Titel: Ueber Heizung mittelst erwärmter Luft.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1824, Band 13, Nr. XVII. (S. 114–125)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj013/ar013017

XVII. Heizung der Wohnungen, öffentlicher Gebäude, Fabriken u.s.w. mittelst erwärmter Luft; nebst Vorschlägen zur weiteren Benüzung derselben.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Eine bessere Heizung mit warmer Luft verdanken wir dem verdienstvollen Hrn. P. I. Meißner, Professor der technischen Chemie am k. k. polytechnischen Institute in Wien. Von ihm erschien 1821 eine Schrift über diesen Gegenstand, wovon Ende des vorigen Jahres eine zweite Auflage erschienen ist. Sie führt den Titel:

„Die Heizung mit erwärmter Luft durch eine neue Erfindung anwendbar gemacht, und als das wohlfeilste, bequemste, der Gesundheit zuträglichste, und zugleich die Feuersgefahr am meisten entfernend Mittel zur Erwärmung größerer oder mehrerer Räume, als: der öffentlichen Gebäude, der Herrschafts-Wohnungen, Fabriken etc. Mit 20 Kupfertafeln. Wien bei Gerold. 1823.“

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Wir sezen voraus daß sich jeder, den das Heizen mit warmer Luft interessirt, diese gemeinnüzige Schrift anschaffen wird, da wir keinen Auszug daraus geben können, wohl aber halten wir es für Pflicht den Lesern dieses Journals von der weiteren Ausführung und Anwendung dieser neuen und zwekmäßigen Heizmethode insbesondere aber von Verbesserungen darinnen von Zeit zu Zeit Nachricht zu geben.

Ein Freund, Gründer und Besizer bedeutender Fabrikanstalten in Baiern theilt uns folgende Erfahrungen über diese, von ihm mit einigen Verbesserungen eingeführte Heizmethode zur Mittheilung mit.

Sie erinnern sich noch wohl, daß ich vor zwei Jahren die Absicht hatte, eine meiner Fabriken mit heißer Luft zu wärmen, und daß Sie mir auf meine damahlige Anfrage „ob diese Methode wirklich vortheilhaft sey,“ kein aus eigener Erfahrung hervorgeganges Resultat mittheilen konnten. Seitdem habe ich ein Locale, was drei übereinander liegende Säle enthält, wovon jeder etwa 40' Breite 80' Länge, und 15' Höhe hat, mit einem Ofen geheizt, und einen sehr guten Erfolg gefunden. Erst vor Kurzem ist mir das Werk von P. J. Meißner über Heizung mit heißer Luft zugekommen; ich verglich dessen Methode mit meinem Ofen, brachte die darin angegebene leichte Einrichtung an, die kalte Luft abzulassen, und frisch zu erhizen, wo ich nun Alles, was man nur verlangen kann, vereinigt hatte. Seitdem habe ich die sehr einfache Theorie von Meißner genauer geprüft und ich kann Sie versichern, daß sie durchaus richtig/ und unumstößlich wahr ist. Jeder Unbefangene der sich die Mühe gibt diese Sache zu untersuchen, wird finden, daß sich Herr Meißner durch seine Mittheilungen ein unberechenbares großes Verdienst um unsere Heizanstalten erworben hat, und deßhalb allen Dank verdient. – Wie schon gesagt, ist seine Theorie unumstößlich und so einfach, daß daran wohl nie etwas geändert zu werden braucht, und ich bin sicher, daß wir in kurzer Zelt schon sehr viele dieser neuen Heizungen entstehen sehen werden. – Herr Meißner ist von seiner gediegenen Idee selbst überzeugt, und wenn er sagt daß nur im Bau der Oefen Abänderungen-Statt finden können, so hat er gewiß recht, und da ich darinnen, und einigen neben Vortheilen |116| Erfahrungen machte, die vielleicht Manchem nüzen könnten, so erlaube ich mir dieselben zur Kenntniß zu bringen.“

