Titel: Ainger's Beschreibung eines Maßstabes zur Correction der Temperatur.
Autor: Ainger, A.
Fundstelle: 1824, Band 13, Nr. XXII. (S. 147–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj013/ar013022

XXII. Beschreibung eines Maßstabes zur Correction der Temperatur am Hydrometer. Von Hrn. Alfred Ainger.

Aus den Transactions of the Society for the Encouragement of Arts Manufactures and Commerce; im Repertory of Arts, Manufactures and Commerce. December 1823.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

(Hr. Ainger erhielt für diese Mittheilung die goldene Vulcan-Medaille).

Dieser Maßstab ist im Allgemeinen nach dem Grundsaze eingerichtet, welchen die Gesellschaft vor zwei Jahren belohnte, und in dem 38ten Bande ihrer Transactions bekannt machte.

Die Röhre des Hydrometers wird hier so in Grade eingetheilt vorausgesezt, daß sie die Stärke irgend einer Mischung aus Alkohol und Wasser bei irgend einer bestimmten Temperatur (am bequemsten 55° Fahrenh, (10,22 Reaum.) mit Genauigkeit anzeigt. Die besondere Einrichtung des Hydrometers ist übrigens nicht von Belange; die Eintheilungen können entweder in natürlicher Reihe fortlaufen, und mit einem Mahle die Stärke anzeigen, oder, wie an Sykes's Hydrometer, willkürlich seyn: im ersteren Falle muß jedoch die lang genug seyn, um die ganze Reihe zu fassen, oder man kann Gewichte anwenden und einzelne Theile der Reihe auf verschiedenen Flächen des Stammes graviren. In jedem Falle muß ein Gegenstük der Eintheilungen an der Röhre in grösserer Länge auf einem hölzernen, elfenbeinernen oder metallnen Maßstabe gravirt werden, und, um Vervielfältigung der Instrumente zu vermeiden, schlägt man hier vor, die Rükseite des Thermometers hierzu zu verwenden, indem dasselbe, da die Beobachtung unmittelbar nach Bestimmung der Temperatur gemacht werden muß, zu diesem Zweke ohnehin ohnehin bei der Hand ist.

Die mittlere Reihe der Eintheilungen in Fig. 30. Tab. V. soll das Gegenstük der Eintheilungen auf der Röhre des Hydrometers darstellen. An der Seite derselben werden andere |148| Eintheilungen gravirt, die mit einem Grade Fahrenheit correspondiren, und soviel von dem mittleren Maßstabe umfassen, als der Betrag der Wirkung ausmacht, den der Wechsel eines Grades der Temperatur hervorbringt. Auf der linken Seite des mittleren Maßstabes werden die Correctionen für Wechsel der Temperatur unter der mittleren, (55° F.), auf der rechten jene für die Abänderung der Temperatur über der mittleren eingegraben: erstere heißt der aufsteigende, leztere der absteigende Maßstab; die mittlere Reihe der Eintheilungen kann, des Unterschiedes wegen, der Indicator heißen.

Man bedient sich der Corrections-Maßstabe auf folgende Weise: für jeden Grad, welchen die Temperatur der zu untersuchenden Flüssigkeit unter der mittleren Temperatur (55° F) zeigt, wird eine Abtheilung an dem aufsteigenden Maßstabe aufwärts gezählt, und zwar von dem Puncte an, welchen das Hydrometer als den Punct der Stärke der Flüssigkeit anzeigte, der aber offenbar zu niedrig ist, weil die specifische Schwere der Flüssigkeit durch den Abgang von Wärme vergrößert wurde. Auf dieselbe Weist zählt man an dem absteigenden Maßstabe eine Abtheilung abwärts für jeden Grad der Wärme über 55°F. Wenn z.B. in dem ersten Falle das Thermometer auf 48° stünde, also 7° unter der mittleren Temperatur (55°), so müßten sieben Abtheilungen aufwärts an dem aufsteigenden Maßstabe gezählt werden, und, wenn im 2ten Falle das Thermometer 60° wiese, also fünf Grade über der mittleren Temperatur (55°), so müßten fünf Abtheilungen abwärts auf dem absteigenden Maßstabe gezählt werden. Um die Beobachtungen hinsichtlich der höheren oder niedrigeren Temperatur (über oder unter der mittleren nämlich von 55°) zu erleichtern, ist an dem Thermometer noch eine Eintheilung angebracht, die Fig. 1. darstellt, und welche bei 55° als dem 0 Puncte anfängt, und über wie unter diesem Puncte sich bis auf 25° erstrekt, in welcher Streke die beiden äußersten Gränzpuncte der Temperatur inbegriffen sind, unter welchen man jemahls eine Flüssigkeit prüfest kann. Der über dem 0 Puncte befindliche Theil dieser Eintheilung kann mit dem Worte absteigend,“ der unter demselben vorhandene mit dem Worte aufsteigend,“ in Hinsicht des Corrections-Maßstabes, bezeichnet werden.

