Titel: Ueber vergoldeten Silberdraht.
Autor: Lewis, Guil.
Fundstelle: 1824, Band 13, Nr. LXXXXVI. (S. 460–474)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj013/ar013096

LXXXXVI.  Ueber vergoldeten Silberdraht. Aus Dr. Guil. Lewis Commercium philosophico-technicum.

In Th. Gill's Repertory of Arts. November 1823. S. 306. December. S. 364.

Es gibt nur sehr wenigen reinen Gold-Draht, und dieser wird vorzüglich zum Filigran gebraucht. Der Draht, den man gewöhnlich Gold-Draht nennt, ist Silber und bloß übergoldet. Eine ungefähr einen Zoll dike, zwei Fuß lange, und ungefähr zwanzig Pfund schwere Silberstange wird mit Gold überlegt und dann zu Draht gezogen, indem man dieselbe nach und nach durch eine Menge von Löchern zieht, die in regelmäßiger Abstufung unmerklich abnehmen.

Das zu diesem Zweke angewendete Gold muß durchaus so rein als möglich seyn; denn hiervon hängt vorzüglich die Schönheit und Dauerhaftigkeit der Spizen, Borten, Brocade und anderer daraus verfertigten Kunstarbeiten ab. Unglüklicher Weise hat aber hier noch mehr Mißbrauch Statt, als bei den Gold-Blättchen, indem die Dehnbarkeit des Goldes in dieser Form durch Legirung noch weniger leidet. Die gerühmten Vorzüge der französischen Goldtressen vor den meisten englischen, die man irrig verschiedenen Ursachen zugeschrieben hat, scheint einzig und allein in der verschiedenen Feinheit des Goldes zu liegen: unsere Arbeiter bekamen in neueren Zeiten feineres Gold unter die Hände, als früher, und ihre Werke galten dann nicht für schlechter, als die französischen: denn man kann nicht zweifeln, daß der englische Künstler, dem es doch wahrlich nicht an Geschiklichkeit fehlt, mit gleich guten oder besseren Materialien gleich gute oder bessere Arbeiten zu liefern im Stande seyn wird. Es ist daher nöthig, das Gold hierzu nicht bloß in dem reinsten Zustande, in welchem man dasselbe auf die gewöhnliche Weise erhalten kann, sondern, wo möglich, in einem noch reineren anzuwenden.

Was das Silber betrifft, welches das Innere des Drahtes bildet, so ist die Feinheit desselben von minderer Wichtigkeit. |461| Erfahrne Arbeiter haben mich belehrt, daß es gut ist, wenn es etwas mit Kupfer, wodurch es die gehörige Härte bekommt, legirt ist, indem feines Silber, wenn es im Feuer angelassen wird, so weich wird, daß es den Gold-Ueberzug beinahe in sich einsinken läßt. Man sagt, daß das französische zur Vergoldung bestimmte Silber mit 5–6 Penny = Weight175), und das unsrige mit 12 Penny-Weight Kupfer im Pfunde Troy-Gewicht legirt ist. Einige glaubten, daß man das zu starke Weichwerden des Silbers dadurch vermeiden könnte, daß man weniger Hize anwendete und daß feines Silber, insofern es eine glättere Oberfläche annimmt, als das legirte, den goldenen Ueberzug mehr spielen läßt. Ich kann hierüber nicht entscheiden.

Das Gold wird in diken, absichtlich für den Golddrahtzug bereiteten Blättchen auf die Silberstange aufgelegt und mit dem Polier-Stahle stach gedrükt: je diker die Vergoldung ausfallen soll, desto mehrere nimmt man. Als leichteste Vergoldung gestattet die Parliaments-Acte 100 Gran Gold auf ein Pf. oder 5760 Gran Silber. Die stärkste Doppel-Vergoldung ist, wie Dr. Halley von den Drahtziehern hörte, 120 Gran Gold auf das Pfund: man sagte mir aber, daß man in neueren Zeiten mehr Gold dazu nimmt.

