Titel: Verfahren Champignons zu ziehen.
Autor: Hogan, Wilh.
Fundstelle: 1824, Band 13, Nr. LXXX. (S. 384–386)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj013/ar013080

LXXX.  Neues Verfahren Champignons zu ziehen. Von Hrn. Wilh. Hogan, Gärtner bei Hrn. Jak. Warre.

Aus den Transactions of the London Horticultural Society. Vol. V. Part. III. In Gill's technical Repository. January. 1823. S. 30. (Im Auszuge).

„Die äußere Form dieses Beetes ist jener der alten gewöhnlichen Beete ähnlich, nur mit dem Unterschiede, daß dasselbe hohl statt dicht angelegt ist. Starke Stangen werden unter einem Winkel von beinahe 65° Graden an einer Mauer angelehnt, und darauf Hürden gelegt, die das Beet tragen müssen. Auf diese Weise entsteht unter den Stangen eine Höhlung zur Aufnahme des Düngers, den man sonach leicht wechseln, und dadurch immer feuchte Grundhize erhalten kann, deren Mangel, verbunden mit der unzureichenden Tiefe der Erde zum Auslaufen der Brut, der Hauptfehler aller mir bekannten Arten der Champignon-Cultur ist.“

„Auf dieser Vorrichtung bringe ich zwei Beets, 18 Zoll mächtig, an: die oberen 5 Zoll sind Lehmerde, mit einem Viertel beigemischten Strassen-Sande gemengt. Die Unterlage besteht aus gut abgelegenem Stahldünger, den man wohl durchschüttelt, für ungefähr eine Woche lang reihenweise aufschlägt, und öfters unter dieser Zeit umkehrt, während welcher er sodann troken wird. Diesem füge ich ein Drittel Erde bei, die ich unter Roßkastanien sammle, unter welchen das Vieh während des Sommers Schatten sucht, und die ich einige Wochen vorher, ehe ich sie gebrauche, in Haufen abliegen lasse. Auf die Hürden kommt zuerst eine Lage Stroh oder langer Mist, damit die Erde und der kurze Dünger nicht durchfällt. Die hierauf aufgetragene Erdmischung schlage ich mit einer Schaufel, damit sie fest wird, und lasse sie eine Woche lang so liegen, ehe ich die Brut und die obere Erdschichte auftrage, die ich wieder mit dem Spaden fest schlage.“

„Ich deke weder mit Stroh noch mit Heu, und halte dieß wenn die Orte, wo diese Beete angelegt sind, hinlänglich gedekt |385| sind, nicht für nothwendig; es ist sogar besser, wenn man ohne solche Bedekung, mit einem Mahle die ganze zu erwartende Ernte übersehen kann: in einem offenen Schoppen muß man aber für eine solche Bedekung sorgen. Das Begießen muß dem Gutbefinden des Gärtners überlassen bleiben: es lassen sich hierüber keine allgemeinen Regeln bestimmen: indessen kann ich mit Zuversicht, behaupten, daß man, bei dieser Tiefe der Erde, nicht so sparsam mit dem Wasser seyn darf, wie die Schriftsteller über diesen Gegenstand gewöhnlich behaupten.“

„Die auf diese Weise zugerichteten Beete wurden am 24ten August mit Brut versehen; am 21ten September fingen sie bereits an zu tragen, und würden noch jezt im Jäner, und noch mehrere Wochen langer tragen, wenn nicht in der Nacht vom 23ten December durch einen unglüklichen Zufall159) die Deke der Abtheilung des Gebäudes eingestürzt wäre, in welcher ich die Champignons zog. Ich werde indessen das Beet, nach einigen Wochen Ruhe, wieder herstellen; denn ich finde Hey Dünger und die Erde noch voll Brut.“

„Der Ort, in welchem das Beet war, ist eine dunkle, gen Norden gelegene, Stube von ungefähr 10 □ Fuß Flächen-Inhalt. Die Beeren waren jedes ungefähr 8 Fuß 6 Zoll lang, und Massen vom Boden bis an die Wand hin 7 Fuß.“

„Die Champignons waren ungemein schön, und bildeten Klumpen von 100 bis 200 Stüken.“

Der Secretär der Gesellschaft bemerkt in einer Note, daß die Champignons ungemein schön und gut waren, und daß die Beete, selbst nach eingefallener Deke und eingedrungenem Froste, noch fort trugen, und ehevor nicht selten auf ein Mahl mehr dann einen halben Wiener Mezen (bushel) Champignons lieferten.

Hr. Sam. Sawyer, Gärtner bei Esq. Lyon-Goldsmid, schlug der Gesellschaft vor, statt der Stangen und Hürden ein Gestell aus Eisen verfertigen zu lassen. Die eisernen Stangen könnten 1 1/2 Zoll im Umfange halten, 6 Zoll weit von einander stehen, |386| und in Eisenstangen passen, wovon die eine oben an der Wand, die andere unten auf der Erde hinläuft. Die eisernen Stangen könnten einen Bogen von 2–3 Fuß im Halbmesser bilden, und auf diesen Bogen, die mit einem eisernen Gitter belegt würden, dessen Löcher so klein sind, daß die Erde nicht durchfallen kann, könnte das Beet angelegt werden.

|385|

Ganz zufällig scheint uns dieses Einstürzen der Deke nicht geschehen zu seyn wahrscheinlich fiel diese ein, weil die Seiten-Mauer durch das an dieselbe angelehnte Beet hinausgedrükt wurde. A. d. Ueb.

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