Titel: Methode der Mad. Anna Morris, Seiden-Wollen- und Baumwollen-Waaren zu puzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1824, Band 13, Nr. LXXXIII./Miszelle 10 (S. 407–408)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj013/mi013083_10
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Methode der Mad. Anna Morris, Seiden-Wollen- und Baumwollen-Waaren zu puzen.

Die Society for the Encouragement of Arts gab der Mad. Morris, für diese ihre Erfindung, die in den Transactions Vol. 23. beschrieben ist, und die Hr. Gill im technical Repository N. 24. S. 396. mittheilt, schon vor 19 Jahren 15 Guineen. Dieses Verfahren besteht darin. Man nimmt rohe Erdäpfel, so wie sie aus der Erde kommen, und reibt sie auf einem Reibeisen über einem Gefäße mit reinem Wässer zu einem feinen Breie, seiht die Flüssigkeit durch ein grobes Sieb in ein anderes Gefäß mit reinem Wasser, läßt die Mischung stehen, bis die feinen weissen Theilchen (das Stärk-Mehl) alle zu Boden gefallen sind, gießt die schleimige Erdäpfel-Flüssigkeit von dem Stärkmehle ab, und bewahrt sie zum Gebrauche auf.

Der zu puzende Zeug wird auf einem Tische auf reine Leinwand gelegt, und mit einem reinen, in die Erdäpfel-Flüssigkeit getauchten Schwamme gehörig abgerieben und gepuzt, und das Reiben mit frisch eingetauchtem, nassen Schwamme so lang wiederholt, bis aller Schmuz los geworden ist, worauf man den Zeug in reinem Wasser auswascht, um den los gewordenen Schmuz vollends zu entfernen, und sodann troknet. Zwei Erdäpfel von mittlerer Größe reichen auf eine halbe Maß Wasser hin.

Die weisse Stärke, die sich bei Bereitung dieses schleimigen. Wassers zu Boden sezt, dient als Tapioca; gibt eine gesunde schmakhafte Nahrung mit Wasser oder mit Milch, und dient auch zu Starke und Haarpuder.

Der grobe Brei, der auf dem Siebe liegen bleibt, dient trefflich zum Puzen der wollnen und halbwollnen gröberen Stoffe, der Ueberzüge an Meubeln etc. und verdirbt ebensowenig die Farbe, als des obenerwähnte Erdäpfel-Schleim dieselbe an Seide- und Baumwollen-Waaren verdirbt. Leztere dient auch zum Puzen der Oehlgemählde, eingelegter Waaren etc. Auch angestrichene hölzerne Meubeln kann man, wenn sie schmuzig geworden sind, und mit einem in diese Flüssigkeit und dann leicht in reinen feinen Sand getauchten Schwamm überfahren werden, auf diese Weise reinigen.

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