Die erste Arbeit bei dem Drahtzuge sowohl als die Zurichtung und Vergoldung der Silber-Stange wird von dem Raffineur vorgenommen, der sich harter Stahl-Platten mit aufgeschweißtem weichen Eisen auf dem Rüken derselben bedient, um dem Brechen des Stahles vorzubeugen. An diesem Hintertheile sind die Löcher viel weiter, als die correspondirenden Löcher in dem Stahle, und von kegelförmiger Form, theils damit die Stange an dem äußeren Rande sich nicht krazt, theils damit man Wachs einlegen kann, um die Stange leichter durchgehen zu machen, und das Abreiben des Goldes zu Kindern. Nachdem die Platte gehörig befestigt ist, wird ein Ende der Stange, das etwas verdünnt wurde, durch jenes Loch gestekt, in welches dasselbe gerade paßt, und mit einer starken Zange gepakt, |462| deren Fänge beinahe wie eine Feile gezähnelt sind, damit die Stange bei dem starken Zuge, welcher nothwendig wird, nicht ausglitscht. Die Arme sind aufwärts gebogen, und ein ovaler Ring umfaßt diese Krümmungen, so daß dieselbe Kraft, die die Stange zieht, zugleich die Fänge zusammenhält. An diesem Ringe ist ein Seil befestigt, das mir seinem anderen Ende um eine senkrecht stehende Winde läuft, die von mehreren Männern gedreht wird. Die auf diese Weise gezogene Stange wird gehörig angelassen, dann auf dieselbe Art durch das nächste Loch gezogen, und das Anlassen und Ziehen wiederholt: lezteres mit immer geringerer Gewalt, je dünner die Stange wird. Wenn diese endlich so dünn, wie ein Federkiel geworden ist, wird sie dem Drahtzieher aufgerollt übergeben.

Das weitere Verfahren fordert Platten von anderer Beschaffenheit, indem die stählernen Platten, sie mögen hart oder weich seyn, nun den Draht wezen oder die Oberfläche desselben hakerig machen und das Gold abstreifen würden. Die jezt zur Arbeit nöthigen Platten kommen aus Lyon in Frankreich, und werden hier gebohrt.176) Sie werden aus einer Metall-Composition verfertigt, die man geheim hält, deren Hauptbestandtheil jedoch offenbar Eisen ist: ich habe angefangen, diese Composition zu untersuchen, und werde die Resultate meiner Erfahrung in einem künftigen Bande dieses Werkes mittheilen.177) Es gibt zweierlei Arten dieser Platten: die einen sind von bedeutender Dike, solang der Draht selbst noch etwas dik ist; die anderen, für den feineren Draht, sind nur ungefähr halb so dik, indem es hier weniger Kraft bei dem Ziehen bedarf. Das Metall selbst biethet noch in seinen Eigenschaften bedeutende Verschiedenheiten dar, die sich weder durch das Auge noch sonst |463| durch etwas, ausser durch wiederholte Versuche, unterscheiden lassen: die dikeren Platten werden, wo sie gut befunden wurden, sehr theuer bezahlt. Die Lyoner-Platten, obschon sie spröde sind, sind noch zähe genug um die Löcher in denselben mittelst einiger Hammerschläge weiter und enger schlagen zu lassen, so daß, wenn die Löcher an einigen derselben durch das Durchziehen gewisser Längen von Draht zu weit geworden sind, sie dadurch wieder auf die gehörige, zur Unterhaltung der Abstufung nöthige Weite zurükgebracht werden können. Die Löcher werden, nach jedem Aufschlagen derselben, mit einem langen dünnen Instrumente aus feinem Stahle geöffnet, das man den Griffel (point) nennt: ein Ende desselben, ungefähr 5 Zoll lang, ist vierekig, und dient als Handgriff; das andere zwei Mahl so lange ist rundlich und läuft verdünnt in eine feine Spize zu. Die ersten Löcher werden am frühesten zu weit, und so sehr ausgerieben, daß sie sich nicht mehr gehörig verengern lassen, und dann müssen die zweiten, die indessen gleichfalls weiter geworden sind, die Stelle derselben vertreten, und werden nach und nach wieder durch die auf sie folgenden ersezt: und so biethet jede Platte, insofern sie mit mehr kleinen Löchern versehen ist, als ursprünglich nöthig waren, immer eine in ununterbrochener Reihe fortlaufende Abstufung von Lochern dar, nachdem die größeren Löcher unbrauchbar geworden sind. Es erfordert viele Geschiklichkeit von Seite des Arbeiters, das Loch dem Drahte gehörig anzupassen, damit der Draht nicht zu leicht durchläuft, und daher an der gehörigen Ausdehnung verliert, und damit er auch nicht zu schwer durchgeht, und im Ziehen abbricht. Um dieß mit größerer Sicherheit bestimmen zu können, als durch den bloßen Widerstand des Drahtes nicht möglich ist, bedient der Arbeiter sich einer Messing-Platte, die er die Form (the size) nennt, an welcher er mittelst Einschnitten, die an einem Ende, wie Grade angebracht sind, die Zunahme an Länge bestimmt, welche eine gewisse Länge Drahtes zu erreichen hat, wenn sie durch ein neues Loch gezogen wird: strekt sich der Draht bei seinem Durchgange durch das Lock zu wenig oder zu viel, so muß das Loch hiernach erweitert oder verengert werden. So wie man mit diesem Instrumente die Ausdehnung bestimmt, so besizt man andere zur Bemessung des Grades der |464| Feinheit des Drahtes selbst: Einschnitte von verschiedener Breite in diken polirten stählernen Ringen dienen hier als Eichmaß.