„Mein Ofen ist bloß aus Baksteinen gebaut, und hat 60 gußeiserne 2 1/2 Schuh lange und 1 1/2 Schuh weite Röhren, die so über einander gelegt sind, daß allemahl über dem nur 1/4 Zoll breiten Spazium zweier Röhren eine andere liegt, so liegen 6 Schichten über einander: und zwar über dem Feuer, wodurch also ein beständiger schlangenförmiger Lauf durch die Röhren strömt.“

„Als Rost liegen ebenfalls 8 solcher Röhren, die aber auch wie die übrigen nicht horizontal, sondern auf ihre Lange um 15 Zoll geneigt oder schräg gelegt sind. Je mehr sie schräg liegen, desto schneller zieht die kalte Luft durch die erhizten Röhren. – An der Seite, wo die Röhren höher liegen, ist der Kanal zur Heizung der heißen Luft und auf der andern Seite der Zufluß der kalten. – Das schräg liegen der Rohre und des Rostes, bildet natürlich ein Schürloch, wie a in Fig. 18. zeigt. Es ward dabei nichts weiter beabsichtigt, als daß die kalte Luft durchströmen sollte, beim Gebrauch fand sich aber noch ein neuer Vortheil, nämlich daß in dem Maaße als das Holz, Torf, Kohlen u. d. gl. abbrannte, es sich von selbst durch das Herunterfallen nach der Eke a zu, von der Asche reinigte, wodurch das Feuer Heller brannte. Sie haben also hier eine Vorrichtung, die zufällig dasselbe leistet, was Engländer mit ihrem beweglichen patentisirten Rost thun. Der hohle Rost hat noch den Vorzug, daß er aus dem Aschenraum die lezten Theile Hize von unten aufnimmt. Legt man nun so viele Röhren als nöthig sind, die zulezt entweichende Wärme zu empfangen, so hat man einen Spar-Ofen der Alles leistet, und deßhalb thut man wohl, die oberen Röhren nicht aus Gußeisen sondern von Blech in der Form eines stark gedrükten Ovals zu nehmen.“

„In meiner Heizanstalt lasse ich den Rauch erst horizontal unter Eisen-Platten, die etwa in einer Länge von 10 Schuh liegen, gehen, sonach habe ich einen Heizofen. Der Rauchschlot, der durch 7 Stokhöhen geht, hat nur die Weite von vier starken Baksteinen, womit er aufgeführt ist, und da ich nicht auf Schönheit zu sehen brauchte, so ließ ich ihn gleich einer Säule durch alle Stokwerk gehen, wo im dritten alle Wärme abgegeben |117| ist. Diese Art enger nur 6 Zoll ins Quadrat weiter, Schlöte ziehen ganz ausnehmend gut, sind äußerst wohlfeil zu bauen, nehmen keinen großen Raum ein, und lassen sich auf die bekannte Welse vermittelst eines Seils, das unten eine eiserne Kugel in der Mitte zwei gegeneinander stehende Beesen hat, und von oben einführt, wird sehr leicht reinigen. Ich führe diese sogenannten holländischen Schlöte schon lange, und bin wohl damit zufrieden.“

„Bekanntlich äußert das Feuer seine stärkste Wirkung gerade über sich, oder an der Spize; hat also ein Ofen viel horizontale Stellen, so muß er am stärksten heizen. Nehmen wir den Ofen Fig. 21. Tab. III. an, dessen Rost hohl, und der oben von lauter Eisen-Platten, die in Räumen von 4 Zoll weit über einander liegen, und zwar so, daß zwischen den zwei gefeuerten Platten immer ein 4 Zoll freier Luft-Raum ist, ferner daß Rost und alle Platten nach dem heißen Luftleitungs-Kanal hin um 1 Schuh höher als vorn liegen, so haben Sie einen Ofen, der nicht allein alles, was man wünschen kann, leistet, sondern auch von einem Material, das in jeder Eisenhandlung, jezt, wo die vierekigen Oefen überall eingehen, als alt sehr leicht zu haben ist, und wo auch, wenn der Ofen leidet leicht ausgebessert werden kann, indem man die Vorrichtung zum Ofen zu kommen, nur auf einer Seite nöthig hat.

