Titel: Ueber die Wirkungen einer sehr hohen Temperatur auf einige Pflanzen-Arten. Von Th. Andr. Knight, Esqu. F. R. S.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1824, Band 13, Nr. LVII./Miszelle 22 (S. 276–278)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj013/mi013057_22

Ueber die Wirkungen einer sehr hohen Temperatur auf einige Pflanzen-Arten. Von Th. Andr. Knight, Esqu. F. R. S.

Präsident Knight hatte sich ein Treibhaus erbaut, um die Cultur der |277| Mango und anderer tropischer Früchte in demselben zu versuchen, und zugleich mit Genauigkeit die Vortheile und Nachtheile einer sehr hohen Temperatur in dem Treibhause während des Sonnenlichtes und einer verhältnißmäßig niedrigen während der Nacht und bei trübem Wetter zu bestimmen.

Er schürte nicht mehr Feuer an, als nöthig war um in dem Hause während des Sommers eine Temperatur von ungefähr 70° (F. + 16,89° R. U.) zu unterhalten, ließ aber nicht ehe Luft geben, als bis die Wärme 95° (F.; + 28° R.; U.) betrug, wo er die beiden obersten Fenster an jedem Ende ungefähr 4 Zoll niederließ. Die Hize in dem Treibhause betrug zuweilen 110° (F.; + 34,22° R.; U.) an warmen sonnigen Tagen, und wechselte gewöhnlich zwischen 90 und 105° (F.; + 25,78 bis + 32,44 R.; U.); am Abendesank sie bis auf ungefähr 80° (F.; + 21,33 R.; U.) und Nachts auf 70° (F.; + 16,89° R.; U.). Spät Abends wurden an sehr heißen und sonnigen Tagen die Pflanzen häufig mit Wasser besprizt, das die Temperatur der äußeren Luft hatte.

Folgendes waren die Resultate auf verschiedene Pflanzen-Arten.

Melonen. An Geländern dicht an dem blasenfreien, sehr guten Glase der Fenster gezogen, wuchsen diese Pflanzen üppiger, als jemahls; allein, keine Blume entfaltete sich. Es zeigten sich eine Menge kleiner Blumen, über alle abortirten. Man erwartete auf diese Weise die kostbarsten Früchte zu erhalten, und man täuschte sich.

Wasser-Melonen. Sie wurden eben so gezogen und wuchsen eben so üppig, gaben eine Menge Blumen, aber alle Blumen waren männlich. Hr. Knight ward dadurch nichts weniger als befremdet, denn er wußte aus früheren Versuchen an Gurken, daß eine lang anhaltende niedrige Temperatur lauter weibliche Blumen an Gurken erzeugt, und glaubt, daß man durch dieselbe auch an Melonen weibliche Blumen hervordringen kann.

Die Amaryllis sarniensis blühte in dieser Temperatur prächtig, und wuchs mit ungemeiner Kraft. Allein der Blumenstaub wurde nicht ausgestreut, und die Blumen brachten keinen Samen, den man durch diesen Versuch zu erhalten wähnte.

Feigen. Sie wuchsen, obgleich in Töpfen, so üppig, und gaben so wenig Hoffnung einer Frucht, daß man sie bald aus dem Hause entfernen mußte. Nur die weisse Abart, die in England in freier Luft reift, gedieh, und reifte zuerst ihre Frühlings- und später die Sommerfeigen; sie trieb dann neue Blätter, und die Früchte, die sonst im nächsten Frühlinge erst reif geworden seyn würden, waren es hier bereits im September. Endlich kamen sogar noch Sommerfeigen des nächsten Jahres nach.

Nektarinen (Pfirsiche, die nicht vom Kerne gehen. Ueb.) Ein Kern einer Nektarine wurde im lezten Jäner in ein warmes Beet gelegt. Im folgenden Monate war er aufgegangen. Man brachte das Pflänzchen in das warme Haus, wo es den ganzen Sommer über wuchs, ohne im Mindesten in her hohen Temperatur zu vergeilen; sein Heiz war vielmehr kurz gegliedert, und es ist jezt mit Tragknospen bedekt, von welchen Hr. Knight, 16 Monate nach dem Keimen des Bäumchens, Früchte erwartet.