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Die Nothwendigkeit zweier Corrections-Maßstäbe, wird dadurch begründet, daß, wenn man denselben Maßstab zur Verbesserung bei höherer und bei niedrigerer Temperatur (über oder unter 55°) anwenden wollte, Fehler entstehen könnten, die in einigen Fallen über ein Zehntel Procent betragen. Ueber dieß erleichtern diese beiden Maßstabe die Correction; indem sie, statt der schwierigen Subtraction, deren man sich bei höherer Temperatur bedienen müßte, wenn nur Ein Maßstab vorhanden wäre, die einfache und leichte Operation des Addirens substituiren.

Um einen solchen Maßstab zu verfertigen, muß man eine Reihe von Versuchen angestellt haben, durch welche die verschiedenen specifischen Schweren einer Reihe von Mischungen aus Alkohol und Wasser bei verschiedenen Temperaturen und die Verhältnisse dieser Mischungen sowohl dem Gewichte als dem Umfange nach bestimmt angegeben werden: ferner muß auch die Größe der Verdichtung bekannt seyn, welche in diesen verschiedenen Mischungen durch die chemische Verbindung der beiden Flüssigkeiten entsteht. Alle diese Daten hat Hr. Gilpin in weitläufigen Tabellen in den Philosophical Transactions vom J. 1794 gegeben51) Die vollkommene Genauigkeit dieser Tabellen ist für den gegenwärtigen Zwek nicht wesentlich, indem es sich bloß darum handelt, wie die Resultate ähnlicher Versuche zur Verfertigung von obigen Maßstäben benuzt werden können. Man muß indessen nicht vergessen, daß die Sprache, in welcher die Stärke geistiger Flüssigkeiten gewöhnlich ausgedrükt wird, von den Ausdrüken in den obenerwähnten Tafeln gar sehr abweicht, indem sie weder auf den specifischen Schweren der Mischung, noch auf den relativen Verhältnissen der constituirenden Flüssigkeiten beruhen. Die Anzeigen des Hydrometers werden durch Worte ausgedrükt, welche offenbar von der Anwendung dieses Instrumentes auf Zoll- und Steuer-Ertrag hergenommen sind, der auf der willkürlichen Annahme einer besonderen Mischung von Alkohol und Wasser sich gründet, welche als Normal-Punct gilt, worauf alle andere Verbindungen zurükgeführt werden. Diesen Normal-Punct nennt man die Probe (Proof), und |150| der Unterschied zwischen dieser Probe und irgend einer Mischung von Alkohol und Wasser wird dadurch ausgedrükt, daß man sagt: leztere sey um eine gewisse Menge per Cent über oder unter der Probe; was in dem ersteren Falle soviel heissen soll, als daß, z.B. 100 Gallonen einer Mischung, die zehn per Cent über der Probe sind, durch Zusaz von Wasser auf Hundert und zehn Gallonen probehältiger Flüssigkeit gebracht werden können; und, wenn man im zweiten Falle sagt, daß hundert Gallonen einer Mischung zehn per Cent unter der Probe sind, so heißt dieß soviel, daß nur für neunzig Gallonen probehältiger Flüssigkeit Alkohol in dieser Mischung enthalten ist. Man muß hier bemerken, daß, um hundert Gallonen geistiger Flüssigkeit, die zehn per Cent über der Probe ist, zur probehältigen Flüssigkeit zu machen, es nicht genug ist eben zehn Gallonen Wasser zuzusezen, indem die chemische Vereinigung der beiden Flüssigkeiten diese beiden Mengen etwas weniger als hundert und zehn Gallonen verdichten würde; vielleicht auf 109 1/2 Gallon. Man muß also mehr als 10 1/2 Gallon Wasser zusezen. Eben dieß gilt auch hinsichtlich der Verminderung des Wassers in dem zweiten Falle, wenn die Mischung unter der Probe ist.

