Titel: Wynn's verbesserter Hammer an Gloken-Uhren.
Autor: Wynn, W.
Fundstelle: 1824, Band 13, Nr. LXXXV. (S. 425–435)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj013/ar013085

LXXXV.  Beschreibung eines verbesserten Hammers an Glokenuhren. Von Hrn. W. Wynn, in Dean-street, Soho.

Aus den Transactions of the Society for the Encouragement of Arts, Manufactures and Commerce, in dem Repertory of Arts, Manufactures and Agriculture, Januar 1824. S. 79.

Mit Abbildungen auf Tab. IX.

(Hr. Wynn erhielt für diese Mittheilung 20 Guineen).

Thurm-Uhren kommen vorzüglich dadurch so theuer zu stehen, daß man eine gewaltige Maschine braucht, um den schweren |426| Hammer zu heben, der mit hinlänglicher Stärke auf eine große Gloke auffallen muß, wenn man den Ton in einiger Entfernung von dem Kirchthurme deutlich hören, und die Uhr für die Nachbarschaft wirklich nüzlich seyn soll. Nicht nur jeder Mechaniker, sondern jeder nur einigermassen Unterrichtete wird bei Untersuchung des Schlagwerkes einer Thurm-Uhr finden, daß der Hammer einen großen Theil seiner Kraft verliert, ehe er noch auf die Gloke schlägt, und daß folglich ein großer Theil der Kraft, durch die er gehoben wird, umsonst angebracht ist. Die Gegenfeder des Hammers (die den Hammer hält und nicht auf der Gloke ruhen läßt) stellt dem Schlage desselben einen weit größeren Widerstand entgegen, als das wirkliche Gewicht desselben, indem sie die Kraft besizt, den Hammer über jener Stelle der Gloke zu halten, auf welche er schlagt. Die Reibung zwischen der Gegenfeder und dem Hammer ist sehr groß, indem Rost hier, wo beide Theile der freien Luft ausgesezt sind, unvermeidlich ist: ich glaube nicht zuviel abzunehmen, wenn ich diese beiden Widerstände dem doppelten Gewichte des Hammers gleich schäze. Der Beifall, den mein Chronometer bei der Gesellschaft fand, ermuthigte mich derselben dieses Modell eines Thurm-Uhrhammers vorzulegen, an welchem ich jene beiden Widerstände überwand, und solche Verbesserungen an dem Hebewerke anbrachte, indem ich die Zapfen gegen Rost verwahrte und das Schlagwerk los lasse, daß ich annehmen darf die Auslagen für eine Thurm-Uhr durch Verminderung des Apparates bei dem Schlagwerke und durch Ersparung der Ausbesserungs-Kosten bedeutend verringert, und zugleich den Schlägen selbst mehr Genauigkeit und Sicherheit gegeben zu haben.

Mein Hammer hat keine Gegenfeder; er besizt also den Vortheil mit seiner ganzen Schlagkraft auf die Gloke ohne allen Widerstand aufzufallen, und durch die Gegenwirkung des Schlaget auf ein Viertel jener Höhe zurükzuspringen, von welcher er herabfiel; er fordert demnach weit weniger Kraft an dem Schlagwerke um wieder bis zu dieser Höhe gehoben zu werden. Er muß also weit stärker auf die Gloke schlagen, als die gewöhnlichen Hämmer, und fordert nur 3/4 der sonst zur Hebung derselben nöthigen Kraft. An der Achse meines Hammers befindet sich eine Sperre, in welche eine Klinke einfällt, |427| die mit einer Feder, wie an dem Hahne eines Flintenschlosses, versehen ist, wodurch die Klinke sowohl gegen die Sperre gedrükt, als, durch eine kleine Veränderung in der Lage, aus derselben ausgehoben werden kann. An der Sperre befindet sich unter der Klinke ein Hebel, wodurch leztere aus der Sperre geschoben wird, wenn der Hammer zum Schlage sich hebt, und zum Auffangen des zurückspringenden Hammers in jeder Höhe, wieder mit der Sperre in Berührung gebracht wird.