Der Drahtzieher beginnt seine Arbeit damit, daß er den von dem Raffineur erhaltenen Draht anläßt. Dieß geschieht dadurch, daß er denselben in einer walzenförmigen, ungefähr 6 Zoll tiefen Höhlung, die man die Grube (pit) nennt, und die absichtlich in dieser Hinsicht unter einem Schornsteine angebracht ist, aufgerollt auf einige angezündete Holzkohlen legt, und mehrere brennende Holzkohlen in dieselbe hineinwirft. Da die Grube unten keine Oeffnung hat, um der Luft Zutritt zu gestatten, so brennen die Kohlen nur sehr schwach und geben nur so viel Hize, daß das Metall rothglühend wird, ohne daß es in Gefahr geriethe zu schmelzen. Man stößt nun das Metall in Wasser um es schneller abzukühlen, obschon es ohne allen Zweifel noch weicher werden würde, wenn man es allmählich von selbst erkalten ließe. Man bringt sodann ein Ende desselben durch das erste Loch der diken Platte, und befestigt dasselbe an einem aufrecht stehenden hölzernen Cylinder, welcher ungefähr 6–8 Zoll im Durchmesser hat. Oben an dem Cylinder sind zwei Bügel befestigt, durch welche der lange Hebelarm durchgeschoben wird, mit welchem der Cylinder von mehreren Männern um seine Achse gedreht wird. Während der Fortsezung dieser Arbeit, die man das Streken (degrossir) nennt, wird der Draht häufig nach jedem Durchgange durch ein Loch oder durch das zweite Loch angelassen und im Wasser gelöscht, bis er so dünn, wie das dünnere Ende einer kölnischen Tobakpfeife geworden ist. In diesem Zustande wird er für den Fein-Drahtzieher in Stüke geschnitten.