Aus dem oben angegebenen Grunde, daß die Ausdrüke in Gilpin's Tabellen durchaus nicht mit den gewöhnlichen am Hydrometer passen, muß hier eine Methode angegeben werden, nach welcher man die einen auf die anderen zurükführen kann. Durch eine der lezteren Parliament's-Acten wurde gesezlich bestimmt, daß probehältige geistige Flüssigkeit bei 51° (8,44 R.) zwölf Dreizehntel eines gleichen Volumens destillirten Wassers wiegen soll. Wenn man daher 11 durch 13 theilt, so erhält man, 0,02308 als die specifische Schwere einer probehältigen Flüssigkeit bei 51°, die Temperatur mit dem Wasser gleich gesezt. Da aber die Temperatur des Wassers, wenn man die specifische Schwere desselben als Normal-Punct zur Vergleichung der spezifischen Schwere anderer Flüssigkeiten annimmt, – 60° F. gesezt wird (12,44 R.). so muß man 0,92308 mit 1,00063, der specifischen Schwere des Wassers bei 51°, multipliciren, welches 0,9296 als die specifische Schwere der probehältigen geistigen Flüssigkeit bei 51°, verglichen mit jener des Wassers bei 60° gibt.

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Schlägt man nun in Gilpin's Tabellen unter 51° nach, so sieht man, daß eine Mischung aus 100 Gewichtstheilen Alkohol52) und 80,05 Wasser die specifische Schwere (0,92300 der probehältigen geistigen Flüssigkeit besizt. Dieselben Mengen Alkohol und Wasser sind aber, in Raumtheilen, 100 für den Alkohol, und 67,00 für das Wasser, welche durch das Mischen, um 4,36 verdichtet oder verringert werden, so daß 162,37 als Raumtheile für probehältige geistige Flüssigkeit bei 51° und 100 Theilen Alkohol bei derselben Temperatur übrig bleiben. Da aber 55° der Null-Punct an unserer thermometrischen Scala ist, so müssen die Bestandtheile der probehältigen geistigen Flüssigkeit auf diesen Temperatur-Grad zurükgeführt werden, indem man die in den Tabellen unter „35°“ angeführten Beobachtungen darauf zurükführt. Denn, obschon 100 Gewicht-Theile Alkohol und 80,85 Wasser unter jeder Temperatur das unwandelbare Verhältniß des Alkohols zu dem Wasser in der probehältigen Flüssigkeit ausbrüten, so wird doch das Volumen oder der körperliche Umfang dieser Bestandtheile unter diesem Verhältnisse bei jeder Zunahme oder Abnahme der Temperatur sich ändern. So ist z.B. das Volumen dieser Bestandtheile der probehältigen Flüssigkeit, deren Gewicht 100 und 80,85 ist, bei 50°-100 und 66,87, und wird durch Verdichtung bei der Mischung, um 4,57, also auf 162,30 als die Menge zurükgeführt, welche man bei 55° durch 100 Theile Alkohol dem Raume nach erzeugen kann. Nach diesen Daten lassen sich die Combinationen in den Tabellen leicht durch äquivalente Ausdrüke in der Sprache der Percents über und unter der Probe geben; denn, nachdem man gefunden hat, daß 100 Theile Alkohol 162,30 Theile probehältige geistige Flüssigkeit liefern, so ist, unter der Voraussezung, daß den 100 Theilen Alkohol so viel Wasser zugesezt wurde, daß die verdichtete Mischung eine Menge wird, welcher man entweder ein Zehntel des lezteren zusezen oder entziehen muß, um die Zahl 162,30 zu erhalten, diese Mischung offenbar zehn |152| Cent über oder unter der Probe, je nachdem man obige Erklärung nimmt.