Hier die Beschreibung der auf Tab. III. befindlichen Abbildungen.

Fig. 18 zeigt den Röhren-Ofen von der Seite.

Fig. 19 zeigt denselben von Vorne.

A, die Heizkammer. B, der Ofen aus Baksteinen. C, der Wärme-Kanal, a, die Schüröffnung, b, der Aschenraum, c, der hohle Rost, ddd, die durch den Ofen gehenden eisernen Rohren, ee, das Rauchrohr, ff, Eintritt der warmen Luft in den Zimmern, g, der Austritt der kalten Luft, welche von hier aus wieder in die Heizkammer geleitet wird.

Fig. 20 ist der Platten-Ofen von der Seite und

Fig. 21 derselbe von Vorne.

D der aus Baksteinen gebaute Ofen, E der Wärmekanal, h die Schüröffnung, i der aus Röhren formirte Rost, k Aschenraum, l die eisernen Platten, m die Feuerspielung, n |118| der von den Platten eingeschlossene leere Raum, o das Rauch-Rohr.“

„Die Heizung mit heisser Luft kann nicht genug empfohlen werden, da sie Alles, was man wünschen kann, leistet. Hat man in einer großen Anstalt einen Ofen, der so wie der meinige zieht, und wo ich ungespaltenes Holz anwende, so erspart man das Sage? und Spalter-Lohn, eben so das Tragen desselben über mehrere Stiegen. Früher hatte ich durch contrairen Wind bald hier, bald dort Rauch, jezt bin ich dieser Unannehmlichkeit ganz überhoben. Will ich frische Luft in den Ofen lassen, so lasse ich die gebrauchte durch die Vorpläze und Hausstur gehen, wodurch diese noch mit erwärmt werden“

„Vorher hatte ich zwei Oefen nöthig, um nur einen jener Säle zu erwärmen, oft glühten die Oefen, und 6 Schritte das von fror es, stand Jemand mit einem Wedel beim Ofen und wehte die Heisse Luft weg, so wurde der Saal auffallend wärmer; was hier der Wedel that, thut Meißners Anstalt durch beständige Circulation von selbst, und die Zimmer sind überall beinahe gleich erwärmt. Was es ausmacht, wenn die Wärme nicht bewegt wird, erfährt man, wenn man beobachtet, wie lange Zeit es erfordert, ein großes Zimmer oder einen Tanzsaal zu erhizen, ein solches Lokale wird erst warm, wenn Menschen darinnen herumgehen, die die Luft in Bewegung bringen.“

„Daß ausserordentlich Holz erspart wird, ist gewiß; denn ich brauche jezt kaum die Hälfte gegen sonst und noch dazu vom geringsten Holz. Sonst waren die Oefen gewöhnlich überhizt, so daß man in ihrer Nahe schwizte und in der Ferne fror. Ich bin sicher, daß die vielen Verkältungen im Winter meist von überhizten Stuben herkommen. Wendet die Herrschaft den Rüken, so überhizt das Dienst-Personale die Zimmer, um sich wohl zu thun, sind Kinder dabei, so müssen sich diese verkälten. Große Stubenhize ist Leuten von geringerer Classe, wie man allgemein weiß, eine Wohlchat, besonders wenn sie dabei die Fenster öffnen dürfen. Was die Herrschaft durch Spaaröfen in 2 bis 3 Zimmern erspart, wird in der Kinder- und Gesinde-Stube verschwendet, wer also mit der neuen Methode zuerst sein Augenwerk hierauf richtet, wird seinen Kindern und seinem Geldbeutel wohl thun.“

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„Die neue Methode gewährt sehr viele Vortheile. Jede Kammer kann jezt zu einer Stube umgeschaffen werden; wo sonst 3 bis 4 Schlöte waren, ist jezt einer genug, und wo man sonst die Aufsicht über 4, 6 bis 8 Oefen zu besorgen hatte, ist sie jezt nur über Einen nöthig.“