Bei dem feinen Drahtzuge ist das Anlassen nicht mehr nöthig, es ist aber noch immer nothwendig bei jedem Loche, wie vorher, den Draht mit Wachs zu versehen. Da man nun viel weniger Kraft braucht, den Draht durch die Platte zu ziehen, so ist ein anderes Instrument nothwendig. Man bringt eine Art von Rad oder ein kreisförmiges Stük Holz, das einen viel größeren Durchmesser hat, als der vorige Cylinder, horizontal an. An seiner oberen Oberfläche befinden sich, in verschiedener Entfernung von der Achse mehrere kleine Löcher und in das eine oder in das andere dieser Löcher, je nachdem mehr oder minder Gewalt nöthig ist, wird die Spize eines aufrechten Griffes eingesenkt, |467| dessen oberes Ende in einem Loche eines Querholzes angebracht ist. Von diesem wird der Draht auf einen kleinen Cylinder, den man das Rädchen (rotchet) nennt, auf der Spindel eines Spinnrades aufgewunden, und, da dieser lezte Cylinder auf seiner Achse hinter der Platte befestigt ist, wird der Draht wieder auf ersteres aufgezogen, u.s.f. bis er die gehörige Feinheit erlangt hat, wo er dann angelassen und für die Plattmühle hergerichtet wird. Dieses Anlassen geschieht auf eine andere Art, als vorher und mit weit geringerer Hize; denn, wenn der Draht jezt roth geglüht würde, so würde er seinen Goldglanz verlieren und schwarz, bläulich oder weiß werden, wie ich es oft an verschiedenen Stüken versuchte. Der Draht wird, in dieser Absicht, auf große hohle, kupferne Spulen aufgewunden, welche senkrecht aufgestellt und mit einigen angezündeten Holz- oder Klein-Kohlen umgeben werden. Man bringt die Kohlen allmählich der Spule näher und näher, und gibt einige Klein-Kohlen in die Spulen selbst hinein, sorgfältig den Draht beachtend, damit, sobald er die gehörige Farbe zeigt, man denselben alsogleich aus dem Feuer nehmen kann. Diese Operation erfordert sehr viele Genauigkeit und wird großen Theils von dem Meister selbst verrichtet. Obschon der Draht auf diese Weise noch genug von jener Schnellkraft, welche er durch das Ziehen erhielt, beibehält und bei weiten nicht so weich wird, als er es durch größere Hize werden könnte, wird er dadurch doch hinlänglich weich, um unter der Platt-Mühle gehörig nachzugeben.

Die Plattmühle besteht aus zwei Walzen, welche auf einer Drehebank gehörig abgerundet, ausgezeichnet gut polirt und mit ihren Achsen parallel über einander gestellt werden. Man kann sie mittelst Schrauben so nahe an einander bringen, daß sie mit ihrem Umfange sich beinahe einander berühren, und beide zugleich mittelst einer Kurbel drehen. Die unterste Walze hat ungefähr zehn Zoll im Durchmesser, die obere gewöhnlich kaum mehr als zwei, obschon ewige dieselbe größer machen; es würde in der That bequemer seyn, wenn sie so groß, oder beinahe so groß als die untere wäre. Ihre Breite oder Dike ist ungefähr fünf Viertel-Zoll. Der Draht wird nun von der Spule abgewunden und läuft zuerst durch die Blätter eines alten |468| Buches, welches durch ein kleines Gewicht geschlossen erhalten und wodurch der Draht etwas gespannt wird. Hierauf geht er durch einen engen Spalt in einem aufrechten Stüke Holzes, das man das Schiff (Ketes) nennt, woran man erkennt, ob er Knoten oder Verdoppelungen hat. Von hieraus wird er durch ein kleines kegelförmiges Loch in einem Stüke Eisen, das man den Leiter nennt, auf irgend eine besondere Stelle der Walze hingeleitet, so daß, wenn irgend eine Unvollkommenheit oder Unebenheit auf der Oberfläche derselben, oder auch nur Schmuz, weil bereits viel Draht darüber gelaufen ist, sich zeigte, der Draht auf eine andere Stelle, und zwar im lezteren Falle so lang geleitet werden kann, bis die ganze Walze schmuzig geworden ist, und sodann gepuzt und mit dem sogenannten Putty (welches man aus calcinirtem Zinne und Blei bereitet) frisch polirt werden muß. Die Arbeiter schäzen die Walzen nach der Zahl der Drahte, welche dieselben aufzunehmen vermögen, d.i., nach der Zahl der Pläze, auf welche man den Draht abwechselnd hinleiten kann. Gute Walzen nehmen vierzig Drahte auf. Der zwischen den Walzen geplättete Draht wird wieder, nachdem er durch dieselben gelaufen ist, auf einer Spule aufgewunden, welche von einem Rade gedreht wird, das an der Achse einer dieser Walzen befestigt und so eingerichtet ist, daß die Bewegung der Spule genau gleichen Gang mit der Walze hält.