Um nun in der Berechnung der Stellen der Eintheilungen an einem der Corrections-Maßstäbe, z.B., an dem aufsteigenden fortzufahren, führt man, wenn das Gegenstük des Indicators wie in Fig. 5. gravirt ist, das Probe-Zeichen quer über die Maßstäbe hin. Der Probe-Strich ist mit P bezeichnet, und die Zahlen 4, 5, 6 etc. oben und unten bezeichnen eben so, viele per Cent über und unter der Probe: dir mittleren Marke sind Zehntel-Percent. Wir wollen nun von dem Puncte aus, welcher mit dem Probe-Striche zur Linken, oder an dem aufsteigenden Maßstabe, übereintrifft, anfangen die Stelle der vierten Eintheilung zu berechnen, welche mit jener Veränderung, in der scheinbaren Stärke der probehältigen geistigen Flüssigkeit correspondirt, die da Statt hat, wenn man dieselbe bei 51°, d.i., bei 4° unter der mittleren Temperatur, untersucht; oder wir wollen, mit anderen Worten, finden, welcher Verbindung von Alkohol und Wasser bei 51° dieselbe specifische Schwere zukommt: die eine probehältige geistige Flüssigkeit bei 55° besizt. Um diese zu finden, schlage man in Gilpin's Tabellen unter 55° auf. Man findet daselbst, wie wir Oben gesehen haben, daß 100 Gewichttheile Alkohol und 80,85 Wasser, oder 100 Raumtheile Alkohol und 66,87 Wasser, auf 162,30 durch Verdichtung zurükgeführt, probehältige geistige Flüssigkeit bilden. Man bemerke nun die specifische Schwere dieser Verbindung, und man wird nach einer kurzen Berechnung der Mittelglieder zu dieser Tabelle, 0,92196 finden. Man suche nun in den Tabellen, unter 51°, welche Verhältnisse des Alkoholes und des Wassers dem Gewichte nach dieselbe specifische Schwere bei die, der Temperatur besizen, und man wird durch eine andere ähnliche und kurze Interpolations-Rechnung 100 Theile Alkohol und 78,02 Wasser erhalten. Man suche nun in den Tabellen, unter 55°, die Raumverhältnisse dieser Gewichte, welche auf 100 Theile Alkohol 64,52 Wasser, und verdichtet durch Mischung um 4,47, als die gesammte Menge geistiger Flüssigkeit 160,05 geben. Da aber diese Menge soviel Alkohol enthält, als zur Erzeugung von 162,30 probehältiger geistiger Flüssigkeit nöthig war, so ist es offenbar, daß sie über der Probe ist. |153| Um wieviel sie aber darüber ist, bestimmt sich auf folgende Weise. Man ziehe 160,05 von 162,30 ab, und multiplicire den Rest mit 100; das Product theile man durch 160,05. Der Quotient wird 1,406 seyn, und beweisen, daß wenn eine geistige Flüssigkeit bei 51° probehältig scheint, sie wirklich um 1,405 per Cent über der Probe ist. Dieß ist also die Stelle der vierten Marke über der Probe auf dem aufsteigenden Maßstabe, der in Fig. 5 mit 196 bezeichnet ist. Um den vierten Punct über diesem zu finden, oder den achten von dem Probe-Striche, nimmt man die zulezt dem Gewichte nach erhaltene Verbindung, nämlich 100 und 78,02, was mit 1,405 über der Probe stimmt; man bemerkt die specifische Schwere derselben bei 55°, die 0,92026 ist, und die Verbindung dem Gewichte nach welche bei 51° dieselbe specifische Schwere hat, und 100 und 75,26 ist. Man übertrage diese Größen in den Tabellen auf 55°, und bemerke ihre correspondirenden Werthe in Raumtheilen, nämlich 100 und 62,24, um 4,38 verdichtet, was 157,86 geistige Flüssigkeit gibt, welche offenbar stärker ist als leztere, indem in beiden dieselbe Quantität Alkohol vorhanden ist, wenn man die vorige Operation wiederholt, 100(162,30 – 157,86)/157,80 so erhält man 2,813. 2,813 ist demnach die Stelle des achten Punctes auf dem aufsteigenden Maßstabe über dem Probestriche Wenn man auf diese Weise fortfährt, so erhält man eine Reihe von Gliedern, die über 70 per Cent über die Probe hinaufsteigt. Nehmen wir indessen einstweilen an, daß nur die fünf ersten Puncte allein gefunden wären, nämlich: 1,406; 2,813; 4,192; 5,582; 6,973; so sieht man, daß eine geistige Flüssigkeit, welche bei 51° probehältig scheint, in der That, 1,406 per Cent über der Probe ist; daß eine solche Flüssigkeit, die bei 51° F. 1406 per Cent über der Probe zu seyn scheint, wirklich 2,813 über derselben ist; daß diese, die 2,813 über der Probe zu seyn scheint; in der That 4,192 darüber ist; daß diejenige, die 4,192 über der Probe zu seyn scheint, 5,582 darüber ist; und die, die die 5,582, darüber zu seyn scheint, 0,973 ist. Allein die Total-Summe dieser fünf Wirkungen, zu 4° jede, sollte mit dem Betrage der Veränderung correspondiren, welche von 20° |154| hervorgebracht wird, d.h., eine geistige Flüssigkeit, welche bei 35° oder bei 55–20) probehältig scheint, sollte wirklich 5,973 über der Probe seyn. Denn, wenn man in Gilpin's Tabellen die Tabelle für 35° nachsieht, um darinn die Verbindung zu finden, welche bei 55° dieselbe specifische Schwere (0,92196) besizt, so findet man 100 Gewichttheile Alkohol und 67,67 Wasser, und, in Raumtheilen bei 55°, 100 Alkohol auf 55,96 Wasser, was, um 4,08 verdichtet, 151,88 gibt, und, durch obige Operation, 100(162,30 – 151,88)/151,88 = 6,861 so daß die Flüssigkeit zu 6,861 über der Probe erscheint. Nun ist es klar, daß die Natur des Maßstabes es fordert, daß diese Zahl und die oben erhaltene Zahl: 6,973, convertible Größen seyn müssen, und deßwegen diese Corrections-Methode nicht für theoretisch genau gelten kann; der Fehler läßt sich indessen so vertheilen, daß man denselben beinahe nicht mehr bemerken kann, indem man alle die Puncte auf Intervalle von 20° berechnet, und die mittleren durch Interpolation findet. Auf diese Weise wird der Fehler von 0,112 (oder 6,963–6,861) so vertheilt, daß nur ein Fünftel desselben, oder 0,224, also kaum etwas mehr als ein Fünfzigstel per Cent als Fehler für eine Correction von 4° Temperatur Wechsel übrig bleibt. In einigen Fällen mag er 0,33, oder ein Dreißigstel per Cent betragen; dieß ist aber nur für den äußersten Fall; denn im Durchschnitte beträgt er nicht mehr als 0,010, oder ein Hundertel per Cent.

