Titel: Oliver Evan über Dampfbothe und Dampfwagen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1824, Band 13, Nr. XIX./Miszelle 10 (S. 134)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj013/mi013019_10

Oliver Evan über Dampfbothe und Dampfwagen.

Unter dieser Aufschrift findet sich in Gill's techn. Repository N. 22. S. 251. ein äußerst interessanter Aussaz des sel. Oliver Evan, eines der größten Mechaniker unserer Zeit. Dieser wichtige Beitrag zur Geschichte der Erfindungen könnte eben so gut Lebens- und Leidens-Geschichte eines ehrlichen und geistreichen Mannes überschrieben seyn. Im Jahre 1772. brachte ein Kinderspiel einiger Schmidejungen den großen Baumeister der herrlichsten Dampf-Maschinen, Oliver Evan, auf die Idee, den Dampf als Triebkraft bei Maschinen anzuwenden: er fand, statt Aufnahme und Unterstüzung, überall, vorzüglich aber bei den Schreibern und den Gelehrten (denn es ist in America tout comme chez nous) Hinderniß und Zurükstossung, und ward sogar als formeller Narr von den Gelehrten und Bureaukraten erklärt, bis er endlich, nach unendlichen Anstrengungen, die ihn und seine Familie bei einem Alter von 48 Jahren beinahe an den Hungertod brachten, den Nichtgelehrten zeigen konnte, daß er wirklich mehr Verstand besaß, als die Gelehrten, die ihn für einen Narren erklärten.

„Wenn man“ sagt der ehrliche Evan, den Eigensinn bedenkt, mit welchem der größte Theil des Menschen-Geschlechtes jedem Fortschritte des menschlichen sich entgegen stemmt, wenn man bedenkt wieviel es brauchte, um von schlechten Straffen auf Chausseen, von Chausseen auf Canäle, von Canälen auf Eisenbahnen zu kommen, so scheint es thöricht zu erwarten, daß man, in einem Wunder-Sprunge, von schlechten Straffen auf Eisenbahnen mit Dampfwägen gelangen kann. Ein Schritt vorwärts in Einer Generation ist Alles, was man hoffen kann. Die gegenwärtige Generation ist bis zu Canälen vorgedrungen; die nächste wird vielleicht Eisen-Bahnen mit Pferden versuchen, die dritte mag endlich Dampfwagen brauchen, und 15 Meilen in einer Stunde damit zurüklegen.

Wir wünschten sehr, daß dieser Aufsaz des sel. Oliver Evan in irgend einem Volksblatt dem deutschen Publicum mitgetheilt würde, war es auch bloß um diejenigen, deren Verdienst bei uns lang unerkannt blieb, damit zu frosten, daß es in America tout comme chez nous ist! Tuto il mondo é paese!

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