Man hat die Walzen sowohl als die Ziehplatten oft aus Frankreich kommen lassen und gedacht, daß der Draht durch die französischen Walzen mehr Schönheit und Glanz bekommt, obschon es nicht scheint, daß die französischen Walzen irgend einen bleibenden Vorzug vor den englischen besizen, oder daß der Glanz, den die Waare dadurch bekommt, ein bedeutender Vortheil wäre; denn er vergeht nur zu schnell. Der wichtigste Punct bei Bereitung dieser Walzen ist der, daß sie jene vollkommen gerechte und gleiche Oberfläche erhalten, welche das Plätten eines so feinen Drahtes fordert. Die Walzen sind innenwendig Eisen und eine Platte aus feinem Stahle ist um dieselbe umgeschlagen und darauf aufgeschweißt. Wo die beiden Enden der Stahlplatte an einander stoßen findet sich gewöhnlich irgend eine Unvollkommenheit: gewöhnlich sieht man die |469| Verbindung quer über die Oberfläche der Walze hinlaufen. Bei sehr breiten Walzen haben einige sinnreiche Künstler den aus dieser Ursache entstehenden Mängeln dadurch abgeholfen, daß sie, statt einer breiten Platte, sich einer langen, schmalen Stange Stahles bedienten, und diese mehrere Mahle um die Walze wanden, damit die kleinen Ungleichheiten in Härte und Dichtigkeit, die aus der Vereinigungs-Linie entstehen, nach der Richtung des Drahtes kommen, der durch die Walzen durchläuft, und nicht quer über dieselbe hinziehen. Bei schmalen Walzen zum Draht-Plätten würde diese Vorrichtung sehr vielen Schwierigkeiten unterliegen; derselbe Zwek ließe sich aber dadurch vielleicht noch kräftiger erreichen, wenn man den Stah statt in Form einer geraden Stange, in Form eines Ringes göße, der einen etwas kleineren Durchmesser hat, als die Walze, zu welcher er bestimmt ist; dann diesen Ring auf dem Schnabel des Ambosses und auf der Fläche desselben abwechselnd aushämmerte, um allen seinen Theilen die nöthige Form und die gehörige Ausdehnung zu geben; hierauf denselben in einen Model brächte, die Achse in der gehörigen Lage befestigte, und in den Mittelraum Gußeisen einlaufen ließe, welches, da es bei dem Sezen oder Erkalten bekanntlich sich ausdehnt, überall die Höhlung genau ausfüllen, und sich unbeweglich festsezen würde sowohl am Ringe als an der Achse.

Ausdehnbarkeit des Goldes sowohl am Drahte als in Blättchen.

Die ungeheuere Ausdehnung, zu welcher das Gold in obigen Operationen ausgestrekt werden kann, hat mehrere Individuen veranlaßt, Versuche anzustellen, um den Grad derselben durch Maß und Gewicht mit Genauigkeit zu bestimmen. In einem Versuche Réaumur's wogen 42 3/10 Zoll Goldes in Blättchen einen Gran Troy-Gewicht, und Hr. Boyle fand, daß 50 7/10 nur einen Gran wogen. Da ein Kubikzoll Gold 4902 Gran wiegt, so betrug die Dike des Goldblättchens bei dem Einen Ein 207,355tel, bei dem Anderen nur Ein 248,532tel Eines Zolles.

Dr. Halley fand, daß 6 Fuß eines außerordentlich feinen Goldbrahtes nur Einen Gran wogen. Hr. de Réaumur läßt noch vier Zoll mehr auf dieses Gewicht gehen, und man |470| sagt, daß Hr. Boyle, wenn anders kein Rechnungs-Fehler unterlaufen ist, noch feineren Golddraht besessen haben soll, als der so eben angeführte gewesen ist. Nimmt man an, daß 6 Fuß einen Gran wiegen, und rechnet man nach dem Verhältnisse, in welchem das Gold gewöhnlich von unseren Drahtziehern zu ihrem Drahte genommen wird, so wird die Länge, in welcher ein Gran Goldes sich auf dem Drahte ausdehnen läßt, beinahe 352 Fuß.