Der Reibung an den Zapfen des Hammers, welche durch Rost entsteht, und soviel Widerstand leistet, beuge ich durch ein messingenes Halsband vor, welches ober dem Zapfen eine Art von Becher zur Aufnahme des Oehles bildet, und in einen Einschnitt in dem Einsaze paßt, in welchem sich das Zapfenloch befindet. Wenn man lezteres, das nach aussen am Ende luftdicht geschlossen ist, mit Oehl füllt, so fließt das Oehl in den Becher über, in welchem es durch den Druk der Atmosphäre und durch seine Cohäsions-Kraft zurückgehalten wird, und alle Feuchtigkeit von dem Zapfen abhält, der also dadurch nicht mehr rosten kann, und beim Fallen und Steigen des Hammers nur mehr geringen Widerstand finden wird.

Ein solcher Hammer ohne Gegenfeder gewinnt an Kraft gar sehr durch die beschleunigte Bewegung des fallenden Körpers überhaupt, was hei der Gegenfeder nie der Fall seyn kann: denn leztere vermag es nicht, einen Hammer, der zu viel Fall hat, vor dem Plaudern auf der Gloke zu hindern. Bei der Kürze des Zuges der gegenwärtig gebräuchlichen Hämmer wird die beschleunigte Gewalt des Schlages nicht benüzt; denn ein Hammer von irgend einem bestimmten Gewichte, der von einer Höhe von 8 Zoll herabfallt, wird mit vier Mahl so viel Kraft fallen als ein anderer, der nur 4 Zoll hoch fällt, und nur zwei Mahl so viel Widerstand leisten; und ein Hammer, der ans einer Höhe von 12 Zoll herabfallt, fällt mit neun Mahl soviel Kraft als der erste, und biethet doch nur drei Mahl soviel Widerstand dar. Bei meinem Hammer wird man keilten Einwurf gegen einen langen Zug machen können: mein Hammer wird desto mehr zurükspringen, je höher er herabfällt, und auf diese Weise den Vortheil der beschleunigten Kraft fallender Körper erhalten. An der großen Thurm-Uhr des k. Militär-Collegiums (royal |428| military College), die unter meiner Aufsicht steht, ist ein Hammer, der 14 oder 16 Pfund wiegt, und nicht höher als 2 1/2 bis 5 Zoll herabfällt. Wenn dieser Hammer um ein Drittel leichter und seine senkrechte Wirkung drei Mahl größer wäre, so wäre der Widerstand derselbe, und die Zunahme an Kraft bei dem Schlage durch die beschleunigte Bewegung wäre drei Mahl größer: abgesehen von dem Widerstande den die Gegen-Feder erzeugt. Die Uhr wäre also sowohl für die nächste Nachbarschaft als für die weiter davon entfernte Umgebung von weit größerem Nuzen.

Ich fand ferner ein großes Hindernis in der gewöhnlichen Art, den Hammer bei seinem Schwänze zu heben, sowohl in der Länge des Raumes, den der Stift in dem Schwänze des Hammers zu durchlaufen hat, als in der Schwierigkeit, das Oehl auf einer langen, geraden, und noch überdieß in einer schiefen Stellung befindlichen Flache, die dem beständigen Schnellen des Hammers ausgesezt ist, haften zu machen. Von lezterem hatte ich so oft Gelegenheit mich zu überzeugen, wann das Schlagwerk einer Thurm-Uhr bei kalter Witterung stehen blieb: ich hatte hierbei gewöhnlich nichts anderes zu thun, als den Schwanz des Hammers zu schmieren, um das Schlagwerk wieder in Gang zu bringen: ein deutlicher Beweis, daß hier die Reibung dieses Theiles der Uhr allein das Spiel derselben zu verhindern vermag, Es gelang mir diese Reibung durch Anwendung eines zusammengesezt gezähnten Seetors an dem Stift-Rade des Schlagwerkes, statt der Stifte, der in einen einfach gezahnten Sector, statt in den Schwanz des Hammers eingreift, zu vermindern, und zwar in dem Verhältnisse von zwei Mahl den Sinus-Versus von 12 Winkeln von 3°45' und zwei Mahl dem Sinus-Versus von 45°. Den zusammengesezt-gezähnten Sector verfertigte ich so, daß ich in ein Rad 69 Zähne schnitt und abwechselnd rings um das Rad sechs Zähne ausfeilte und sechs stehen ließ; und den einfach gezahnten Sector, in welchen der vorige, statt in den Schwanz des Hammers eingreift, verfertigte ich mit demselben Halbmesser, wie den vorigen, so daß, wenn die Zähne eines jeden Armes des zusammengesezten Sectors durch den einfachen durchgelaufen sind, die lezteren eben so fallen lassen, wie der Stift, den Schwanz des Hammers, Ausserdem |429| daß die Reibung vermindert wird, wird der Widerstand auch in jeder Lage des Hebewerkes gleich, und das Oehl bleibt leichter an den Zähnen hängen, als auf einer ebenen Fläche, wodurch das so lästige Ausbleiben des Schlagwerkes bei kalter Witterung sicher vermieden wird.