Es bleibt nun nur noch ein Beispiel übrig, das wir für jede zur Bildung der Corrections-Maßstäbe nöthige Berechnung zu geben haben: der Grundsaz ist bei jeder derselbe, nur das Verfahren ist etwas verschieden, je nachdem das gesuchte Glied sich an dem aufsteigenden oder absteigenden Maßstabe befindet, und über oder unter dem Probe-Striche vorkommt, so daß hierdurch vier Verschiedenheiten entstehen, von deren jeder hier ein Beispiel folgt.

Die Stelle der zwanzigsten Eintheilung auf dem aufsteigenden Maßstabe über der Probe ward bereits mit 6,861 gefunden, und diesem Puncte gegen über muß auf dem Maßstabe der Indicators eine Marke angebracht werden. Die dazwischen fallenden zwanzig Eintheilungs-Puncte müssen auf eine ähnliche Weise |155| wie die fünf Glieder, von 40 jedes, nämlich: 1,406; 2,813; 4,192; 5,582; 6,973 interpolirt werden. Die Progression derselben ist beinahe, und soviel möglich, eine arithmetische, und kann in jedem Falle für das Hydrometer als eine solche betrachtet werden. Wenn man diese Ausdrüke prüft, so wird man finden, daß die lezte Decimale eines jeden incorrect ist, was von den unvermeidlichen Fehlern in den Tabellen selbst herkommt. Es ist nicht nöthig zu zeigen, wie man die vierzigste, sechszigste Eintheilung, und die noch übrigen auf diesem Theile des Maßstabes erhält, und man kann bei der weiteren Unterabtheilung derselben in kleinere Glieder, deren jedes mit 10 Fahrenheit correspondirt, keine Schwierigkeit finden.