Durch das Plätten wird der Draht, nach Hrn. de Réaumur, noch um ein Siebentel der Länge nach ausgedehnt, und um 1/96 breiter: bei einigen Versuchen, die ich von Draht-Ziehern unternehmen sah, ist die Ausdehnung in die Länge geringer, in die Breite aber um so viel größer, so daß die Quadratfläche wenigstens der Angabe von Réaumur gleich kommt. Es wird also ein Gran Gold in dem geplätteten Drahte zur Länge von ungefähr 401 Fuß ausgedehnt; zur Oberfläche von ungefähr 100 Zoll und zu einer Dünne von einem 492,090tel Zoll.

Hr. de Réaumur schäzt die Ausdehnbarkeit des Goldes noch höher. Er sagt, daß der Draht vergoldet bleibt, wenn nur ein Theil Gold auf 360 Theile Silber genommen wird, daß der Draht dann noch durch das Plätten um 1/4 seiner Länge gestrekt, und um 1/48 Zoll breiter gefletscht werden kann. In diesem Falle wird ein Gran Gold auf 2900 Fuß in der Länge, oder über eine halbe „(engl.)“ Meile ausgedehnt, und bedekt eine Fläche von mehr als 1400 Zoll. Er berechnet die Dike des Goldes an den dünnsten Stellen des Ueberzuges manchen Drahtes auf nicht höher als auf ein vierzehn Milliontel eines Zolles; also nur auf den hundertsten Theil der Dike eines Gold-Blättchens. Und ungeachtet dieser außerordentlichen Zartheit wird an einem Stük solchen vergoldeten Drahtes, wenn man es in warmes Scheidewasser taucht, und das Silber nach und nach auflösen und herausfressen läßt, der noch übrige dünne Ueberzug des Goldes zusammenhängen, und solang die Flüssigkeit dasselbe vor dem Zusammenfallen hindert, eine zusammenhängende undurchsichtige Röhre bilden. Wenn dieser Versuch gelingen soll, darf das Scheidewasser nicht zu statt und die Hize nicht zu groß |471| seyn; denn sonst würde die Säure zu heftig und zu schnell auf das Silber wirken, und die Goldtheilchen trennen.

Ob irgend ein anderes Metall sich in irgend einem ähnlichen Grad ausdehnen läßt, ist noch ungewiß; denn, da der hohe Werth dieses Metalles dasjenige ist, was die Künstler anspornt demselben die möglich größte Ausdehnung zu geben, so hat man bei den übrigen weniger kostbaren Metallen noch nicht dieselben Anstrengungen versucht. Es wäre der Mühe werth, daß man, um eine gehörige Vergleichung anstellen zu können, den Versuch machte, das Silber auf dem Golde auszudehnen, wie man das Gold auf dem Silber ausgedehnt hat. Man muß ferner noch bemerken, daß, da Gold beinahe zwei Mahl so schwer als Silber ist, oder beinahe noch ein Mahl soviel Masse unter gleichem Umfange enthält, wenn gleiche Gewichttheile dieser beiden Metalle auf gleichen Umfang ausgedehnt werden, das Silber kaum etwas mehr als die halbe Dike des Goldes haben wird, und daß umgekehrt, wenn man dem Silber dieselbe Ausdehnung, wie jene des Goldes ist, hinsichtlich seines Umfanges geben könnte, dasselbe hinsichtlich auf die Menge seiner Masse, beinahe doppelt so dehnbar seyn würde.

Anwendung des Golddrahtes auf andere Körper.