Derselbe Grundsaz läßt sich auch auf den Hebel des Aushebers anwenden, um dem Uhrwerke die Reibung bei dem Ausheben des Schlagwerkes großen Theils zu ersparen. In dem hier vorgelegten Modelle habe ich einen Triebstok mit 12 Blättern angebracht, wovon zwei ausgefeilt sind: er stellt die Achse des Triebrades dar, welches durch die Kraft der Uhr sich ein Mahl in einer Stunde umdreht. Dieser Triebstok, oder vielmehr dieser gezähnte Sector, greift, wie er sich dreht, in einen anderen Sector mit 10 Zähnen eines Kreises von 144 Zähnen ein, dessen Halbmesser sich zu jenem des Triebstokes, wie 12 zu 1 verhält: wenn derjenige Theil des Triebstokes, der seine Zähne verloren hat, gegen die Achse des Sectors herumkommt, so läßt er den Hebel fallen, und der Theil, der schlägt, wird ausgehoben. Nach dem Maßstabe, in welchem ich das Modell verfertigte, erzeuge ich 1,3 Zoll Bewegung am Ende des Hebels; wenn man, nach der beßten gegenwärtig gebräuchlichen Methode, mittelst der schnekenförmig gekrümmten Platte, diese Größe der Bewegung hervorbringen will, so wird, wenn der kleinste Halbmesser jener Platte 0,5 Zoll, und der größte 1,8 Zoll beträgt, eine Fläche von 7 1/2 Zoll unter dem Hebel durchgehen; wenn man aber eben diese Größe der Bewegung mit gezähnten Seetoren im Verhältnisse von 12 zu 1 erzeugt, deren Schenkel-Länge 2,7 Zoll und 0,225 Zoll beträgt, so wird die Reibung nur wie die Sinus-Versus von zehn Winkeln von 2° 30' und die Sinus-Versus von zehn Winkeln von 30°, welche, mit 7 1/2 Zoll verglichen, das Verhältnis der Reibung der gezähnten Sectoren zu der schnekenförmigen Krummen gibt. Außerdem, daß die Reibung so wesentlich vermindert wurde, erzeuge ich die nöthige Menge der Bewegung mittelst eines Hebels des Triebstokes nämlich, der nur 0,225 Zoll von dem Mittelpunkte der Bewegung absteht, statt daß er, wie die spiralförmig gekrümmte Platte, in Entfernungen von 0,5 Zoll bis 1,8 Zoll |430| wirkte, wodurch folglich der Widerstand für die Uhr in dem Verhältnisse dieser Zahlen vermindert wird.

Der durch diesen neuen Hammer auf der Gloke erzeugte Ton ist sehr rein und angenehm, indem der Hammer nicht plaudern kann. An allen Thurm-Uhren lassen sich entweder alle oder einige dieser neuen Vorrichtungen anwenden. An Schlagwerken, die bei der Kälte leicht stehen bleiben, dienen vorzüglich die gezähnten Sectoren, und wo der Schlag stärker und lauter werden soll, der neue Hammer selbst. Die Anwendung aller dieser neuen Vorrichtungen zugleich erspart aber, indem sie das Gewicht des Hammers und die Reibung so sehr vermindert, bedeutende Ausgaben, da das Schlagwerk viel kleiner seyn kann, und viel genauer und sicherer wirkt. Man kann übrigens mittelst der gezähnten Sectoren eine beliebige Anzahl von Hämmern heben.

Eben diese Verbesserungen lassen sich auch mit Vortheil auf die gewöhnlichen Hausuhren anwenden, ohne dieselben zu sehr zu vertheuern. Alle Hebel eines Repetir-Werkes169) lassen sich durch gezähnte Sectoren bewegen, wodurch die Reibung vermindert und mehr Sicherheit, Gleichförmigkeit und Dauerhaftigkeit erzeugt/ folglich auch Reparatur erspart wird.

