-Peroxid angewendet wird. „Seine Resultate“ (jene des Hrn. Berard, sagt er) „so wie eine Menge anderer auf diese |92| Weise erhaltener, schienen mir dadurch fehlerhaft, daß sie zuviel Wasserstoff enthielten.“ Dieser Ueberschuß an Wasserstoff kommt, aller Wahrscheinlichkeit nach, auf Rechnung der Vernachlässigung eines kleinen Antheiles Wassers, welches von dem Peroxide angezogen wurde. Ich habe gefunden, daß 100 Gran desselben, frisch bereitet sogar 3/10 Gran Wasser zur Sättigung bei feuchter Witterung aufzunehmen vermögen. Wenn es mehrere Mahle gebraucht wurde, nimmt es nicht mehr soviel aus. A. d. O.

|93|

Die Resultate zweier zu verschiedenen Zeiten sorgfältig mit Hutzuker genau auf dieselbe Weist, wie mit dem Indigo, angestellter Versuche leisteten mir, hinsichtlich auf die Genauigkeit dieses Theiles des Versuches, vollkommen Genüge. Obschon die Mengen Kohlenstoffes in diesen beiden Versuchen nicht vollkommen dieselben waren, war doch der Gewichtsverlust, den das Kupfer-Peroxid erlitt, nach Abzug des in |94| demselben enthaltenen Wassers, den respectiven Mengen des Sauer-Stoffes in der Kohlensäure, auf dieselbe Weise, wie oben im Texte berechnet, vollkommen gleich. In einem Falle erhielt ich 41,55 per Cent Kohlenstoff, und in dem anderen 42,14. Das Mittel beider Versuche gibt, als Bestandtheile des Zukers,

Kohlenstoff 41,8
Sauerstoff 51,7
Wasserstoff 6,5
–––––
100,0

Es ist überflüssig, zu bemerken, daß der Zuker bei beiden Versuchen in einem leeren Raume bei 212° getroknet wurde. A. d. O.

|95|

Der Hr. Verfasser schreibt Cerulin; es muß aber offenbar Caerulin oder Coerulin heißen, indem dieser Name keinen Bezug auf |96| Wachs, Cera, sondern auf Blau (Caeruleus, a, um,) hat. Wir bemerken dieß hier bloß, damit dieser Name, falls er beliebt werden sollte, auch orthographisch richtig geschrieben wird; denn wir können uns an Orthographie-Schnizer nimmermehr gewöhnen, obschon sie jezt bei Doctoren, Professoren, Directoren, Secretären und Präsidenten der Akademien an der Tagesordnung zu seyn scheinen. Von Auctoren gerade weg kann gar nicht mehr die Rede seyn: Daß die Sezer und Correctoren keine Orthographie mehr verstehen dürfen, ist aus obiger Prämisse klar; daher auch der Uebersezer selbst in diesem Journale sein Ms. nicht immer richtig abgesetzt sah. A. d. Ueb.

|96|

Daß Indigo in Schwefelsaure aufgelöst durch Neutral-Salze gefällt wird, ist nichts Neues. Berthollet sagt in seiner Farbekunst, II. 50, daß die „Feuerbeständigen mit Kohlensäure gesättigten Alkalien“ eben so gut, wie „Alkohol, und gesättigte Auflösungen von Alaun, schwefelsaurer Soda, oder anderen schwefelsauren Salzen“ Niederschläge in dieser Auflösung bilden. Meine Versuche zeigen, wie ich glaube, daß diese Wirkung nicht von der Gegenwart der Schwefel-Säure in dem Niederschlage abhängt; daß einige schwefelsaure Verbindungen diese Wirkung nicht hervorbringen, und daß Alkohol die ursprüngliche Auflösung durchaus nicht fällt. A. d. O.

|101|

On astringent Vegetables. Phil. Trans. 1803.

|102|

Opusc. Tom. v. p. 7. Edit- 1788. A. d. O.

|102|

Journal de Phys. Mars. 1788. A. d. O.

|102|

II Bd. S. 50. 66 der engl. Uebersez. A. d. O.

|103|

On Permanent Colours. S. 104, 132. (deutsche Uebersezung Bd.i. S. 309. In Deutschland ist die Benennung schwefelsaurer Indig allgemein angenommen. D.)

|108|

Engländer mußte der Hr. Verfasser Phenicin schreiben. A. d. Ueb.

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