Es gibt verschiedene Arten, das auf diese Weise ausgedehnte Gold zur Bedekung der Oberfläche anderer Körper zu benüzen. Zu Spizen und Borten wird gelbe Seide, deren Farbe jener des Goldes so nahe als möglich kommt, mit dem geplätteten Golddrahte übersponnen. Der Draht wird von einer Spule abgewunden und auf den Seidenfaden aufgesponnen, und mittelst einer sonderbaren Maschine, deren Beschreibung hier nicht gegeben werden kann, weil sie zusammengesezt ist, werden durch Umdrehung eines Rades mehrere Faden zugleich übersponnen. Der Hauptkunstgriff besteht darin, daß die Bewegung so geleitet wird, daß die verschiedenen Umwindungen des geplätteten Drahtes auf jedem Faden genau an einander stoßen, und dadurch eine beinahe ununterbrochene Deke bilden.

Man bereitet zu Mailand, wie man sagt, einen geplätteten Draht, der nur auf einer Seite vergoldet und so gewunden |472| wird, daß nur die vergoldete Seite oben zu liegen kommt; diese Bereitungsart wird aber geheim gehalten, und wurde in anderen Oertern mit schlechtem Erfolge versucht. Es gibt auch einen vergoldeten Kupferdraht, der auf dieselbe Weise bereitet wird, wie der vergoldete Silberdraht.178) Savary bemerkt, daß diese Art von Draht, die man falschen Golddraht nennt, vorzüglich zu Nürnberg verfertigt wird, und daß die Geseze in Frankreich befehlen, daß man denselben, zur leichteren Unterscheidung von dem vergoldeten Silberdrahte, nur zum Ueberspinnen des Hanfes und Flachses verwenden dürfe. Einer unserer Schriftsteller sagt, daß die Chineser, statt des geplätteten vergoldeten Drahtes, sich vergoldeter Papierstreifen bedienen, welche sie theils in ihre Stoffe einweben, theils zum Ueberspinnen der Faden verwenden: dieses Verfahren empfiehlt er, unbedächtlich, den englischen Webern. Mögen diese Stoffe auch noch so schön seyn, so können sie doch nimmermehr dauerhaft ausfallen, und, nach du Haldes Bemerkung, bedienen die Chinesen selbst sich dieser Gewebe nur zu Tapeten und Zierrathen, die nicht getragen und der Feuchtigkeit ausgesezt werden dürfen.

Reinigung des Goldes von Platinna, Silber und unedlen Metallen.

Wenn man Gold in Königswasser auflöst, so läßt dieses das dem Golde beigemischte Silber zurük, und wenn man der Auflösung gewisse Körper zusezt, so scheiden sie das Gold aus derselben, ohne andere Metalle zugleich mit ausscheiden zu können, so daß man hierdurch das Gold auf den höchsten Grad von Reinheit bringen kann.

Man bringt das Gold in dünne Plättchen gefletscht oder gekörnt, in ungefähr drei Gewichtstheile mäßig starkes Königswasser, und daß Gefäß in gelinde Wärme, und sezt etwas Seesalz zu: die Auflösung wird alsogleich mit bedeutendem Aufbrausen |473| beginnen, und, wenn sie nachläßt, wird etwas neuerdings zugeseztes Seesalz dieselbe wieder erweken, so daß man nur immer nach und nach etwas Seesalz zusezen darf, bis die ganze Auflösung vollendet ist. Gewöhnlich braucht man den dritten Theil des Gewichtes des Königswassers an Seesalz. Die klare Auflösung wird abgegossen, und der Rükstand durch doppeltes Filtrirpapier filtrirt. Das, was unaufgelöst zurükbleibt, wird zwei oder drei Mahl mit Wasser auf dem Filtrum ausgewaschen, und diese Flüssigkeit zu der vorigen zugegossen.

Um das Gold aus der Auflösung zu erhalten, empfiehlt Cramer zwei Methoden: Destillation der Auflösung, und Fällung des Goldes durch Queksilber. Allein nach keiner dieser Methoden ist man sicher, das Gold rein zu erhalten; denn, wenn es auch vorher auf der Kapelle abgetrieben wurde, so wird doch die Platinna, wenn es welche enthielt, auch nach dem Abtreiben darin bleiben; in einigen Fällen wird es etwas Kupfer enthalten: diese beiden Metalle lösen sich in Königswasser auf; das Queksilber fällt die Platinna zugleich mit dem Golde, und die Destillation läßt das Kupfer mit der Platinna zurük.