Erklärung der Figuren.

Fig. 7 zeigt die Maschine von vorne.

Fig. 8 von der Seite, a, a, a ist das Gestell, welches das Hammer-Werk enthält, bb, ist ein Theil des Schlagwerkes (die |431| Gestell-Platte in Fig. 7. ist hier abgenommen) c, ist die Achse des Hammers. d, ist die Klinke, welche in die Sperre wirkt, e, (die punctirte Linie) ist ein herzförmiges Rad von Messing, welches auf derselben Achse mit der Klinke befestigt ist. f, eine Feder, deren unteres Ende mittelst einer Schraube befestigt ist, und die oben sich in eine Walze endet, welche einen stäten Druk auf den hervorstehenden Theil des herzförmigen Rades äußert, und dadurch auf die Klinke so wirkt, daß sie dieselbe zwischen den Zahnen der Sperre oder ausser Berührung mit denselben hält, je nachdem nämlich das Rad eine Stellung einnimmt, g, ein in der Sperre befestigter Stift, der mit der schiefen Flache der Klinke in Berührung kommt, sobald der Hammer aufgezogen wird, und die Klinke aus den Zähnen der Sperre aushebt, ehe der Hammer seine größte Erhebung erreicht hat: zu gleicher Zeit hält das herzförmige Rad, e, nachdem es unter der Rolle oben an der Feder durchgegangen ist, die Sperre in die Höhe. h, ein anderer Stift, der mit dem Schwänze der Klinke, i, in Berührung kommt, gerade in dem Augenblike, wo der Hammer in seinem Falle die Gloke berührt, wodurch das herzförmige Rad wieder zurük hinter die Rolle getrieben wird, und die Klinke in die Sperre einfällt, so daß der Hammer in jeder Höhe, in welcher er zurük springt, gehalten werden kann.

Die punctirte Linie, k, zeigt die Höhe des Hammers in seiner größten Hebung; l, die Lage, in welche er herab fällt, wenn er mit der Gloke in Berührung kommt; die Lage, m, des Hammers in der Figur zeigt die Höhe, bis zu welcher er durch den Schlag zurük geschnellt wird.

In Fig. 7 und 8 ist n, der Kopf des Hammers der Schenkel desselben mußte, wegen Mangels an Raum, durch Fig. 8. gezogen werden. E, ist der zusammengesezt-gezähnte Sector, der an das Stiftrad des Schlagwerkes kommt. Er hat 8 Stifte, o, o, o, um bei jedem Falle des Hammers sich zu sperren, was in dem Modelle, wo es gehörig spielen soll, nothwendig ist.

In Fig. 7 ist p, der einfach gezähnte Sector in der Lage, in welcher er, bei Einwirkung einer Kraft, in den zusammengesezten Sector eingreift.

Ebendaselbst ist q, ein Draht, welcher das Modell der Uhr mit dem Hammer verbindet und während des Spieles aufzieht.

|432|

In Fig. 7 und 8 ist r, der Triebstok, an welchem zwei Blätter ausgeschnitten sind, und der die Achse des Triebrades darstellt. s, ist der gezähnte Sector mit einem Hebel oder einem Ausheber an seiner Achse, welcher das Hebe- und Sperrwerk der Uhr darstellt, und durch die Bewegung des Triebstokes, v, gehoben wird, bis er an die Stelle gelangt, wo die Blätter ausgeschnitten sind, wo er dann fällt, und das Schlag-Werk frei wird.

Fig. 9 Darstellung der Achse des Hammers im Durchschnitte mit den messingenen Halsbändern und mit der Vorrichtung, die Zapfen gegen Rost zu schüzen. tt, Theile der Gestell-Platten, uu, Durchschnitte zweier Halsstüke, die in dem Gestelle befestigt sind, mit den Zapfenlöchern in dem Mittels puncte und l mit einer in vv eingedrehten Furche. ww, zwei Halsbänder von Messing, die an der Achse des Hammers befestigt sind, und als Behälter des Oehles dienen: sie passen in die Furchen, vv, ohne dieselben zu berühren. xx, zwei Schrauben, welche die Zapfenlöcher an ihren Enden schließen, und dieselben luftdicht erhalten.

