Titel: Ueber die Anwendung von Barton's metallnen Stämpeln etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1824, Band 13, Nr. LXVI. (S. 317–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj013/ar013066

LXVI. Ueber die Vortheile der Anwendung von Barton's metallnen Stämpeln und Metall-Substituten für die luftdichten Schließbüchsen.

Aus Gill's technical Repository, Nro. 21. S. 205, Nro. 22. S. 242. Im Auszuge.

Mit Abbildungen auf Tab. VIII.

Hr. Barton hat mit seinen Erfindungen das Unglük, daß sie theils, wie wir zeigten (polytechn. Journ. Bd. 12. S. 103) entstellt, theils ihm gänzlich abgestritten wurden. So wurden neuerlich115) seine Patent-Stämpel einem Hrn. Peter Browne, Advocaten in America, zugeschrieben, der bloß gemeinschaftlich mit ihm ein Patent darauf genommen hat.

Diesen Patent-Stämpeln ertheilt der competenteste Richter, Hr. Perkins, in zwei in diesem Aufsaze des Hrn. Gill mitgetheilten Schreiben das größte Lob; er betrachtet sie, nach einer dreimonatlichen Anwendung „als das Beßte und Vollkommenste dieser Art, was ihm noch zu Gesichte kam“; erfand, bei einem Dampfdruke von 4 bis 500 Pfund auf den Quadratzoll „die Reibung geringer, als an irgend einem anderen Stämpel,“ und fand „denselben doch gehörig dampfdicht.“ Hr. Gill bezeugt gleichfalls, nach dreimonatlicher Erfahrung, daß die Abnüzung dieses Stämpels beinahe unbedeutend ist, und daß derselbe, so wie die Schlußbüchsen selbst, durch den Gebrauch immer besser wird. Die HHrn. Howard, die diese Stämpel bei zwei Maschinen, von 14 und von 40 Pferden anwendeten, gaben das vortheilhafteste Zeugniß hierüber, und |318| noch vortheilhafter ist jenes des Hrn. Ledger, der zwei Jahre lang damit arbeitete, ohne daß es nöthig gewesen wäre, auch nur ein Mahl bei denselben nachzusehen, Aehnliche Güte und Dauerhaftigkeit bezeugen, nach mehrjähriger Erfahrung, die HHrn. Thonchil und Morley, und Hr. G. Smart an der Westminster Brüke, mehrere Inhaber der Bergwerke in Cornwallis, und die Werkmeister an den London- und Richmond-Dampfbothen. Eine Menge anderer Zeugnisse, die es uns hier unmöglich ist auch nur mit dem Namen der Aussteller anzuführen, bestätigen die Vortrefflichkeit dieser Stämpel und Schließbüchsen.

Hr. Barton theilte Hrn. Gill eine sehr genaue Zeichnung dieser Stämpel mit, welche lezterer am angeführten Orte S. 211, bekannt machte. Fig. 9. zeigt diesen Stämpel im senkrechten, Fig. 10, im horizontalen Durchschnitte nach der Linie AA, in Fig. 9, woraus erhellt, daß die in dem angeführten Schreiben des Prof. Cutbush aufgestellten Grundsäze hier eine bedeutende Abänderung erlitten, und daß statt der dort beschriebenen oberen und unteren Platten des Stämpels, der drei Ausschnitte, Keile und der Feder, der Stämpel hier als eine dichte cylindrische Masse von Gußeisen, BB, mit einem kegelförmigen Loche in der Mitte, C, zur Aufnahme des verdikten Endes der Stämpel-Stange D, dargestellt ist, welche leztere mit einem Querstifte, E, der durch beide läuft, darin befestigt ist. Ein Canal oder eine Furche, FF, läuft rings um diesen Körper, und hierin sind die vier Segmente, GGGG, von gehärtetem und temperirten Gußstahle, und die vier rechtwinkeligen Gußstahl-Keile, HHHH, eingesezt. Die acht stählernen, gehärteten und temperirten, spiralförmigen Stahlfedern, IIII, befinden sich in walzenförmigen Höhlungen, welche zugleich in den Keilen und in dem Körper des Stämpels selbst angebracht sind, und spielen frei in denselben. In jeder Spiralfeder ist ein, stählerner walzenförmiger Stift, der etwas kürzer ist, als die Feder, und diese dadurch hindert, sich über die Linie ihrer direkten Wirkung zu beugen. Außen um die Segmente und Keile sind drei ringsumher laufende Furchen angebracht, wovon die mittlere zur Aufnahme von Oehl oder Fett bestimmt ist, um den Cylinder und den Stämpel zu schmieren: in der oberen und unteren |319| befinden sich stählerne, gehärtete und temperirte Ringe, die quer gespalten sind, und dieselben genau ausfüllen: wenn der Stämpel in den Cylinder, II, eingesezt wird, so berühren sich dieselben genau. Damit sie sich nicht in den Furchen drehen, ist in der Mitte eines jeden ein kleiner Stift angebracht, welcher in ein in der Furche befindliches Loch fällt, und die Ringe mit ihren gespaltenen Enden in entgegengesezter Richtung gegen einander hält. Diese Ringe dienen vorzüglich dazu, daß die losen Theile des Stämpels nicht von einander fallen oder in Unordnung gerathen, wenn der Stämpel aus dem Cylinder genommen wird.

