Titel: Congreve's Verbesserungen in Verf. des Banknoten-Papieres.
Autor: Congreve, William
Fundstelle: 1824, Band 13, Nr. XCX. (S. 511–515)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj013/ar013100

XCX.  Verbesserungen in Verfertigung des Banknoten-Papieres zur Verhüthung der Verfälschung, worauf Sir Willy. Congreve, Baronet, Cecil-Street, Strand, Middlesex, sich am 4. Dec. 1819 ein Patent geben ließ.

Aus dem Repertory of Arts Manufactures etc. März 1824. S. 198. (Im Auszuge).

Der Zwek dieser Erfindung ist in dem Papiere, auf welches die Banknoten gedrukt werden sollen, gewisse Zeichen der Aechtheit anzubringen, welche man nicht, wie es bei dem gegenwärtigen Banknoten-Papiere der Fall ist, an dem bereits fertigen Papiere nachahmen kann, sondern die unmittelbar bei der ersten Verfertigung des Papieres in der Papiermühle demselben mitgetheilt werden, so daß keine Verfälschung, ausser mit Beihülfe des Papiermachers, Statt haben kann194). Diese Zeichen |512| müssen überdieß so einfach und so leicht zu erkennen seyn, daß selbst der gemeinste Mann eine falsche Banknote von einer andern zu unterscheiden vermag. Es gibt verschiedene Abstufungen dieser Zeichen, und der Art und Weise sie zu verfertigen. Die erste ist:

Das Gefüge, die Glätte und Feinheit des Papieres, verbunden mit einem neuen und ganz eigenen Grade von Stärke und einer ausgezeichnet durchscheinenden Wassermarke, die so hell ist, daß man sie weder durch Reiben und Drüken, noch durch einen Firniß nachzuahmen vermag. Diese Glätte und Feinheit läßt sich dem Papiere nur dadurch ertheilen, daß man die Lumpen zerdrükt und zerreibt, statt sie zu zerschneiden, wodurch der Zug lang und blättrig statt kurz und rauh zwischen den Fingern wird, und das Papier zähe und elastisch, statt schwach und brüchig ausfällt. Wenn man dem Zeuge gewisse durchscheinende vegetabilische oder thierische Substanzen, wie Gummi, Hausenblase, Abfälle von Pergament u. dergl. zusezt, so erhält das Papier noch mehr Zähigkeit und Durchscheinenheit. Wenn solches Papier auch nur auf Ein Mahl geschöpft wird, so erhält es eine weit glänzendere Wasser-Marke, welche man dadurch, daß man sehr dünnes Kupfer oder Messingblech statt des Drahtes dazu nimmt, oder beide zugleich, noch deutlicher machen kann. Allein eine solche Wasser-Marke ist doch noch nicht unvergänglich genug. Um sie auf weißem Papiere noch deutlicher zu machen, und zu zeigen, daß sie keine falsche Wasser-Marke ist, muß das Papier auf zwei Mahl aus einer Bütte geschöpft werden, die den möglich dünnsten Zeug enthält, und zwischen |513| dem ersten und zweiten Schöpfen muß die Form in klares Wasser getaucht werden, wodurch ein bleibender Unterschied in der Dike zwischen der Wasser-Marke und dem Papiere selbst entsteht, da die gewöhnliche Wasser-Marke nur einen unbedeutenden Eindruk auf dem Papiere bildet. Da der Zeug sehr fein ist, so wird das Papier durch das doppelte Schöpfen durchaus nicht gröber, sondern nur zäher und gedrängter. Doch, so schön auch diese Wasser-Marke ist, so sind doch die folgenden noch besser, welche.

durch eine gefärbte Lage Zeuges zwischen zwei weissen Lagen auf folgende Art gebildet werden. Nachdem die Zeuge so fein als möglich zugerichtet sind, färbt man einen derselben mit irgend einer mineralischen oder animalischen Farbe. Adrianopel rothe Lumpen geben den beßten Zeug hierzu, da die Farbe hell und dauerhaft und auch schwer nachzumachen ist. Aus diesen Zeugen kann man folgende Sorten von Papier mit oder ohne Wassermark in zwei verschiedenen Formen verfertigen, und zwar

