Titel: Spilsbury's Verbesserungen in der Gärberei.
Autor: Spilsbury, Francis Gybbon
Fundstelle: 1824, Band 13, Nr. LXXII. (S. 342–345)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj013/ar013072

LXXII. Verbesserungen in der Gärberei, worauf Franz Gybbon Spilsbury, zu Walsall in der Grafschaft Stafford, sich am 22. April 1823 ein Patent ertheilen ließ130)

Aus dem London Journal of Arts and Science, Nro. 36. S. 285.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

Die hier vorgeschlagenen Verbesserungen zur Erleichterung des Gärbe-Processes unterscheiden sich von dem gewöhnlichen |343| Verfahren nur durch Anwendung eines Drukes, wodurch das flüssige Gärbe-Mittel in und durch die Poren der Haute durchgetrieben, statt nach der alten Methode eingesogen wird.

Die gewöhnliche von den Gärbern befolgte Methode besteht darin, daß, nach Abnahme der Haare von den Häuten, leztere In Gruben versenkt werden, welche mit einem wässerigen Aufgusse der Gärberinde gefüllt sind. Da aber die thierische Faser an der Oberfläche der Haut zuerst den Gärbestoff aufnimmt, so wird der Aufguß geschwächt, und die Rinde geht verloren, ehe sie auf die ganze Substanz der Haut gehörig gewirkt hat. Das bereits eingesogene Wasser hindert die neu hinzugethanene Rinde in das Innere der Haut einzudringen. Dadurch wird der Gärbe-Proceß sehr verzögert, und der Gärbestoff kann nur sehr unvollkommen und ungleich auf die Haut selbst wirken.

Die Mittel, welche der Patent-Träger zur Beseitigung dieser Nachtheile und zur Beschleunigung des Gärbe-Processes vorschlägt, sind folgende: nachdem die Häute oder Felle von den Haaren gereiniget und übrigens gehörig nach den bekannten Verfahrungs-Weisen zubereitet wurden, werden sie hinsichtlich auf ihre Gesundheit genau untersucht, und wenn sich Löcher in denselben befinden sollten, werden diese wasserdicht zugenähet. Man richtet nun drei Rahmen von Holz oder von irgend einem anderen schiklichen Materiale und von gleichem Umfange so zu, daß sie genau auf einander passen, wie abc auf Fig. 11, wo diese Rahmen von der Kante und durch Schraubenbolzen zusammen gehalten vorgestellt werden: Fig. 12 zeigt dieselben von der Seite. Eiserne Rahmen taugen nicht, ausser sie sind stark mir Firniß bekleidet oder verzinnt, indem das Eisen die Häute mit der Zeit schwärzen würde. Man legt nun eine zum Gärben bestimmte Haut über den Rahmen, a, und strekt sie über die Kanten desselben, sezt den zweiten Rahmen, b, darauf, und richtet ihn so, daß die Kanten der beiden Rahmen die Haut ringsumher drüken, und gehörig festhalten. Hierauf wird eine zweite Haut, die gegärbt werden soll, über die obere Fläche des zweiten Rahmens auf ähnliche Weise, wie die |344| erste Haut auf dem ersten Rahmen ausgestrekt, und ein dritter Rahmen, c, auf obige Haut gelegt, so daß diese gleichfalls gehörig gespannt wird. Nun werden die drei Rahmen, welche die beiden Haute halten, mittelst einer Reihe von Schrauben, Bolzen, die durch Ohren laufen, welche an den äußeren Kanten des Rahmens angebracht sind, fest zusammen geschraubt, und die Haut aus solche Art befestiget, daß die Gärbeflüssigkeit auf dieselbe wirken kann.

Man wird nun einsehen, daß zwischen den beiden Hauten ein Raum übrig bleibt. In diesen Raum wird, nachdem man die Rahmen in eine senkrechte Lage gebracht hat, die Gärbe-Flüssigkeit mittelst einer Röhre, d, eingelassen, welche an ihrem oberen Ende mit einer Cisterne, oder mit einem Fasse, e, in Verbindung steht; die Luft wird durch den Sperrhahn, f, ausgelassen, welcher geschlossen werden muß, wenn der durch die Füllung mit der gärbenden Flüssigkeit aus den Hauten gebildete Sak voll ist. Der Sperrhahn der Röhre, d, bleibt aber offen, und dadurch wird eine Verbindung mit der Cisterne oder mit dem Fasse unterhalten, wodurch das Gewicht der in derselben enthaltenen Flüssigkeit auf jene zwischen den Hauten wirkt, und durch diesen hydrostatischen Druk wird die Gärbe-Flüssigkeit in die Poren der Felle oder Haute getrieben, so daß sie endlich durch dieselben durchschwizt: indessen ist der Garbestoff durch die thierische Faser aufgenommen, und die Gärbung der Haute auf eine sehr schnelle Weise vollendet worden.

Der hydrostatische Druk kann, nach der Menge der in der Cisterne enthaltenen Flüssigkeit, vermehrt oder vermindert und nach Umständen durch die bekannten Mittel abgeändert werden: die Gärbe-Flüssigkeit wird wie Thau, oder in kleinen Tropfen auf der äußeren Oberfläche der Haut erscheinen.

Nachdem die Häute hinlänglich gegärbt wurden, wird der Sperrhahn, d, geschlossen, und die Garbeflüssigkeit durch den Hahn, g, abgezogen. Die Bolzen werden nun losgeschraubt, die Rahmen werden abgenommen, und die äußersten Enden der Haut, insofern sie zwischen den Rühmen eingeklemmt waren, weggeschnitten, worauf die Haut getroknet und auf die gewöhnliche Weise zugerichtet wird.

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Die zur Vollendung der Gärbung nöthige Zeit hängt von der Dichtigkeit der Haut ab, welche gegärbt werden soll, von der Stärke der Gärbe-Flüssigkeit und von der Gewalt des hydrostatischen Drukes. Da wir bei keinem nach diesem Verfahren angestellten Versuche gegenwärtig gewesen sind, so können wir durchaus keinen mittleren Durchschnitt der hierzu nöthigen Zeit angeben, und der Patent-Träger schweigt hierüber gänzlich. Man sagt aber, daß dieses Verfahren desselben sehr gut und sehr leicht und schnell geht, und die Gärbekunst mächtig fördert.

Der Patent-Träger erklärt, daß er das hier angegebene Verfahren und die hier beschriebene Vorrichtung immer anwendete und für die beßte Methode hält: er ist jedoch der Meinung, daß unter bestimmten Umständen sowohl die Form als die Lage der Rahmen abgeändert werden könne, und daß man zwischen dem inneren Rahmen und den beiden äußeren noch eine oder mehrere Häute anbringen kann.

Dieses Patent ist auch in Gill's technical Repository December 1823 S. 361 enthalten. Die Zeichnung ist daselbst in einem größeren Maaßstab gegeben. Hiemit vergl. man polyt. Journal Bd. 12. S. 383. wo sich diese Erfindung, schon früher von uns ausgegangen, erwährt findet. D.

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