Pomeranzen und Limonien. Diesen Heiden Pflanzen, vorzüglich der lezteren Art, schien eine hohe Temperatur sehr zuträglich; denn Hr. Knight hält beide, so wie die in England sogenannte Shaddock und die Citrone, für bloße Abarten der sogenannten Lime, oder süßen Limonie. Eine im März aus dem Samen aufgegangene Pflanze war Ende Augusts mehr als 4 Fuß hoch, und verhältnißmäßig stark. Im folgenden April hatte ein Bäumchen der China-Pomeranze bereits eine kleine Frucht, die vollkommen ausreifte, und das Bäumchen sah sehr gesund aus.

Mango (Mangitera indica). Dieser Obstbaum hat ein sonderbares Naturell: als Einwohner des heißesten und hellsten Clima verträgt er die sengenden Winde Bengalens, und bleibt auch bei einer verhältnißmäßig niedrigen Temperatur und unter umwölktem Himmel gesund. Er blüht in Bengalen im Jäner und reift Ende Mays. Hr. Turner fand in seiner Reife nach Tibet die Mango unter 27° 50' N. B. in Boutan in einem Obstgarten |278| unter Aepfelbäumen, wo die Aepfel im Julius, die Mangos im September reifen. Ein anderer Reisender in Ost-Indien (Hr. Knight meint, es ist Hr. Barrow) erzählt einen Fall, wo der Frost der Gerste schadete, und an den Mango-Bäumen nichts als die Blüthen verwüstete. Die Mango-Bäumchen (welche Hr. Knight besizt) gingen im October 1818 aus Samen auf. Ihre Blätter erhielten während des Winters die ihnen eigene dunkel grüne Farbe, und waren noch im Frühlinge sehr gesund, obschon Hr. Knight damahls kein warmes Haus besaß. Im März machten sie den zweiten Trieb, obschon sie nie einer höheren Temperatur als 60° (F.; + 12,44 R.; Ueb.) ausgesezt waren, „und treiben jezt wieder“ sagt er „sehr stark, obschon sie seit 5 Wochen, ein paar helle Täge abgerechnet, selten eine Temperatur von 60° (F.) hatten.“ Das Wachsthum dieser Pflanze ist sonderbar: sie verlängert sich um ein paar Zoll, und schließt dann ihre Endknospe, als ob ihr Wachsthum für diesen Sommer vollendet wäre. Ein Mango Bäumchen bei ihm machte es neun Mahl so, ehe es 2 Fuß 7 Zoll hoch wurde. Hr. Knight ist der Meinung, daß man die Mango in unseren Treibhäusern in Ueberfluß und sehr gut ziehen kann, da sie sehr schnell reift.

Die Alligator- oder Avocado-Birne (Laurus Persea). Obschon in kleinen Töpfen gehalten, wuchsen diese Bäumchen mit lästiger Ueppigkeit: eines derselben, in einem etwas größeren Topfe, ist mehr als 6 Fuß hoch, und breitet seine Aeste 5 Fuß weit aus: sein Stamm, das Wachsthum eines einzigen Jahres, hat über der Wurzel mehr als einen Zoll im Durchmesser. Um Früchte von diesem Baume in einem Treibhause zu erhalten, wird man Augen oder Reiser von einem alten Baume pfropfen müssen.

Der Mammi-Baum (Mammea americana) vertrug, gegen alle Erwartung, als Einwohner von Jamaica durchaus keine Hize und keine Sonne. Bei 90° (F.; + 25,78 R.; Ueb.) mußte sein junges Laub immer beschattet werden. Wo man diese Vorsicht, bis die Blätter gehörig ausgereift waren, nicht vernachläßigte, gedieh er sehr gut.

Mehrere andere Pflanzen, zum Theile aus einem gemäßigten Clima, gediehen unter obiger hohen Temperatur in des Hrn. Präsidenten Treibhaus trefflich, und ohne im Mindesten zu leiden. Hr. Knight findet sich nach diesen Versuchen geneigt zu schließen „daß jedes Mahl, wo es sich darum handelt, einer Pflanze schnellen und kräftigen Wachsthum zu geben, eine sehr hohe Temperatur während des Sonnenlichtes mit großem Vortheile angewendet werden kann, vorausgesezt, daß die Gläser rein und gut sind, die Pflanzen dicht an denselben stehen, und reichlich Nahrung und Wasser bekommen.“ Die Nahrung gab Hr. Knight mittelst des Wassers auf die in den Horticultural-Transactions B. II. S. 127. (Polytechn. Journ. B. 10. S. 375.) angegebene Weise. (Aus den Transactions of the London Horticultural Society im Repertory of Arts, Manufactures and Agriculture. Februar 1824. S. 163. (Im Auszuge.)

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