Das messingene Halsstük, U, ist aus dem Gestelle herausgenommen, und von dem Zapfen des Hammers am Grunde der Platte abgezogen, damit man es deutlicher sieht.

(Kränklichkeit hinderte Hrn. Wynn, bei Abfassung des obigen Aufsazes, Versuche zur Vergleichung des Widerstandes an feiner Vorrichtung und der gewöhnlichen Einrichtung der Thurm-Uhren anzustellen: er mußte sich mit bloßer Schäzung begnügen. Er trägt hier einen zeither gemachten Versuch über den Widerstand bei dem Falle des Hammers nach, der weit vorteilhafter ausfiel, als er, seiner Schäzung zu Folge, erwarten konnte).

Der Versuch „sagt er“ ward mit dem Stunden-Hammer der Thurm-Uhr des k. Militär-Collegiums angestellt, der 12 ℔. schwer ist. Er hat einen senkrechten Fall von 3 1/4 Zoll. Die Achse des Hammers ist über der Krone der Gloke angebracht, und sein Kopf, wo er auf der Gegenfeder ruht, bildet einen Winkel von beiläufig 50° unter der horizontalen. Ich befestigte einen Draht um den Mittelpunct der Schwere des Kopfes des Hammers, und brachte einen Haken unten an demselben an, um ein |433| Gewicht daran zu befestigen. Ich band einige Ziegel zusammen, die auf dem Dachboden neben der Uhr lagen, hing sie an dem Drahte auf, und fand, daß der Druk von 10 Ziegeln, die 66 ℔ 8 Loth wogen, den Widerstand der Gegenfeder nicht überwältigte, da ich noch gerade einen Zwischenraum zwischen der Gloke und dem Hammer wahrnehmen konnte, und die Gloke getönt haben würde, wenn sie berührt worden wäre. Der Druk von 66 Pf. 8 Loth auf einen gegen den Horizont unter irgend einem Winkel geneigten Hebel verhalt sich wie der Cosinus dieses Winkels zu dem Halbmesser, welches, den Winkel der Lage des Hammers während des Versuches zu 50° unter dem Horizont angenommen, den wirklichen Widerstand der Gegenfeder einem Druke von 42 Pfund gleich gibt. Nun ist aber die ganze Schlag-Kraft eines Hammers von 12 Pf., der 3 Zoll hoch senkrecht herabfällt, Nicht starker als ein Druk von 50 Pf.; und dieser Kraft wirkten, wie der Versuch beweiset, 42 Pf. Widerstand von Seite der Gegenfeder entgegen: es bleiben demnach nur 8 Pf. Kraft übrig, um die Gloke in eine schwingende Bewegung zu versezen. Der Hammer wird durch eine 8 Tage lang anhaltende Bewegung von einer anhaltenden Kraft von 5 Ztr. gehoben. Diese Uhr ist von einem unserer beßten Meister; ward erst vor 10 Jahren verfertigt, und ist, wie es mir scheint, eines der beßten Werte, das man zur Vergleichung wählen konnte.

Es darf uns nun nicht wundern, wenn wir, ungeachtet des ungeheueren Schlag-Apparates, so schwache Töne von unseren Kirchtürmen hören; denn es bleibt keine Kraft übrig, um die Gloke in schwingende Bewegung zu bringen, wie es bei dem unten geschieht.

Ich muß mir ferner noch erlauben zu bemerken, daß eine Uhr, die 8 Tage gehen soll, sich nicht füglich mit einem Schlag, Werke verbinden läßt 'welches, mit einigst Wirkung, a f eine große Gloke schlagen soll. Es gehört, bei der gegenwärtig gewöhnlichen Vorrichtung, eine so große anhaltende Kraft hierzu, daß die Zähne des großen Rades zu Staube zermahlen werden müßten, ehe eine 8 Tag-Uhr einen Hammer zu heben vermag, der eine große Gloke in gehörige Schwingung versezen soll. Wer nur etwas Mechanik versteht, wird dieß nicht sonderbar finden können, wenn er bedenkt, daß ein Hammer von 20,30 Pf. bei |434| einem Aufziehen 1248 Mahl gehoben werden muß. Bei meinem neuen Hammer, den die Gesellschaft so großmüthig belohnte, ist dieß aber leicht möglich, so daß auch dadurch etwas erspart werden kann, daß man nur alle 3 Tage einen Menschen nöthig hat, der die Uhr aufzieht. Eine Uhr, die alle 8 Tage aufgezogen wird, geht besser, als eine Uhr, die in 30 Stunden abläuft, indem sie nicht so oft durch das Aufziehen gestört wird.