„Bei dem Bau meiner Oefen brauche ich ein leichtes Reagens für den Zug, das sehr bequem ist, um die Wirkung zu sehen, ob der Ofen nach Wunsch zieht. Es ist ein brennendes Licht, hält man es vor die Oeffnung, so sieht man sogleich wie der Zug ist.“

„Wie schnell die Wärme sich als leichtere Luft nach Oben zu begibt, und wie sehr dadurch die Meißner'sche Methode wirksam wird, findet man in der Ausführung gar leicht. Denke man ja nicht, daß sich kalte und warme Luft ohne Bewegung in einem verschlossenen Zimmer leicht ins Gleichgewicht sezen, es ist, um mich recht verständlich zu machen, die Wärme und Kälte wie Oehl und Wasser, die Wärme schwimmt oben auf.“

„Dieß ist der große Gewinn bei Meißners Methode, daß Alles gemengt und ins Gleichgewicht gesezt wird.“

„Wer noch einwerfen könnte, daß diese Art nicht höchst ökonomisch ist, der ist mit Wenigem zu widerlegen. – Man mauert die Heizkammer nur mit doppelten Wänden, sorgt für lebhaften Zug, und man wird auch in dem äußern Gewölbe oder Raume der Heizkammer leine Wärme verspüren; nun mache man den Schlot, wie ich oben sagte, 6 Zoll eng, seze ihn in einen andern 6 Zoll weiteren also 12 Zoll weiten Kanal, den man oben im dritten oder vierten Stokwerk, wo der Schlot sicher kalt ist, verschließt, benuze aber auch diesen Schlot als heißen Luft-Kanal separat, und man hat alle Wärme. – Der Rauch ist beim Ausgang abgekühlt, und die Wärme kann nur in den Zimmern ausströmen. Wer will mehr haben? Zugleich ist diese Art ein gewisses Mittel, den Zug der Schornsteine zu sichern.“

„Rur noch eine Bemerkung; Herr Meißner hat ganz richtig gezeigt, daß die kalte Luft immer unten schwebt, und so seine heberartige Wirkung angewendet, umgekehrt ist es ganz genau so mit her Wärme. – Wenn man also diese Theorie auf die Wirkung des Ofens selbst anwendet, so ist sie auf eine neue Art höchst vortheilhaft. Daß sich der Ofen an horizontalen Platten |120| am leichtesten, an perpendiculären Wänden am schwersten seiner Wärme entledigt, ist klar, umgekehrt ist es mit der von aussen vorbeiströmenden kalten Luft. Sorgt man also für schrägen Bau des Ofens, so ist die Wirkung gewiß am verläßlichsten. Je geschwinder der Ofen abgekühlt wird, desto langer dauert er; – so würden die vier Röhren, iiii, in Meißners Ofen Tafel XX. Fig. 50. ungemein wirksamer seyn, wenn sie auf einer Seite niedriger stünden, – oder wenn das untere Theil derselben die niedrigste, mithin kälteste Luftschichte zuerst erreichte, die dann im höheren Theil heiß ausströmte, während hier bei horizontaler Lage ein Stillstand eintritt; dasselbe ist auf alle horizontale Wände anzuwenden, wo die Luftschichten von beiden Seiten zugleich beitretten, z.B. in den Raum über und unter den 4 Röhren, iiii.“

Einige neuere Erfahrungen enthalten die Nummern 284 u. 285. des Hesperus, Jahrgang 1823 woraus hier das Wesentliche:

„Referent glaubt, daß er der Thatsachen genug vor sich liegen habe; um das Urtheil fällen zu können, daß unter allen bekannten Heizmethoden die Meißnerische in jeder Hinsicht die allervortheilhafteste, und zugleich diejenige sey, die sich am allerleichtesten in neuen Gebäuden überall, in älteren fast ohne Ausnahme, mit Vortheil anwenden lasse, und daß die vom Professor Meißner aufgestellte Behauptung: daß man ihm den beßten Spar-Ofen geben solle, und er würde ihn dennoch mit seinem Mantel umgeben; und dadurch erst noch besser machen,“ vollkommen gegründet und wahr sey. Folgendes sind die Puncte, gegen welche man ehe längere Erfahrung mit dem ganzen Geschäft vertrauter gemacht, meistens verflossen hatte.“