Um die zwanzigste Stelle unter der Probe auf dem aufsteigenden Maßstabe zu finden, sieht man, nachdem man vorher das Verhältniß des Alkohols zum Wasser in der probehältigen geistigen Flüssigkeit dem Gewicht nach gefunden hat, nähmlich: 100 Alkohol zu 80,85 Wasser, in den Tabellen unter 35° nach, und bemerkt die specifische Schwere einer solchen Mischung bei dieser Temperatur, welche 0,93036 seyn wird. Hierauf bestimmt man das Volumen des Weingeistes und Wassers, welches bei 55° dieselbe specifische Schwere besizt. Dieses ist: 100 und 79,78, welches, um 5,06 verdichtet, 174,72 gibt. Hieraus erhält man 100(174,72 – 162,30)/174,72 = 7,109, welches die zwanzigste Stelle gibt. Die vierzigste, sechszigste Stelle und die folgenden werden auf dieselbe Weise gefunden, und die Mittelglieder, wie vorher, bestimmt.

Um den absteigenden Maßstab zu vollenden, oder denjenigen, welcher die Correction für die Temperatur über der mittleren gibt, fängt man mit der zwanzigsten Stelle über der Probe an, und schlägt in den Tabellen unter dem 750 nach, um die specifische Schwere von 100 Alkohol und 80,35 Wasser zu finden, welche 0,91322 ist. Diese correspondirt bei 550 mit 100 Raumtheilen Alkohol und 55,79 Wasser, welche, um 4,03 verdichtet, 151,71 geben; woraus 100(162,30 – 151,71)/151,71 = 6,98, die verlangte Stelle der zwanzigsten Eintheilung über der Probe gibt. Um die zwanzigste Stelle unter der Probe zu finden, sucht |156| man die specifische Schwere der probehältigen Flüssigkeit bei 55°; sie ist 0,92106; unter 75° correspondiren mit derselben 100 Alkohol und 96,67 Wasser, deren Raumtheile 100 und 79,94 auf 507 verdicktet, 174,87 geben, woraus 100(174,87 – 162,30)/174,87 = 7,188 hervorgeht.

Folgende Tabellen zeigen die Stellen für jede Eintheilung eines Hydrometers, der die Stärke Alkohol hältiger Flüssigkeiten bis zu 70 pr. Cent. unter der Probe anzeigen soll. Sie sind nach Gilpin's Tabellen berechnet, und die Masse von Alkohol und Wasser in jedem Falle bis auf zwei Decimalen, die specifischen Schweren bis auf fünf genommen: die eine Reihe von Zahlen zeigt, welchem Puncte des Maßstabes des Indicators der Punct gegenüber zu stellen ist; die andere drükt die Werthe der Intervalle zwischen jedem nachfolgenden Puncte aus.

Textabbildung Bd. 13, S. 156

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Textabbildung Bd. 13, S. 157

Die in diesen Tabellen angegebenen Puncte werden, nachdem sie jeder in 4 Theile untergetheilt und an den Seiten des Maßstabes des Indicators angebracht sind, gezählt, und zwar an dem aufsteigenden Maßstabe von Unten anfangend, und an dem absteigenden Maßstabe von Oben. Es wird vielleicht genügen, wenn man nur jede vierte Eintheilung zählt und numerirt, wie Fig. 4. auf der zweiten Tafel zeigt. Fig. 6. zeigt die Größe, in welcher die Eintheilungen auf dem Rüken eines mittelmäßig großen Thermometers gemacht werden können; man wird finden, daß man Zehntel, und selbst halbe Zehntel, noch mit Leichtigkeit lesen kann, und haß es durchaus nicht überflüssig |158| überflüssig ist ein Thermometer anzuwenden, welches empfindlich genug ist, um halbe und viertel Grade deutlich zu zeigen, indem man sieht, daß ein Grad die scheinbare Starke der probehältigen Flüssigkeit um drei bis vier Zehntel pr. Cent. verändert. Wo dieß der Fall ist, muß jedes Viertel der Eintheilungen in obigen Tabellen wieder unter abgetheilt werden, um mit den Wirkungen zu correspondiren, welche halbe Grade der Temperatur erzeugen.

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Repertory XXXIX. p. 151.

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Unter Alkohol versteht Gilpin den stärksten Weingeist, dessen specifische Schwere bei 60° = 0,825 ist, und in diesem Sinne wird dieses Wort hier immer gebraucht. Der gewöhnlich verkäufliche Alkohol hat bei 60° nur 0,815 spec. Gew., und oft bekanntlich noch weniger.

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