Titel: Bemerkungen über ein Phänomen bei Erzeugung des Runkelrübenzukers, von Herrn. F. H. Descroizilles.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1824, Band 13, Nr. LVII./Miszelle 9 (S. 273–274)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj013/mi013057_9

Bemerkungen über ein Phänomen bei Erzeugung des Runkelrübenzukers, von Herrn. F. H. Descroizilles.

Man lies't in mehreren neueren Schriften über Runkelrübenzuker-Erzeugung, daß gegen das Ende der Abdampfung der Syrupe sich salpeteriges Gas aus denselben entwikelt. Sagen, daß dieses davon herrührt, daß die in frisch gedünktem Boden gezogenen Runkelrüben Salpeter enthalten, heißt, dieses Phänomen auf eine sehr unvollkommene Weise erklären. Man gebe, was immer für ein salpeterig-saueres Salz in die heiße Auflösung eines Zukerhältigen Extractes, und man wird dadurch nie salpeteriges Gas erhalten.

Vielleicht erklärt sich dieses Phänomen auf folgende Weise: Man wendet in mehreren Runkelrübenzuker-Fabriken lebendigen Kalk an, und hierauf Schwefelsäure; wahrscheinlich um den Kalk zu sättigen, nachdem er die verlangte Wirkung hervorgebracht hat. Wenn nun zufälliger Weise mehr Säure hinzukommt, als zur Sättigung des Kalkes nöthig ist, so ist es offenbar, daß diese freie Säure jede salpetersaure Verbindung in dem Syrup, vorzüglich aber salpetersauern Kalk zersezet, und daraus sich salpeteriges Gas entwikeln muß.

Daß hierdurch viel Zuker, den man aus dem Syrup erwartet, der Eigenschaften des salpeterigen Gases wegen, das so sehr auf denselben wirkt, zerstört werden muß, ist offenbar, und wahrscheinlich ist dieß eine der Ursachen des Mißlingens der Operation in so vielen Runkelrübenzuker-Fabriken. Es wäre daher sehr zu wünschen, daß man auf diesen Umstand die gehörige Rüksicht nehme.

Als ich als Schüler des Herrn d'Hilaire-Marie Rouelle, vor 50 Jahren, meinem Lehrer Runkelrübenzuker nach der Methode des Preussen Margraff bereiten half, rief dieser aus: „Nicht um 100 Franken möchte ich 1 Pfund Runkelrübenzuker bereiten.“ Als ich im Jahre 1779 in meinen Vorlesungen zu Rouen dieselbe Operation vornahm, wiederholte ich auch die Worte meines Lehrers, und doch hat man es jezt in einigen Fabriken so weit gebracht, daß man den Runkelrübenzuker so wohlfeil, als den amerikanischen liefern |274| kann104). Man muß also nie verzweifeln, mit der Zeit zu seinem Zweke zu gelangen; es wird uns gewiß mit dem Indig auch so ergehen, und man wird vielleicht noch die Färbehölzer in den südlichen Theilen Europens pflanzen. –“ Aus dem Mercure technologique. November 1823. S. 138. (Im Auszuge). –

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Eine interessante Beschreibung einer kleinen, mit einem Landgute verbundenen, und nur als Nebensache betriebenen Runkelrübenzukerfabrik, die dem geistreichen Hrn. de Beaujeau zu Viantais, Dpt. de l'Orne angehört, findet sich in der Beschreibung du Bocage Percheron im Mercure technologique. Decbr. 1823. p. 225.

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