„1. Die Heizöfen wurden zu klein genommen. Einem Ofen, der vorher ein Zimmer erwärmte, trug man auf, 3 und 6 zu erwärmen, das that er denn auch wohl, wenn man den ganzen Tag feuerte, und obgleich dabei noch lange nicht so viel Holz verbraucht wurde, als vorher in 4 Oefen, so war man doch damit unzufrieden. Um nicht zu fehlen, befolge man nachstehende Regel:“ |121| Man suche den kubischen Inhalt des zu erwärmenden Raumes, und baue den Ofen so, daß wenigstens auf 250 Kub. Fuß Raum, ein Quadrat-Fuß der erhizten Oberfläche des eisernen Ofens komme.“

„2. Man hüte sich sehr, die Kanäle und Oeffnungen, durch welche die Wärme ausströmt, zu klein zu machen, und mache sie lieber zu weit, da man sie mit dem Schieber nach Belieben verengen, nicht wohl aber erweitern kann. In keinen Fall aber lasse man sich verführen, diesen, selbst bei kleineren Stuben, unter acht Zoll im Gevierte zu geben.“

„3. Hüte man sich sehr den Wärme-Ausströmungs-Kanal zu nahe an den, kalte Luft zuführenden Kanal zu sezen, denn so wie sich lezterer nur im mindesten erwärmt, ist das Wechsel-Spiel des Zu- und Abflusses gestört, und die Wirkung hört auf.“

„4. Die Sohle der Heizkammer sey stets, und wäre es auch nur einen Zoll, tiefer, als die Sohle der zu erwärmenden Stube.“

„5 Man versäume ja nie Heiz- und Aschenthürchen und die Rauchröhre genau zu verschließen, so wie das Feuer abgebrannt ist. Bei dieser Vorsicht sah Referent nach 17 Stunden nach dem ersten Einheizen noch fühlbare Wärme aus der Heizkammer ausströmen.“

„Die einzige Unannehmlichkeit, die, so wie bei allen Oefen, auch bei der Meißnerischen Heizung ehmahls stattfand, rührte von dem möglichen Rauchen der Oefen her, wenn der Kitt, mit dem die Fugen verschmirt waren, sich abgelöst hatte, und der Schwierigkeit, die in manchem Lokale lag, die Heizkammer geräumig genug zu machen, um den Eingang und das frische Verschmieren zu gestatten.“

„Für jene die eine Meißnerische Heizung nachmachen wollen und nach Willkühr gußeiserne Oefen bekommen können, soll das Geheimniß mitgetheilt werden, wie es möglich sey, einen Ofen ohne allen Kitt vollkommen gegen alles Rauchen geschüzt sezen zu können.“

„Die rauchleitenden Kästchen sind aus einem Stük gegossen, die untern Verbindungsröhren ruhen auf den oberen in einem |122| 2 Zoll hohen Falz, dessen innerer Theil stets um einen halben Zoll in das Rauchkästchen hinein sieht. Dieser Falz wird beim Zusammensezen auf einen Zoll mit feiner Asche ganz schwach eingedrükt und ausgefüllt; auf den noch übrigen leeren Raum wird feiner klarer Sand gegossen. Selbst bei gewöhnlichen gußeisernen Oefen kann man auf diese Weise jede Zusammensezungsfuge in die Unmöglichkeit des Rauchens versezen, wenn man sie in der gehörigen Richtung nach ihrer Lage mit einer etwa 2 Zoll breiten Blechzange umgibt, diese (nur damit die Asche und der Sand nicht herausfalle), wo sie auf dem Eisen aufsteht, mit irgend einem Ofenkitt verschmiert, und dann mit Asche und Sand vollfülle.“