Aber selbst bei Uhren, die nur 30 Stunden gehen, ist es, nach der gegenwärtig gewöhnlichen Einrichtung des Schlag-Wertes unmöglich eine bedeutende Wirkung hervorzubringen, wenn die Gloke groß ist. Ich ging neulich nur 150. Yards (450 Fuß) weit von einer neu erbauten Kirche auf einem freien Plaze bei der vollkommensten Abend-Stille eines heiteren Abends; die Gloke schlug neun. Ich horchte und zählte genau, und einen von den neun Schlägen konnte weder ich noch mein Gefährte deutlich vernehmen. Die Gloke klang in einem vollen schönen Tenor; der Hammer hatte aber nicht Kraft genug. Mein neuer Hammer würde den Schlag auf eine nicht zu berechnende Weise verstärken.

Ich will nicht versuchen, die Verstärkung der Kraft, deren mein neuer Hammer fähig ist, im kleinsten Detail zu berechnen; denn die Schlagkraft fallender Körper im Vergleiche mit dem Druke der Schwere und dem durch die Reibung erzeugten Widerstande lassen sich nicht mit mathematischer Genauigkeit bestimmen; man kann jedoch der Wahrheit in etwas nahe kommen. Nach dem oben angeführten Versuche scheint es, daß, wenn der Widerstand der Gegen-Feder gänzlich aufgehoben wird, die Kraft um sechs Mahl vermehrt wird, da sie von 8 auf 50 steigt. Multiplicirt man dieß mit 3 (der, durch Vergrößerung des senk rechten Falles, nach oben angegebener Weise vermehrten Kraft) so erhält man einen achtzehnfältigen Zuwachs an Kraft, (verglichen mit jener des Hammers an dem k. Militär-Collegium) und dieß nur mit zwei Drittel des Widerstandes des Zuges des Hammers, da ein Drittel des lezteren wegfiel. Nach dieser neuen Theorie wird man nur 1/18 der gegenwärtig angewendeten Kraft nöthig haben, um dieselbe Wirkung hervorzubringen, die man gegenwärtig erhalt. Wenn man den großen Widerstand der Reibung, der bei den ungeheuren Schlagwerken, den großen Zapfen |435| derselben, den diken Seilen, an welchen man die schweren Gewichte aufhängen muß. Statt hat, nur etwas bedenkt, und alle diese Hindernisse bei der neuen Einrichtung beseitigt sieht, so läßt sich erwarten, daß dieselbe wenigstens bei den neuen Thurm-Uhren eingeführt, und bei den alten das alte Hammers Wert mit dem neuen vertauscht werden wird.

Das Heben der Hämmer mittelst des zusammengesezt gezählten Sectors ist vorzüglich bei den Viertel, schlagenden Uhren sehr bequem, da jede Zahl von Hämmern mit Einem zusammengesezt gezählten Sector gehoben werden kann.

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Unsere Thurm-Uhren haben, ausserdem, daß man die größte Zeit des astronomischen Tages über, nämlich bei der Nacht, die Stunden an denselben nicht sehen kann (einem Nachtheile, dem man jezt in England durch Beleuchtung des Zifferblattes an den Kirchthürmen abhilft) den wesentlichen Fehler, daß sie nicht repetiren Was nüzt es einem Reisenden, einem bei der Nacht Wachenden, wenn er Nachts vom Kirchthurme herab Ein Viertel schlagen hört? Er erfahrt dadurch die Stunde nicht, die vorüber ist oder kommen soll, und muß, will er, in Ermanglung einer anderen Uhr, die Stunde wissen, in der er lebt, drei volle Viertelstunden lang aus die Thurm-Uhr lauern, bis die Stunde schlägt. Jede Thurm-Uhr sollte repetiren, was wenigstens in Städten, wo der Thurm-Wächter das Schlagwerk ist, sehe leicht seyn könnte. A. d. Ueb.

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