1tens durch dreimahliges Schöpfen und dreimahliges Kautschen. Der weisse Zeug wird zuerst ohne Wasser-Marke geschöpft, und dann gekautscht. Hierauf wird gefärbter Zeug mit der Wassermarke geschöpft, und auf das weisse Blatt gekautscht, und dann wieder weisser Zeug ohne Wasser-Marke geschöpft, und auf das gefärbte Blatt gekautscht. Alle diese Blätter werden so dünn als möglich geschöpft, und bilden folglich ein einziges Blatt, das auf den Filz gestürzt wird. Die gefärbte Lage in diesem Blatte hat eine äußerst glänzende, deutliche und bleibende Wasser-Marke zwischen den beiden weissen Lagen; die Farbe befindet sich so zu sagen in dem Herzen des Papieres, und wird nur dann wahrnehmbar, wenn man das Papier gegen das Licht hält. Niemand kann diese innere Lage des Papieres anders, als auf der Papiermühle färben, und nicht leicht kann es eine mehr sichere und einfachere, weniger leicht nachzuahmende, Wasser-Marke geben: denn, wenn man nicht im Großen und mit kostspieligen Maschinen arbeitet, kann man dieselbe gar nicht verfertigen.

Eine zweite Art solches Papier zu verfertigen, ist durch dreimahliges Schöpfen und zweimahliges Kautschen, indem man sagen könnte, das Papier würde auf obige Weise zu dik. Man |514| schöpft also zuerst aus der gefärbten Bütte, und dann aus der weissen darauf in der Wasser-Mark-Form, und kautscht beide Lagen zusammen, wodurch die gefärbte Lage oben zu liegen kommt: hierauf schöpft man in der weissen Bütte einzeln in der glatten Form, und kautscht auf die gefärbte Lage.

Eine dritte Weise solches Papier zu bereiten ist durch dreimahliges Schöpfen und nur einmahliges Kautschen. Man schöpft zuerst aus der weissen, dann aus der gefärbten, dann wieder aus der weissen Bütte, und kautscht alle drei Lagen auf Ein Mahl. Von den drei auf diese Weise erhaltenen Papiersorten ist die lezte die dünnste, und läßt sich auch am schnellsten bereiten; sie erfordert aber auch die größte Geschiklichkeit von Seite des Papiermachers, und ist dadurch sowohl, als durch die Unmöglichkeit, drei Lagen Papier zu einem so dünnen Blatte auf einander zu pappen, vor Verfälschung gesichert.