„Zum Schluß verdient noch angeführt zu werden, daß nicht leicht eine neue Einrichtung sich so rasch und allgemein verbreitete wie diese, ein Beweis, wie sehr sie ins Leben wohlthätig eingreift. Auf dem Lande haben selbst Juden, die doch nicht leicht an etwas Neues gehen, diese auf ihre Kosten bei sich eingeführt u. f. w.“

Der Unannehmlichkeit des Rauchens der Heizöfen, vorzüglich, wenn man nicht bequem zu der Stelle kommen kann, welche raucht, kann am beßten durch Anwendung des Eisenkitt abgeholfen werden. Vorschriften dazu sind im Bd. I. S. 282 und Bd. II. S. 432. des polytechnischen Journals und S. 83. in diesem Heft gegeben. Da sich Eisen-Kitt mit dem Eisen gleichsam zu einem Ganzen verbindet, so ist bei sorgfältiger Verkittung das mit und nach vorausgegangenen gutem Austroknen desselben, (wenn anders nicht gewaltsame Erschütterungen den Zusammenhang des Ofens aufheben) das Rauchen Jahre lang unmöglich, Speisen, die man in dem Heizofen vorher zum Kochen gebracht hat, werden, wenn die Kochgefäße in einem blechernen Behälter, der in einem erweiterten Raume der Heizkanäle so angebracht ist, daß man von Außen dazu kann, auf die schmakhafteste Art darinnen gar gekocht. Die Ausführung wird einem Bauverständigen keine Schwierigkeiten darbieten.

Zum Troknen des Getreides wird die warme Luft bereits in Schweden mit dem größten Vortheil benüzt. Wir gaben darüber im Bd. XI. S. 127. dieses Journals aus einem Schreiben des Herrn Ober-Direktors Schwarz in Stokholm Nachricht. |123| Andere Versuche enthält dieses polytechnische Journal im Bd. VII. S. 237. und Folgenden.

Wir wünschen recht herzlich, daß unsere Finanz, Regierungen und Rentämter künftig sich mit der Methode Getreide mit erhizter Luft zu troknen, vertraut machten, und ihr Gilt- Getreide ohne Schreiberei so austrokneten, und es gleich von der Trokenvorrichtung weg in guten troknen Erdgruben oder in geschlossenen Kästen aufbewahrten. Da sich so getroknetes Getreide ohne zu verderben viele Jahre aufbewahren läßt, so wäre der Vorwand, wie auch leider die oft wirkliche Ursache beseitigt, das Lastengetreide wegen Maus- und Wurmfras zu einer Zeit um jeden Preis loszuschlagen, wo gerade der Landmann seine entbehrlichen Gaben zur Bestreitung seiner Zins- und Steuerpflichtigkeit zu verkaufen gezwungen ist, und bei den oft unnöthig herabgedrükten Preisen ihn vollends zur Verarmung zu bringen.