Die Reinheit des Goldes wird durch Fällung mit grünem Vitriole sicher gestellt. Der Vitriol wird in kaltem Wasser aufgelöst, die Auflösung filtrirt, und in grosser Menge der Goldauflösung zugesezt: man muß 10 bis 12 Mahl mehr Vitriol, als Gold, zur Auflösung nehmen. Da der Niederschlag langsam niederfällt, so muß die Auflösung 24 Stunden lang, und darüber, bei Seite gestellt werden: die klare, obschon stark gefärbte Flüssigkeit wird abgegossen; das braune Pulver am Boden des Gefäßes in etwas Scheidewasser gekocht, dann mit Wasser gewaschen, und mit etwas Salpeter geschmolzen.

Das auf diese Weise gereinigte Gold scheint vollkommen fein, wie man es auf keine andere Weise im Großen erhalten kann. Dieses Verfahren kommt nicht so hoch, wie die unvollkommnere Quartation mit Scheidewasser, wo drei oder mehr Theile Silber einem Theile Gold zugesezt, und wenigstens sechs Theile Scheidewasser zur Auflösung des Silbers erfordert werden, während das Gold in obigem Verfahren nur die Hälfte des Auflösungsmittels fordert. |474| Man kann einen großen Theil des Auflösungsmittels wieder durch Destillation aus der Flüssigkeit erhalten, welche nach der Fällung des Goldes übrig bleibt.179)

Kunkel war der Erste, der diese Fällung durch Vitriol bemerkte. Da er aber einen Vitriol anwendete, der sowohl Kupfer als Eisen enthielt, scheint er geglaubt zu haben, daß diese Wirkung vom Kupfer abhinge, und empfiehlt den blauesten und kupferreichsten Vitriol als den beßten; nach ihm empfehlen die Meisten, die dieses Verfahrens erwähnen, blauen oder Kupfer-Vitriol. Ich habe nicht gefunden, daß dieser den mindesten Niederschlag in einer Goldauflösung hervor zu bringen vermag, so daß Kunkels Entdekung durch diesen Mißgriff in dem Fallungsmittel unnüz wurde, bis Brandt glüklicher Weise bemerkte, daß der grüne Vitriol jene Wirkung hervor bringt, die dem blauen zugeschrieben wurde.

|461|

Ein Penny-Weight ist 24 Gran Troy-Gewicht. A. d. Ueb.

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Während des lezten Krieges wurden indessen viele solche Platten in Großbritannien verfertigt und für Lyoner-Platten verkauft, ohne daß die Arbeiter den mindesten Unterschied hierbei wahrgenommen hätten. Gill. (In Wien und Augsburg werden diese Platten von vorzüglicher Güte gefertigt und für jedes Bedürfniß gebohrt geliefert. D.)

|462|

Wir bedauern unendlich, daß der gelehrte Verfasser nicht Aufmunterung genug gefunden hat, sein Werk fortzusezen. Wir besizen indessen einige Notizen über die Lyoner-Platten, die wir später unseren Lesern mittheilen werden. Gill.

|472|

Es scheint uns, daß dieser Draht aus Silber, oder aus Kupfer, das nur auf einer Seite vergoldet ist, wie bei der Silberplattirung, verfertigt werden kann, wenn man ihn in schmale Streifen schneidet, und dann durch Löcher von correspondirender Form zieht, wie die Uhrfedern an Pendel-Uhren, bis er endlich dünn genug wird, um zwischen den Walzen geplättet werden zu können. Gill.

|474|

Diesen Scheidungsgegenstand findet man am vollständigsten im chemischen Handbuch für Probirer Gold- und Silberarbeiter; von S. Stratingh x. Aus dem Holländischen übersezt von I. H. Schultes. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung. 8. 1823 beschrieben. D.

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