Wo mehr als einmahliges Kautschen bei dieser Papierbereitung nöthig ist, hat man eine Vorrichtung nöthig, um eine Lage des Blattes genau auf die andere zu bringen, und hierzu dient folgendes sehr einfache Instrument: ein Rahmen nämlich in Angeln, der sich heben und zurük schieben läßt, und immer genau auf denselben Punct fällt, wenn der Filz aufgelegt wird, so daß, wenn man die Form in den Winkel dieses Rahmens bringt, man sicher ist, daß sie immer in derselben Lage gekautscht wird, und eine Papierlage genau auf die andere zu liegen kommt. Dieser Rahmen ist so vorgerichtet, daß er an zwei befestigten Stüzen, nach der Zahl der Filze im Pauschte, auf- und niederfällt. Man kann das Zeichen der Aechtheit an diesen dreifachen Papieren noch dadurch auffallender machen, daß man die innere gefärbte Lage rings um die Flächen der Banknote etwas vorstehen läßt, was, wie jeder Papiermacher weiß, leicht dadurch bewerkstelligt werden kann, daß man bei dem lezten Kautschen einen schmäleren Dekel nimmt. Auf diese Weise erscheint die Farbe in der Wasser-Marke noch dunkler, wenn man die Banknote gegen das Licht hält, well sie an dem Rande noch lichter ist: und so controlirt der Rand die Wasser-Marke und umgekehrt. Man könnte auch auf ähnliche Weise, wie bei dem ganz weissen Papiere, die Wasser-Marke noch scheinbarer machen, wenn man einer der weissen Lagen nur |515| eine sehr blasse Farbe mittheilen wollte: allein oberflächliche Farben lassen sich auch auf bereits verfertigtes Papier auftragen. Indessen gibt es auch hier einige Kunstgriffe bei dem Auflegen dieser Farbe, die der Verfälscher nur bei der Papierbereitung selbst nachahmen kann: so kann die Farbe durch eine besondere Vorrichtung in der Form und durch einen sehr dünnen Seiher statt des Drahtes in dem Siebe gesprenkelt aufgetragen, und der durchscheinenden Wasser-Marke eine Art von Schattirung gegeben werden: auf diese Weise, erhält das Papier zweierlei Wasser-Marken, eine dunkle und eine durchscheinende, deren vereinigte Wirkung sehr schön spielt, und nur bei der ursprünglichen Verfertigung des Papieres hervor gebracht werden kann. Diese Marke ist unzerstörbar, und das Papier fällt dabei dünner aus.

Auf allen obigen Papier-Sorten läßt sich noch eine andere Marke in dem Inneren desselben anbringen, die nur bei dieser Art von Papier-Bereitung möglich ist. So kann die erste Lage nach dem Kautschen auf der Mühle schwarz oder farbig bedrukt werden, und Figuren aller Art, selbst die Nominalwerthe der Banknoten können so zu sagen in das Herz derselben gedrukt werden. Auf dieses bedrukte Blatt wird noch ein Mahl eine Lage sehr feinen durchscheinenden Papieres entweder glatt oder mit der Wasser-Marke geschöpft, und mit dem Druke in dem Inneren der Banknote vermengt oder verbunden. Durch diese äußere Deke ist nicht nur der Druk geschüzt, sondern er kann auch nicht zum Behufe der Verfälschung abgeklatscht oder radirt werden. Ebenso kann auch das Papier noch in seinem unvollendeten Zustande, während es noch feucht ist, bedrukt, und dann erst alaunt werden, wodurch die so eben erwähnte Gefahr gleichfalls vermieden wird. Uebrigens lassen sich, durch verschiedene Verbindungen der obigen Verfahrungsweisen, noch eine unendliche Menge von Abänderungen zur Sicherstellung vor Verfälschung treffen.

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Daß es auch an dieser Hülfe nicht gefehlt hat, davon hat jeder, Banknoten statt Geldführende Staat nur zu traurige Beweise, und der Südpol fängt an sich mit den Tausendkünstlern unter den falschen Banknoten-Fabrikanten des Nordens zu bevölkern. Es sollte uns nicht befremden, wenn man hier und da Banknoten-Fabriken entdekte, die, da die Verfälschung jezt schwieriger geworden ist, und Capitalien fordert, |512| auf Actien betrieben werden. Der Neger an der Goldküste, dem sein Goldstaub zu schwer ist um ihn überall mit zu schleppen, hat einen anderen leichten und bequemen Repräsentanten des Geldes, den keine Kunst nachzuahmen vermag, den die allmächtige Hand der Natur allein zu schaffen versteht: die Kauris, die kleine Schneke, Cypräa Moneta genannt. Warum bedienen unsere Finanziers sich nicht solcher, keiner Verfälschung unterliegenden, Geld-Repräsentanten? Man schreibt und spricht jezt soviel über Demoralisirung durch die Mauthen: Warum schweigt man von der weit größeren Demoralisirung durch Papiergeld; oder vielmehr, warum fürchtet man, daß die Demoralisirung noch größer werden kann, als sie bereits ist. A. d. Ueb.

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