So wichtig die erwärmte Luft zum Troknen und Aufbewahren des Getreides ist, eben so wichtig wird sie für das Austroknen des frischen Fleisches seyn. Schon vor 42 Jahren ließ die französische Regierung eine Aufforderung an die Chemiker ergehen, ein Mittel zur Erhaltung des Fleisches bei der Aufbewahrung desselben zu finden, indem alle Reisende dem Einsalzen desselben die nachtheilige Wirkung auf die Gesundheit der Seeleute zuschrieben. Die Société d'Encouragement sezt in der Sizung vom 3. October 1821 einen Preis von 5000 Franken auf Austroknung des Fleisches aus, eine Aufgabe die bis jezt nicht gelöst wurde, und die Gesellschaft veranlaßte, die Aufgabe wieder zu erneuern, wie die Leser weiter unten S. 126 finden. Wir müssen unsere Leser ersuchen das Program darüber im 7ten Bd. dieses Journals S. 247 selbst nachzulesen, weil wir nur folgende Stelle aus diesem Program wiederhohlen können. „Seit 10 Jahren befindet sich hier auf dem Hotel des Monnaies von Hrn. Vilaris, Apotheker zu Bordeaux, getroknetes Fleisch, welches, ohne daß man auf dasselbe acht gegeben hätte, an einem Orte lag. wo es dem Staube und dem Wechsel der Atmosphäre ausgesetzt war. Indessen gab dieses Fleisch, nachdem es gewaschen und in einem irdenen Topfe gekocht wurde, nicht nur eine ziemlich gute Suppe, sondern war selbst noch recht gut eßbar, und hatte |124| noch beinahe den Geschmak von frischem Fleische. Der selige Herr d'Arcet, dessen Andenken den Freunden der Wissenschaft, der Künste und einer gesunden Philantropie so theuer ist, war in ununterbrochenem Briefwechsel mit diesem Apotheker, der vor ihm starb. Es scheint nicht, daß er von dem Verfahren des Hrn. Vilaris, das Fleisch zu troknen, Kenntniß hatte; er sagt bloß, daß Hr. Vilaris, wegen des Benehmens einiger Agenten der alten Regierung, die diese Entdekung für eine Kleinigkeit an sich bringen wollten, dieselbe nicht bekannt gemacht hat. Hr. d'Arcet gab hierüber seinen Unwillen zu erkennen, weil er die Wichtigkeit dieses Geheimnisses fühlte, das mit seinem Entdeker zu Grabe ging. – Kann aber das, was Einer gefunden hat, nicht auch ein Anderer finden?“ u.s.f.

Wir antworten: Allerdings! Ein Versuch, der folgendermassen veranstaltet wurde, hat uns davon überzeugt. Eine 8 Schuh lange und 1 Schuh weite eiserne Röhre, an welcher ein 1 1/2 weiter und 10 Schuh langer hölzerner Canal verbunden war, wurde gehizt, und in den hölzernen Canal einige Stükchen frisches Rindfleisch, das mit einem Tuch vorher abgetroknet wurde, gehängt. Nach achtstündigem Heizen war das Fleisch – beinahe durch und durch troken. läßt man demnach das Fleisch 2 bis 3 Tage lang einem heißen Luftstrom ausgesezt, so wird es so troken, daß man es pulvern kann wie die Peruaner ihren Charqui (Polytechn. Journal VII. Bd. S. 217). Es wird besser seyn, das Fleisch vorher in einem mit warmer Luft gehizten Zimmer 3 bis 10 Stunden lang abtroknen zu lassen, und erst dann in einem solchen hölzernen Canal oder in dem Leitungscanal der erhizten Luft vollends ganz auszutroknen. Wir wünschen, daß dieser höchst wichtige Gegenstand weiter ausgeführt werde, doch nicht in der Absicht, um den darauf gelezten Preis zu erringen, da er vielleicht dem deutschen Forscher nicht zugedacht ist, wenigstens war es mit der Preisaufgabe: „Scharlach mit Krapp zu färben“ (Polytechn. Journ. Bd. 7. S. 118), worauf ein Preis von 6000 Franken gesezt war, so. Wir haben dafür über 8 bis 10,000 Franken Aufopferung gemacht, und nach endlich aufgefundenem Resultat sandten wir hinlängliche Proben und das Verfahren ein, worauf die Gesellschaft den Preis zurük zu nehmen beliebte. (Bulletin de la Sociéte d'Encouragem. Nro. 220) |125| wenn wir von der Société d'Encouragement in Paris unsere schon oftmahls zurük begehrten Muster mit dem Manuscript, das das Verfahren enthält, zurük erhalten, was bis heute (27. Januar 1824) noch nicht erfolgt ist, können wir unser Versprechen der Mittheilung halten.

Daß Gemüße, Wurzeln und Vegetabilien überhaupt, wenn sie in erhizter Luft getroknet und in verschlossenen Räumen aufbewahrt werden, sich lange Zeit, ohne innere Veränderung erhalten lassen, wird wohl keiner weiteren Beweisführung bedürfen.

Ueber die Heizung der Trokenanstalten, in welchen nasse Waaren mit erhizter Luft getroknet werden, wird sich unser nächster Bericht befassen.

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