Fig. 11. und 12. die metallnen Substitute für die Schließbüchsen (Stuffing-Boxes), und zwar Fig. 11. der verticale Durchschnitt derselben durch die punctirte Linie AA, in Fig. 11., und Fig. 12. der horizontale Durchschnitt durch die Linie BB, in Fig. 11. C, stellt in beiden Figuren die Stämpel-Stange vor. D, der Cylinder; E, eine in demselben angebrachte Höhlung, zur Aufnahme der Gußeisen-Platte F; G, eine andere, zur Aufnahme der oberen Eisenplatte H; I, der Dekel des Cylinders, der mittelst Schrauben und Nieten an dem Rande am Ende des Cylinders befestigt ist; I und K, Bleiplatten, die man dazwischen legt um einen genaueren Schluß hervor zu bringen; LL etc., die drei Haupt-Metallblöke, welche die Stämpel-Stange umfassen; MM etc. die drei zweiten Metallblöke, welche die kleinen noch übrigen Räume zwischen den Verbindungen der Hauptblöke ausfüllen; NN etc., zwei dünne Reifen oder Bänder aus gehärtetem und temperirten Stahle, die an ihren Enden fest zusammen genietet sind. Diese umfassen die sechs Blöke, und liegen auf den äußeren zugerundeten Eken derselben auf, die zu ihrer Aufnahme weggefeilt sind, jedoch so, daß in der Mitte eines jeden (wie Fig. 11. bei OO, an zweien zeigt) noch etwas davon übrig bleibt, damit die Bänder auf ihrem Plaze gehalten werden. Die äusseren Winkel der Blöke würden, Anfangs, alle einen um sie umher beschriebenen Kreis berühren; sie werden aber weniger an den Blöken, LL, als an den Blöken MM, weggefeilt, wodurch die Blöke LL, mittelst der Einwirkung der elastischen Bänder auf dieselben mehr an die Stämpel-Stange angedrükt |320| werden, als die zweiten Blöke, MM, obschon die Bänder auch auf diese lezteren einen gehörigen Grad von Druk äußern. Die Kraft der elastischen Bänder verstärken noch sechs Spiralfedem, PP, welche sich in cylindrischen Höhlungen, die in den Blöken, LL, angebracht sind, befinden, und zugleich gegen die Bänder und gegen die Blöke drüken, und ihren Druk auf die lezteren gegen die Stämpelstange hin mit den ersteren vereinigen. Diese Federn haben innerhalb stählerne Stifte, wie die oben bei dem Stämpel beschriebenen. QQ, sind zwei andere Bänder, Ringe oder Reifen von elastischem Stahle, die quer gespalten sind, und zur genaueren Schließung der Fugen um die Stämpel-Stange dienen; sie befinden sich in Furchen in den inneren Enden der Blöke, LL, und sind auf eine ähnliche Weise, wie oben bei dem Stämpel gesagt wurde, befestiget. Eine andere Furche, R, in der Mitte der vorigen, dient zur Aufnahme des Fettes oder anderer schlüpfrig machenden Substanzen, zu welchem Zweke auch eine kreisförmige Oeffnung, SS, um das Loch in dem Dekel des Cylinders angebracht ist.

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In Frankreich sind diese Stämpel unter dem Namen der pistons metalliques de Mr. Broune bekannt, Und schon früher in einem Schreiben des Prof. J. Cutbush in Philadelphia an Prof. Mitchell im New-York Mercantile Advises, 15. Jäner 1817, wurde Browne als Erfinder derselben angegeben. Man läßt hier der Erfindung selbst volle Gerechtigkeit widerfahren, irrt sich aber über den Erfinder.

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